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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-08-11 · 167 (11.8.1922) · p. Seite 253

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
167 (11.8.1922)
Date
1922-08-11
Page
Seite 253 (sequence 5)
Language
German
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263 Jüdische Familiennamen und Beamtenboshetten. Ein ebenso humorvolles wie beschämendes Streiflicht wirst der Wiener Professor Georg Müller auf die Kultur- Verhältnisse Galiziens in der Sonntagsbeilage des „Bund". Die oft auffallend grotesken Namen jüdischLgalizischer Familien, die nicht selten für den Träger ein empfindliches Hemmnis bedeuten, sind der Gegenstand der interessanten Ausführungen. Dost bis in die Regicrungszeit der Kaiserin Maria Theresia hinein die Juden keine Familiennamen h jafeen, dürfte allgemein bekannt sein. Als sich dann ober beim allgemeinen Kulturfortschritt die Ünhaltbarkcit dieser Zustände,erwies, begann der Staat, den Juden, die sich unter sich nur nach ihrem Vater nannten (z. B. Daniel, Sohn von Moses), zwangsweise Namen beizulcgcn. Es war nun leicht möglich, bei der groben Bestechlichkeit der Beamten, sich einen selbstgewählten Namen zu verschaffen, das heitzt, wenn man das nötige Geld yatte. Die reicheren Familien zogen zunächst die Zoologie, die Botanik und die Mineralogie zu Note. Ebenso gingen die eigens mit der! Namensgebung beauftragten Beamten vor — solange ihr j Wissen nicht erschöpft war. Namen wie „Mäuscle", „Eidaxel", ja sogar „Mondkalb" werden von Müller angeführt. Botanische Namen wie „Fingcrhut", „Nosenstcngel", „Teitelbaum" und mineralogische wie „Bleiglanz", „Goldstein", „Silberstein" sind ja auch bei uns geläufig. Als aber dann die Erfindungsgabe der Beamten am Erlöschen war. wurden neue Wisiensgebiete als Quelle für die Namengebung herangezogen: Geographie, Physik, *> Meteorologie, Astronomie wurden zu Note gezogen. „Mexikaner", „Wasicrdampf", „Windhos", „Nordlicht" wandeln in Galizien umher, „Retort", „Bohrloch", „Komet", dann wieder feudaler österreichischer Uradel, „Wintn'sch-Graetz", „Liechtenstein". Den armen Juden, die leine Bcstechungsgelder aufbringen konnten, wurden zuletzt ganz widersinnige Namen beigelegt. Greulich mistbandelt wurde die deutsche Sprachlehre. „Buchstabierer", „Lustwandel", „Untergeber", alle möglichen und unmöglichen Zusammenstellungen von Zeitwörtern schmückten die Firmenschilder der jüdischen Krämer. Eigenschaftswörter, wie „Schriftlich", „Wörtlich", „Teilhaftig", Zahlwörter und nicht zuletzt Bindewörter zum Beispiel: „Und", „Oder", „Aufdasi" wurden zu Namen für den Menschen. — Originell wirkt die Eitelkeit reicher galizischer Juden, wenn man ihre Geschlechtsnamen den Vornamen voranstellt. Da gibt es einen „Ritter Chaim", einen „Baron Essig". «Graf Schafe", „Fürst Leib", sogar einen „Pabst Selig" (!) Auch ein Herr „Klingebeutel" und ein Herr „Tabernackel" läuft öffentlich herum. Jüdische Aerzte benennen sich nach ihren Spezialitäten. Dr. Obrenstein, Dr. Nabelbruch. Juristen nach der ihrigen, Dr. Baragraf. Polizeikommisiär Dr. Hinterlisttg. Zuletzt mögen noch einige bumorinspirierie Namengebungen aus der — nebenbei gesagt amtsich bestätigten — Sammlung Professor Müllers folgen. Da gibt es einen Herrn Honigsüb, Affenschwänz, einen Herrn Mandelfreund, Gurkenscheib, Kokosnusi. Kulmbacher und sogar eine Frau Familienfrasi. — ilns mögen diese Zustände sonderbar, beinahe unglaublich Vorkommen. Wer aber je in Galizin war. konnte sich selbst i überzeugen von der Art und den Folgen dieser oft unwür- > digen Beamtenwillkür, die ganze Geschlechter dem Spott und Hohn der Zeitgenosien aussetzte. Es steht mit Müller zu hoffen, dasi das neue Polen diese alten schädigenden Kulturzustände bei seinem Ausstrebcn endlich zu beseitigen wisse. * Predigt. „So seid ihr! Gemeindesteuern bezahlen wollt ihr nicht; aber auf'm jüdischen Friedhof begraben werden. — das macht euch Vergnügen!" ' i ■ Milteilunzen de« Bezirkelverbandes der jüdischen Jugendvereine Westdeutschland«. Liebe Freunde! 1. Tie Telkgirrtc»«eksammlu»g des B. B. wird am .1. November in -lacht» slallsinden. Wir raie» den Vereinen, jich eine» Fonds für die Reisekosten der Telegierien anznlegen, da wir »ich: imslande sind, Anschüsse zu leiste». Nähere Rachrichte» «der die Ausgestaltung der Tagung folgen nach den Ferien. 2. Alfred Auerbach, Keiler der Bühnenilasse» a» Tr. HvchS »onservalorini».. Frankfurt a. Ai., Fichardstraste 32. isi^bereii. ab 8. Oktober i» unsere» Vereine» zu sprechen. Wir bitten Anfragen möglichst bald an »ns z» richien, damit wir seststellen lönneu, ob eine Toiirnee ziisanimetigestellt tverde» kan». 3. litenntu die Ferien, »tn mit aiiswärtige» Freunde» Fühlung zu nehme»! Mit herzlichem VerbandSgrust! Rabbiner Tr. I c i n Tiisseldorf. i- Oer Vereinsbote Brühl. Füd. Fugendbund. Adr. Irl. H. kappet, Böningergass« b. Ter Freitagabend sindet am 1l. 8., abends!> Uhr, bei F. »lug stau. Düsseldorf. 8üd. Iugendverrln. Anschr.: Grete Plant, Hültenstr.SS. Tienslag. l'>. Anglist, Abendspaziergang an deii Rhein. Tresspiinli lihr am Ralingerlar. ,'sahlt cnre Mitgliedsbeitrage ans Postschecllonto Esse» 2» 112. Paula Lilbersiein, Tiisseldorf. -Uumenstraste l. * Da»b«r-rupp« de» sid. gngendvereln». Adr. Maria MLHl e r, Milnsterslrahe 139. Rachtwandernng: 13. Angiist, nur bei g >i t e r. warmer Witterung, Rachtwandernng i»S Liebengebirge. Abfahrt LamStag abend 8.30 Uhr nach Honnef. Rückkehr je »ach Wunsch der Teilnehmer, Tvnntag »iiiiag oder abciid. Tciltiehiner wolle» sich zwecks Eiureichutig der FahrprciSermästignng bei H. Liniso». Tüfseldors-GerreSheim, Heyestrastc 112 oder Tcleso». Amt Gerresheim 1»3, melde». — NochttnittagSwandernng: 13. August, Ralingen—Hösel. Abfahrt %'i mit der Ltragenbahn ab Uhlandslrage, Rückkehr ab Hölei 7.1l, an Tiisseldorf 8.l3. Ten vielseitig gcängerlcn Wünsche» hiermit »achkominend, erwarte» wir rege Beteiiignng. — Tageswanderung: lg.Angnst, bei »nbcstiminterWitlerttng, gettwiq—Werden—Essen-Ltadtwald. Abfahrt 7.lt> Uhr »ach Ücttwig i^onntagssahrkartens, Rückkehr 8.13 Uhr. Führei: H. >2imso». Grevenbroich. Füd. Jugendbuud. Adr. Ludw. LLwenstein, Kölnerstr. 10. Lamdtag, 12. Aiigiisl, 8 Uhr: Heimabend. — Lountag, 13. August: Wanderung ütrenza»—Rideggen. Abfahrt: Grevenbroich 7.ot> Uhr. — Lantgtag, 19. August, Gemütliche 'siisammenkunst. Hellenlhal. vüdlscher 8ugenddund. Adr.: Karl Heumann. Am Lamstag, den 19. Anglist, abends 9 Uhr, sindet im VfcinSIokalc Hotel Lind eine augerordentliche Gencralvcrsaminlung statt. Wege» der Wichtigkeit der Tagesordnung wird »in vollzähligcS Erscheinen dringend gebeten. ' Köln. Züd. Zugendverein Gabriel Hiefftr.UEÜtlllenstr. I8irr. Lonniag, de» 13. August, Teilnahme an der VersassungSscier der Kölner Fugendorganisatione» im grogen Laal dcS thürzenich. iBeginn: vormittags 11 Uhr.j — TicnStag, de» l-'>. Angnst, 7K Uhr, Heimabend der Mädcliengriippc. — TonnerStag, de» 17, Ang. Punkt,8% Uhr, Heimabend. * Wa»der«r»pp« tat 8. 8.-V. Gabriel Alesser. Schrlstsührrr: Fritz Straub, Georgrplatz 8 b. Lonntag, de» 13. August, morgenS, Tcilnahine an der Versassiiiigsseicr der Kölner Fugend. Tresszcii M.7>» Uhr am Eingang des Gürzenich. Anschließend daran, »achmiilagS: Wandernng in den Königsforst. Trefszeil Punkt I Uhr, Hoheiizollernbrücte. Führung Marie Grabowsky. 'Wir bitten die Mitglieder, die ihre» Beitrag noch nicht entrichtet haben, sich vertrauensvoll an Marie Grabottskh zu wenden. Unser Lesezimmer ist tvährend der Lommermonatc TienStagS und Muttvochs von 8 bis. 1<> Uhr geöffnet. Ostjüdischcr Fugendverein Haschachar. LamStag, 8>; Uhr, Fbrijah für Hebräisch Lptechende, Uttvetstehcndc sind hiermit eingeladen.

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