Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 5 (1928)
- Issue
- 2 (2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/3970005-7569521-7569591--0713-3970665- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
r I ptttUvuet 2 vbijche » ®< m einfrefrloU 2 Gründung eine» Oerbande» fürjüdifche Dshlfahrtspflege in der Provinz Niederschleflen. Die Zentralwohlsahrtsstelle der Deutschen Juden, Berlin, der Pro, linziolverband der Synagogen-Gemeindeu Riederjchlesiens und das jüdishe Wohlsahrtspmt Breslau halten für den 15. Januar 1928 die Borslände der Synagogen Gemeinden der Provinz Riederschlesten und Vertieter auswärtiger und hiesiger Wohllätigkeitsvercine und Einrichtungen noch dem Gemeiudevertretersaal, Wallstraße 9, eingeladen, um sie Gründung eines „Provinzialverbandes für jüdische Wohlfahrtspflege" >n die Wege zu leiten. Die Erschienenen begrüßte Gemeinderabp ner Dr. Lagclstein mit warmen Worten. Dr. Friedrich Ollendorss- Bcrl n stellte sodann die Begründung emes Proomzialoerbandes vom Standpunkte jüdischer Gesamtorganisationen als notwendig dar. Nur durck Zusammenschluß ist es möglich, als Spitzenorganisation bei den Bchcrden anerkannt zu weiden und die Vertretung der Gemeinden und Wah sahrteeinrichtnnaen auszuüben. Rur in Pommern, Thüringen und Riederschlesten sehlcn noch diese Verbände, die sicher viel dazu beitrage », der'sozialen Rot in den kleinen Geincindei: zu steuern. Diesen ist e > ohne Anlehnung an einen Prooinzialverband unmöglich, ihren .Bedi riligen zu raten und zu Helsen. Die Schasfung einer Prooinzial- Organisatian sei nicht mehr hinauszuschiebcn. Die intcrcssaMen Au-iührungcn des Redners wurden noch aus jiihrlch ergänzt onn Direktor Glaser vom jüdischen Wohlfahrtsamt in Pres au, der insbesondere einen Erlaß des Wohlfahrtsministers voni Deze aber 192« anzieht und darauf hinweist, daß die Zusammenarbeit mit der freien und konfessionellen Wohlfahrtspflege jetzt mühr denn je in den Vordergrund trete. Biel Elend zu lindern gäbe es; noch viele Ausgaben der sozialen Arbeit harren der Erfüllung. In der sachlichen und richtigen Betreuung der Bedüritigen haben viele Gemeinden bisher aänztich versagt. Ost schon deshalb, cheil es ihnen an Erfahrungen auf sozialem Gebiet gefehlt hat. P - Ejn Ende der sozialen Krise* im Judentum ist sobald nicht zu erwarten: deshalb Müise eine sachgemäße Wohlfahrtsarbeit. geleistet werdsm. Vom Standpunkte der jüdische» Genreinschaft und dem der Wohsiohrtepslege ist die Schasfung des Verbandes ein ernstes Gebot der Stunde Diesen Ausführungen folgte die Beratung über den Satzung» - entwlirj, der verschiedene Aenderunggn erfuhr und als vorläufig geltend angenommen wurde. Die Geschäftsstelle, befindet sich im jüdischen Wohlfahrtsamt. Wallstraßc 7. Hieraus wurde zur Wahl eines vor läusißcn Vorstandes geschritten, der sich wie folgt zusammensetzt: aus- Breslau S- R. Bach, Fr. Paula Ollendorts, 2,-31. Hirschberg. S.-R. Horn, Gemeinderobbiner Dr. Vogelstein und Hossmann, Dir. Glaser,. R.-A. Honst Kober, Fr Gr. Bial, Fr. Dr. Räbin, ferner Hülsen-Briea, Cohn- Schwleidnitz. Waldftein-Oels, Apotheker Lomnitz-Glogau! Prediger Falkai'stcin-Landcshut, Fr. Weichmann-Liegnig, Fr. Dresel-Görlitz. Vor Beendigung der Sitzung sichert Dr. Ovendorfs die Hilfe der ZentiiNlmohlfahrtsstelle zu und dankte ollen Anwesenden für das Zustandekommen der Organisation. G. Jahresfeier des jüdifch-theologifchen Seminars. |Hm 29. Januar 1928 fand die mit jedem Jahresanfang wiederkehrende Feier des jüd.-theol. Seminars in Breslau statt^ die gleichzeirigl eine Gedenkfeier zur Erinnerung an den großzügigen Gründer der Fräntel'schen Stiftungen ist. Dieser Festakt von besonderem Gepräge!, bei dem der turnusmäßig wechselnde Vorsitz in» Dozenten- Koliegium an den Nachfolger - feierlich übergeben wird, jversammelte wiederum eine auserlesene Zuhörerschaft. Der Vorsitzende für 1927, Herr Pros. Michael Guttmann, erstattete Bericht über das abgelausene Arbeitsjahr. Man fühlte, haß hier ein Man» sprach, bei dem die jüdische Wissenschaft nicht nur Hintergrund und Vorbildung für seinen Berus bildet, sondern dem sie Inhalt und Ausgabe seines Lebens ist. In schlichten und seinsinnigen Morten analysierte er den Sinn uird di« Berechtigung solcher Gedenkfeiern, sprach von der Person Kommerzieprat» Frankel und kam dann züm sachlichen Bericht, der eine gedeihlube Entwicklung des Seininars erkennen ließ. Die ausgeschriebene Preisarbeit über: „Die Midraschim der hellenischen Epoche' hat einen Bearbeiter gesunden, Herrn Kolman Eharyeidcs: das Dozenten-Kollegium rühmt die gründliches wenn auch noch nicht lückenlose Durchforschung des Stoffes und das besonnene Urteil des Verfassers. jSodann nahm der Vorsitzende für 1928, Herr Dr. Lewkowitz, das Wort, zu einem groß angelegten Vortrag über dos Judentum und die Kulturidee. Alle Anwesenden folgten mit Spannung den. klaren Gedbnkesagängen und nahmen reiche Anregung und Belehrung mit nach Hausch. '! - |2tn Schluß der Feier bildete die Entlastung von drei! Rabbinern: Herr!Dr. Ascher Chananel und HLrr Isaak Emayuel, zwei Sesarjdim, sind als Rabbiner für Sofia bzw. Saloniki in Aussicht genommen, Herr Dr. Enkil S ch o r s ch ist als Stadtrabbiner m Hannover berufen. Mit besonderer Freud« kann sestgestellt werden, daß die hiesige Anstoßt, ckls hervorragende Pflanzstätte der einheitlichen jüdischen Wissetischost, auch in den sesardischen Gemeinden ihre Wirkung ausüben 'kann. Hoffen wir, daß die jetzt von hier aus zu unseren Brüdern in Griechenland und Bulgarien hinausziehenden jüdischen Führer die Verbindung zwilchen den verstreuten Teilen der Judenheit weiterhin stärke» werden. Die Gesänge des Herrn Oberkantor» Bari», der mit der stei ihm bekannten Wärm« das michtom ledovid und das el mole rachamim rezitierte, trugen das ihrige zur Erhöhung der Feierlichkeit bei. —r. j Der Film „Ein Freitagabend" rollte am 22. und 29. Januar im Gloriapalast dank der Bemühungen der Manuel-Ioel-Lage vor einem zahlreich erschienenen Publikum ab. Nach einer Begrüßung durch den derzeitigen Logen Präsidenten/ Herrn Dr. Fricdeberg, gab der Leiter unseres Wohlfahrtsamtes, Herr Bürodirektor Glaser, anstelle der verhinderten Frau Justizrat Paula Ollendorss. die einleitende Erläuterung. Die Verstlmung erschien der Zentral wohlsahrtsstelle der deutschen Huden in Berlin als ein geeignetes neuzeitliches Propagandamittcl: denn Aufgaben und Einrichtungen der modernen Wohlfahrtspflege seien immef noch nicht genügcsid bekannt. Nicht mehr Almosen und 'milde Gabe» seien angebracht, sbndern großzügige Hilfe und sachkundige Beratung dar Bedürftigen, insbesondere auch bei ihren Ansprüchen gegenüber den staatlichen Stellen. Das erforderte eine wohl organisierte Fürsorgetäligkeit! mit geschulten Kräften. Di« konfessionelle Wohlsahrtspslege sei von allen Konsessioiien als Ergänzung zur staattichen Fürsorge als notwendig anerkannt. Mit einer kurzen Uebersicht über die verschiedenen 'Zweige der geschlossenen, haibossesien und offenen Wohl sahrtc-pslcge schloß der belehrende Vortrag. Der Film selbst zeigte, geschickt in einer Rahmenhandlung eingefügt. die verschiedenen Fürsorgeeibrichiungen und wohltätigen Anstalten der Großgemeinden und hnmanimren Dsreinigungen. Rührende Bilder der Nächstenliebe und aufopfernder Betreuung der Mitmenschen bekamen die ausmertsamen Zuschauer zu sehen. Dabei gewaisnen die Bilder an Wert, weil sie nicht „gefilmt", sondern direkt dem Leben abgcwonnen waren Keine Filmdarsteller. sondern die Kinder j» den Säuglings- und Kinderbewahranstalten und die gebrechlichen Alten in den Allersheimen er schienen vor uns, wie sie sich tatsächlich alltäglich geben und bewegen Unter den aufopfernden Helfern war manches bekannte Gesicht zu sehen Jeder einzelne verließ das' Kino mir debi Wunsche, nach seine» Kräften an solch' gottgefälligen Werken miizubelsen und mitzuwirken, und damit war ja der Zweck per Vorführung erreicht. Wir werden sehen, wie die Wirkung bei der nächsten praktischeil Betätigung sein wird. Wir wollen hoffen, daß die Vorsührung trotz Öeij erheblichen Küsten in späterer Zeit wiederholt wird, vielleicht unter Hinzusügung von Bildern Breslauer Anstalten. 1 R die jüdische Volkshochschule cröfsnete den zweiten Teil ihres Wintersemesters mit einem Vortrag des bekannten Berliner Theaterkrilikers Dr. Arthur Cloesser über .Judentum und Theater". Der Vortragende plauderte sehr, interessant zunächst, über die jüdischen Dramatiker in den letzten hustdert Jahren in kurzen Strichen, wobei er fand, daß, die Juden in natwralistischen Dramen nicht hervorgetretcn sind, dagegen beim Expressionismus, der die ethischen Probleme und die Zukunstsentwicklui« zum Inhalt nimmt. Zusammen fassend wollte er allerdings eine spezifisch jüdische Note bei den jüdischen Dramatikern nicht erkennen, was eigentlich mit seinen Ausführungen, daß sich die Juden hauptsächlich in gewissen Formen und Stilen der Dro matit betätigt haben, nicht recht übereinstimmen wollte. Auch bei den Theaterleitern, von denen er besonders die ihm nahestehenden Otto Brahm und Reinhardt näher skizzierte — und zwar den ersteren als den norddeutsch sparsamen, den letzteren als den süddeutsch, zur katholischen Marienkunst hinncigendrn, verschwenderischen —, wollte er eine Einwirkung ihrer Abstammung nicht erkennen, betonte vielmehr, ebenso wie bei den Dramatikern, ihre von anderen Deutschen Nicht ab weichende, ober ganz hervorragende Wirkung aus die deutsche Kunst. Zum Schluß wurden die hervorragendsterr jüdischen Schauspieler kritisch beleuchtet, wobei als interessantester Teil des ganzen Bortrages eine geistreiche Definition der Schauspielkunst als solcher gegeben wurde R Zum 100. Geburtstag von Ferdinand Lohn. Wie wir in liebenswürdiger Weise von befreundeter Seite aus merksam gemacht werden, ist in dem Artikel über Ferdinand Cphn von Dr. Carl Pinn-Charlottenbürg in Nr. 1/1928, des Gemeindeblcsttes ein offensichtlicher Irrtum enthalten. Dort ist gesagt, daß bei der! Beerdi gung Ferdinand Lohns, also am 25. Juni 1898, der „redegewaltige Rabbiner Dr. Joel in Breslau eine Rede gehalten hat, während Dr. Joel bereits am 3. November 1899 gestorben ist. In Wirklichkeit haben Rabbiner Dr. Rosenthal zmd Rabbiner Dr. Guttntann gesprochen. Die Schrifllzitung. Den 90. Geburtstag feierte am 8. Februar 1928 Herr Simon Mugdan. Kirschalle« 35. Den gleichen Geburtstag feiert am 4. März 1928 Frau Chor lotte Münzer geb. Jereslaw, Telegraphenftraße 6. i Den S0. Geburtstag feiert am 24. Februar 1928 Frau Klara Proskauer igeb. Deutsch. Tauentzienstraße 49. > , Den 75. Geburtstag feiert am 2i. Februar 1928 Frau Bertha Roth geb. Wohtauee. Alsenstraße 95. k '