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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-09-22 · 173 (22.9.1922) · p. Seite 286

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
173 (22.9.1922)
Date
1922-09-22
Page
Seite 286 (sequence 2)
Language
German
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286 nufflcfud)t. Die Zahl der ein- und ausgegangcnen Briefe betrug iv> 11). 'viili'fU'CifuinMid) kann eine Statistik, die nur Zahlenmaterial bringt, nicht den gesamten Umkreis der Leistungen des Arbcitcrsürsorgcamtcs 'umfassen. Es must hcrvorge-! en »re.^en. Ivfo die stetige und unermüdliche Arbeit nal r.ich auch ihre Wirkungen in der Art und Weife zeigen must, in der die össentiichc Meinung zur Ostjudcnsrage Stellung nimmt. Es ist klar, dast die UeberfüKrung von Ostjudcn zu produktiver Arbeit, dast ihre Unterbringung in F.üchtlingshcimen und damit ihr Verschwinden von der Slrastc einen bedeutenden Einflust aus die Stimmung haben must, die die Ocssentlrchkcit gegenüber den Ostjuden hegt. Artltct an leitender Stelle, die in letzter Zeit in der Franlsurlcr Zeitung, in der Berliner Volkszeitung und anderen Tageszeitungen erschienen sind, haben auf diese Zusamntenhängc hingewicfcn und die Tätigkeit des Arbulerjürsorgcaintcs gewürdigt. Auch an dieser Stelle must in Dankbarkeit sestgestellt werden, dast auch die Behörden das Arbeiterfürforgeamt weiterhin als anerkannte Fürsorgeftellc für die Ostjudcn behandelt haben. So lange die furchtbaren Verhältnisse in den östlichen Aandslaatcn andaucrn und so lange die Weststaaten, 'Amerika und Palästina die Einwanderungsbeschränkungen nicht aushebcn, die das Abflicstcn des in Deutschland gestoppten Durchwandcrcrstromcs ermöglichen, wird die Arbeit des Arbeilcrfürsorgcamtes fortgesetzt werden mästen. Es hat sich durch die Erfahrungen der letzten Zeit gezeigt, dast sic sogar erweiterte Bedeutung gewonnen hat. Die Leistungen des Arbcilcrsürsorgcamtes auf dem Gebiete der Berufsberatung der ostjüdischcn Flüchtlinge müssen erhöhte Beachtung beanspruchen. Denn ein groster Teil dieser Flüchtlinge, jüngere, unverheiratete Männer, hat infolge der Kricgswirrcn weder eine geordnete Schulbildung noch eine gewerbliche Fachausbildung gcnosten. Zwei Gründe >; dafür, in dieser Angelegenheit helfend cinzugreifeuaus der einen Seite erschweren diese ungelernten Arbeiter die Hiifstäuglcit ganz austcrordcntlich, denn sie sind am ehesten der 'Ausweisung durch die Behörden und den Schwierigkeiten wirtschaftlicher Konjunkturschwankungen aus-gesetzt. Der gelernte Arbeiter dagegen kann sich immer leichter sorthelscn. Auf der anderen Seite werden sich die lcglnsreichcn Folgen der geplanten Mastnahmen erst in vollem Maste in den Ländern zeigen, die das Ziel der Aus-' Wanderer bilden. Denn von der Zahl der wirklich gelernten Arbeiter bangt das Gelingen der konstruktiven Äusbauveisuche ab, an denen das gesamte Judentum im Interesse einer wirklich durchgreifenden Hilfe für die ihrcrExistenz beraubten Flüchtlinge interessiert ist. Von der Berufsberatung der Flüchtlinge hängt also die Möglichkeit ab, sie r• Ile: ökonomisch günstigen Bedingungen ins Ausland zu bringen. Es müssen daher Lehrwerkstätten eingerichtet, FartbUdungskurse abgehalten werden — und die Mittel für die Anschaffung von Werkzeug und Material, für die An>, Werbung von Lchrpcrsonal sind natürlich bei den heutigen streifen und Löhnen nicht geringe! Dazu kommt als besonders gefährliches Moment, dast die augenblicklich vorhandenen Geldmittel durch die katastrophale Entwertung der letzten Wochen an ihrer Kauskrast austerordcntlich viel verloren haben. In diesem Jahre Kat sich das Arbeiterfürforgeamt mit der Deutschen Zentralstelle für jüdische Wanderarmensürsorge zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengcschlosten. Dadurch stekcn die gesamten Fürsorgceinrichtungcn auch den bilssbedürftigen deutschen Juden in vollstem Umfange zur Verfügung. Der Appell des Arbciterfürsorgcamtcs an die jüdische Ocssentlichleit, ihm bei seiner Arbeit in wirklich grostzügigcr und erfolgversprechender Weise, zu Kelsen, verdient daher vollste Unterstützung. Wochenschau Deutschland. Berlin. Aus dem vom II. bi» zum 1:’. d. M. in Maj-!er. al gehaltenen 17. Delcgiertenrage der deutschen Zioni!.en umoi’ii die Hnupiirferale von Aechlsaiiwalt tltosen olüih, Schocken und Murt Blumenscid gehalten, an die fi>.ii eine lege Distussion anknüpfte. Der Delegiertentag er teilte dem Vorstand Entlastung und sprach ihm seinen Tank sur seine erfolgreiche Arbeit aus. Liechtsanwalt N'ojtn- Uüth tvurde als Vorsitzender des Landesvorstandes wiedergeirählt. Von den Aesokuiivneii seien hier vor allen» die das Mandat, die Iewijh Agenc» und den Weltkongrest bctrefsenden erwähnt. Danach konstatiert der Dclcgiertentag mit hoher Befriedigung, dast in der Form des vom Völkerbund bestätigten Mandats die Grundlagen für die Entwicklung rincs freien jüdischen Lebens in Palästina gesichert sind. Im Hinblick aus die austerordeiulichen Erfolge der politiv scheu Arbeit der Herren Äöcizmann und Sokolow wird der Erct'utivc das Vertrauen ausgcjpbockwn. Tic Erekutivc wird anigesorderl, ihre Kräfte darauf zu konzentrieren, dast die bestehenden Beschränkungen der Einn'anderung unverzüglich aufgehoben tocrden. Der Delegiertentag begrüstt mit Befriedigung, dast der Zeniralrat (Iahreskonsercnz) durch feierliche» Beschlust die Aechte und Pflichte,, der Icivish Agency für die Zionistiiche Lrganijation übernominc» hat und ist bereit, die L.nlung in ihren Bemühungen zu unterstützen, das gesamte jüdische Volk zur Mitarbeit an der Icwish Agency hcranzuziehcn. r In llebcreinstimmung mit dem Zeniralrat anerkennt der Dtlcgicrientag die baldige Einberufung eines jüdischen Weltkongresses für den Aufbau Palästinas, als den Weg zur Verivirklichung dieses Zieles. Fm Gegensatz zum vorjährigen Delegiertentag beteiligte sich diesmal auch die zionistische OpposiVon an. den Beratungeii. in deren Namen Heinrich Margulies eine En klärnng abgab, wonach die Opposition zwar noch nicht in der Lage sei. an der Führung der Geschäfte durch den Lt i desvorstaud leilznnchmeii, jedoch selbstverständlich gewillt ist, mit allen anderen zionistischen Gruppen auf allen Ge bieten verantwortlich mitzuarbeiten, auf denen eine gemein samt Führung zionistischer tz-wjchäfte unter Wahrung der vorerwähnten prinzipiellen Stellungnahme möglich ist. Ja diesem Sinne ivird die Schaffung eines von der politischen Leitung getrennten Wirtschaftsausschusses begrüstt, der die Grundlage für eine gesunde Prinzipielle Ausbauarbeit liefern soll. Dresden. Das sächsische Kultusministerium gab eine Verordnung ans, laut welcher Lehrern wie Schülern a» staatlich.nicht anerkannten Feiertagen in keinem Falle mehr Iliiterrichtsbesrciung zum Zwecke der Teilnahiiic an religtö' seu Fcieriagshandliingen erteilt werden darf. In den Vtzr ordnungen heistt es u. a.: „Auch die den Israeliten bis her zugestandcnen Begünstigungen erledigen sich hiermit. In Dresden ist bereits allen jüdischen Eltern die schris! lube Mitteilung zugegangcn, dast ihre Kinder an den Feiertagen erscheinen müssen nnd sich am Schreibe» uno den Handarbeiten zu beteiligen habe». Neben den Juden sind vor allem auch die Katholiken K'iroffcn worden, aber auch religiöse, proiestauiische Kreise sind in Milleidenschwt ge-oge». <I. E- B.) Austlniid London. Die F-öderation ukrainischer Juden in London hat folgende telegraphische Mitteilung von der jüoi scheu lN'incinde in Kreinentschug erhalten: Hungerlyplnis und Eholera wülen unter uns und töten täglich Hnndt'.ie von Menschen. Zehntausende Witlvcn und Waisen irren gleich Schaucu durch' die Strasteu. Helfen Sie das Leben /

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