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Breslauer jüdisches Gemeindeblatt · 1925-05-24 · 5 (24.5.1925) · p. [Seite]

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Journal
Breslauer jüdisches Gemeindeblatt
Volume
2 (1925)
Issue
5 (24.5.1925)
Date
1925-05-24
Page
[Seite] (sequence 3)
Language
German
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Ni. •*= Breslauer Jüdisches Gemeinbeblatt 71 regelmäßige Kurse fir Schneidern, Turnen und jüdische Geschichte statt, aufklärende Virträge wurden gehälten, Rat von einer Aerztin erteilt. Im Sommer fanden Wandekutigen statt, erholungsbedürftig« Mädchen erhielten 8 Beihilfen zu einem Erholungsaufenthalt. Frgu Beate Guttmann berichtet über das Erholungsheim für im ErwerU stehende Frauen und Mädchen und die Rentstcrinncnfürforqe. 7 3 Damen des gebildeten Mittelstandes erhielten Zuschüsse > zu Badereisen. Durch außerordentlich gütiges Entgegenkommen des Kuratoriums des Jüdischen Kurhospitals in Warmbrunn kannten 21 Damen dort Aufnahme finden. Die Mittel für die Badereisen wurden durch private Spenden und durch einen Zuschuß der Synagogengemeinde beschafft, wofür die Rednerin in warmen Worten ihren Dank aussprikzt. — Mit besonderer Freude schildert sie die Rentnerbundabende, di« dreimal wöchentlich im Winter stattfanden, an!denen ea. 40 Danen trilnahmc» und die eine herzliche Freundschaft unser den Besuchern nen begründeten. . j Frau Hedwig Engel, gibt den Kassenbericht, wofür ibr Entlastung erteilt wird. Sir dankt der Svnagogengemeinde für die dem Jüdischen Frau nbund gewährte Unterstützung. Frau Pau a Ollendorff dankt als Hauptvorstandsmitglied für die im lebten Jahre geleistet« Arbeit. Sie bittet die Anwesenden aus der Provinz, darauf binzuwirken, daß auch von den kleine» Gemeinden das Zusammengehörigkeitsgefühl mehr betont wird. Sie verliest zwei Anträge. Der erste wünscht ein Gefährdetrnheim für Kinder und Mädchen, die ihren sittlichen Halt verloren haben. Aüch wäre «S wicht« , geeignete Familien zur Erziehung solcher Kinde? zu! finden. Der zneit« Antrag geht dabin, daß jüdische Arbeitgeber ihr jüdisches VerantworllichkeitSgefübl dadurch beweisen, daß sie jüdische Arbeitnehm, r anstellen und daß jüdische Hausfrauen durch Anstellung von jüdi chen Hausangestellten mit gutem Beispiel vorangehen. Die Anträge werden angenommen. i F r.a u P a u l a Ollendorff weist auf den kommenden preußischen LandrSv« rband hin, der berufen sein wird, sür Aufhebung des preußischen JudengeseheS zu sorgen und damit den Frauen das Wahlrecht in der Gemeinde zu geben. Es müssen die Frauen endlich eifriger Arbeit herangezogen werden, st« müssen tätig sei » ohne Rücksicht auf die verschiedenen religiösen Richtungen, es genügt, daß 'sie jüdisch sind. Denn spricht sie über das Gefährdetenheim in Neu- Isenburg, das unten Leiiung von Bertha Pappenheim steht, und das dze Hilfe aller jüdischen Kreise braucht. Neue ArbeitSgebie e, Gefährdeten- und Tuberkulosenfürsorge erfordern die Zusammenarbeit mit anderen großen Organisationen. Sie betont, daß eferner notig ist, unbemittelten Menschen, die arbeiten müssen und deshalb ttnje Ausspannung doppelt n >tig brauchen, eine solche in Erholungsheimen zu beschaffen. Die R rdnerin wendet sich gegen die üblichen WohllätigkeitSfeste, die eine 8k Verbindung von Vergnügen und Armut und daher Unsittlich sind. Danr gibt sie eine Schilderung des Flinsberger Kindere^polungSheimes, di S sie eine Arbeit in Glück, Freude und Sonne rjrpnt. i-Frau Emy, y Vogel st'ein eröffnet die Tagung des Hrovinzialverbandeö mit einer Begrüßung der Anwesenden. Frau Meyerstrin, Breslau, gibt den Arbeitsbericht. Die Zusammenarbe t erstreckte sich vor allen, auf die Erholungefürsprge und die Al optionevermitttlung. Dem Verbände gehören 78 Vereine an, 2 n me Ortsgruppen in Glatz und Neiße sind in diesem Jahre gegründet w'rden. Die Verbindung «mit der Provinz wurde hurch eine große Anzahl von Vorträgen, di« Frau Paula Ollendorfs hielt, sehr gefördert. Von den Delegierten gaben Berichte: Frau Braß-Liegnitz, Fräulein Rabmer-Be'uthtn, Frau Gold sch midt-Beuthen, Frau Glaser- Drieg, Frau Löwy-Ratibor. Alle Vereine resp. Schwestrrnlogen Haien viel soziale Arbeit geleistet. Frau May-, Glatz dankt Fra , Ollendorff namens der neugezründeten OrtSgruppe dafür, daß sie durch ihre Vorträge das VerantwortlichkeitSg^fühl der jüdischen Frauen in Glatz geweckt hat.' Daß jetzt dort ein reuliches Zusammenarbeiten besteht, ist dem Jüdischen Frauenbund danken. Frar Hahn-Neiße berichtet, daß der Jüdisch« ^sinenbund auch drt dieselbe Anregung gegeben hat und hoffentlich ^ch denselben Erfolg habe« wird. Frau Angreß-Beuthen ht den Kassenbericht. Entlastung ist ibr bereits erteilt worden. 23. Hauptversammlung mit Frau Beate Guttmann übernirunt wieder den Vorsitz und es, erfolgt dir Vorstandewahl der OrtS zruppe Breslau. Der bisherige Vorstand wird durch Zuruf wiedrr zrwählt und ihm das Recht der Kooption laut Satzung zuerkann^ Der Vorstand setzt sich zusammen aus:! Frau Beate Guttmann, Freiburger Sir. Il, I. Vorsitzende, I „ Paula Ollendorff, Zwingerplatz 2, 2L Vorsitzende, „ Emmy Vogelstein, Anger 8, 3. Vorsitzende, > „ Klara Schottlander, Tauentzienplatz v, l. Schriftführerin, „ Liebeth Casfirrr, Oranienstraße 4, 2, Schriftführerin, Frl. Rosa Urbach, Moritzstr. 55, protokol irrende Schriftführerin, Frau Hedwig Engel, Tauentzienstr. 7, Kassiererin, „ Grete Bial, Kaiser-Wilhelm-S«r. 131, „ Martha Braß, Kaiser-Ailhelm-Str. 62, „ Johanna Cohn, Ahornallee 9, „ Paula Freund, Kaiser-Wilhelm-Str/ 96/98, ,x Bertha Kamm, Museumsplatz 15, „ Cäcilie Landeberg, Agnesstr. 11,. „ Martha Meyerstrin, Gartenstr. 17, Hulda Sänger, Schweidnitzer Stattgrabcn 8, „ Anna Simonsohn, Hohenzollernstr. Fra» Guttmann schließt die Worten des Dankes an die Erschienenen. Im Anschluß an die Generalversammlung fand abends 8 Uhr im großen Saale der Lessingloge ein Teeabehd statt. Frau Paula Ollendorff eröffnet ibn. Sie fordert | all« jüdischen Frauen zur Mitarbeit auf, «s dürfe keine jüdische Frau; geben, die nicht Mitglied des Jüdischen Frauenbundes ist. Dann erteilt sie Frau B e r g e l - G r o n « m a n^ n - B e r l i n das Wort zu ihrem Vortrag "„Der jüdische Weg". ' Die Rednerin führt etwa folgendes aus:! > Die Frag« nach dem Sinn des Judentums ijj zugleich auch die j Frage nach unserem persönlichen Sein. Wenn «in Volk seine Gei danken verwirklicht hat, ist auch seine Lebensdauer zu Ende. Das! Judentum sucht nach Wahrheit und Vollkommenheit, sein Leben kann! daher nie zu End« gedacht sein. Der Weg ist der schwerste, den eine j Menschengemeinschaft zu gehen gewagt' bat. Gleickzeitig l egt aber in dem Bewußtsein dieser Last ein unvergleichliches Glück. 1 'ie Möglichkeit, immer weiter auf dem Weg ins Unendliche fortzuscheiten, ist ein Glück, das über alles Unglück erbebt. Das Schicksal, Jude zu sein, ist zugleich eine große Tragik und rin großes Glück. Oie.mirgebrachten Fähigkeiten bilden erst das Ideal eines Volk». Die Fähigkeiten, di« zu einer Formalierung führten, müssen immer wieder erzogen werden. „Du sollst erkennen", „Ihr sollt euch heiligen", das ist da« Ideal des jüdischen Volkes, und dieser Drang nach Erkenntnis bat den Monotheismus geschaffen. , Der jüdische Mensch bat kraft seiner Erkenntnis Grenzen gefunden, hinter denen das Rätsel und das Wunder ist, das er mit „Gott" bezeichnet. Das Judentum hat die Erkenntnis an Stelle des Glaubens gefetzt. Dies bat immer das jüdische Wesen bestimmt. Hieraus sind die Schicksale des Judentums entstanden und auch die Sehnsucht nach I^eligion. Aus der Sebnsucht nach religiösem Erleben, entsteht die Sehnsucht, die Welt zu verbessern. Der Messias ist eine Aufgabe der Juden, der Kampf gegen das Unzulängliche ist stets mit dem Streben nach Erkenntnis verbunden, so auch bei MoscS und den Propheten. Auch die Frauen, müsst« dem Urtrieb der jüdischen Seele folgen, gegen das Unzulängliche anzukämpfen, bis einmal die Tage des Messias konnncn werden. Frau Ollendorff dankt der Rednerin. RecktSanwalt Ollendorff bittet die Anwesenden, dem Verein der Freunde des Flinsberger- Kmdrrlandlwims beizutreten, der rS sich zur Aufgabe gemacht bat, unbemittelten Kinhern den Erholungsaufenthalt }tt ermöglichen. Eine größere Anzahl von Meldungen gehen ein. Nachdem Herr Rabbiner Dr. V o g « l st e i n und Herr SanitätSrat Bach — letzterer im Namen des Svnagogenvorstandes und des Repräsentantenkollegiums ihren Wünschen für den Frauenbund Ausdruck gegeben haben, schließt Frau Ollendorff den Abend mit Dankesworten an die Vortragende und alle Erschienenen.

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