Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Journal
- Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
- Volume
- 2 (1925)
- Issue
- 9 (29.9.1925)
- Date
- 1925-09-29
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 3 134 Breslauer*Jüdisches <S em ei n beblat« der Thora und ^auch den Prophctcnabschnitt. Wo die hekjräische Sprache nickt verstanden wird, trete die deutsche Muttersprache an il're Stelle. Aber nickt selten dürfte der Fall cintrctcti, daß ein Heranwachsende? denkendes Kind aus eigenem Antriebe den Wunsch äußern wird, all jene Schönheiten, die Eltern und Lehrer vor seiner Seele aufbaucn, an der Oucllc kennen zu lernen. Raumen wir aber dann der Erfüllung solckcr Wünsche jedqS Hindernis aus dcnj Weg, seien wir Eltern so wie sonst im Leben, auck dann die Schrittmacher für unsere Kinder. Miüscn wir die mahnende Stimme dcp vergangenen koken Festtage verstanden haben.' Geben wir tc'n Religionsunterricht an tVii lieberen SMulen in den Augen unserer Kinder die ^gleiche Bedeutung und Pie gleiche Daseinsberechtigung, wie jedem «rüderen Sckülfache und schicken wir sic zugleich in die Religionsuntcririchtoanstaltcn, die unsere Gemeinde für beide Richtungen hier unterhält. Für den konservativen Teil unserer Gcmeindcmitglicdcr kommen ' die Anstalten in der Vallstraßc 9 iHauptanske.lt) und in der Argustaschulc l Zweigarrsralt) in Betracht. Für den liberalen Teil sieben vom Wintersemester an drei Anstalten zur Verfügung. DieHauptanstalt Anger 8,9, dic.Zweiganstalt für den Süden mr Jlminc 'scken Lnzcum, Klciststraße 4 und neuerdings auch eine Zweigansialt für die Gegeilt! cirt Odcrtor, die in den Räumen der Bmdcr- Obcrrcalschulc, sLebmdamm 3, untcrgcbracht ist. Rabbiner Dr. Sacngcf. , .. I Repräsentanten - Versammlung! " am 27. Mugust 1Y25 Sitzungsbericht von Dr. Rccknitz. Zuerst fand eine Sondersitzung statt zur zweiten Lesung der Satzungsündcrüng. Da der Vorstand sänitlickc Abänderungen der Repräscntantenvcrsammlung zu seinem eigenen Beschluß erhoben kalte, so,war die zweite Lesung dieser Abänderungen rasch, beendet. Schwierigkeiten machte nur die Abänderung des § 20. Hier war nämlich dsr Vorstand dem Beschluß der Rcpräsentrntcnvcrsammlung nicktb'eigctretcn, den beiden Gcmeindcrabbincrn beratende Stimme im Vorstände zu geben. Der Vorstand setzte nochmals seine Ansicht für den ablehnenden Standprinkt auseinander. Die Bestimmung, welche eine Forderung des RabbinervcrbandeS sei, habe seine BcrdcKtigunc dort, wo der Rabbiner bisher an der Verwaltung keinen Anteil hatte, und wo ein einheitlicher Kultus stattfindct. In Breslau Kal en, die Gemeinderabbiner einen gesicherten Anteil an der Verwaltung, weil sic in den,wichtigsten Ausschüssen, z. B. KultuS-, Schul-, Fürsorgc-^ Ritualausschuß von Amts wegen Sitz und Stimme haben. Bei dem koppelten Ritus in Breslau soll das Schwergewicht in Kultusfragcn bei den beiden KultuSauSschüsscn bleiben, der en der Gcmcindcrabbizixr dcS betreffenden Kultus von Amts wegen angebort. Da jedoch die Mehrheit der Repräscntantenvcrsammlung von ihrem Standpunkt nicht abging, schlug der Vorstand vo>> ein« Bestimmung aüfzunebmcn,'wonach die Gcmcindcrabbiner zu den Vorstandssitzungen kinzuzuzieken sind, wenn Gegenstände icraten würden, die zur»Zusiändigkcit derjenigen Ausschüsse gehören, denen die Herren Gcmeindcrabbiilcr angeboren. Die Rcpiiisentcntcn zogen sich zur Beratung über diesen KomproM ßvorkchlag zurück. Justizrat Kalisch erklärte nach sJiedcrautnalme der Sitzung, der Standpunkt der Vcrsammlunc bliebe derselbe, jedcck wolle man zur Vermeidung eines Konfliktes dem Kompromiß züstimmcn. Beider Abstimmung ergaben sich aber nur elf Stimmen für den Kompromißantrag und sieben S immcn dagegen. IN' mit war der Antrag mangels zwei Drittel Mehrheit gefallen. flm dic'ffänzc SasungSänderung wegen dieses einen Punktes nickt zu ver-chleppar^zeg sich nunmehr der Vorstand ztr Ausarbeitung cinfs anderen Vorschlages zurück. Das Ergebnis dieser Beratung war folgender Vor^ch^cg: 7 Die Gemchnderabbincr sollen zu den Sitzungen des Vorstandes in geeigneten! Fällen mit beratender Stimme zugczogcn werden. Gegen diesen! Vorsch'eg wurden Bedenken laut, weil es ulsdann im Ermessen deS Vorstandes liegen würde, welche Fälle als geeignet anzusebcn sind. Der Vorstand-und diie Rcpräscntantenvcrsammlüng beschlossen daraufhin/ dmrch Gcmcindcbcschluß diese Bestimmung dahin auSzulcgen, daß als geeignete Angelegenheiten stets solche anzuschcn sind, dick zur Zuständigkeit von Ausschüssen gehören, in denen die Glmcmdcrabbincr vertreten sind. Gcbeimrat Goldfeld'crklärtc namens des Vorstandes hierzu noch, daß der Vorstand selbstverständlich die Gcmcindcrabbiner auch zu anderen Angelegenheiten zuzickcn könne und werde, wie dies * auch schon bisher.geschehen sei. Nachdem auf Antreff des Vorstandes die Versammlung ferner noch beschlossen batte, dem § 10 Abs. 2 binzuzufügen, daß die Wahlordnung zur Rcpräscntantcnvcrsanrmlung durch Gcmcindcbcschluß zu bestimmen sei, damit' etwaige Acnderungcn, die lcicht^crfordcrlich werden könnten, nicht auf dem schwierigen Wege der SatzungS- , änderungcn zu beschließen sind, wurde die Satzung in zweiter Lesung angenommen. Damit war diese? schwierige und für das Gemeindewobl so wichtige Werk in endgültiger Fassung beschlossen. Gchcimrat Goldfeld danktc.dcr Versamnilung für die wcrti?^ volle Arbeit, die sic.geleistet Kat, und versichert, daß der VorstandX^) die Satzung loyal aüsführcn und sic jederzeit zur Geltung bringen werde. Der Vorsitzende der Repräscntai.t.nvczsammlung, Justizrat Perser, dankte darauf dem Vorstände und allen Herren, die an den Vorberatungen mitgcwirkt haben, in herzlichen Worten und schließt hierauf die Sondersitzung. Obgleich sich diese Sondersitzung über Erwarten lang! bis V29 Uhr ausgedehnt hatte, erledigte die Versammlung ^dennoch auch die sehr umfangreiche Tagesordnung in der anschließenden regelmäßigen Sitzung, die bis 1/211 UKr abends dauerte. ' Als ersten Punkt der Tagesordnung legte der Vorstand die neuen Bcsiimmunffcn für die Denkmäler der West-Ost-Achso des Friedhofes in Cosel der Versammlung zur Kenntnis vor. Der Berichterstatter, Herr Walsch, crklärtc i^r großen Zügen die Gründ- - sätzc dieser Bestimmungen, die eingehend von der Baukommission unter Zuziehung von Sachverständigen beraten worden seien. Der Friedhof soll ein Bild des Friedens geben. Zu große Denkmäler und solche Farbentöne, die in die Natur nicht passen, müßten daher untersagt werden. Herr Wolfs erklärt diese DcnkmalSordnung als unannehmbar und beantragt, um sich nicht wieder dem Vorwurf auSzusetzen, er spreche als Steinsetzmcisicr, die Ucbcrwcisung der Vorlage an eine Kommission von fünf Mitgliedern. j Auch Herr Freundlich siebt in verschiedenen Bestimmungen eine zu große Beschränkung der Gcmcindcmitglicdcr in der Auswahl und Formgebung der Denkmäler. Bei dieser Ordnung würde ein Denkmal nur für Reiche möglich sein. . Vom Vorstande führt Herr Hoffmanrz aus, daß gerade das Gegenteil der Fall sei. Es seien alle Materialien zugclasscn. Durch die Beschränkung in der Größe wird einem übertriebenen Lurus vorgcbeugt; denn leider sei die Unsitte eingcrisscn, daß jeder den anderen durch die Größe und Kostbarkeit deS Grabdenkmales zu übertrcffcn suchte. Die Bestimmungen seien von den Herren der Baukommission und der Beerdigrmgskommission unter Zuziehung der Sachverständigen, Städt. Friedbofsdircktor Erbe, RcgicrungSbaümcistcr Ehrlich und Fnrdhofsinspcftor Piepes eingehend durchberaten worden; die nochmalige Beratung durch eine Kommission sei daher überflüssig. [! « Nachdem Herr Walsch. nochmals kur; dargelegb hatte, daß die . Denkmäler das landschaftliche Naturbijd des FricdbofeS nicht stören dürften, beantragt Herr Wilhelm Schluß der Debatte, worauf.der Antrag Wolff abgclchnt und die Denkmalsordnung zur Kenntnis genommen wurde. 1 Als zweiter Punkt stand auf der Tagesordnung die Mitteilung des Vorstandes, daß dieser dem Beschluß der Repräsentanten, zu Stellvertreter-Mitglieder des RatcS des Preußischen Landesverbandes die Herren Waldstein und Cmoschewer zu wcjhlcü, beigctretcn sei, daß aber der Vorstand nach wie vor auf dem Standpunkt stehe, daß es der Billigkeit entsprochen hätte, eitlen Stellvertreter aus den Angehörigen der Minderheit zu wählen. , ' Justizrqt Kalisch erklärte hierzu namcnS seiner Fralktioy, daß seine Freunde den Wählern gegenüber verpflichtet seien, lfie Rechte, ■