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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1928-08-01 · 8 (8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
5 (1928)
Issue
8 (8.1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Breslauer Jüdisches Gemeinöebla«! I Amtliches Blatt der Synagogengemeinde zu Breslau SchUftlrUung: ttcttoaftnng«Mttnor Dr. Otcc&ntfe, arctftau, WcMstratze 9 I Druck und AnchUgsa-Almahme: Druckerei Th. «chatzkg WengefeNschaft Verlag: Büro der Sgncktzogengemeinde, Breslau, 20allstr.9/Tel. 21M1/12 J Breslau 3, Neue Srqupeustratze Nr. 7 / Fernsprecher L^tSS «.««99 Aa^iaeaprner Di» « o«f». ANIimNrr-J««« itn 6crtn 7Umm 16 Ufa. — 3M Umfcnftcn Ttuflrflgcii Otobott. FUr die unter dem Namen des Verfassers erscheinenden Artvel und die Veretnsnachrichtrn! libernehmen wir nur die prrffeg es etliche Verantwortung 5. Iadrg. August 1928 3ur Beachtung k \ Die Gemelndemitglieder { bitten wir, diese August-Nummer xjut aufzubewahren,, da vor den hohen Feiertagen kein Gemeinbeblatt mehr erscheint. s Vorbereitung ''Eine Betrachtung zum Monate Elul von Rabb. Dr. S i m o n s o h n. Unsere Gegner behaupten, wir Juden wären eine Gemeinschaft von Materialisten, die — was sie immer beginnen mögen — in Hinblick auf einen bestimmten Zweck, und zwar immer auf einen materialistischen in Angriff nähmen. Und dieses Vorurteil erstreckt sich auf den mittelalterlichen Juden in besonderem Maße — auf jenen Trödler, der, gebeugt uyter der Last seines Packens, über Land zieht, der allen Hohn und Schimpf in Kauf nimmt, um nur ein paar Pfennige zu verdienen; auf die reichen Bankiers, die Hofjuden, die wissen, daß ihr Geld ihre einzige Macht, aber gewiß keine geringe, keine zu verachtende — vielmehr eine Macht, die sie nicht seltenl zu Herren des Fürsten, des Kaisers selbst erhebt, dem sie mit gekrümmten Rücken nahen. Ist das Borurteil gerechtfertigt? Soweit es die Wahrheit feststellt, daß der Jude des Mittelalters den Wert des Geldes kannte, im Geldesbesitze die einzige — oft auch noch recht fragwürdige — Sicherung seines Lebens erblickte, gewiß. Nie und nimmer jedoch, -insoweit es behauptet, das materielle Interesse wäre das den mittelalterlichen Juden, sein Denken und sein Handeln, beherrschende gewesen! Schon die Tatsache, daß er nicht zu den Feinden seines Glaubens überlief, daß er sein Judentum allen Gewaltmitteln nicht nur — nein auch allen verlockenden Anerbietungen zum Trotz festhielt, widerlegt jene Behauptung. Eine noch stärkere Widerlegung bildet die andere Tatsache, daß er an den zahlreichen Sabbathen und Festtagen' sich aufs strengste jeder Betätigung enthielt, die ihm hätte Gewinn eintragen können, und jene dritte, daß er immerdar Gelehrsamkeit und Frömmigkett höher schätzte als Reichtum. Den allerstärksten Gegenbeweis indessen bildet wohl der Monat Elul. Vor seinem Eintritte kehrte der jüdische Hausierer, der mühsam! genug sein Brot verdiente, der sonst bald nach Sabbathausgang sein Städtchen verließ, um erst kurz vor Eintritt des nächsten Sabbaths wiederzukommen, zurück, um nun zwei lange Monate daheimzubleiben. Daß er im Monat Tischri, der mit Feiertagen angefüllt ist, an der Ausübung seines Berufes behindert war, kann nicht wundernehmen: aber der vorhergehende Monat, der Elul — warum ging er in ihm nicht seinem Erwerbe nach? Weil er sich vorbereiten mußte auf die hochheilige Zeit der „ehrfurchtgebietenden Tage": weil er die prophetische Mahnung beherzigen mußte: „rüste dich deinem Gtte entgegen, Israelit!": weil er dem Schofartone lauschen wollte, der bestimmt ist, die Schläfer zu wecken, die Säumigen aufzurütteln. Alle mit dem Bewußtsein der unlöslichen Verbundenheit von Gtt und Israel zu erfüllen — wie ja die Anfangsbuchstaben des BibelwortesTn1> 'TH1? 'iK sich gehöre meinem Freunde (Gtt), und mein Freund gehört, .mir) den Namen des Monats Elul ergeben. /Und Menschen, die bereitwillig selbstverständlich solche Opfet für ihren Glauben brachten, will man Materialisten schellen?. Wir dürfen mit. Stolz sagen, daß nirgends auf Erden größere und echtere Idealisten gefunden wurden als unsere Ahnen. Wir sind bescheiden geworden. Wir wissen, daß wir das Opfer einer sich über einen oder gar über zwei Monate erstreckenden Arbeitsruhe upd Beschaulichkeit nicht fordern dürfen. Wir wissen, daß der Schofarton im Elul nur recht, recht wenige Ohren erreicht. Doch eines werden wir vicht aufhören, zu wünschen, zu fordern: -daß er am Rausch-haschanoh-Feste alle jüdischen Ohren erreiche:-daß an den hochheiligen Festen alle Juden, ihrer jüdischen Pflicht eingedenk, ihre Betriebe ge-» schlossen halten, ihren jüdischen Angestellten eine unverkürzte Festesfeier ermöglichen. Wenn wenigstens dieses Mindestmaß jüdischer Opferwilligkeit allgemein gewahrt bleibt, dann werden wir mit einem gewissen Stolze noch sprechen dürfen: „Heil unserer Gegenwart, die von unserer Vergangenheit nicht allzusehr beschämt wird!" . Marti« Fraenkel f. $. In Martin Fraenkel hat unsere Gemeinde eine führende Persönlichkeit verloren. Die Aufzählung seiner vielen Ehrenämter in Bereinigungen, deren Geschtzstskreis Ausschnitte der Gemeindeaufgaben betrifft/ ist an diesem Platze nicht erforderlich. Bei uns selbst bekleidete er das Amt eines Mitglieds der Bertreterversamntlung, deren Schriftführer er war, und gehörte er dem Kultusausschuh dem Ausschuß der Alten Synügoge und dem Finanzausschuß an. Seiner Veranlagung entsprechend nahm er überall eine hervorragende Stellung ein. Was aber seinem Wirken an allen Orten das Wesen ausgeprägt hat, das war seine Stellung, zum Einheitsgedanken. Seiner Abstammung und der durch sie begründeten Ueberzeugung nach" gehörte es nicht nur der traditionell-konservativen Richtung, sondern' sogar der Agudas jisroel an. Aus ^dieser Gesinnung hat er auch niemals ein Hehl gemacht, vielmehr vertrat er ihren Standpunkt allerwärts mit der ihm eigenen Würde und Wärme. Aber Martin Fraenkel war mit d-r Synagogengemeinde Breslau innig verwachsen.. Deshalb trat er jedem Versuch, dse Einheit zu stören, mit allem Nachdruck entgegen. Er verlangte für sich und für seine! Pichtung unbeschränkte Betättgungsmöglichkeit, aber innerhalb der Gemeinde, nicht im Gegensatz zu ihr.- Mit dem gleichen heiligen Eifer, mit dem er sich gegen die Verletzung seiner > Ueberzeugung wandte, nahm er den Kampf gegen jeden auf. der Sonderbesttebungen verfolgte oder auch nur unterstützte. „Trenne dich nicht von dtr Gesamthett", das war auch Martin

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