Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 6 (1929)
- Issue
- 5 (5.1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Btcilaici 3ö> ifche» Vemeladrblakt Sic. 5 n Vllchbefprechaageii n W V> 11 e r König: „Die 3nfel des Verständnisses". Verlag der N^uen Gesellschüft, Berlin. Nach 'Hermann Bahr, Walter Blaem, Arno Holz, Walter v. 'JOtolo und Wilhelm v. Scholz hat nunmehr auch der christliche Dichter Weiter König — er leistet einleitend für,sich und seine Gattin den „Germayencid" — Stellung gegen den Judenhaß genommen. In dem kleinen, kaum 70 Leiten umfassenden Bändchen bekennt er sich zu den Gedanken des bekannten jüdischen Philosophen Constantin Brunner, daß der Judenhaß nicht als isolierte Erscheinung zu betrachten > sei, sondern als Sondetfall der unter asten Menschen und in allen Lebensverhältnissen zutage tresenden Selbstsucht angesehen werden inüsse, die mit Naturnotwendigkeit,zjden Wunsch erzeuge, selbst als „gut" zu erscheinen,, andere aber als „schlecht" zu kennzeichnen. Bon der Verbreitung dieses Wesens der Judengegner-. ichafl als einer der vielen Einzelerscheinungen des Menschenhasses üöerhaupt verspricht sich König eine erfolgreiche lleberwindung der volkis.-en Bewegung. Lo richtig nun diese Erkenntnis vom Wesen des Judenhasses als Jeindfeligkeik gegen Minderheiten überhaupt ist, so führt sie doch leicht zur Unterschätzung der politischmilienschaitlihen und agitatorischen KI. in arbeit. Dezn ist leider auch K. unterlegen. Wenn er mit Recht >en Judenhaß ihik dem Deutschenhaß in der Welt vergleicht, so zeigt gerrde dieses Beispiel,'daß auch hier neben theoretischer Erkenntnis die wissen, tchairlichr Erörterung etwa über die Lüge der Alleinschuld Deutschlands am Weltkrieg gehen muß. Unbeschadet dieser Einzelausstellung bl. ibt ui Bekenitniis wie dieses Königs erfreulich. Leider denken nicht alle so .„ix er: „Sage mir dein Urteil über den 'Judenhaß, und ich will dir mgen, wer «u bist." (3. 47.) L. K. i'r. >\: i n r i rti Weltmann: „Die Darstellung der jüdischen Relig on bei Flarjius Josephus." Verlag: M. ee H. Marcus, Breslau. Preis > Mark. Der ^eriaiier tritt mit dieser Arbeit würdig in die Traditionen seitses Haines: der Name seines Vaters Michael Guttniann hat heute in der» jüdischen Gelehrtenwelt eine beherrschende Stellung: lein Bru ier Ilerandcr Gumnaun ist bereits auch schon wissenschaftlich hcrvorgetrer». In. der vorliegenden Untersuchung, die von der philojöphisd cn ssakultat der Universität zu Gießen als Doklorarbeit angenomnicn wori en ist, beschäftigt sich der Verfasser zunächst mit der Stellung des jüdisd en Historikers telavius Joicphus zum jüdisch-religiösen Leben und zu des en mündlicher bzw. schriftlicher Tradition. Er zeigt dann weiter, wie wir die kultischen und ethischen Ai.gaben des Josephus zu würdigen haben und er jetzt sich hierbei im Einzelnen mit der Stellung des Josephus zum jüdischen Kultus und der jüdischen Weltanschauung seiner Zeit auseinander. Flavius Josephus hat ein ganzes Leben Hindurch dem Heiligtum des Tempels Achtung bewieset: wenn er es auch in seinem Alter nicht so hoch eingeschätzt hat, wie n seinen früheren Jahren. Am Schluß kommt Guttmann zu dem Re ultat, daß von einer wahrhaft religiösen Einstellung des Josephus kau n die Rede sein kann. Seine Angabe» über jüdische Religion sind nu: mit Vorsicht zu gebrauchen. Die außerordentlich fleiß ge und sorgsam ausgebaute Untersuchung erhellt so ein Kapitel jüdischer Geschichte, das von wesentlichem allgemeinen Interesse ist — handelt es sich ja um die Zeit der Entstehung des Christentums — und das doch nur in wirklich wissenschaftlicher Be-- arbeitung und nicht in bell üristischer Darstellung weitere Resultate verspricht. Die streng methodische Schulung des jungen Verfassers läßt von ibm auch für die Zukunft noch.wesentliche Arbeiten erhofscn. W. C. Dscar A. H. Schmilz: „Wespennester", Zweite ,Talge. (Musarion- Verlag, München.! Das Buch enthält zwei geistreich und fesselnd geschriebene sozio :-gische Studien: „Die Einordnstng des Sozialismus in sie abendländische .uitur" und „Die Einordnung! der Juden in die abendländische Kultur", von denen hier besonders die izweite interessiert. Ihre Erörterungen so ernst und eingehend zu besprechen, wie fi * es verdienen, würde ein »genes Buch verlangen. Hier sei in .Kürze nur folgendes gesagt: Dgr Verfasser ist frei vom marktgängigen Judenhasie und wird der unver gänglichen Bedeutung der Bibel durchaus gerecht. Aber wenn auch er in den heutigen Juden ein „zersetzendes Element" sieht und „jene len dcnziös-gehässige Kritik, die heute unser öffentliches Leben vergiftet", dein Judentum zur Last legt, begebt er das Unrecht der Verallgemeinerung, das wir so bitter empfinden, gsiiau io, wie wenn er die leider Verhältnis mäßig grcße Zahl von Juden! unter den Radikalsten der Revolutionäre dein Judentum zur Last legt. In Wirklichkeit hat das Judentum weder rassisch, noch religiös mit dein Kommunismus und dem Bolschowisnms lwas zu schaffen. Die Untugenden und Fehler, die den heutigen Juden vorgeworsen werden, sind ihnen durch jahrhundertelange Mißhandlung, gesellschaftliche, körperliche und seelische, ancrzogen worden. Ihre allniähliche Ablegung wird duich strenge «clbsterzichung erfolgen müssen und wirksamer zur „Einordnuiig in die Kultur des Abendlandes" führen, als die vom Beriasfcr befürwortete Kindertaufe, die'— was der Verfasse, offenbar übersieht — in der Kpnscgucnz zum Selbstmord des Judentums führen müßte. Diesen Rat müssen wir ablehne», und diesen Weg werden wir nicht gehen. , Gi. I ©flsche Äusstoftunsen I Regina jjaer I Hohenzollernstraße 48. TVLfon sssss Kein* Latienspeaen« daher «ehr billige Preist 3>jährige Titlet bti final Steil 1 R&l wdn (Holen Richard Waldsdimidt Kraftwagen ombB Sammel-Nr. 54657 Breslau, Gartenstr. 80 Vertretungen: Adler Opel Hansa Lloyd * . 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