Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 179 (3.11.1922)
- Date
- 1922-11-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE Stf4Hat ja« QFuitef- B*|*|lf | J >,zri,e»»rett:50vi »it8x80 mm Prei» «»0R.»„aMch. Z, dr,irtzr» I ll^l M \ M breite Zeile. Dir Seite a»f»tt d»rch sit»tliche P»stt»tre «her 546 geile». P»ßsch«tkk»»t» S»tr»« bmrch de» B»tt»»erl«| i» B«»». JXKÜSCllBS VolkSblfttt verl», 9.«. I. Sil» Kt. 74747. Heraultze-ebtn von Ziabblner vr. <kmi> Loh«, Dotm. — Schrifileitung und GeschLftssteNe: Äonn, Ärüdergaffr sr. — Telefon r»s«. Mmumer 179 Köln. 3. Wovernber 1VS2. — IS WarchescHwan 5683 4. Aahrgaug. Wochenschau Deutschland. vsc>sssssscxxxx>sssDSS<x>s^^ 8 Zerstreuung und presse 8 tXXXDOOOOOOOOOOOOOOOOOOO«^^ In jüdijctjen Logenkreiseil fiel kürzlich das Wort, daß für den Großstadtjuden allgemach der Logentcmpcl die Rolle übernommen hat. die ftüher der Synagoge gehörte, und in dem Maße, >vie diese sich von Betenden leerte, jener von andächtigen Brüdern voll und voller tvurde. Dasselbe läßt sich und mit noch viel größerem Rechte von der jüdischren Presie beljaupten. Das jüdische Blatt oder Blättchen auf dem Freitagabendtisch vertritt heute nicht nur das Lecho daudi in der Schul, sondern meist auch den Kiddusch im Haus. Rur in ganz großen Gemeinden, lvo es jüdische Massen gibt, kann einem in täglichen Versammlungen die Zeit mit ihren,. Leben noch fühlbarer gemacht lverdcn, als es sonst allein durch die jüdische Presse geschieht. Die Zerstreuung, in der wir Juden allerorten leben, macht es, daß für uns die Presie so viel, viel lebenswichtiger geworden ist. als für die andern. Zu den anderir spricht jeder Ruf von der ©üfic, jeder Lärm auf dem Markte, jedes Buch im Laden, jedes Bild an der Wand die eindringliche Sprach der Zeit und des Lebens, ihres Lebens und ihrer Zeit. Wir Juden allein leben so, daß wir eine jüdisck)e Straße nicht mehr haben, in der uns die Welle einer jüdischen Ocsfcntlichkeit jede Stunde und jede Minute trägt, unsere Straße ist allein das jüdische Blatt, iwil das allein uns die jüdisci-e Bewegung vermittelt, von dort allein die Welle der jüdischen Zeit an unser Ufer schlägt. Die jüdische Presse stirbt, ein Blatt nach ytt»! andern geht ein, und nur die lvenigcn, die Parteizivecken dienen oder denen es gelang, durch irgeich ein Perjönlicl)cs ihre Leser an sich zu knüpfen, behaupten sich. Und auch sie kämpfen schon verziveifelten'Kampf. Wir sprechen, indem wir dies sagen, auch für uns. Ja, für uns sprechen ivir, tvcnn wir 'unserem Leser eindringlich vor Rügen führen, daß ein, Judentum ohne Presie heute und zumal hierzulande buchstäblich ein Judentum ohne — Zeit. d. h. obne Belveaung, ifhne Fluß, ohne Leben ist. Rn anderer Stelle unseres Blattes rufen heute die Logen zum Kulturfonds für den jüdischen Lchrstand auf. Wir jüdischen Blätter wollen auch unseren Kulturfonds haben: Wenn unsere Leser sich nur einmal klarmachen wollen, daß mit der jüdischen Presie das jüdische Zeitbcwußtscin stürbe, so,,hätten wir ihn schon. Jeder Jude trägt den jüdischen Kulturfonds, den i ch meine, in seiner Brüst: Es ist dn Wille zur jüdischen Bewegung, der gleich ist mit d^m Willen zur jüdischen Zeit. Wer kein jüdisches Blatt hält, hört heute auf. ein Kind seiner Zeit zu sein. Und tvenn auch der Ruhm des sog. „Zeitkindes" nur zweifelhaft und vergänglich ist. so bleibt es doch eine lebendige Sache, wenn einer im besten, im höheren Sinne von sich sagen kann: „I ch bin doch e i n K i n d meiner Z e i tl" — Emil Co h n. Berlin. Zur Erhaltung der jüdischen Kultur in Deutschland har bekanntlich vor einiger Zeit die Großloge für Deutschland U.O.B.B. einen Kulturfonds geschaffen, an dem sich sämtlicly: Bnc Briß-Logcn beteilige». Während die Großlogc in erster Linie die Förderung der in ihrem Fortbestände bedrohten Stätten d e r K u l t u r und Wissenschaft im Auge hat. jucken die Logen mit einem Teil (:iO Prozent) der von ihnen gesammelten Gelder die Rvl der Kulturträger in leistungsschwachen (Äeinein» den zu lindern. Bon den gesammelten Geldern sind bisher ca. eine Ijnlbc Million seitens der Großloge verausgabt worden. Der Orden Bnc Briß ist sich dessen l>cwußt, daß er die geivaltigc Aufgal'e, die er sich gestellt hat. nur dann tvird lösen können, ircrn, außer den Logen und ihren Mitgliedern die gesamte dculsclre Judenheil au diesem allgemeinen jüdischen Werke mithclfen würde. . . Aus Anlaß der ehrenvollen Berufung jüdisclwr Wisicnschaftler aus Deutschland nach Amerika zn>ecks Abhaltung voll Vorlesungen brachte das Großlogenorgan vor kurzem einen Artikel mit nachstcliender bcachtenslverter Nachschrift der Redaktion: „Die Berufung unserer jüdischcil Cöelehrtcn nach New Aork, unter denen sich zu unserer Freude auch Mitglieder unseres Ordens befinden, gereicht der deutschen Jndenheit zur hohen Ehre. Leider halnm unsere Glaubensgenossen, lvie dies in diesen Blättern l>ereits niehrmalS hcrvorgchobcn 'wurde, bis jetzt nur lucnift zur Förderung und Erhaltung der jüdischen Wisienschafl in unscrem Vaterlande getan. Tie Stätten der Wissenschaft sind in ihrem Fortl>cstand gefährdet, die Wissenschaftler selbst darben. und es ist zu, befürchten. daß sie eines Tages gezwungen sein »'erden. nach anderen Ländern auszuwandcrn, um dort ihrer Wisicirschaft sorgenlos IcDcn zu können.Dic Großlogc har diese Gefahr erkannt und aus diesem Grunde den Kulturfonds ins Leben gerufen. Von der tatkräftigen Unterstützung des Kulturfonds hängt cs nun ab. ob wir die w i s s e n - s ch a f t l i ch e -V o r m a ch t der dcntscllcn Juden auch in Zukunft werden erhalten könne». Tarani wiederholen wir unser« Appell an unsere Logenbrüder und an alle Glaubensgenossen : (Gedenkt des Kulturfonds! Spenden für den Kulturfonds sind an ckas Büro der Großlogc Berlin W. 82,. Kleiststr. 12, zu richte». Kölner Nachrichten (Vemeinderabbiner Dr. Rosenthal, der Senior der jüdischen Geistlichen in Köln, feiert am Sonnabend, den l. November, das 25jähi!ige Jubiläum als Rabbiner der Synagogcngcmcinde Kölif, das die Gemeinde festlich" begehen sich ailschickt. Nach dem Studium der Theologie am Berliner Rabbinerseminar und der Philosophie an der dor-