Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 5 (3.1928)
- Date
- 1928-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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82 Breislauer Jüdische» Gemeindeblalt Nt. 5 Zentralheizungen Fernruf 32983 Dresian XIII Agathstraße 11 25 jähriges Jubiläum des Israelitischen Krankenhauses Hohenzollernstraße un- Einweihung -es neuen Röntgeninstituts „Natlian Littourr» Stiftung" Das Israelitische Krankenhaus an der Hohenzollernstraße konnte aiir Sonnlag/ den 29. April d. I., die Doppelfeier seines 25jährigen Bestehens und der Einweihung seines neuen Röntgen-Instituts „Nathan Littauer- Stiftung“ Vbgehen. ' [ Heroorgegangen aus dem im Jahre 1841 dort den Philanthropen Kommerzienrat Jonas nnd Daoid^Fraenkel gegründeten Hospital in der Antonienstraße, konnte das neue Krankenhaus, au^gestattet mit den besten Einrichtungen für Krankenpflege und wissenschaftliche Forschung, am- 27. urch 28. April 1903 seiner Bestimmung übergäben werden. Die fortschreitende Entwicklung des Krankenhauses, das Patienten ohne Unterschied der Konfession zur Verfügung steht, und däs sich in den weitesten Kreisen unserer Bevölkerung der größten Beliebtheit erfreut, beweist an,' beiten der Umstand, daß die Zahl der Betten hei der Eröffnung 120 betrug und daß durch inzwischen dringend notwendig gewordene Um- und Erweiterungsbauten die Bettenzahl bis jetzt auf 300 erhöht werden konnte. Das hohe Ansehen unseres Krankenhauses kommt stuch dadurch zum Ans .J Selb alleingehenden Blinden beim fteberschreiten der 1 1 Fahrstraßen behilflich! „j. 1 1 Jud. Blindenfürsorge § | (Martha Meyerstein, Gartenstrahe 17). | ^:iiuiiiiiiriiiiiiijMiiii{iiiiiiiiiiftiiiiiiiiiiiaimiiMiiiiimMiiiiuiimiiiiiiiiiiimiiiiiiimiiiiiiiMi iiniiimiiiiiiiMiiiiiiiiiiiiiiiimiiiiHiiiiuiii? druck, daß im Jahre 190.3: 708 Kranke mit 26 04? BerpflegungstagenuitgenMnmen wurden, während im Jahre 1927: 3481 stationäre Patienten mit 78 827 Berpflegungstagen Aufnahme czcmnven haben. Und nun künple das Krankenhaus, verbunden mit seinens 2H jährigen Jubiläum N» Nnweihungsieier eines neuen Röntgen-Instituts, der „Nathan Liltwier Stiftung", begehen, dessen Bau und Einrichtung Herr Lucius N. Liltauer, Ncwizork. ein auch in seinem Paterlande 1 hochgeschätzter Wohltäter, unserem Krankenhause zum Andenken und auf.den Namen seines in Breslau geborenen Paters Nathan Littauer, gestiftet hat. . Bereits am Sonnabend, den 28. April & Ji. fand in der Kranken Haus-Synagoge ein besonderer Festgottesdienst statt, und auch in den beiden Gemeinde-Synagogen wurde die Bedeutung der Doppelfeier für das Krankenhaus und somit für die ganze Gemeinde in der Festpredig: rühmend erwähnt. Die offizielle Feier fankj dann am Sonntag, .den 29. April d>J-, vormittags 11 Uhr, in Gestalt: einer Festversammlung ini Sitzungsstale des Krankenhauses statt, über die ist der nächsten Nummer berichtet wird. j Oem Knüenkea -es Rabbiners Dr. Josef Eschelbacher, Berlin ' * „Ein seltenes Zeichen religiöse Toleranz." { ' Die jüngst von B. Rosenthal veröffentlichte „Heimatgeschichte der badischen Juden" enthäl nachstehende treffende Würdigung der Persönlichkeit des um unse: Judentum so sehr verdienten Mannes. „Ein dauerndes Deikmal seiner! Wirksamkeit in Bruchsal ist der „Landesver in zur Erziehung israelitischer Waisen in Baden", der von ihm ins Leben ge rufen und auch lange von ihm geleitet wurde, der von seinem Edelmut und seiner Tatkraft Zeugnis ablect und der badischen Judenschaft ein wertvolles Erziehungsw, rl leistet. Eschelbacher war ein goldener Charakter von lauterster Gesinnung, ein Mann von feiner Bildung, von umfasse ider Gelehrsamkeit seine gefestigte Lebensanschauung vertrat er in mannhafter und doch versöhnlicher Weise. Diese sein« Lebensansmauung war die des geschichtlichen Judentums, wie Zacharias Frankel, Direktor des Rabbinerseminars in Breslau, es gelehrt hatte. Einer der letzten Schüler des 1875 gestorb:nen Meister;, hielt Eschelbacher fest an dem Grundsatz der „Breslauer Schule": Versöhnung des überlieferten Judentums nit den Ansprüchen der Gegenwart auf dem Boden der Wissenschaft. Ir einer vierzigjährigen, von vorbildlicher Pflichterfüllung geadelten Amtsführung hat er als Rabbiner dieser sreigewählten, seiner innersten Ueberzeugung entsprechenden L<hre gemäß gewirkt und sich für die Erhaltung jüdischer Frömmigkeit eincesetzt." Der Verfasser des Nekrologs, ein katholischer Ordensgeist licher, Pater Göltzelmann, z. Z. Vikar in Miltenberg a. M. ist der Chronist von Hainstadt, des Gebürt;ortes Efchellachers Die gleiche vorurteilsfreie Gesinnung ist auch in seinen an den Unterfertigten gerichteten Antwortzeilen b< kündet, in denen er u. a. schreibt: „Es ist immer gefehlt, wenn ein Stand, eine Konfession, eine politische Richtung gleich allgemein verurteilt wird — nach diesem einwandfreien Grundsatz hantle ich. Auf unserem alljährlich gefeierten Heimatsiest erfreuen sich drei Konfessionen größter Harmonie." Dieses Dokument des Verstehens unseres Glauberls verdient gerade in unseren Tagen fürs Leben feftgeha ten 311 werden und wird überall wohltuender Sympathie begegnen, insbesondere dürften die Herzen der Mitglieder unserer Gemeinde von dem Gefühl stolzer Genugtuung erfüllt sein durch den ehrenden Hinweis auf das jüdisch-tfeologische Seminar, dessen Lehrer, anerkannte Autoritäten jüdischen Schrifttums, auch heute im Geiste Frankels wirken und den Ruhm jiidischer Wissenschaft weithin verbreiten. Michael Frarnkel Gemeindevertreter-Sihung am 26. April 1928. Der Berichs (Elatsberatung) kann wegen Platzmanx el in der nächsten Nummer erscheinen. Dr. Rechr Werbet für den Humboldt-Verein! cnu