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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-10-27 · 178 (27.10.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
178 (27.10.1922)
Date
1922-10-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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«• JÜDISCHER BOTE jtkm Sacitag. Bt|a|k« Prti»S0M.»aaa11ich. Z» »«»irhr, katch ftetlUI« fafHatfc* »kn katch km Betern erlag (a Ban. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt ■agtigcatrcik :#0 VI. kittxtO »» »reite gtile. Dia «tUt- «faßt MO Zeile». PaßfchtEkaata Bittmactlag «.«.». H.,,»la«e.74747. Bcroukgcgcktn von Aabdlntr Dr. Omil <ta(R, Bonn. - Schrlstleitung und StschLsttsttllt: Bonn, Brüdtrgafft 52. 3c(cfc on 2956. K»««er 178 ASkn, 37. HKiober 1SLL. — 5 WarchescHwan 5688 4. Jatzrgaig. r v. Verschämte Arme iiceeeeeeeee—^ Tie Synagogengemeinde Köln hat eine Hilfstätigkeit in großem Stil zur Unterstützung verschämter Hilfsbedürftiger eingeleitet. Einem zu diesem Zwecke versandten Aufruf entnehmen wir folgende, von dem Vorsitzenden des Vorstandes, Herrn Emil Blumenau, verfaßte Worte, da wir annehmen, daß diese Mahnung auch für andere Gemeinden von großer Bedeutung sein könnte. Aufruf! Tie Zeit ist schwer; die Not klopft an die Türen, Um Hunger, Sorg' und Leid ins Haus zu führen. Ter Krankheit will sie einen Herd bereiten. Und bittern Kummer will ins Haus sie leiten. Wohl dem, der, ihr den Riegel vorzuschieben. Die Kraft besitzt! Er mag mit seinen Lieben Sich der Erfolge freuen, die das Leben Als süße Frucht des Fleisches ihm gegeben. Doch Jener, den die Kräfte, ach, verließen, Ter harten Not die Türe zu verschließen. Er mag im stillen Kämmerlein wohl weinen. Bekümmert um sein Wohl und das der Seinen. Nach redlichem Bemüh'n und ems'gem Plagen Trat er zurück, den Rest von seinen Tagen Bescheiden in der Stille zu verbringen, Dem Schicksal dankend, daß es ließ gelingen Das Werk, dem er mit Treue angehangen. Nicht ahnen, daß ihm nahen könnt' das Bangen Wohl für den nächsten Tag. — Er hat errungen, — Das rühmen ihm auch jetzt noch all« Zungen, — Ansehn und Ehre sich in weiten Kreisen. Wie konnte ihm so grausam sich erweisen Tie Gegenwart, daß sic so hart, ihn schlüge Und Gramesfalten grüb' in seine Züge! Dem Menschen ward kein größeres Leid erkoren. Als trauern um em Glück, das er verloren. Wer trüge schwerer wohl ein hart Geschehen, Als der, der besiere Tage einst gesehen! Der Gute wird sein Mitleid nicht verschließen. Sieht er des herben Leides Tränen fließen; Doch wird er freudiger noch trocknen wollen Die Zähren, tvelche ungesehen rollen Aus desien Aug', der schweigend, still, erduldet Solch hartes Schicksal, das er nicht verschuldet. O, öffnet Euer Herz! Ihr streuet Saaten So oftrnals ja schon aus für gute Taten! Tut es auch jetzt! Es soll nicht denen frommen. Die, unsre Hüls erbittend, zu uns kommen; Auch diese klopfen in der 'Rot des Lebens An unsre Türe niemals ja vergebens: Jetzt aber sollen Jene von uns wißen, Tie wir in ihrem Leid selbst suchen müssen! 's ist eine heil'ge Pflicht, die heut' wir haben; Bemesset drum zu karg nicht Eure Gaben! Wir müsien große Spend' von Euch erflehen; Tenn groß ist auch das Elend, das wir sehen. Und denket auch der schönen, wahren Worte, Tie jüngst des Priesters Mund an heil'gem Orte Ter Menge, die ihm lauschte, warm verkündet: Wer erst bei seinem Tod die Wege findet, Um Lücken in das Netz des Grams zu reißen, Deß Gabe, wertvoll zwar, mag Kupfer heißen. Was einer gibt, der auf dem Weg ermattet. Deß Tage eine Krankheit überschattet, Wohl als Gelübd', wenn wieder er gesunde. Mag Silber heißen in der Leute Munde. Dem aber, desien herzentsprung'ncr Wille Die Gabe bringt in seiner Kräfte Fülle, Ter da mit reicher Hand bestrebt, zu geben, Um selbst des Andern Freud' mit zu erleben. Darf man den P r e i s des Gebens zuerkennen. Und seine Gabe wird man Gold benennen. O. bringet gern und freudig Eure Spcüdc. Ein Jeder nach der Gabe seiner Hände! Laßt nimmer solchen edlen Trieb erlahmen; Ihr setzt ein Denkmal Euch und Euerm Namen, Das schöner und von höh'rem Wert zu schätzen. Als je die Nachwelt Euch es könnte setzen! Emil Blumenau. Vorstehende Worte empfehlen wir zu warmer Beherzigung allen guten Seelen, welck)e wir in der Gemeinde besitzen. Unsere Gemeinde ist arm an wohltätigen Stiftungen. und im Vergleich zu anderen Gemeinden können wir außerordentlich wenig tun da. wo es gilt, im Stillen, gewissermaßen außeramtlich. Gutes zu wirken. Tas »nacht sich in dieser schlveren Zeit ganz besonders fühlbar, wo eine ganz neue Klasse Notleidender hinzugetreten ist. die ihre Not nicht der Oeffentlichkeit offenbaren können und darun» ganz besonders bitter leiden. Diese wollen wir suchen und ihnen in verschwiegenster Weise helfen, so daß diese Hilfeleistung nur sehr wenigen Leuten bekannt wird, die durch Ehrenwort verpflichtet werden, die Angelegenheit mit äußerster Verschwiegenheit zu behandeln. Wenn eben möglich. sollen uns die Mittel hierzu aus den Stiftungen erwachsen. die wir hoffnungsvoll erw'arten. Diesesmal handelt es sich nicht wie »nancher glauben könnte, um die Ablösung einer, vielleicht dazu noch lästigen, Pflicht. — nein — wir wollen die Herien anregen, daß sie sich zur Erfüllung einer solchen Aufgabe gedrängt und hingezogen fühlen. Solche Stiftungen dürfen sich, auch wenn sie jetzt einer augenblicklichen Not abhelfen sollen, nicht auf den Augenblick beschränken. In jeder Familie gibt es Stunden, in denen das Herz besonders zum Wohltun geneigt ist. sei eS. u»n Frellde auch anderen zu bereiten, wenn uns selbst das Schicksal eine Freude gönnte, sei es, uin durch Mildtätigkeit auch in Anderer Herzen Trost zu senken, wenn »vir

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