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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1928-09-01 · 9 (9.1928) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
5 (1928)
Issue
9 (9.1928)
Date
1928-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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! Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau SchUftlUtung: Derwawmgsvtrektor vr. StaJWfc, Breslau, WaWnche 9 I Zhud und Vertag: Büro der Cynagogmgemdn&e, VMtau, Wallftr-S / ZcL3l6ii/l3 | Breslau 3, Neue OhittiatntKtWi st* A ad». dA*t bnen Jtaam tt Me. — 3M liwfrnfirn »: Vriutnci Th. Schatzkg Mleagefellsä Nr. 7 / Fernsprecher 24468 u.: Hgtn Ttabatt. j gvr dt» unter dem Namen des Verkäster« erscheinenden Artikel und die DerelnSnachrichten übernehmen wir nur die prSstegefrtzllche Den s. äaftro. Qepfeti&er 1928 Hum Hüttenfeste Betrachtung von Gemeinderobbiner Dr. M. Hoffman n. Innerer Hochmut ist der schlimmste Feind aller Religion. „Der Frevler in seinem Hochmut fragt nach nichts. Es gibt keinen Gott, sind alle seine Gedanken." „Meine Kraft und meiner Hände Stärke hat mir all diese Macht geschafft", ist von alter Zeit her sein Lebensruf. Demut ist des Religiösen tiefster Kern. Demütig gar sehr vor allen Menschen auf dem Erdboden war der erste große Meister in Israel. Den Demütigen gehört das Land und die Zukunft, singt der Psalmensänger. Demut predigt das Hüttenfest. Verlasse dein festes Haus und vertraue nicht auf den starken Bau deiner eigenen Hand! Sieh im Symbol der schwanken Hütte dein Leben, fühle dich nur geborgen durch die lichten Wolken göttlicher Herrlichkeit, ruft es uns zu. Darum-traf uns der Zusammenbruch unseres Landes und unseres Eigentums so schwer, weil wir zu sehr auf unsere eigene Kraft gebaut. Hatte diese versagt, so gab es keinen Halt mehr, fühlten wir uns rettungslos verloren. ' > Und nun haben wir keinen festen Bau mehr. Unser ganzes Lehen ist zur Hütte geworden, unsicher und schwankend. Tg hätte eigentlich das Hüttensymbol seine Erfüllung gesundes. Gar viele denken aber: Wenn wir nur Hütten bauen können, darauf ist kein Verlaß. So bauen wir gar nicht mehr. Unselig und einsam gehen die Menschen durchs Leben, haben nicht mehr den Mut zum Aufbau und zur Familiengründung. Gar selten hört man die Stimme des Bräutigams und die Stimm!? der Braut. Verstummt ist das muntere Lachen der Kinder in dem einst so kinderreichen Israel. Man vergaß, daß noch eine andere Deutung hat das Hüttensymbol. Es ruft uns auf zu Mut und Gottvertrauen. Selbst in der dürren, fruchtlosen Wüste ließ ein gütiger Gott sein Volk in Hütten wohnen. Schön waren dawals die Zelte Jakobs und die Wohnungen Israels, die Frauen waltend im JllAern des Hauses, die Kinder wie Oelranken um den Tisch. Schöpfet heiliges Gottvertrauen aus den alten Quellen! Bauet gottgeweihte jüdische Häuser und zaget nicht, wenn sie eurem Menschenauge schwankend wie Hütten erscheinen. Gottes Auge wacht über ihnen. Und wenn doch viele sich zu schwach fühlen zum Bau und wenn die Mittel fehlen, um auch nur den Grundstein zu legen, so erwache in uns der alte.Geist jüdischer Brüderlichkeit. Ist doch Brüderlichkeit der dritte große Gedanke, den da8 Symbol der Hütte trägt. Weit schlug an diesem Fest das Herz des alten Israel. Es betete und opferte an ihm für alle Völker der Welt. Schlechte Brüderlichkeit aber wLü» es, die sich Nicht auch auf die engeren Brüdeh erstreckte, ihnK» nicht befände beim Bau der Lebenshüttd, bei der Gründrtug eine- Familie. Galt >das nicht von altersher al? höchste Pflicht in unseren Gemeinden, deren Erfüllung irdische Befriedigung gewlchrte und Ewigkeitswerte schuf? Das alte Gebot komme heute wieder zu Ehren. Ein jeder, der selbst im Hüttenglücke sich freuet des heilsgen Festes, helfe auch dem Bruder zur gleichen Freude.. Zwanzig Zahre jüdische Zrauenbundsarbeit in Brcfljfaa Jüdische Frauen Br:slaus rüsten sich zum Empfang lieber Gäste, die sie aus allen Teilen Deutschlands-erwarten. Äuch das Ausland entsendet seine Vertreterinnen zu der Tagung, die anläßlich des zwanzigjährigen Jubiläums der Bresläuer Ortsgruppe des I. F. B vom 21. bis 23. Oktober in Breslau stattfinden wird. In s emeinschaftli her Arbeit sollen dabei theoretische und praktiscke Fragen eines der wichtigsten Probleme unserer Zeit erörte ct werden: der s o z i al e n Frauenarbeit. Für jüdisches Sein kein neues Problem. Dem Idealbild der jüdischen Frau war Hilfe für die-Armen, hingebendes Wirken für den Leidend«n sowohl inneres Gebot wie religiöse Pflicht. Aber dem seit Jc hrtausenden geübten privaten Lie ieswerk zwangen die komplizierten Gesellschaftsformen rtnd -lVerhältnisse unserer Zeit ei re neue Richtung auf. Ter schwere Kampf im Erwerbsleben, der wirtschaftliche Ruin des Mistelstandes, die sittliche Gefährdung der, frühzeitig aus sich selbst gestellten Jugend, die Bedrohung der Volksgesundheit durch schleichende Krankheiten, Verfallserscheinungen im Judentum, mangelndes -jüdisches Gemeinschaftsbcwußtsein, die Zerklüftung innerhalb dev menschlichen Gemeinschaft . durch Klassenneid und Rassenhaß, die Heimatlosigkeit der durch den Krieg entwurzelten jüdischen Massep, — dies alles stellte die jüdische Frauenwelt vor neue Aufgaben, erforderte Ab stlfe und Gegenwehr in tätiger Hingabe. Tie schwache Kraft der Einzelpersönlichkeit verm ochte hier allein nichts mehr arwzurichten. Die soziale Hilfsarbeit mußte Gemeinschpftsaibeit werden, um fruchtbringend zu sein. > Das notwendig gewordene System barg jedcch unverb nnbare Gefahren: das blu stcs papierene Schema bürokratischer Behandlung der Notleidenden wie die Möglichkeit e nes äußerlich verflachtem vi, lgeschäftigen Wohltätigkeitsbetricäes. Beides suchte die jüdische Frauenbundsarbeit zu verhüten. Der persönliche Helferdienst non Mensch zu Mensch blieb stets der eigentliche Mittelpunkt aller Arbeit, und dieses innige unmittelbare Einfühlen in materielle' wie geistige Rost und die gewonnene Kenntnis der menschlichen Seele weiteten zugleich 'Blick und Herz des Helfenden. Was die Breslauer Ortsgruppe des I. F. B. in zwanzig Jahren eifriger Wirksamkeit gele stet hat, ist der Bürgerschcft Breslaus durch sichtbare W:rke bekannt. Sie hat in Sta >t und Gebirge Heimstätten gegründet und wohnliche Räume bereit gestellt, in denen hilfsbedürftige Menschen aller Lebensaster, der zarte -Säugling wie das erdie sich nach Geborgenheit sehnende chaftlichen Kampfe kiach Rat suche ide Krankheit bedrohtewie der mit t>en Sorgen des Alters rin> ende alleinstehende- Mensch Pflege, Erholung, Führung, Um erstützung und Hilfe finde«. holungsbedürftige Kind, Jugend, wie die im Wirt Frau, der von schwerer er Wenn die Breslau zwanzig Jahren mühevo der Feder ihrer tätigsten reichtes rückblickend übezahlreiche und aufmerksai m rach ... Ortsgruppe des I. Fj. B. ler Arbeit in einem Gedenkbuche Mitarbeiterinnen Gewolltes und chaut, erhofft sie für diese Denksck . e Leser. Nicht um der Schreibende ms Ernst m,

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