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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-07-21 · 164 (21.7.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
164 (21.7.1922)
Date
1922-07-21
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Geilenkirchen: Carl Gottschalk 20. Illingen: M. Weiler 50. Köln: Müller, Michel und Kahn 300, R. N. 20, Neugarten 100, Stock 200, Strautz 50. Mülheim: M. Kann 100. Neukölln: Magda Löwenthal 75. Trier: Aach 50, Blum 100, Gradnauer 100, Schlob 100, Wolfs 100. Zusammen: Mk. 5 525.— 1.—4. Spendenausweis: Mk. 55 131.— Insgesamt eingegangen: Mk. 60 656.— Oie Sammlung wird foitgeseht! Geldspenden sind zu richte» auf das Postscheck-Konto „Botcn-Perlag W. in. b. H. in Köln", Amt Köln Nr. 74747 mit dem Vermerk „Ukrnine-Hilsswerk". Ein- Srief aus Odessa/ Die beredteste Sprache über die Hungersnot der Ukraine spricht folgender Brief aus Odessa, dem wir nichts hinzuzufügen brauchen. Mein lieber Vetter Josef Wahrhaft! Kein Fleisch, kein Stückchen Hering, kein Stückchen J Schwarzbrot, kein Hemd auf dem Leib, kein Schuh an den Füßen, kein Kissen unterm Kopf, kurz: Wir sind hungrig und durstig, nackt und barfuß. Wir leben die 24 Stunden des Tages in Pein und Armut und die Kräfte gehen aus. Ich lebe wie ein Hund an der Kette, von Parnofe ist keine Rede und der Hunger nagt das Mark aus den Knochen. Ich bin schon nichts weiter als ein Skelett, nicht bester als eine Leiche. Vetter, hör meinen Schrei, das Geschrei eines Menschen, der lebendig auf Kohlen gebraten wird. Schick mir sofort ein Päckchen Speise, vielleicht wirst Du mich und meine Kinder noch vom Hunger erretten und dafür wird Dich Gott vor aller Not schützen und Dir alles Heil schicken. Simche Grünberg. { Mischehen ) Das überaus heikle Thema der Mischehe, ein Pflänzchen Rührmichnichtan für unsere mooernen Juden, iveil es kaum eine Familie mehr gibt, die nicht mindestens ein Exemplar dieses eigenen Gewächses in ihrem Knopfloch trägt, ist in diesen Blättern noch nie behandelt worden. Und doch soll man diesem Unkraut gegenüber den >topf nicht in den Satrd stecken. Niemals tritt uns der Begriff des Untergangs deutlicher vor Augen als hier, und es ist schon io weit gckonimen, daß man die Mischehe zu rechtfertigen 'jucht, wenn auch zunächst nur als Ausnahme. Mail weist darauf hin, wieviele dieser Ehen glücklich laufen, und versäumt nicht, des vielfachen Cheunglücks zu gedenken, das reinjiidijche Ehen oft verfolgt. Man hält dazu die Ehe für eine höchstpersönliche Angelegenheit, die jeder „mit sich selbst abzumachen habe", für die es also Gesetze nicht gibt. Man ist also in jeder Hinsicht tolerant und duldet, was man freilich mit biewalt nicht ändern kann. Wie ist es denn nun aber »tu dem „Glück der Mischehe"? Eine Statistik liegt uns nicht vor, jo hindert uns nichts, einmal einfachheithalbcr anzunehinen, daß^diejc Art Liebcschen vielfach glücklich verlausen. Und wie ist cs mit dem häufigen Unglück jüdischer Großstadlehen. die nun wirklich einen moralischen Niedergang gezeitigt haben ff Was sich z. B. der jüdische Berliner Westen in diesem Punkte leistet, ist ja landeSbekannt. Wir nehmen beide Erscheinungen als richtig an, juchen wir. aber nach den Gründe n, so liegen sie nicht in diesen Ehen selbst, sondern iir dem falschen Begriff des Glück e s. der unsere ganze entartete iveftliche Welt beherrscht, und den wir, selbst entartet, auf Liebe und Ehe ebenfo anwcndcn, wie auf alle andern Tinge. Fch will diese falsche Begrifflichkeil hier einmal in Beispielen fcstnagöln, und das beste dieser Beispiele ist die Ehe. Wir sehen die L i e b e s e h e», vielfach gegen den Willen der Eltern und Familien geschlossen, und sehen sie scheitern. Woher kommt das? Weit diese Ehen gerade nicht, wie man irrtümlich meint, Liebesehen, sondern lediglich sexuelle Ehen sind. Serualismus aber ist elivaS anderes als Liebe, ja, beinahe das Gegenteil davon. Tie eheliche Liebe beginnt erst, wo der Serualismus überwunden ist. Wir sehen die sog. g e m a chteE h e, die P e r nunf t. c h e, und siche da, sie wird glücklich. Wieder ein Trugschluß : Diese Ehe wird nicht gliiälich, iveil bestimmte, vorher nüchtern erwogene Faktoren und Voraussetzungen vorhanden sind, die die Liebesftamme des ersten Augenblicks leicht übersieht. Sie ist vielmehr nur glücklich nach unscri» bornierte» Maßslab vom Glück. wahrhaft glücklich ivird sie nur. falls andere Boraussetzungeit vorhanden sind, von denen wir noch reden. Und jo ist es mit der M i j >h e h e. Sie ist lüimcr nur glücklich, was man jo glücklich nennt.. Fa. je hochlverliger

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