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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1926-02-18 · 2 (18.2.1926) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
3 (1926)
Issue
2 (18.2.1926)
Date
1926-02-18
Page
[Seite] (sequence 6)
Language
German
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22 Breslauer Jüdische« Gemeindeklatt Nr. 2 Verein selbständiger jüdischer Handwerker e. V., Breil«». Am 27^ Januar 1926 fand bei Schaal ein« außerordentlich gut besucht« Versammlung, statt. Felis Simmenauer hieß all« Anwesenden herzlich willkommen und dankte für da« zablreich« Erscheinen. Ausgenommen wurde ein ordentliche« Mitglied. Im Mittelpunkt de« anregenden Abend« stand «in Lichtbildvortrag E. Eichwald, der in längeren Aursnhrungeu über Zweck, Ziel und Ausgabe» de« Ratio« sprach. Reicher Beifall lohnt« den Vortragenden. Gesangrdarbielungen und Rezitationen perschönrea den Abend. Am Mittwoch, den 17. Februar 1926, abend« 8 Uhr, findet bei Kernhäuser, Freiburger Straße/ 8t« ordentlich« Generalversamn^ung statt. Anträge dazu sind 8 Tage vorher beim Verein«leiter, Felir -Simmenauer, Parkstraß« 38/40, «inzureichen. L. Frankel. Kiadergarte» »nb Kinderhort der Vereinigung jüdischer Frauen E. V. Am Sonntag, de» 10. Januar, fand im großen Saal der Lesfing-Log« da« 20jahrige S»iftung«f«st de« Verein« statt. Die «reuen Freund«, deren sich der Verein seit seinem Besteben in großer Zabl ersteul, waren all« erschienen und nahmen dankbar die ihnen gebotenen künstlerischen Darbietungen entgegen. Der Abend wurde eingelcitet. durch Gesang de« Herrn Oberkantor Borin, ,der st» in liebenswürdigster Weis« in den Dienst der gute» Sach« gestellt hatte. Herr Rechtsanwalt Svitz gab in kurzen Umriffen di« Geschichte de« Verein«, der ffib allen Schwierigkeiten zum Trotz in de» ganzen Jahren auf achtenswerter Hohe gebaltk« bat. Der Redner gedachte in herzlichen -Worten der derzeitigen Gründer und derer, die den Verein »och beute begleiten. Herzerfrischend war ei» kleine» Festspiel, da«, von Hortkindern ausgesührt, ' gleichzeitig brwie«, wa« der Hort leistet, sowohl an selbstgeserrigtea Arbeiten aller Art, - die rum Verkans «»«gjestellt waren, al« auch an verschiedenen Bewegungsspielen. An sonstigen Darbietungen sei noch «rwäbnt Herr Konzertmeister Rosenibal, der durch sein wundervolle« Violinspiel die Hörer begeistert«, begleitet von Herrn Dr. Schalscha, Konzertsängerin Fr. Dr. Gillir, der sich Fr. Kramer al« feinsinnig« Begleiterin anzupaffen wußte, v Alle« in allem ei» woblgelungener Abend, dem, neben dem ideellen Erfolg auch bosscntlich «in materieller befchieden ist. i ' Vereinigung der „Achtzehn Männer" Breslau. Vielfach geäußerte» Wünschen entsprechen^ wird die Vereinigung der Achtrebn Männer ibre dieSnkalige Jahresfeier de« 7. Adar in der Alten Synagoge, Wallstraße, begeben. Die. Feier findet am Sonntag, den 21. Februar, 9 Ubr nachmittag«, statt und machen wir unsere verebrlichcn Gemcintemitglieder hieraus aufmerksam. (Siehe Inserat.) Kanadisch« Erlebnisse. Ei» im Jabre 1924 nach Kanada au«gewandrrter Oesterreicher schildert in einem Brief« an da« österreichische KÄlsulat in Montreal seine Schicksale. Er war aus Grund verheißungsvoller Schilderungen, di« er in Zeitschriften gelesen batte, unter Zurücklassung seiner Familie in der Erwartung, günstige Erwerbemöglichkcitc« zu finden, nach Kanada gefahren. Versprochen war ibm ein Unterkommen bei einem großen Farmer mit tadelloser Beköstigung und gutem Gehalte. Nach seiner Ankun.it in Liiebec wurde er mit zwei anderen Einwanderer« nach d«m ferne» Westen, »ach Saskarchevan geicndet, fand aber dort auf der Farm nur eine Erdhöble, in der der Farmer wohnt« und al« Schlafraum für fich und feine GkNoffen einen ■ allen Zrachtwagen. Al« Lohn erhielt er nur 25 Dollar monatlich, während di« anderen Landarbeiter mit 40 — 50 Dollar entlehnt wurden. Nachdem die ganie Situation für di« Dauer nicht haltbar war, verließ er seinen Pcstcn und begab stch zu einem andere» Farmer, bei dem er »unmebr 35 Dollar erbielt. Al« er nach Beendigung der Arbeite» im November entlaffe» wurde, mußt« er sich über dt» Winter um einen Posten al« Holzfäller umseh«» und ging dann im Frübiabrc de« nächsten Jabre« wieder zu einem anderen Farmer, der ibm »unoiedr den ortsüblichen Lobn von 45 Dollar monatlich nebst Verpflegung bezablte. Aher auch dort konnte er nur bi« zum Hereinbrechen de« Winter« bleiben. So mußte er wieder in di« Stadt nach Montreal gehen^ um nunmehr sein« Heimreise anzutreten. Alle fein« Versuche, sich eine Existenz zu gründen und stch «nzußedeln, waren feblqeschlagen. Ein« balbweg« gute Farm kostet wenigstcn« 4 — 10000 Dollar. Die geringen Ersparnisse, die der Briesschreiber im Sommer mit großer Müb« gemacht batte, find zum größten Teil« auf di« Reist» von einer Farm auf die andere und in «die Stadt ausgegangen, so daß für di« Erkaltung der Familie in der Heimat nicht« übrig blieb und der Auswanderer nicht einmal da« Geld für die Rückreise instand« bringen konnte. Er rät jetrm dringend ab, nach Kanada aurzuwanderu. . Di« Zenttalwohlsahrttstell« der denrsche» Inden hatte Gelegenheit, im Rabmen der direjäbrige» Fortbildung«woche der Lehrerschaft über Ausgaben der jüdische» Wohlfahrtspflege einen Ueberilick zu geben. Der Geschästrsübrer der Zentralwoblfabrtestelle, Herr Dr. Segall, brachte in einer einstündigen Red« da« gesamte Gebiet der Organisation der jüdischen Woblsahrt«- pfleg«, der Wirtschaftttfürsorge, der 8efundhej»«fürsorge und Jugendwohlfahrt zur Darstellung, mit bescnderer Berücksichtigung der Möglichkeiten für die Mitarbeit der Lehrerschaft. Sein Referat fand ungeteilten Beisals bei den anwesenden Lehrern, bei denen fich große« Interesse für die'Mitarbeit aus sozialem Gebiet in der anregenden Diskussion zeigtr. Jurhesondere wurde die Anregung begrüßt,» einen Sozialen Aurschuß der jüdischen Lehrerschaft nach dem Beispiel de« Rabbinerverbande« zu begründen, im 'Rahmen der einzelne» Wohlfahrtsämter, Provinzial- und landerverbände auf sozialem Gebiet organisatorisch und praktjsch mitzuarbeite» und An«bildu»g«kurse auf sozialem Gebiete ei«,»richten. ' E« wird ein« der dringendste» nächste» Ausgaben der Zentralwohlfah««- stell« der deutsche» Inden und der Lande«.Provinzialverbänd« ünd'Wohlsahrträmlter sei», in de» verschiedenen Gegenden de« Reich« solch« Kurs« gemeiusam mit de» Lehrern zu verunstalten. Schlesisch« Auswanderer-Beratungsstelle. Deutsch« überseeisch« An«wander»»g im November 1925. 5299 Personen find ihr November de« letzten Jabre« über Bremen und Hamburg nach Uebersee aurgewandcrt, gegen 6469 im Monat zuvor und 5445 im November de« Jahre« 1924. , ( ' Warnung vor 2l»««ander»»g«agenten. In Schlefien werben seit einiger Zeit von Holland und neuerding« auch von Danzig au« Agenten zur Aurwanderung nach Brasilien, wo'sie Leichtgläubigen ein herrlicher Dasein al» Landpächter und Besitz« ' in den rosigste» Farben au«- male». In Wirklichkeit sollen aber die Auswanderer al« Arbeiter in Kaffeeplautagen überführt werde», in eine Existenz, für die au» klimatische» und kulturellen Gründen Deutsch« fich turchau« nicht eignen. Für die Agenten Handel« e« sich. ui^ eia lohnende» Geschäft; denn sie beziehe» Kopfgelder vois mit Arbeitern versorgten Pflanzungen und Provisionen von der holländischen Dayzpferlini«, aus deren Schiffen dieser Menschenhandel vor fich geht. E» wird gebeten, wenn «ine derartig« Propaganda beobachtet wird, umgehend der Schlesischen Aurwanderer- Beratungrstell« in Breslau 5, Friedrichstraße 3, I, Mitteilung zu machen, damit durch Belebrung über die tatsächlichen Zustände auf den Kasseeplantagen de« tropischen Brafilien« Leichtgläubig« vor Enttäuschungen und Schaden bewahrt werden können. " RlF I Mitteilungen -es Relchsbua-es jüd. Zrontfolöaten Jl 1 Ortsgruppe Breslau (erscheinen regelmäßig monatlich an dieser Stelle). I. Di« in der lebten Nummer unserer Zeitschrisl ,,Die Front" angekündigten Mitteilungen an unsere Mitglieder werden künftig an dieser Slellt regelmäßig erscheinen. II. Unser Kamerad Und Ebrcnmitglied Hermann N a p h t a I i, Veteran au« den Kriegen 1864, 66, 70/71, ist im 85. kebcnsjabr am /. d. Mt«, verschieden. Den regelmäßigen Besuchern unserer Veranstaltungen ist er durch sein Jnlereff« und seine Teilnahme an unfern Arbeite» gut bekannt. Wir haben ihm di« letzt« Ehr« erwiesen und werden ibm ein treues Gedenken bewahren. III. Die ordentliche Gelieralversanunlung der Orrsgrupre fand am I. Februar 1926 im kleinen Saal der Lessing.Loge statt. Den, Vorstand-wurde Entlastung c» teilt, die Kameraden: Dr. Ernst Fracnkel zum Vorsitzenden, Otto Elkele« zum Schriftführer, . Mar Abramsohn zum Schatzmeister einstimmig wiedergewählt. — Der bisherig« Grschäflssührer, Kamerad Assessor Steinhardt, der in den Justizdienst zuxückgetrete» ist, verabschiedete fich von der Ortsgruppe, die ihm ibren Dank für seine Tätigkeit ausspricht. An seiner Stell« übernimmt Kamerad Dr. Joses Hirschberg bi« aus weitere« bi« Leitung der Geschäfte. Sprechstunde im Büro: 11 — 12 Ubr werktäglich; Abschrift: Hohenzollerastraße 62, Bürozeit unverändert 10-4 Ubr. E« wurden in lebhafter Auesprach« einig« Beschlüsse gefaßt und ein« Reib« dankenswert Anregungen gegeben, deren Durchführung der Vorstand in seiner Sitzung vtm 4. Februar 1926 bereit« in Angriff genxmmen hat. IV. In dieser Vorstandssitzung wurden die Kameraden: Herbert Gadiel, Ludwig Heinrich, Dr. Josef Hirschberg, Rechtsanwalt Ludwig Keiler, Landrichter Dr. Ernst Rofenthal wieder, die Kameraden Lcui« Blandowski und Julius Rüben neu in den Vorstand kooptiert. Aussprache und Beschlußfassung über Sport- und Unterstützungkangelegenheite« sowie verschiedene kleine Vorlagen. j V. Die Direktion de» Hallenschwimmbad«« ist bereit, sür bi^e Angehörigen unserer Mitglieder (Frauen und Kinder) an zuxi ganzen Tagen dir Woche regelmäßig Schwimmbäder zu dem ermäßigten Preis« von 35 Psg. zu cstwäbren. Wir werde» zweck« Durchführung, dieser Vergünstigung ab 15. Februar 1926 in unserem Bür«, Schweidnitz«! Stadtgraben 8, II, in der Zeit von 1 — 3 Ju&r namentlich «»«gestellte Schwimmkarlen aurgeben, die zwei Monate Geltung haben, zur Feststellung genügenden Gebrauchs hiernach geprüft und nur denen überlassen bleiben solle», die sie reichlich verwandt haben. Die regelmäßigen geschlossenen Schwimmabende sür Mitglieder, am Dd»ner«tag jeder Woche, abends 9 Ubö, bestehen fori; ebenso die Turnstunden der Ort«gruppe jeden Mittwoch,8-10 Uhr abend« und Sonntag 10—12 Uhr vormittag« in der Turnhalle der Volksschule Arletiu«- straße 9, unter Leitung ein«« geprüften Turnlehrer«. Die Beteiligung an einem Schwimmabcnd kostet 35 Psg-, an de» Turlistunden ist unentgeltlich. Regere Teilnahme an beiden sportliche« Veranstaltungen ist im Interesse jede« Einzelnen sowie de« Bünde« dringend notwendig. VI. Die Organisation de« Landerverband« Schlefien wird «isrig betrieben; am Stistungrfest der Ortsgruppe Liegnitz und am Turnfest der Ortsgruppe Glogau waren wir vertretrn. VII. Die ordentlich« »Bunderhauptversammlung findet am 21. März 1926 in Berlin statt. Landekvertand Schlesien Und Ortsgruppe Brerla« werden durch mehrere Kameraden vertreten fein. VTH. Di« Beteiligung der Kameraden an den Trauergofterdieosten am 27. Februar 1926 in beiden Synagcgen ist, soweit sie abkömmlich find, eine Ehrenpflicht. j IX. Der Kaufmann Han« Cohn, hier, Hohenzollernstraßü 76,. ist durch Beschluß de« Ebrenrate« de» Landesverband«« Schlesien (§ 6 der! Satzung) au« dem Bund« ausgeschloffen worden, «eil er durch würdelose« Verhalte« außerhalb de« Bunde« dessen Interessen geschädigt hat. I. A.: Dr. I o s«s H i r s ch b e r g. * . * Unser lieber Kamerad Bernhard Litt«»er ist gestorben. Die Beerdigung hat am 15. Februar in Cosel stattgefunde». '

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