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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1927-05-16 · 5 (16.5.1927) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
4 (1927)
Issue
5 (16.5.1927)
Date
1927-05-16
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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70 Br«»l««er Jüdische» Gemeindeblatt Nr. 5 " ■;■ ■ cifüllcn, Menschen fördern konnte und wollte. Das war ihm der vch, Gott gebotene Zinn des Lebens, und indem er ihn so erfaßte, hat seine Lebensführung ihm Leben gebracht. Er war kfin Mann der großen Worte, der pathetischen Gcstdn, er ginf über das Große gern mit leichtem Scherz, mit leisem ' Spott; mit Zarkasmus und Selbftironic Ihinweg. Aber Uiemals fiar fein Zpott verletzend, nie das Große herabziehünd und b« rabwürdigend, vielmehr stets so, daß nian empfand, daß Zkicr-z und Zpott nur die Hülle war, unter! der er tiefste - EmpniiLung barg, die auszusprcchcn und anderen zu enthüllen er verscknnähtc. Aber er war ein . Mann von reinem Heizest, eine Zcclc, in der das Niedrige keinen Platz halte. Er wck: einer jenen seltenen Menschen, die jene 2? N«2N nicht i ur Herzenbildung, sondern jene echte Weisheit pes HevzciH ihr eigen nennen, die sie befähigt, bei aller nüchternen Betrachtung der Tinge und der Menschen doch immer wieder das Gt te in den Menschen zu suchen und Zu finden. Und das eben,!oeil er eine von Grund auf gütige Natur gewesen ist! So wtzr er ein Arzt von hervorragender wissenschaftlicher Kenntnis und großer praktischer ärztlicher! Kunst. Abex das Größtes seiner ärztlichen Leistung war, daß er die Menschen verstau S und darum mit den Menschen iumzugehen wußte, wie es nur wenigen gegeben ist. Ihm gab eben diese Herzeuswejshcht auch, diese außergewöhnliche Klugheit^ weil er ein Mensch gewesen ist in des Wortes bestem Zinne. Bon ihn, dürfen!! wir, anders als das Psalmwort nnst ausgesprochen wurdet rühmend und anerkennend sagen '2^52 ri:N njjtK' „Tu, »in Mensch nach meiner Wertung."*) llifb er war ein Mann der Treue. 3m, sich selbst, eine wahrhafte Natur, die bei allem Entgege, kommen und aller Verbindlichkeit in der Form, bei aller Friedensliebe Und Freundlichkeit niemals sich selbst und die eigene Ueberzeugüng verleugnete. Treu den Leinen, in inniger Liebe der Tochter verbinden, mit brüderlichem Zinne den Geschwister,^ vereint, in väterlicher Treue deren Kinder umfassend, mit klugen, Rate ihnen jederzeit zur Leite stehend: treu seinen i zanlreichem Freunden, treu feinen Bcrnfsgenö ssn. Er hatte, eine hohe Meinung von seinem Beruf und vo, ärztlicher Wisst,,» schüft hnd Kunst, wenngleich er'in der klaren Erkenntnis her GrenM, menschlichen Wissens und ärztl chen^ Könnens ein leichte« Zpotljvort über diese Mängel o't auf. den Lippen trug, s«l, selbst mit einschließend. Er hat in solches Wort nur das Bekenntnis gekleidet, daß gerade demjenigen Herzenssache ist und ihm wohl anfteht, der ein gründlicher Kenner und Könner in seinem Fache ist, das Bekenntnis der Begrenztheit alles menschlichen Wissens. Er war treu feinen Berufsjgenosscn, in deren Kreis er nicht nur wegen seiner ärztlichen Bedeckung, sondern auch wegen! seines echt menschlichen Wesens,-seiner Güte und steten Hil sbereitschaft, seines klugen,! taktvollen Wesens wegen hoch a igefchcn war. Er war trxu unser,,, Judentum, ihn, und seiner Gemeinschaft aus tiefster Seele ergeben. Zo hat er hie: in der Vertretung . und dann im Vorstand unserer Gerne: ide gearbeitet, bis die - Krankheit!ihn zwang, die Hände ruhen zu lassen, mit klugem Rat, mit weitem Blick und praktischem Sinn die Arbeit leistend, das Kleine bedenkend, aber den Zinn stets auf die großen Aufdahcn und die'großen Ziele ceichtet. Und was er in. den verschiedenen gemeinnützigen und wvhltätisten Vereint,, nndj Anstalten, in deren Leitung er! tätig war, geleistet, was er insbesondere unserm Jüdischen Krastkenhause fn lOjhhriger ärztlicher und jahrzehntelanger Vvr^ standstgtigkeit getvesen ist, was sein Wirken dort für die Anstalt, „pd was seine Tätigkeit dort für die chr anvertrauten Kranket, bede,stete, das ist mit Worten nicht zu erschöpft,,. Er was treu hem Paterlande und der Heimat. Auch hier nicht "chit großen tönenden Worten, wohl aber mit feintm ganzen! Tun, rstit der Einsetzung seiner ganzen Persönlichkeit. Freiwillig ist er hinausgezogen in den Krieg,, aus dem er den Keim der Krankheit mitgebrccht hat, der er jetzt erlegen ist. St» hat er seine Aufgabe im Leben pls Mcstsch und dls Jude aufgefaßjt, das hat ihm bedeutet chottes Satzung rpid! *) Psalm 55". Recht wahren und üben und so Leben gewinnen, das Leben als Aufgabe und das Leben als Ertrag auch um den Preis des Lebens. Und wenn wir alle in aufrichtiger tiefer Trauer ihn geleiten, und wenn ganz besonders seine Hausgenossen, wenn sein Kind und seine Geschwister'und Angehörigen um seinen Tod klagen, so muß uns der Gedanke erfüllen und erheben, daß es ein Leben gewesen ist von einem seltenen inneren seelischen Reichtum, daß dies Leben uns, den Ueberlebenden, ein Bild ist und bleiben soll echten Menschenlebens, daß es so durch die Erinnerung nachwirkt, selbst lebendig, Leben schaffend, daß es so uns lehrt den Ewigkeitswert des Menschenlebens und so angesichts der Vergänglichkeit uns zu dem Unvergänglichen, zu Gott ernporträgt, von den, wir Trost erbitten für die Trauernden, dessen Walten preisend wir aussprechen: 7p22 « Dtt;T riß? n sw ” „Gott hat gegeben, Dott hat genommen; der Name Gottes sei gepriesen!“!**) Amen! ") Hiob I». 7)u« unserem Gemeinüe-firchiv. Bon vr. H r P P » e r , Gem..Archivar. (iuitiirlidi|e Grobe) schätze wachsen, zu eng wird das Haus!" — Eine Fülle von Schätzen an Akten, Büchern und Blättern brachten die letzten Monate in unser Archiv; aus der Höhe und aus der Tiefe kamen sie, vom Boden des Gemeinde- und aus dem Keller des Krankenhauses, ustd nun liegen sie, wenn auch nicht besonders bequem und behaglich, so doch wenigstens gesäubert und geordnet in und auf den Schränken und Regalen des Gemeinde-Archivs und hoffen, daß ihre versprengten und zerstreuten Geschwister sich bald zu ihnen gesellen werden.— Einen „erien, recht interessanten Zuwachs erfuhr das Archiv in jüngster Zeit: eine silberne T e „ k m ü „ z e>) aus dem Jahre eintausend siebenhundert einundneunzig, seinerzeit, von der Gemeinde gestiftet und jetzt von deM gegenwärtigen Vorstand erworben und den, Archiv überwiesen. Bis aus Augsburg (Antiquariat Josef Oberndorfer) kam sie, um in der alten Heimat ihre Ruhestätte zu finden! — Auf ihrer Vorderseite sehen wir (vergl. Abb. I) einen Stamm mit Pfropfreis, darunter die. Jahreszahl 17 9 1 und im Halbkreis darüber die Worte: „vom Grafen H o p m v e r e d e l t," und auf der Rückseite (vergl! Abb. II) einen Lorbeerkranz und darin: „Stiftung der j ü d i s ch e „ W i l h e. l ,„ s- Schule zu Breslau den 15. Merz." .Und da bekanntlich nur besonderen Ereignissen „ich bedeutenden Menschen Denkmünzen oder Medaillen?) gestiftet werden/ dürfte es wohl gestattet sein, etwas Näheres über die Wilhelmsschule und den Grafen Hohn, zu berichten?). Dieser, ein edler und hochgebildeter Mann, ein Verehrer Mendelssohns u,id ein wahrer Menschenfreund, stand seit dem Jahre 1770 als dirigierender Minister in Schlesien an der Spitze der Kriests- und Tomänenkammer; und als auch unter den Breslauer Juden das Bestreben sich geltend machte, ihre bürgerliche und kulturelle Lage zu verbessern, da fanden sie bei dem Grafen vollstes Verständnis und bereitwilligstes Entgege, kommen für ihre Wünsche. So auch bei der Einrichtung und Gründung einer jüdischen Unterrichtsanstalt, in welch:r neben Religion, Bibel und Talmud auch Lesen, Schreibe r, Rechnest, Sprachen, Geschichte, Erd- und Naturkunde u. a. gelehrt werden sollte. Die Gemeinde erhielt die Erlaubnil, die Arsstalt nach dem Namen des Monarchen „Wilhelms-Schule" zu nennen, sie bekam zur Er- I

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