Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 155 (19.5.1922)
- Date
- 1922-05-19
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE Erschein» setze» Kreit«, »»«»,»- Prri» 7 M. «»»atlich. Z» teztehe» tz»rch fiUotiichr P,stt»trr ,tz«r tz»rch tzr» Vriroverl«, t» v»a». vo^l RHEIN Jüdisches Volksblatt flajctflcaprcM: (IS), für tzie 8x46mm breite Zeile. Dir Seite amfatzt SSO Zeile». Poftscheckko»«» Betc». »erea, G «. b. H.,Eßl»Nr. 74747 HerauSgegeben von Rabbiner Dr. Emil »lohn, Lonn. — Schristlettung und Geschäftsstelle: Lonn, Ärüdergaffe 52. — Telefon 2vrä. v Anzelgenvertreler für Köln: Sgidius Müller, Köln, Hohenjollernrlng 52 >. - Telefon 6 9186. Kummer 155 Siötn, 10. Wai 1922. — 21 §jctr 6682 4. Aayrgang. OOOOOOOGOüOOOOGfcXjOGG0fcX9ÖOOöOOOöC'XDt)OüC.,iXx:' | Der Kampf in der „jüdischen | | Industrie" in Amerika | ÖOOOGOOOOOOOOOOOOOGOOOGOOOOOGOOOOOGGXDOOO In der Kleiderindustrie von Newyork, welche, da sie zumeist von jüdischen Arbeitern und jüdischen Arbeitgebern betrieben wird, als die grötztc jüdische Indrsttrie der Welt angesehen werden kann, steht abermals ein grober Kamps bevor. Der Vertrag, der zwischen der Arbeiter-Union und dem Schutzverband der Arbeitgeber am 29. Mai 1919 abgeschlossen wurde, läuft am 1. Juni 1922 ab und die im Zuge befindlichen Verhandlungen wegen eines neuen Vertrages lasten wenig Hoffnungaufkommen, dah noch vor Ablauf des Termins eine Einigung erzielt werden wird. Die Bemühungen, eine Kommission zustande zu bringen, welche den gegenwärtigen Stand der ganzen Kleiderindustrie zu studieren und auf Grund des Ergebnisses dieses Studiums eine Einigung zu versuchen hättet sind gescheitert. In beiden Lagern, sowohl bei den Arbeitern als auch bei den Arbeitgebern, gibt sich die Entschlostenhcit kund, cs auf einen Kampf ankommcn zu lasten. Der Konflikt dreht sich eigentlich um jenes erste Abkommen, welches im Jahre 1910 nach einem langen, an heftigen Zwischenfällen reichen (streit zwischen Arbeitern und Arbeitgebern geschlosten wurde und. sozusagen die Magna charta für alle späteren Abmachungen und Verträge bildete. In der Ncwyorker Kleiderinduslrie sind gegenwärtig mehr als h u n - d c r t t a u s e n d jüdische Arbeiter beschäftigt. Bis zum Jahre 1910 gab cs. in dieser Industrie keine feste Arbeits- und Lvh.wrdnuug. Damals ächzten die Arbeiter noch unter dem berüchtigten Sweat-Ehop-Systcm, jenem gefürchteten Echwitzbudensystem, in welchem der Arbeiter ein willenloses Objekt seines Arbeitgebers war. Der Arbeiter mutzte Tag und Nacht fast ununterbrochen arbeiten und sich mit einem lächerlich geringen Lohn zufrieden'geben. Im Jahre 1880 wurde in Chicago von einem deutschen Anarchisten August Spie tz die erste Arbciter-Union in der Kleiderindustrie gegründet. Die wirklichen Begründer der amerikanischen Klcidcrmdustric waren deutsche Jude n. Eie waren die Unternehmer, während die r u ssischen Juden nur Vertragsarbeitcr waren. Um jene Zeit (1880) kam der Hauptcinwanderungsstrom üach Amerika aus D e u t s ch l a n d und nicht aus Nutzland. Unter den deutschen.Einwanderern befanden sich auch viele Juden, welche den Grund zur B e k l e i d u n g s i n d u st r i e in Amerika legten. Als dann später die jüdische Auswanderung aus Rutzland immer grötzere Dimensionen annahm, blühte die Kleiderindustrie durch die Arbeit der russischen Juden von Jahr zu Jahr immer mehr auf und unter den fleitzigen Händen der auch sonst fähigen russischen Juden stieg diese Industrie zum zweitgrötzten und zwcitmächtigsten Industriezweig im Staate Newyork beran. Mit der Entwicklung der Industrie wuchs auch das Verlangen der Arbeiter nach einer Organisation. Anfangs kamen da und dort sogenannte Saison-Organisationen zustande, die vor jeder Frühlings- oder Herbstsaison in Aktion traten, um sich nach Schlutz der Saison wieder aujzulösen. Erst im Jahre 1890, mit dem Austrcten von,Josef Büro n d e s, setzte die eigentliche organisatorische Tätigkeit unter den Arbeitern der Klcidcrindustrie ein. Zu jener Zeit blühte noch die sogenannte Stückarbeit. Der Arbeiter batte seine eigene Nähmaschine, mit der er in einer sanitätswidrigen „Schwitzbudc" eine gewisse Anzahl von Stücken zur Ausführung übernabm und nach Absolvierung der Arbeit wieder mit seiner Maschine abzog. um anders wo Arbeit zu suchen. Der erste Kamps ging nun um die Abschaffung der Stückarbeit und Einsübrung des Wochenlvhns. Diese Forderungen wurden nicht bewilligt und so kam im Jahre 1891 der c r st c g r o tz e S t r c i t zustande, und da die Arbeitgeber hartnäckig-uns ihrem ablehnenden Standpunkt verharrten, endet« dieser erste Lohnkamps mit einer Niederlage der Arbeiter. Die Folge davon war, datz auch der Organisationsgedanlc darunter leiden mutzte. Aber die Organijationstätigleit ruhte nicht. Erst 10 Jahre späterem Jahre 1910, fühlte sich die Union der Arbeiter so stark, um einen Generalstreik für die ganze Industrie zu proklamieren. Diese „Nevolution" währte zehn Wochen lang und erstreckte sich auf etwa .">001111 Arbeiter. Dieser Streik übte aus das gesamte jüdische öffentliche Leben Amerikas einen gewaltigen Eindruck aus, die Äätler sprachen nur von dem jüdischen Streik, da ja fast ausnahmslos nur jüdische Arbeiter daran beteiligt waren, und die führenden jüdischen Persönlichkeitcir, wie zum Beispiel dcr vcrstcrbcnc Jakob H. Schi f s. Lewis 21c a r s h a l! und Nichte» B r a » d e i s, hielten cs für geboten, die Vermittlung zwischen den Arbeitern und Arbeitgebern in die Hand zu Lehmen. Dieser Intervention gelang cs auch, den Streik nach zehn Wochen durch ein Ucbcrcinkom.ncn zu beenden, welches Brandgis zum Verfasser hat. x Brandcis machte damals den Arbeitgebern die Konzession, datz er dieses Übereinkommen nicht als Vertrag oder Konvention, sondern als Protokolle bczcichnctc. Diese Protokolle bil den die Grundlage aller späteren Lohnvcrcinbarungen, die nur ein weiterer Ausbau des damaligen Uebereinkommens sind. Kommt bis 1. Juni d. I. nicht eine neuerliche Verbesserung der „Protokolle" zustande, so dürste cs abermals zu heftigen Kämpfen kommen? W. :11t. Wochenschau Deutschland. Frankfurt a. M. Unter grotzcr Teilnahme aus allen Gauen des Gleiches hielt am letzten Sonntag der Z e n t r a l v e r b a n d jüdischer Handwerker D t u tschlands in Frankfurt a. 2>t. seine fünfte Ta gnng. Zu Beginn der feierlichen Eröffnungssitzung. die