Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 3 (1926)
- Issue
- 11 (22.11.1926)
- Date
- 1926-11-22
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Breslauer Blatt der Ggnagogengemelnde zu Breslau SctzAftleWmg: Deriag: Büro der Sgnagogenge 0r. Nechnitz Brr«lau, Wallflratze - I Druck v Breslau» Wallstr. 9 / Tel. 9t 1612 | Bres! s Sk f gilb. 0MMokkr-L«>k otn Ackii Dkm ndkblatt und Anzrigen-Bnnahme: Druckerei Th. Schatze» AMengeseNschast > au 3, Neue Draupenstratze Nr. 7 1 Fernsprecher Ntng 8591 u. 8552 13 p(g. — 3M lakfmAcn Stuftrflgm XaMt. FUr di, unter dem Namen deS DerfasserS erscheinenden Artikel und vie Deredu aachrichten llbernehmen wir n« die Presse»esetzliche Derantwortun» L.Sahrg. 22. Rovembek 1920 i Rr.11 Die alten jüdischen Zrirdhdse tr Vreslau und Dghernfurth') Während eine wohlorganisierte Denkmalspftege in pietätvoller Weise für die Erhalt» ng aller nur irgendwie bedeutungsvollen Reste älterer Kunst und Kultur Sorge trägt, erscheinen die jüdischen Friedhöfe z »meist von dieser Fürsorge ausgeschlossen. Mit Unrecht. Denn ihre Bedeutung für die Familienforschung darf ebe »sowenig unterschätzt werden, als es anderseits lohnend erschein« n mag, die stilistischen Wandlungen und den Zeitgeschmack vrrgangener Jahrhunderte an den Grabsteinen zu. verfolgen. «Selbst der »veltberühmte alte Prager Judenfriedhof, den jeder Fremde, gleichgültig welchen Bekeantntffes, aufsucht, wen » er die Sehenswürdigkeiten des „Goldenen Prag" kennen!, rnen will, wird mehr seiner landschaftlichen Schönheit und historischen Bedeutung willen geschätzt, yls wegen seines architektonischen Wertes.!Und wie »oenige wissen, daß auch ii» anderen Städten überaus sehenswerte Friedhöfe bestehen, deren Stimmung, malerische Reize und Kunstwerte jenen des Prager jüdischen Gottesackers kaum nachstehen. Nur ganz ver ünzelt sind diese auch literarisch gewürdigt worden — Worns, Wien, Eisenstadt usw. Aber es sind nicht die einzigen, di,! sich einer Erforschung würdig erweisen. Der Verfasser hat in jahrelangen Studien kunst- und klllturhistorisch wertvolles Material u. a. in Posen'), Krotoschin'), Kurnik, Lemberg, Krakau usw. nachgewiesen und in den letzten se«hs Jahren intensiv in Breslau und Dyhernfurth Studien betrieben, deren Ergebnis nunmehr in einer Arbeit vctrliegt, nachdem bereits d »s Breslauer Material anläßlich der > diesjährigen!Tagung für Denkmalspflege (Breslau, 21. bis! 2ss. September) in dem »mtlichen ministeriellen Organ ab-! gedruckt worden warH.! Sowohl Iber Friedhof in der Claassenftraße als auch jener! zu Dyhernfurth überraschen durch ihre landschaftliche Schönheit und Stimmung. In i fjren älteren Teilen erblicken wir die allen alten jüdischen Begräbnisstätten eigene Selbstzucht, die sich I in der Erstellung gleich I>oher, wenig aufdringlicher Steine äußert, in unvergleichlich zwingender Weise das „Nivellieren nach dem Tode" zum Aus )ruck bringend. Aber noch mehr ist die kunsth Höfe beachtst geben, desse i XVII. und der Fall i graphischen sorgfältige st o r i s ch e Bedeutung dieser beiden Frieddenn es dfirfte kaum einen jüdischen Friedhof Grabsteine ') „Alte Schlesisck Dyhernfurch). j I. Band der Heimatschutz. Bon Professor Pr Derlao Puido! Hackebeil, 1916. ') Denkmalspflege (Mini Mini b latt der Bau» „Denkmalspfl die Wandlung der ^Stilarten des VIN. Iahrhünderts so klar dartun, wie es hier Die zeick nerisch-maßstäblichen sowie photoufnahmen eti izelner Denkmäler — es ist nur eine üslese unter )en zahllosen, architektonisch bedeutsamen gegebien — erweise i aber auch, mit wie viel Liebe und Geschmack dejr Zeitstil sich <jn den Grabsteinen äußerte, teils von e Judenfrledhöfe (Breslau und Monographien zu Denkmalspflege und Ing. AlfredGrotte. Berlin E. 14. Mit 45 Abbildungen. Preis S Mark, erialbl.) Nr. 8/1919. rwalluna (Preüh. Minift.-Bl.) Nr. 70/1916. ge und Heimatschutz", Heft 7/9, 1926. tüchtigen, an jesuitischer Kunst geschulten christlichen Steinmetzen, teils von ostjüdischen Handwerkern mit mehr gutem Willen als Kunstverständnis erstellt. Aber gerade diese Gegenüberstellung ist ungemein interessant. So sehen wir die überaus Hof. und fein komponierten Barocksteine. Dyhernfurths, dem Friedder erst 1762 von jenem der Elaasseustraße abgelöst wurde! auf diesem verfolgen wir wiederum die Aeußerungen de» frühen und späten Barock über den Klassizismus und da» 3131 He X& Entipire bis zuft» Biedermeier. Abbildungen von Grabmälern prominenter uhd historisch interessanter Persönlichkeiten sind de» architektonisch wertvollen angefügt. So sehen wir die Grabsteine des im Freiheitskriege gefallenen Kgl. preuß. Sekondelie »tenants Meier Hilsbach, des deutschen Dichters Kuh. de!, Kommerzietzrats F r aenckel, das Schottländer sche Gi ab usw. Händskizzen des Verfassers zeigen die sinnreiche Symbolik.die wir auch hier, wie auf'allen Friedhöfen des Ostens, in reicher Variation finden: abgebrochene Kerzen. Siinduhr, gefällter Bauch usw. - Nicht minder interessieren dürste der kurze historische Teil, de: die in verschiedenen Aufsätzen verstreuten Fsrschungen B rann 's und Markgraf's z»»sammenfaßt und durch w, iteres Material aus dem städtischen Archiv ergänzt ist: so u' a. durch die Im Wortlaut abgedruckte Eingabe der jüdischen G,!meindeoorst«!her an Friedrich den Großen,^dessen Initiative übrigens der Friedhof in der' Claassenftraße seine