Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 12 (12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer Jüdisches Gemeindeblalt Amtliches Blatt der e zu Breslau «chrtftleitung: Derwaltungsbtretfor 0r. Rechnitz, Breslau, WalMratze 9 I Druck und Anzelgen-Annahche: Druckerei Th. Schatzh, MvmgefeNschast, Verlag: Büro der Svnagogengemeinde. Breslau.WaIls»r.S/Tel.2lSll/12 I Breslau 5, Reue Srauprnflratze Rr. 7 / Femstrrecher 244ÜS u. 244dy 21»»»>grnvrrt«l Die I gef*. mmttR-Mli öfter Seren Saum 16 Ofg. — Sei laufenden f&uftrOgen Sabait. ■■■MHeeiwiKWMUHmiiHiuiiumiiiiiiiiiiHiiiiiiuiuiuumniiiHHUuuiiinumBuimmuiiuMUMWiiwwiiiiiHaiuiHiiioHKwmiumuiHitMWMUiiuiwtHiinHmHUMiiMiiweHuiHHtttiuewui^tHWHMWiMUMmMmiiiuaiaiiiiuiiiiiuiiieiuHiiiiiiuiiiniiiuiuwtwiimaMi Alle die unter dem Stamm des Versagers erschetnmdrn Artilel und die Dereinsnachrichtm Übernehmen wir nur die pregegesetzNche DerantwoetunG 3. Iahrg. Dezember 1928 Nr. 12 Zur Beachtung i Redaktionsschluß für die Januar-Nummer, die als Festnummer für den auf den 20. Januar 1929 fallenden 70. Geburtstag von Geheimrat Goldfeld gedacht ist, ist am 10. Januar 1929. Die Einsender von Manuskripten werden gebeten, hierauf Rücksicht zu nehmen. I, Die Schriftleitung. arm daran. Aber wir Juden arbeiten ja nicht für Lohn; wir arbeiten „lischmoh", unt der- Sache willen, aus Liebe zur Pflicht. Und so wollen chie die Treue weiter als heiliges Erbe pflegen, die Treue zu uiis selbst, zu unserem Geistesörbe, und auch die Treue zur Menschheit, zu den Völkern, denen! wir uns eng verknüpft fühlen —i wollen stolz darauf fein, dciß unsere geschichtliche Aufgabe nus: durch Treue zu lösen ist! e u e Betrachtung zu den letzten Schriftoibschnitten des 1. Buches Mofe ' von Robb. Sintonfohn. den Vätern geschehen, bleibt ein Wahrzeichen für die Kinder." Wenn wir Schicksal und Aufgabe der Juden in den Jahrtausenden der Diaspora begreifen wollen, so brauchen wir nur das Schicksal und die Leistung Josefs zu betrachten, von dem die Thora in den Schlußkapiteln ihres ersten Buches berichtet. Pon dem Jünglinge erzählt sie uns, der fern vom Daterhause dennoch mit bewundernswerter Treue und Standhaftigkeit an den Anschauungen ünd Sitten des Vaterhauses festhielt und diese Anschauungen und Sitten derart auf seine Kinder zu vererben wußte, die doch, in Aegypten geboren und erzogen, sein Heimatland nicht vor Augen gesehen hatten, daß er später seinem greisen Vater die Enkes als Fleisch von seinem Fleische nicht nur, sondern auch;als Geist von seinem Geiste weisen durfte. Und genau die gleiche Fähigkeit haben wir Juden bekundet. Fern von unserem Lande, unseres Heiligtums beraubt, haben wir so gelebt, haben Eltern ihre Kinder so erzogen, als ob sie noch im Lande der Väter weilten, als ob der Tempel des Herrn auf Moria noch bestünde. — Doch noch eine andere Treue hat das jüdische Volk von Josef ererbt. Josef hat es als feine Aufgabe betrachtet, dem Lande und dem Volke, das ihn ausgenommen, seine Kräfte zu weihen; er hat diesem Lande und diesem Volke über die schwersten Zeiten hinweggeholfen und sich die denkbar größten Verdienste um! das große, mächtige und kulturell so hochstehende ägyptische Volk erworben, in dem doch keiner sich den Notwendigkeiten der ungewöhnlichen Zeitverhältnisse so gewachsen zeigte, wie Josef, der hebräische Jüngling. Und haben nicht wir Juden immer und überall mit der gleichen Hingabe, und nicht selten mit ähnlichem Erfolge dem Lande gedient, das uns zur Heimat geworden war? Haben wir nicht überall dort, wo man uns nur einigermaßen menschlich behandelte, uns dem Lande und dem Volke, in dessen Mitte wir uns niedergelassen hatten, auf Gedeih und Verderb zugehörig gefühlt? Und für solche Treue haben wir meistens noch geringeren Lohn erfahren als Josef, der wenigstens, so lange er lebte, sich hoher Ehren erfreuen durfte, wenn ihn auch schon das nächste Geschlecht derer, denen er Gutes erwiesen, zu vergeffen süchte; wie mancher Jude hat schon bei Lebzeiten den Undank spüren müssen, der ja als der Welten Lohn gilt und der ganz besonders unser Lohn gewesen ist! Beispiele für diese Wahrheit bietet die Geschichte in hinreichender Zahl dar, und gerade die jüngste Zeit ist gewiß nicht Ge^eimrat Gol-feld. der Vorsitzende des Genieinde-Vorstandes, feiert Son itag, den 20. Januar 1929, seinen! 70. Geburtstag. , Auf Anregung der Gemeinde-Körperschaften fandet an diesem Tage von mittags 12 Uhr ab im Sitzungssaal; des Gemeindehauses, Wallftrüßs 9, ein Gratulationsempfang statt. Gemeinüegesang Der jüdische Gottest ienst hatte immer einen Gesichtspunkt in den Vordergrund gerückt: die Beter tätig herantzuziehen, namentlich bei dem Teil^ des Gottesdienstes, der in der altep Zeit den Kernpunkt der AndachtsübuNg darstellte: f bei der Thoravorlesung. Da würden die Andächtigen anfgeisufen, sie traten vor, sprachenHen Segensspruch und trugen einst wohl selbst , noch den Thoraat schnitt vor nach den alten »infachen Weisen, die nach der Ansicht mancher Autoren nicht vi:l jünger sein sollen, als die Thira selbst. Und diese-durch Punkte, Striche und Häkchen!da ^gestellten sogenannten Akzente, diese melodischen Wendungen, sind auch auf das Gebet übergegangen, wie A. Friedmann auseinanderzusetzen gesucht tat. Die Harmonien dieser alten Gebete waren denkbar einlach und konnten daher auch von der ganzen Gemeinde mit;esungen werden. Schon König David ließ seine Lieder vom V ilke auswendig lernen und benits zu seinen Lebzeiten waren viele seiner Psalmen als allge neine Volkslieder in eines I, den Gedächtnis und wurden an Festen, Sabbathen und auch an jedem Tage im Tempel zum Vortrag gebracht. Mit der Zerstörüng von Jerusalem beginnt „i>as kupferne Zeitalter" für die gottesdienstliche Musik (Schnei >er). Mit der Thora, den Propheten und den Psalmen in der Hand traten die Juden die Wanderschaft über den Erdenrund an und verbreiteten nicht o klein die Gesetze Gottes, sondern üuch die ergreifenden Melodien und Nationalgesänge, die sie! im Tempel von Jerusalem gehört. hatten. Mit der Formulierung der Gebete, ohne die ein gemeinschaftlicher Gottesdienstnicht mehr möglich gewesen wäre, nahm auch der Gesang immef: größeren Umfang an. Man legte Gewicht auf einen schönem Vortrag, auf eine angenehme Stimme des Dorbeters, der den llsiittelpunkt des jüdischen Gottesdienstes darstellte. Aber die Gemeinde betete in regellosem vielstimmigen Durcheinander, und bei der jüdischen Neigung zu Extremen,