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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-06-09 · 158 (9.6.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
158 (9.6.1922)
Date
1922-06-09
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Bereits am Sonntag abend war der Verbandsvorstand zu einer bis in die späte Nacht dauernden Sitzung zusammengetreten, deren Beschlüsie es ermöglichten, daß man bereits am Montag die Vorstandswahlen tätigen konnte. Dr. Apfel gab einen knappen Geschäftsbericht, in Pein er seinen endgültigen Willen kundtat, den Vorsitz des Verbandes niederzulegcn, da er sein Lebenswerk, den Jugendvcrband, für gesichert ansehe und die Jugend künftig jugendlicheren Führern anvertrauen wolle. An seiner Stelle wurde Fräulein Tr. Cora Berliner zur Vcrbandsvorsitzenden gewählt. Der zweite weit ertragreichere Tag brachte die intercsiantcn Referate über die Vertiefung der Verbandsarbeit in ethischer, religiöser, wirtschaftlicher und künstlerischer Beziehung, eingeleitet durch eine Ansprache Gustav Locfflcrs, desien tiefe und beivegte Worte diesen Teil der Versammlung beherrschten. Am Schluß kam die mit größter Spannung erwartete Palästinaaufbaufrage zur Erörterung, die nach langen Vorbereitungen und einer kurzen aber lebhaften Debatte unter Ablehnung aller eingebrachten Anträge zur Annahme des Antrages des Verbandsvorstandcs führte. Dieser Antrag, dessen genauen Wortlaut wir in der nächsten Nummer bringen, besagt zunächst, daß der Verband unverändert auf der Grundlage des Kasseler Beschlusses stehe, der den Aufbau Palästinas als eine der wichtigsten Fragen der jüdischen Gegenwart bewertete und von allen Mitgliedern die tätige Mitarbeit verlangte. In seinem zweiten Teile sagt er. daß er es „freudigst begrüßen würde, wenn die Neutralität des Keren Hajessod in Rücksicht auf die von einzelnen Vereinen und Mitgliedern geäußerten Bedenken zweifelsfrei feslgestellt würde, damit jedem Mitglied« die unbeirrte Mitarbeit ermöglicht sei". Begründet wurde der Antrag durch eine glänzende Rede Dr. Krombachs-Essen. Nach einigen radikalen Gegenreden erhielten, damit jede Richtung zu ihrem Rechte käme, Dr. Karl Loewenstein- Aachen und Dr. Emil Cohn-Bonn das Port. Die Abstiimnung ergab einen vollen Sieg des Verbandsvorstandes, desien Antrag mit 265 gegen 13 Stimmen bei 1 Stimmenthaltung angenommen wurde. Nicht cndenwollender Jubel beschloß diesen Teil der Tagung. Das Bonner Ortskomilcc hatte alles getan, um unter schwierigsten Verhältnisien eine gute Unterkunft und Verpflegung der Delegierten und Gäste zu gewährleisten. Schon am Sonntag vereinigten sich die bereits Eingetroffcncn in dem schönen Bcueler Gartenlokal Rheinlust zu gemütlichem Beisammensein und feierten ein fröhliches Wiedersehen. Zwischendurch fesielten im Saale Künstler durch Vorträge und Rezitationen über „die jüdische Seele in Liedern. Gesängen und Vorträgen" eine andächtige und am Schluß begeisterte Zuhörerschar. Ben Barscl-Eisner sang östliche Volkslieder in jiddischer Spraclje, Fritz Melchior und Senta Esser rezitierten Perez ünd anderes. Ihre Vorträge seien allen Vereinen für das Wintcrprogami» dringend ans Herz gelegt. Einen Höhepunkt bildete auch der am Montag abend vor einem vollbesetzten Saale zu Ehren dcS Delegiertentages von der Zionistischen Ortsgruppe vorgeführte Palästinasilm. Und als am Dienstag um VA Uhr die Tagung durch Ansprache der Führer und tyelöbniswortc der Jugend beendet war, schwärmte alles ins Freie hinaus und erfreute sich im schönen Siebengebirgc der Freiheit und der Jugend nach zwei Tagen einer ernsten, mitunter schwe-. ren, immer aber vom beglückenden Bewußtsein menschliclier Verbundenheit getragenen Arbeit. Wochenschau Deutschland. x Berlin. Unter Vorsitz von Dr. James Simon fand hier am 21. Mai die Iahers-Verfammlung des Hilfsverein der deutschen Juden statt. Wie bekannt, konzentriert sich die Tätigkeit des Hilfsvereins zur Zeit auf die Fürsorge für die Durchwanderer. Er unterhält zu diesem Zwecke eine Zentrale in Berlin, Zweigstelle in Hamburg und Bremen, sowie Komitees an der Ost- und Westgrenze. Der Hilssverein arbeitet dabei in enger Fühlung mit der „ILA" und der amerikanische „Hias." Die Ukraine-Sammlung des Hilfsvereins hat nahezu 3 Millionen erbracht. In aller Kürze sollen 50 ukrainische Waisenkinder vom Hilssvercm nach Deutschland gebracht werden. Dem Vorstande wurde Entlastung erteilt. Neugewählt in das Zentral-Komilee wurde Rabbiner Dr. Emil Cohn in Bonn. — Geldspend"« für die notleidenden Juden in der Ukraine sind zu richten an die Commerz- und Privatbank, Depositenkasie C., Berlin W. 8, Lharlotlenstr. 47, (Postscheckkonto 1303) jür Rechnung des Hilfsvereins der Deutschen Juden, Ukraine- Fonds. Berlin. Die Berliner jüdische Gemeinde hat den Oberrabbiner der jüdischen Gemeinde Posens, Dr. F r eimann, nach Berlin berufen. Dr Freimann, der, ehe er sein Posener Amt antrat, in Holleschau amtierte, gilt als eine tolmudische Autorität. Berlin. Der Jüdische Verlag in Berlin kündigt tos Erscheinen der ersten Ausgabe der Tagebücher Theobor H e r z l s an. Das Werk umfaßt 18 Bücher, die der Verlag in 3 starken Bänden nacheinander erscheinen läßt. Der erste Band, der ungefähr 700 Seiten enthalten wird, soll bereits Ende Juni vorlicgen. Die Veröffentlichung gehört nicht nur zu dem menfchlichErschüttcrndst e n, das feit langem geschrieben wurde, sondern wiro auch durch ihren bisher ganz unbekannt gebliebenen politi-

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