Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 4 (1927)
- Issue
- 10 (15.10.1927)
- Date
- 1927-10-15
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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Nr. 10 Breslauer Jüdisches Grmeindedlaii 155 d«n deutschen Juden stärker! verbreitet ist als unter anderen Bevölkerungsschichten, daß die-Zahl der Selbstmorde erschreckend zugenommen hat und Mißstände I auf geschlechtlichem Gebiete mit ihren schweren gesundheitlichen Folgten sich ausbreiten. Die Selbstmorde betrugen in Preußen auf 100 000 Lebende der Bevölkerung im Jahre 1925 bet der evangelischen Bevölkerung 27.V, der katholischen 13,5, der jüdischen 53,21 Wölls Ihr solchem Niedergang mit verschränkten Armen zuschauen? Nein und! abermals neinl! Der Bestand des Judentums muß gesichert werden, und er kann gesichert werden, wenn man die drohenden Gefahren erkennt und ihnen zst begegnen sucht. Was, aber kann geschehen? Wirksame Maßnahmen müssen einsetzen. Bön diesen sind zunächst ins Auge zu fassen: die Ermöglichung der Frühes« durch Ausgestaltung der E h e k a s s e n von Seiten der. jüdischen Gemeinden, die Einrichtung von Eheberatungsstellen, Wochenhilfe, Förderung der Stillpropaganda durch Wort und Tat, die Unterstützung aller Bewegungen, die aui körperliche Kräftigung unserer Jugend abzielen. Daneben muß an einer Berussumleitung gearbeitet werden, die allen äußeren Schwierigkeiten zum Trotz berufstätige Juden da einreiht, wohin sie nach Anlagen.unb Neigungen gehören, und sie nicht sinnlos in wenigen Berufen anhäust, weil man sie bisher nur in diesen dulden wollte. Ebenso müssen die. Siedlustgsbestrebungen mit allen Kräften gefördert werden. So nmß endlich! eine vernünftige Verteilung von Juden auf Stadt und Land zustande khmmen und nicht allmählich die licht- und lustlose Großstadt zum einzigen Asyl eines oerkümnwrnden Geschlechts werden. Und vor allem: Tlütter! An Euch ist es, in Euren Kindern das Verantwortungsgefühl für das eigene Geschlecht und für die künftigen jüdischen Generationen zu erwecken und zu stärken. Der- Wohlfahrts-Ausschuß des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gcnjeindcn geht in Gemeinschaft mit gleichstrebenden großen Organisationen voll Ernst an die Bearbeitung dieser Ausgaben. Er ist sich be mußt, daß ihre Lösung noch viel Zeit und Arbeit erfordern wird. Unlösbar aller müssen sic bleiben, wenn -ie Juden Deutschlands ihnen nicht das nötige Berständnis ntgcgenbringen. Darum, Glaubensgenossen, achtet von nun an mit erhöhter Aufmerksamkeit auf alle Fragen der jüdischen Bevölkerungspolitik, arbeitet in Euren Gemeinden an .ihnen d Von der Genauigkeit bei Auswahl und Anpassung Ihrer Augengläser hängt viel ab. Nicht nur die Sehkraft an sich inul! geprüft werden sondern auch die Funktion der Augenmuskeln, denn diese zeigen oft Abweichungen, d e bei der Bestimmung der Augengläser berücks chtigt werden müssen. Eine in jeder Hinsicht ausreichende Untersuchung kann unter Umstanden nur der Arzt vornehmen. In unseren neuen Geschäftsräumen werden Ihre Aügen mit den vollkommensten Instrumenten in getrennten Untersuchungsräumen ärztlicherseits von 10—1 und von 3'/,—0>/, Uhr geprüft und Ihsien unter den besten existierenden Marken, einschließlich Zeiß-Punktal, die gerade, für Ihre 'Augejn passendsten Gläser verordnet. OaUflilum jetzt Ohlouer Str.82 mit und benutzt im Kreise Eurer Familien und Eurer Bekanntschaft jede Gelegenheit, um Gleichgültige und Ununterrichtete mit Hitze des von uns zur Verfügung gestellten. Materials darüber aufzuklären,! daß es äugen, blicklich keine wichtigere Frage für uns geben kann, als eisten ausreichenden Nachwuchs in körperlicher Kraft und geistiger Frische heranzuziehen! An die Rabbiner und Lehrer ergeht där Ruf, in gottesdienstlichen Veranstaltungen und öfsentlichen Versammlungen im Sinne unseres Aufrufes zu wirte», den Gemeindevorständen erwächst die Pf icht, ihre Kraft einzusetzen für die Erneuerung eines gesunden Familienlebens. ' Der Wohlfahrts-Ausschuß -j des Preußischen Landesverbandes jüdisches Gemeinden. I ■ . heilstättenbehan-lung und jüdische Tuberkulsjfe-Zürsorge. Bon den zahlreichen Heilmethoden-, die zur Bekämpslmg der Tuberlulose in den letzten Jahren und Jahrzehnten in Ausnahme kamen, ist die Heilstättenbehandlung eine von den ganz wenigen, welche ihren Plag behauptet'hat. Eine außerordentlich umfangreiche Statistik! bringt alle Stimmen, die gegen Wert und Erfolg der Heilstäitenbehmidlung laut würden, zum Schweigen. Und aus dieser Statistik haben Staat, kommunale Institutionen wie Privatorganisationen die Konsequenz gezogen, immer neue Heilstätten einzurichieu und möglichst weiten Volkskreisen zugänglich zu machen. Leider jedoch setzt hier die Knappheit der öffentlichen Mittel Schranken, deren Ueberwindung eine Hatzptausgabe der öffentlichen Fürsorge ist und auch , noch lange Zeit bleibest wird. —Verhältnismäßig groß ist die Möglichkeit einer Hcilstättenkur für Versicherte: - sowohl die Landesversicherungsanstalten wie auch die ReichsversicherungLanstall, die Reichsbahn und die großen Beamtenorganisat onen gewähren ihren Mitgliedern unter bestimmten ärztlichen und versiche wngstechnischen Voraussetzungen kostenlose Heilstüttenkuren, durch die n vielen Fällen völlige Heilung und Wiederherstellung der Erwervsfähigkcit erreicht wird. Aber auch für die nicht versicherten Kranken ist insofern gesorgt, als der Staat den Kommunen ausgiebige Fürsorge für' Unbemittelte auserlegt; und in Breslau wird nicht nur diese Fürsorgepslicht von seiten NMMMUfUIMIfflllHMHIIIIIIIItlllllllllllllll ' Täglich frisch n & Spezialität: r gut and billig Mo Roth HOfchenstr. 14 Fernruf Ohle 1974 Da uerbrand BOLK ORAN1ER-RIE5SNER 0 L / fierz^fhrlich Breslau 1 Blüctierplatz 1? inmmiHimiHiimwwitniwiHMHiiiwBmi GjemtMe&mmgmg