Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 10 (10.1928)
- Date
- 1928-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Breslauer k. Amtliches Blatt der Synagogengemelrjd vchrlstleitung: Verwaltung«direNor vr. Rechnitz, Breslau. Wallstratze 9 I Drpck und Anzeigen-: Verlag: Büro der «gnagogengemetnde. Breslau, Walistr.y / Tel. 21611/12 I .BrvSlau 3. Reue lSraupeüstrcche 3IniilgntRtts Bl« 6 g«N>. MmiM-SriK Mt drrrn 3tann 10 OfO. — 3M laufend« i An tri zu Breslau Druckerei Th. Schatzkg Miiengefel fchafi Ar. 7 / Fernsprecher 24468 u.: Sgtn gtaMl. 24469 Für die unter dem Rainen de« Verfasser« erscheinenden Artikel und die BeretnSnachrichten obernehm, n tr lr nur die presse^esetzNche Berantw, ,3m» 5. Sabrg. Oftober 1928 " 4 311.10 Die Stammütter Nach altem jüdischem Brauch legt, am Eingang des Sabbaths und der Feste und sonst bei ernstem und freudigem Anlaß der Vater seiner Tochter segnend die Hände auf das Haupt: „Gott lasse dich werden wie Sara, Rebekka, Rahel und Lea." Gegenwart und Zukunft wird so an die Vergangenheit geknüpft, das Andenken der Stammütter, von denen in diesen Wochen die Thoravorlesung erzählt, lebendig gehalten. Tie Heilige Schrift berichtet nur wenige einzelne Züge von ihnen. Aber die jüdische Nebcrlieferung hält ihr Bild in leuchtender Klarheit fest. Niemals werden sie einzeln genannt. Darum treten Fehler iund Schwächen, die die Heilige Schrift hier wie sonst keineswegs verschweigt, zurück. Die vier Stammütter in ihrer Gesamtheit verkörpern das Frauenideal des Judentums, Reinheit und Hoheit des Waltens im Hause, Innigkeit der Liebe zu Gatten und Kindern, Schlichtheit, echte Gottesfurcht und hilfreiche Menschenliebe. In allem Wechsel der Zeiten war es der Stolz der jüdischen Frau, den Stammüttern gleich zu werden. Immer wieder klang in den Häusern das Preislied des biblischen Spruchbuchs. Aus aller Not der Jahrhunderte, aus allem unsäglichen Leid und allen seelischen Qualen, die man unfern Vorfahren auferlcgt hat, ist uns das Haus in seiner Reinheit und Hoheit.bis in die Gegenwart gerettet worden. Die Gechichte berichtet freilich nur ganz vereinzelt von den Leistungen der Frauen. Aber wer die jüdische Geschichte überschaut, der muß mit dankbarer Bewunderung den großen Anteil der jüdischen Frau an der Erhaltung des Judentums, an der Bewahrung geistigen LebSnsj anerkennen. Unendlich viel tilles Heldentum, viel selbstlose, bescheidene Arbeit der Frauen deutet die Geschichte mehr an, als daß sie davon erzählt. Wie viele Frauen haben die Sorge für den Unterhalt der Familie ganz oder teilweise auf sich genommen, um dem Manne die Möglichkeit zu geben, im religiösen Schrifttum zu forschen! Viel, früher, als es allgemein der Fall war, ind viele jüdische Frauen im Erwerbsleben tätig gewesen, ohne tzgß das Haus oder die Erziehung der Kinder darunter litt.! Die letzten Jahrzehnte haben unser Leben von Grund hus umgestaltet. Unweise wäre' es, wie Koheleth Nut Recht lagt, zu klagen, daß die Vergangenheit besser gewesen sei, und diese Vergangenheit zurückzuwünschen. Wer die Zeit nicht nimmt, wie sie ist, und das Gute aus ihr ergreift und entickelt, den straft die Zeit. In ganz anderem Maße als früher ind die Frauen in das wirtschaftliche und in das öffentliche eben hereingezogen. Die Berufsarbeit jeder Frau, die icht ihr eignes Haus zu führen hat, — und oft auch dieser — st etwas Selbstverständliches geworden. Auf dem Gebiete geistiger Bildung und des öffentlichen Lebens haben die Frauen sich die Gleichberechtigung errungen. . Und es ist von ganz besonderer Bedeutung, daß überall weibliches Empfinden und weibliche Anschauung des Lebens. $ur Geltung kommt. Freilich besteht die Gefahr,! daß den Frauen selbst in dieser manches verloren gehjt. *der auf die Stammüt inhaltreich. An unser unsere Zeit. Bedenk iche yercnderten Welt von diesem Zartesten Jener alte jüdische Segensspruch, er kinweist, ist darum heute besonders' n Familienleben rüttelt gefahrdrohend wartslebens sehen wir auch in manchen Kreisen jüdischen Frauenwelt große und glänzende im letzten halben Jsi Arbeit. Sie haben es soziale Frauenarbeit naniLntlich in unseren großen Stödten Ein l erzli hes Willkommen se; J> und nur die rufen wir den jüdisch!' 21.—23. Oktober 19! stehens der Breslaues: versammeln werden stille, aufopfernde, bund in diesen 20 reichen Kriegszeit hat. Was wäre unser können naturgemäß Arbeit bewältigen, der Beistand von-'Ml leisten ausschließlich diesem gottgefälligen zusammengeschlossen eifernmit nicht gerind der Provinzen Niedess Vertreter hoffentlich um im gegenseitigen sich zu immer erfolgr spornen. Aber auch Deutschlands sollen angesichts der furchtkia Ar Verfallserscheinungen des Gegen des Judentums-, auch in uhsdrer Aber so ernst diese Dinge sind! so wenig darf man sie als Maßstab für jüdisches Frauenleben der Gegenwart ansehsn. Vielmehr steht dem gegenüber die Leistung der jüdischen Frauen gerade hrhimdert auf dem Gebiete sozialer verbanden, sich in die große allgemeine ieinzi gliedern, uüd sind zum TeA auf diesem Gebiete führe id. Und die leidenden Gesichtspünkte haben sie wiederum ip der Arbeit innerhalb des Judentums Ten schweren Schäden der Gegenwart cln sozialer Arbeit entgegen und wissen, daß alle soziale Arb nt letzten Endes Erziehungsarbeit ist, und daß die Aufgabe »er Errietiiirin in erster Reiße Iteriskren zufällt. gruüpe des Jüdischen Frauenbundes zehn ie jüdischer Frauenarbeit Zurück. Vorstand und Delegurte tes Bundes aus ganz Deutschland treten in unserer Gemeinde zusammen, um die großen Fragen chen Lebens zu erörtern^ Ueber! Festfeier und sachlicher Beratu ig mag das Bild der StamnMter stehen, die „das Hauss Israel aufgebaut haben." V o g e l st e n. n Flauen zu, die sich in Breslau vom aus Anlaß des zwanzigjähriges Be- Ortßgruppc des Jüd. Frauenbundes Niemand weiß besser, als wir, welche ensreiche Tätigkeit, der-Jüd. Frauenhren und insbesondere in der tränendes schweren Nachkriegszeit geleistet Wohlfahrtsamt ohne diese Hilfe?! Wir d e organisatorische Und finanzielle letzte Ausführung werktätiger, Hilfe, qnsch ah Mensch, von' Herz zu Herz, sie die jüdischen Frauen, die sich zu Werk in den jüdischen Frauenvesteinen jaden. Dem Breslauer Jubelperein erem Opfermut alle jüd. Frauenbünde chlesi en und Oberschlesien'nach, deren zahlreich sich hier einfinden werden, stau ch der Erfahrungen und Leistungen -icheri r Arbeit zu befähigen und anzüi>ie Delegierten aus den übrigen feilen sphen und fühlen, daß unsere Frauen ren wirtschaftlichen und sozialen Not recht