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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1928-07-01 · 7 (7.1928) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
5 (1928)
Issue
7 (7.1928)
Date
1928-07-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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i; - , : •! - i Amtliches Blatt der Synagogmgemelnde zu Breslau Breslauer Schriftleitung: Verwaltungsdirektor 0r. Nechnitz, Breslau, Wallstraße 9 I Druck und Anzeig eft-Annahme: Druckerei Th. Schatzkg Aktiengesellschaft Verlag: Büro der Sgnagogengemeinde, Breslau. Wallstr.g /Tel. 21S11/12 > Breslau 3, Neue Sraupensttaße Nr. 7 / Fernsprecher 244SS «. «4Sg 3ln|dgn4«U: Sk < otf>. miwiit-Mli otn deren Otmim 16 ysg. — 9M lauftnftm Aufträgen XaMt' wiMHWiiiiiMoiiiMiMiHiMiiiiiuiiiwtiiiiiiniiuiiUHMiiiiinuiiiiHiiiiiiuuiiiiiiiwiiiimiiiiMiiiimMiimimuiMiH««um»ii«tMiiniiuiuiiiin»iimiuMM»iumwiiiMiiiiUBMuiiiiiiiiiiuuMUiiiiiim(iitniiimuiiiiuiiuiHuiiMiiiiiiniMiiiiiiiHMHiiiMiiiiiiniiiHiuiiniiiitHMBiiiimiu» Für die unter dem Namen de« Verfasser« erscheinenden Artikel und die Derrtnsnachrichten übernehmen wir nur die prirffegesetzNche Verantwortung 3.3af>r0. 3uli 1928 7tr. 7 3um 9. B® In seinem Werk „Die Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums" legt der große jüdische Gelehrte 5)er>~ mann Cohen Zeugnis dafür ab, daß die Religion als letzte Konsequenz der „praktischen Vernunft", als unentbehrliche Voraussetzung der Idee des Sittlichen aufzufassen sei; nicht wie Simmel in seiner Schrift „Die Religion" im Religiösen eine das individuelle und soziale Leben erhöhende Sphäre netren der des Denkens, der Sittlichkeit, der Kunst erblickt, sondern wie Buber das Religiöse charakterisiert als die das ganze Leben umspannende Sphäre, aus der der Mensch niemals heraustritt, so auch möchten wir den 9. Aw betrachtest als einen Tag, an dem die jüdische Idee des Sittlichen gemessen werden und verstanden werden kann, warum er zugleich als ein geschichtliches Zeugnis größter Begebenheit zu begreifen ist. Die Idee des Sittlichen wird in dem Manne verkörpert, dessen Persönlichkeit am 9. Aw mahnend und klagend, .aber auch wieder hosfnungsfreudig und zuversichtlich zu uns spricht, dessen Prophetenlaufbahn mit der göttlichen Verheißung geschmückt wurde: „Bevor ich Dich gebildet, habe ich Dich ausersehen, ehe Du geboren warst, habe ich Dich geweiht, zu! einem Propheten der Völker Hobe ich Dich bestimmt" (Jeremia 1,5). und dessen Klageworte „Gefallen ist die Krone unseres Hauptes, weh' uns, denn wir haben gesündigt" (Klagelieder 5,16) unsere Herzen dann wieder erbeben lästert. Was alles hatte er aber auch erleben müssen! Das Volk war abgefallen, hottenden Bund gebrochen, gefiel sich in seiner Untreue. Da sollte er retten und neu gestatten. Das mußte ein ganzer Mensch sein, - ein einziges . von Gott beherrschtes und auf ihn eingestelltes Leben, ein Mann, dem die Kraft gegeben war, die Seinen selbst über den Abgrund hinaus zu führen. Er hat es selbst- , los und verzichtend getan und ist so zu jener geschichtlichen Persönlichkeit geworden, die Gott ^un „Propheten der Völker' bestimmt hat. Seit den Tagen seiner Wirksamkeit, seit dem Untergang des Tempels ist in Israel die Hoffnung auf Erfülkung der göttlichen Verheißung nur noch stärker geworden, ist jene Ueberzeugung zur Gewißheit geworden, daß aus dem Leid vergangener Zeiten das versprochene Glück der Zukunft sich gestalten müsse. Wie es darum für den Künstler keine Anmaßung bedeutet, wenn er unter Tausenden der Erwählte war, ein klassisches Werk zu schaffen, wie die Menschheit dem Griechentum vergangener Tage neidlos das Recht zuerkannte, sich als das auserwählte Volk der Wissenschaft und Kunst bezeichnen zu lassen, so darf Israeli für sich die Auszeichnung in Anspruch nehmen» das Volk der Religion genannt zu werden. Mit drei Ehrennamen wurde das Volk bezeichnet, Israel das ist Kämpfer und Sieger für Gott,! Jeschurun, das ist das rechtschaffene Volk und Ebed adonai, das ist Gottesknecht. Jeremia war bemüht, sein Volk für die Ziele und Aufgaben zu entflammen, die in diesen Namen ftstgelegt sind, man härte damals nicht auf ihn, wie man auch in späten Tagen inmitten der Judenheit diese Aufgaben nicht verstanden hat. Und solange das Verständnis dafür noch nicht zum Allgemeingut V -! Israels geworden ist, solange ist ein 9. Aw nötig zur Erinnerung und zur Mahnung. Aber wenn, die Zeichen unserer Zeit nicht trügerisch sind, dann darf neu« Hoffnung in uns aufsteigen, dgnn, wenn sich die Meinung der Gegenwart bewahrheitet, daß ein neuer helliger Eifer in unserer Jugend entfacht sei, jüdischer werden zu wallen im Denken und Tun, unterstützt von einsichtigen Vätern, die die Religion endlich als eines der kostbarsten Güter im menschlichen Leben begreifen, und geführt von liebenden und verstehenden Müttern, denen nun der Wert jüdischen Hauses und jüdischer Familie, jüdischer Eintracht und jüdischer Gemeinschaft klar geworden ist, Werte, deren Behütung Aufgabe der Frau sein. soll. Wenn so am 9. Aw die Erinnerung jzu uns spricht und die Persönlichkeit eines Jeremiä von neuem uns-erfüllt, dann dürfen auch wir mit gleicher Innigkeit das Wort sprechen, das er am Schluffe seiner Klagelieder geprägt: L-!p2 15'v' V1N N2M1 tStT! »Führe uns, o Ewiger zu Dir zurück, wir kehren wieder, laß neues Leben zu unserer^ Heile erblühen". Rabbiner Dr. Sänger. GemeinHevertreter-Sitzimg vom 28. Juni 1928 : -I Berichts von Verwaltungsdirektor Dr. Rechnitz. Der Vorsitzende. JbU9t. Peifer, erteilt sogleich Herrn S.-R. Dr. Horn dasl Wort zur' wichtigsten Vorlage, der Israelitischen- Kranken-Perpflegungs-Anstalt' eine einmalige Entschuldung: »beihilfe von 25 000 R.-Mk.-zu bewilligen. Der Berichterstatter erinnert die Versammlung daran, daß die Gemeinde sich niemals der Verpflichtung entzogen hat, dem jüdischen Krankenhaus zu helfen, auf das es-stolz ist und stolz sein kann. Das Krankenhaus habe durch die hochherzige „Nathan« Littauer-Stiftung" ein l hervorragendes Röntgen-Institut erhalten, das züm Ruhme! der Anstalt wesentlich beitragen wird, aber auch die> Pflicht aufsegt, das Krankenhaus auf der Höhe zu halten. Durch das Unterlassen von Ergänzungen beim Grund stück, bei detz Einrichtung und beim Inventar während der Kriegs- und Nachkriegszeit, feien im Vorjahre erhebliche.Ausgaben erforderlich gewesen, die trotz guter Belegung, sparsamster Wirtschaft und der Opferwilligkeit wohltätiger Gemeindemitglieder im Betriebjsjahr 1927 einen Fehlbetrag von 51 107,24 R.-Mk. verursacht haben. Der Vorstand glaubt, daß zur Deckung des Defizit; ein Beitrag von 25 000 R.-Mk. notwendig und ausreichend sei, und wir können wohl annehmen, daß der Vorstand diese Frage eingehend geprüft habe. Er bitte daher um Annahme der Vorlage. Dennoch müsse er bei dieser Gelegenheit Klagen des Jüdischen Wohlfahrtsamtes erwähnen, daß armen Gemeinden itgliedern für verhältnismäßig kurzen Aufenthalt und geringe Leistungen wesentlich höhere Beträge abgefordert worden seier, als z. B. in den städt. Krankenhäusern und in der Prov.-Hebammen-Lehranstalt. -Er hoffe, daß die

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