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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-05-19 · 155 (19.5.1922) · p. Seite 154

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
155 (19.5.1922)
Date
1922-05-19
Page
Seite 154 (sequence 2)
Language
German
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gleichzeitig der Ehrung der sür das Vaterland gefallenen jüdischen Handwerker gewidmet und von weihevollen Gesängen der Liedertafel 1027 umrahmt wat. begrübte Schncidcrmcistcr W c i s K a u p t - Frankfurt die Vertreter aus dem Reiche wie die zahlreichen Ehrengäste. Der Vcr bandsvorfitzcndc, Glascrmcistcr Marcus- Neukölln, konnte in seiner Eröffnungsansprache die erfreulichen Fortschritte der jüdischen Handwcrkerbcwcgung seststcllcn. Schon gehörten eine groste Zahl der jüdischen Handwcrekr dem Verbände an. aber um alle etwa 15 000 zählenden jüdischen Handwerker Deutschlands zu gewinnen, bedürfe cs noch eifriger Arbeit. Tapezierermciftcr Wolfs- Berlin zeigte in einer Kochgestimmtcn Festrede die Zwecke und Ziele des Verbandes auf. Keine Trennung von den christlichen Kollegen wolle man. Auf ein Zusammengehen in allen beruflichen Fragen werde der gröjzte Wert gelegt. Stadtverordneter B o u v e r t - Frankfurt sprach namens der Handwerkskammer des Regierungsbezirks Wiesbaden mit Freuden aus. dast die jüdischen Handwerker in ihren Leistungen und auch in Vertretung der gemeinsamen Standesintcrcssen den christlichen Kollegen in nichts nachgeben. Das Zusammenarbeiten im Bereiche der Handwerkskammer sei stets mustergültig gewesen. Herr Simon- Frankfurt begrübte für die jüdische Gemeinde in Frankfurt, M e r z b a ch c r für die Grostlogc für Deutschland, Syndikus Dr. Wiener- Berlin für den Zentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens die Tagung. Das Vorhandensein von weit mehr als 10 00t) jüdischen Arbeitern im Ruhrrcvicr, so führte er aus, und von 15 000 Handwerkern und Gesellen müsse jedem Judengegner den "Vorwurf der jüdischen gewerblichen „Unproduktivität" aus der Hand schlagen. Zahlreiche andere Organisationen brachten dcm Verbandstage ihre guten Wünsche dar. Die übrigen Sitzungen der bis züm 10. Mai währenden Tagung waren ernster Berufsarbeit gewidmet. Berlin. (3. C. B.) Die Berliner jüdische Gemeinde hat mit Rücksicht aus das starke Anwachsen der Zahl der Gemeindemitglieder, die auf etwa 220000 Seelen geschätzt rbird, beschlossen, trotz der Schwierigkeiten und der Unkosten, mit welchen umfangreiche Bauten gegenwärtig verbunden sind, mit dcm Bau zweier neuer Sy nagog e n unverzüglich zu beginnen. Die eine Synagoge soll in Wilmersdorf errichtet werden, die andere im Hansa-Viertel, wo das Fehlen geeigneter jüdischer Bctstättcn seit langem besonders empfunden wird. Berlin. Die Mitgliederversammlung des H i l f s - vercinsderDcutschcnIudcn findet am Sonntag, 21. Mai, in Berlin, Logenhaus, Kleiststratze 10, um 12 Uhr mittags statt. Die Herren Dr. James Simon, Dr. Paul Nathan und Dr. M. W i f ch n i tz c r werden über die Tätigkeit des Hilfsvcrcins im abgelaufenen Jahre sowie seine gegenwärtigen Aufgaben sprechen. Dresden'. (75. E. B.) Die deutsch-soziale Partei hatte sür den vergangenen Freitag in Dresden eine Versammjung einberusen, in der der bekannte Berliner deutsch-völkische Agitator Li u n z e, genannt Knüppelkunze, eine Rede halten sollte. In der Versammlung waren aber auch Angehörige der sozialistischen Parteien in solcher Zahl erschiencn, das, sie die Mehrheit bildeten. Die Anhänger der Kunze-Gruppe, die mit Gummiknüppeln erschienen waren, wurden zunächst entwaffnet, und nachdem der Vorsitzende die Versammlung eröffnet hatte, ergriffen die Vertrcter der sozialistischen Arbeiter das Wort und führten die Sitzung ordnungsmätzig zu Ende. Herr Knüppel-Kunze und die anderen deptsch-sozialen Redner zogen unverrichteter Dinge ab. Amerika. Newyork. Unter den vielen Verleumdungen, die der bekannte Automobilkönig Ford durch seine Blätter in die Welt setzte, war auch der Angriff gegen die beiden führenden Persönlichkeiten der amerikanischen Kinoindustrie Z u ck c r und Fox enthalten, datz diese auch den Film in den Dienst der Juden gestellt hätten und dah man in ihren grostcn Ateliers keine andere Sorge kenne, als die jüdische Propaganda so volkstümlich als möglich zu machen. Wie alle übrigen Angriffe mit antisemitischem Endziel, war auch der Angriss gegen Fox in dem antisemitischen Organ Fötds täglich in den verschiedensten Variationen zu lesen. Aber die Angriffe gegen Fox waren von kurzer Dauer. Sie währten nicht iänger als eine Woche. Denn Fox hat bald radikale Hilfe geschaffen. Nahezu in sämtlichen amerikanischen Kinos werden wöchentlich einmal die sogenannten „Foxnews" vorgesührt, welche im Wege des Films über die wichtigsten Ereignisse der abgelaufenen Woche berichten und sich grober Volkstümlichkeit erfreuen. Nach dem Erscheinen des ersten Angriffsartikels gab Fox seinem Sekretär den Auftrag, ein.Nundtelegramm über das ganze Gebiet der Vereinigten Staaten auszusenden mit dem Auftrag, datz von jedem Unglück eines Ford-Automobils sofort eine Filmaufnahme durchzuführen sei, die in der Wochenschau der „Foxnews" enthalten sein mutz. Noch nie las und hörte man so viele Autounfälle mit Ford-Wagen als von diesem Tage an. In ganz Amerika besprach man die Mängel der Ford-Wagen. Das hat gewirkt. Henry Ford hat nun seine Angriffe gegen Fox eingestellt und diese Radikalkur zur Kenntnis genommen. ' Schweiz. Genf. Die neue Session des Völkerbundes wurde am Donnerstag den 11. Mai in einer geheimen Sitzung eröffnet. Wie die englischen Blätter melden, hat der britische Delegierte Lord B a I f o u r in dieser Sitzung die Beratung des Palästina Mandats beantragt. Balfour begründete seine Forderung mit dem gegenwärtigenRechtszustano in Palästina, der geeignet sei, innerhalb der ein-. zclnen Bevölkerungsteile des Landes Streitigkeiten hervorzurufen. Er wies ferner darauf hin, datz die früheren Widerstände — gemeint sind die amerikanischen Bedenken — nunmehr behoben seien. Kölner Nachrichten , Am 21. April vollendete Herr Moritz Levy jr. das 70. Lebensjahr. In seiner eigenen stillbescheidenen Art macht sich der Genannte seit vielen Jahrzehnten um die geistig-religiösen, zumal um die sozialen und karitativen Bestrebungen unserer Synagogengemeinde in hohem : Maste verdient. Dem Litcraturverein und Lehrlingsheim,; der Chewroh Semichas Dallim und dem Unterstützungs- ' verein gehört er als langjähriges Vorstandsmitglied an; die Peah steht seit ihrer Begründung unter seinem Vorsitz. . Ueberall wirkt er, kenntnis- und erfahrungsreich, in wahrhaft jüdischem Geiste und mit einem feinen, warm für Alle schjagendcn, das Mcnschenclcnd mitfühlenden Herzen. Sein^r Weise entsprechend hatte sich der Jubilar an seinem! Ehrentage jeder Huldigung entzogen. In der darauf foli Igenden Sitzung der isr. Wohlfahrtszentrale nahm Herr *Feilchcnfeld Veranlassung, Herrn Levy ehrende Worte zu widmen, die er tief gerührt erwiderte. Ad meoh schonoh! v In vergangener Woche behandelte Hvuptlehrcrin Frl. Loeb anläßlich eine» von seilen der Synagogengemeinde einbcrusenen Elternabends das Thema „Jüdische Erziehungsfragen der Gegenwart". Die Veranstaltung crsrcute sich eines überaus zahlreichen Besuches und die Ausführungen der Vortragenden wurden mit sichtbarem Interesse cntgegcngenommcn. Ausgehend davon, dah bei den Juden zu allen Zeiten auf Unterricht und Erziehung der allergrößte Wert gelegt wurde, legte die Redncrin die Entwicklung des jüdischen Schulwesens bis zur Reformation und weiter bis in die Mendelssohnschc Zeit hinein dar, um dann die Probleme der Gegenwart genauer zu behandeln. Es müsse nicht nur dahin gestrebt'werden, dah die traurige materielle Lage der Lehrer gebessert werde, damit ein geeigneter , Nachwuchs für die Zukunft vorhanden sei, cs müssen auch in den südij schen Mittel- und Großgcmeinden mehr als bisher jüdisch« Schulen! errichtet werden, in denen die Kinder in jüdischem Geist erzogen wer-

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