Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 6 (6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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BWPW'P J J' % Amtliches Blatt der Gtznagogmgemeinde zu Breslau " - - -Breslau. :- - - - - - - - waNstr.9 /: |>. 3MHbnt*Tnen&en SQr SchrlftIeitung: Derwattungsdtreitor Dr. Nxbnld, Breslau. Wallstrage 9 I Druck und AqzelgereAanahme:! Druckerei Th. Schatz^ aMlengefellschoft Verlag: Büro der Sgnagogengemelnde, Breslau. Waststr.S / Tel.riSll/ia | Breslau 3. Neue Sraupenftratzr Nr. 7 / Fernsprecher 2«4SS it. 24«ü»!r-LUl« obtr bttm Raum Jö Ofo. — Bei lauftnftm Buhriige« Rabatt, _ Für die uuter dem Namen des Verfassers erscheinenden 2flrttkel und die Dereinsnachrichten übernehmen wir nur die pressegesetzllche 5. Lavrg. 3unf 1928 . Propheten Biex große Prophetengestalten stellen die Schriftvorlesungen' dieser Wochen uns lebensvoll vor Augen r sie alle von bezwingender Gewalt, gemeinsam uns Sinn! und Inhalt des Judentums weisend. j. In! die Endzeit der Wüstenwanderung führt uns die Thora. Das alte Geschlecht ist ausgestorben, ein. neues herangewachseii, des großen Lehrers und Propheten letzte Tage sind gekommen. Noch einmal sammelt er sein Volk um sich. In wuchtiger Rede hämmert er mit der ganzen Kraft feiner großen Persönlichkeit dem Volke die Lehre in die Seele. Das ist sein Vermächtnis, daß die Religion Israels anders ist als das, was die Anderen Religion nennen. Nicht in Opfern und äußerer Form erschöpf^ sie sich, sondern gründet sich auf Erkenntnis 'des einen heiligen Gottes, und die Liebe zu ihm führt dazu, ihm zu folgen und in seinen Wegen zu wandeln, Wahrheit, Recht und Liebe wahrend. In sachlich wie rednerisch gleich wundervollem Aufbau gibt Mose den Kerngehalt des Judentums. Was in ihm als heiligste Ueberzeugung lebendig ist. soll Gemeingut des Volkes werden. Freilich weiß er, daß im Laufe -er Entwicklung feine Ideale, deren Verwirklichung eben nicht bequem ist, immer wieder verlaßen werden, immer von neuem mit Widerständen zu kämpfen haben. Ex baut für Jahrhunderte voraus, sein Werk und sein Blick ist auf Ewigkeit gerichtet. I Jahrhunderte später. Politisch und wirtschaftlich ist Israel seßhaft geworden. Nach glänzendem Aufstieg ist! es durch die alte Zwietracht in zwei Reiche zerspalten. In allem sucht man es den anderen Völkern gleich zu tun, der Maßstab für das gesamte öffentliche Leben ist für Könige und Volk „wie die anderen Völker alle". Nicht so für die Propheten. Ihnen gilt es-die Eigenart und den Eigenwert Israels in seiner religiössittlichen Aufgabe zu verwirklichen'. Denn in ihr allein liegt ihnen lßrund und Bürgschaft des Bestandes Israels. Sie treten dem Volk entgegen mit der für die damaligen Anschauungen . geradezu unverständlichen Verkündigung, daß Gott sein eigenes lauserwähltes Volk vernichten wird, wenn es seiner Aufgabe weiter untreu bleibt. So werden sie, die glühenden Patrioten, zu Verkündern des Untergangs, so nennt Jesaja Fürsten und Volk von Juda „Fürsten und Volk von Sodom und Gomorrha", so ruft; er ihnen zu: „Wenn ihr willig seid und gehorcht, sollt ihr dad Beste des Landes verzehren; wenn ihr widerspenstig seid unid euch weigert, sollt ihr vom Schwert verzehrt werden." Aber nicht etwa blinder Gehorsam wird gefordert, nicht Opfer, Kasteiüng, Wallfahrt und Gebet, sondern Recht und Liebe. Der stütze Mann, einer der glänzendsten Redner aller Zeiten, verwirft mit der ganzen Wucht seiner Rede alle äußere Frömmigkeit, sofern sie nicht auf der frommen Gesinnung ruht, die sich in sittlichem Tun offenbart. Wie würde man noch .heute einen jeden verketzern und al» Gotteslästerer und Religionszerstörer hinstellen, der wie die Propheten aus Religion gegen äußere religiöse Form eifert! Den Propheten. des schreckt das nicht. Er weiß, daß feine Zeit ihn nicht versteht, daß man ihn verlästert: er steht fest zu seiner Aufgab« , gelßt nicht nach Gegenwartserfolg, sondern ist Bürger spätere, Jahrhunderte, die er selbst erst! baut. j Mehr als hundert Jahre nach ihm redet Jererna in Jerusalem. Unaufhaltsam treibt Reich und Volk dem Untergang entgegen, besten Ursache auch Deremia in dem Abirren des! Volkes von dem ihm gemäßen Wege sieht. Blutju ig, fast noch ein Knabe ltritt er züm ersten Male vor die Oeffentlich keil, zaghaft in dem Bewußtsein,- daß des.jungen Menschen Mahnwort keines, anderen Erfolg haben kann als Feindseligkeiten gegen den! Redner, , Aber er muß der Gottesstimme in seinem Innern gehorchen^ muß so vieles niederreißen, was den Menschen wertvoll ist, und muß mit blutendem Herzen seinem Volke den Untergang verküpden, den er mit allem Grausigen fast in seinen Einzelheiten vorauserlebt. Niemand will es ihm glauben, ist doch der Tempel die Bürgschaft für Gottes Schutz für sein Volk. Mit übermenschlicher Kraft erträgt der Prophet mehr iäls vierzig Jahre das Martyrium, da- Spott und Hohn, Verfolgung ustd Mißhandlung ihm auferli gen, in der felsenfestest Zuversicht, der ein Späterer Ausdruck verliehen hat, daß, wie Regen und Schnee von Gott gefault, das wirken, wozu sie gesendet sind, so auch das Gotteswoi t nicht leer und nutzlos'wieder zu Gott zurückkehrt. i Jeremias Verkündigung ist rasch Wirklichkeit geworden. In grauenvollem Zusanstnenbruch ist die stolze Herrlichkeit Israels vernichtet worden; Im Exil hat das Dolk die Wahrheit der Prophetenreden erkennen geletnt. Wieder treten die Prc pheten auf, aber anders ist ihre Aufgabe geworden. Nicht strafend und Unheil verkündend, sondern üufbauend und tröstend reden sie. Ein Mann von tiefem Empfinden, von weihen, Gemüt und von gewaltiger Kraft der Ueberzeugung und der Rede ist der große Prophet, von dessen persönlichem Leben wir nichts wissen nicht einmal seinen Namen kennen wir — dessen Reden wir in den späteren Kapiteln des Buches Iesilja finden. Aber er spricht nicht leere Trostworte, er sieht I den Wiederaufbau und verkündet ihn.. Aber er ist ihm nicht Selbstzweck, sondern nur! die notwendige Vorbedingung des—^ Bares der religiös sittlichen Zukunft und Aufgabe Israels. Äll!s Fleisch ist Gras und alle seine Anmut wie die Blume toerdorrt, die Blume welkt, doch das Feldes. Das Gras "Wqrt unsere^ Gottes besieht ewig. Jahrtausende sind vergangen, aber noch heute sind die Propheten und ihre Red«n so lebendig, ja lebendiger als damals/ als sie gesprochen wurden, Richtschnur und Wegweiser für einen jeden, der sein Leben nicht in Kleiullchem und Aeußerlichem verzetteln, ändern aus tiefem Grunds, aufbauen un!> wertvoll gestalten will. Zeitlich bedingt, aber von ewigem Ge Mt bleiben sie und i Nüssen sie in immer höherem Maße werden die Führer der Ptenschheit zu echtem Idealismus und zu echter Religion. z B o g e l st e i n.