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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1928-11-01 · 11 (11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
5 (1928)
Issue
11 (11.1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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Nr. 11 Breslauer Jüdischer G e m e i n d e b la t k - amten < Kreismbbilier in Prag, stellt seinem Wissen und Charakterim Jahre 1845 ein glänzendes Zeugnis aus, und die zahlreichen Anfragen/) die aus den verschiedensten Städten und Ländern an ihn ergingen, bestätigen es; er war zu Hause in der Bibel,, im Talmud und in den Entscheidungsschriften! Er war ferner ein streng orthodoxer, sehr kluger und im Grunde seines Herzens friedliebender Mann, uiid daher ist so manches zu verstehen, was in einem bestimmten Kreise ihm als Schwäche ausgelegt und verübelt wurde. Keineswegs aber trifft jene Schilderung zu, die auch in unserem Gemeinde-Blatt vom 8. April 1927 von ihm und seinem Wissen gegeben wird, wohl aber die Notiz") in der „Schlesischen Volkszeitung" vom 8. August 188*> iNr. 357) und ganz besonders der Nachruf, welchen nach seinem Hinscheiden der Vorstand und die Repräsentanten ihm gewidmet haben, und welcher lautet:-„Im Sinne und Geiste seiner beiden Vorgänger im hiesigen Rabbinate, seines frommen Vaters, dem die Gemeinde ein pietätvolles Andenken bewahrt, seines Großvaters, dessen wissenschaftliche Arbeiten weit über die Grenzen unserer Provinz Anerkennung gefunden, hat er 43 Jahre lang als Rabbiner in der hiesigen Gemeinde gewirkt. Seine hervorragende Begabung, seine große Gelehrsamkeit und seine unerschütterliche Ueberzeugungstreue haben in allen Kreisen unserer Glaubensgenossen vqllste Würdigung erfahren. Das neue Organisations-Statut der hiesigen Synagogen-Geineinde ist von ihm treu erfüllt und hierdurch der Frieden in unserer Gemeinde wesentlich gefördert worden. Wir betrauern lief den Verlust eines Mannes, mit dem uns ungetrübte, freundliche Beziehungen verbunden haben." — Da R. Gedalje Tiktin sich letztwillig jede Trauerrede verbeten hatte, fand nach Ileberführung der Leiche vom Sterbehause (Nikolai-Stadtgraben 15) nach der Storch-Synagoge, in dieser nur eine kurze und schlichte Trauerfeier statt; ober im. nächsten Jahre, am 28. Juli (7. Ab) 1887, wurde sowohl im Gotteshause als auch auf dem Friedhofe (Lohestraße) eine Gedächtnisfeier veranstaltet, bei welcher der frühere Rybniker Rabbiner Dr. Daniel Fraerskel"), der den erkrankten Tiktin schon vertreten hatte, die Rede hielt. Pflanzendiebstähle auf Friedhof Cosel. In der Nacht zum 18. Oktober 1928 hausten Pflanzendiebe ganz vandalisch sowohl in der Baumschule unseres Friedhofes in Cosel als auch auf Erbbegräbnissen innerhalb des , Friedhofes selbst. Eine große Anzahl von Lsbensbäumen wurde abgeschnitten und 20jährige Buxushecken derart ruiniert, daß sie ausgerodet werden mußten. Der Schaden ist recht erheblich. Durch die Wachsamkeit des Friedhofpersonals gelang es zwei Tage später mit Hilfe der herbeigeholten Polizei, die Täter zu stellen; sie befinden sich in Strafverfolgung und haben sicherlich recht empfindliche Strafen zu gewärtigen, da sie sich nicht nur des Diebstahls, sondern auch der Grabschändung schuldig gemacht haben. > P. Das 20 jährige Jubiläum der Ortsgruppe Breslau -es jüdischen Zrauenbunües begann am 2t. Oktober 1928 mit einer eindrucksvollen Feier im dich! vejetzlen Konzerlhaussaale. Nach einem Festgescnrg des Chores Pewny begrüßte die Ortsgruppenvorsitzende. Frau Prof, fluttmann, die erschienenen Vertreter der Behörden, der hiesigen Fräuenvereinigungen, der Jüd. Frauenbünde des In- und Auslandes und der sonstigen jüd. Korporationen, entwarf einen kurzen Rückblick und Ausblick der Arbeit der Ortsgruppe und schloß mit der Hoffnung aus weitere Entwicklung des Bundes. Den großen, allzugroßen Reigen der Begrüßungsansprachen erüssnete Gem.-Rabb. Dr. B o g c l st e i n mit einer Dar- :) Tiktin'sche Nachlaßakten (Gem.-Archiv). "i In dieser heißt cs: „Herr Tiktin war eine hochachtbare Persönlichkeit, die nicht bloß bei ihren Glaubensgenossen eine seltene Verehrung und ein weit über das Gewöhnliche hinausreichendes Ansehen genoß, sondern auch bei den Andersgläubigen sich der allseitigsten Sympathien erfreute. Herr T. verdiente die Achtung der Juden wie der Christen in vollstem Maße." ") Geboren 1821 in Sohrau und gestorben in Breslau am 11. Nissan 1890, war ein Schüler Diesterwegs und der Schwiegersohn des in Anm. ti erwähnten Rabbi Elchanan Rosenstein. legung der Festfreude im jüd Sinne, die. von Wohltun und Pachstenliebe ausstrahlt. Dann spraq Frau Bre n n eu:-Leipzig namens des Bundesvorstandes unter Hervorhebung, daß die hiesige Ortsgruppe stets richtigen Stelle gehabt habe, insbeforders an der Spitze die taktvolle unisichtigo Vorsitzende; Frau Prof. Guttmann, und als treibende Kraft die Porkhmpferin der jüdischen Frauen, Frau f ‘ ‘ Goldfeld namens der Körperjchc isten 0er hiesigen Synagogengemeinte, unter Uebesreichung eines Festgeschenkes von 1000 Mark; Frau Stadtverordnete Z i l s>-E ck st e i n als Lertreterin des Oberbürgermeisters uuü des städtischen -Wohlsahrtsarites. Gem.-Rabb. Dr. H o f f m a n n für die Rabbiner, ausgehend voir dem Spruch „Eine kluge Frau bcjut das Haus" und ausklirzgend in einen Weckruf nach Mitgliedern, damit der. Frauenbund seine segensr nche Tätigkeit ausdehnen könne,'Frau B oga t sch für dest evang. Fraaenbund, Frau Awe für den SchlesischenFrauenoerbänd tind seine 50 Vereine, Frl. Schreiber für >'den Stadtb'und Breslauer Frauen, Fraia H o s s m a n n für den Hausfräueubund, mit besonderem Dank an die jüd. Mitarbeiterinnen, Frau Mal!ach'owsky und Frau Stadtrat M a rck, Frau A n g r e ß - Beuthen Oj-S. für den jüdischen Frauenbund Ober- , schlesien. Dann hielt Frgu Stadtverordnete Paula D l l e n d o t f f, stürmisch begrüßt, ihre dreio ertelstijndige Festrede, .aufgebaut auf der, fünf Zielen, die in dem Namen iJüdischer Frauenbund, Orts"rr ppe Breslau liegen. Jüdisch he ßt- „Gott zu dienen in seinen Gescböpfen", also allen Mensck)en ohne lnterschied des Standes und der Religion, und „in Demut zu wandelnf, sich nicht philiströs abzusondern, sonicern sich verantwortlich zu fühlen für die Gemeinschaft, die Mitmenschen und ihr Schicksal. Als Frauest tätigj zu sein, mit dem immer staken Berechtigungsgesühl des unstetblichen Multertums, mit dem Blick auf die, \ die nach uns kommen; als Bund unter Zusammenfassung aller Richtungen zu einem gewaltigen Stroi'n hilfstätigen Menschentums und Heranziehung der Jugend, die n argen ist, was wir heut find; als Orts» ' gruppe untergeordnet bei Gesaintorganisation, gewissermaßen [ein Glied des Körpers, und a s treue Bürgerinnen unserer. Vaterstadt ~ Breslau, der wir so große Söhne wie Abraham Geiger, Heinricb Graetz, Ferdinand Lassalle, Ferdinand Cohn u. a. geschenkt haben. Darauf wurden zahlreiche Lichtbiber au» dem Tätigkeitsbereich! des Frauenbundes gezeigt, erläutert vo > Frau. Emmi - B o g e l st e i n. Trotz« der vorgeschrittenen Zeit und der zunehmenden Ungeduld der Zuhörerschaft wurden weitere Ansprachen g halten, und zwar.von Rabb. Dr. Simonsohn, ausklingend in ein Hoch auf die Ortsgruppe Breslau, R[-A. Dr. T a r n-o w s k y für den Breslcjuer Logenverbayd, unter launiger Auslegung des Segensspruchcs, daß Gott uns.zu Männern gemachk^nai. Frau G a l l a n d für den Riederschlefischen Distrikt der Schwester- , Vereinigungen im Orden Bne Brith, Frau Perl für den Schwesternbund 1 der Gesellschaft Eintracht und , iner ungarischen DakNe syr die ausländischen Delegierten. 'Darauf begam endlich das langersehnte Festspiel „Der Spiegel der Helena" vo» Rechtsanwalt Dr. Georg Tarnowski, das man , lesen, sehen und hören mußt ausgejsthrt von hervorragenden Gesangs-, Sprach- und Tanzkünstlerinnen, eingeleitet von einem kleinen Orchester geschätzter Liebhaber-Musiker. Manch geistreicher Klapphornvers wurde tauf offener Szene bejubelt, i er Verfasser zum Schluß stürmisch geri f«N ' und gefeiert. — Die beiden nächsten Taue waren ernsteö Arbeit gewidmet; biin die recht späten Abendstunden dehnjeii sich die Beratungen einze ner Ausschüsse aus. Wir hoffen) über einzelne Beratuygsgegenstände aon allgemeinem Interesse aüs berufener Feder demnächst 'Aufsätze bringen zu können. .1; ‘ ' >■»; Oie Eröffnung üer dreien jüdischen Volkshochschule am 28. Oktober 1928 war em großer Tag für die wissenschaftlich interessierten Kreise der Gemeindt. Der Vorsitzende, Dozem Dr. Lewkmntz, erteilte nach einer kurzen Begrüßungsansprache mit (dein Hinweis, laß die Volkshochschule bereits neun Jahrs daran arbeite, den Wog des Juden in der Welt zu zeigen, dar Wort betjr Schriftsteller Arnold Zweig- Bcrlin zu seinem Vorträge: „Der Roman und'die-Aufgabe der Kustst". Der Vortragende lehnt es «b, die! Kunst . alz Vorspann -; für Weltanschauungs- und sonstige Gisinmingsprvpaganda zu benutzen (wie z.'B. in Rußland), wohl aber sei cst Sinn usid Aufgabe der Kunst, auf der Erde vcrnünstigere Einrichtungen >u schaffet! (gegenüber der sonst herrschenden Regulierung durch Naturtriebe), und-die erkenntmsresche Durchgeftaltuug der menschlichen Geinsiiischas zu ivrdtrn. Deshalb schildere der Künstler den Zustand von Gesellschailsgruppen. die Eiuzelschjcksale (Romeo ind Julia, König Lear, Hamlet) seien nuir Mittel zum-Zweck, was oft >on -den Regisseuren nicht genüg«nd beachtet wird.- T Peim Roman habe de: Künstler den Vorteil, söhne Zwischeng ied zu wirken, und zwar-auf die Masse, nicht bloß aus bestimmte Gesellscha tsgruppen, wie Oper und. Konödie. Dgrin^ähnest er dem Film, über >en der Redner hierbei einige geistreiche 'klnmerkungln hinsichtlich der Grenzen künstlerischen Ausdrucks und ^Wirken»-machte, 'klllerdings wirke der Roman zunächst, auch n ir auf ejne geistige-Eli», dann aber durch seinen sich Bahn brechende! Gedankengang bei vollendeter, Kunstsorm (Meisterroman) aus die drei en Schichten. Er muß-hoher die Gefühle, die in der Masse schluinnieri, erwecken, >a sogar erst schassen, wie z. B. das Gefühl für die Landschc ft-(Petrarca), das Gebirge (Rousseau), den Winter (Klopstock, Goethe), u td ihre inneren Bewegungen aufdecken. Im modernen Leben ist die „V> rwirrung-der LxbeNsmomente" die hervorragendste Erscheinung. Die e und. nicht das-Geschehnis ,Frieg". Üasnur Mittel zum Zweck sei, l ehandelt.sein „Sergtasit Grischa". Er enrhalte eine 'Anzahl jüdischer Kestaltem aber, wie der jVortragende nach-.

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