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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-05-05 · 153 (5.5.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
153 (5.5.1922)
Date
1922-05-05
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE Erschein jede» gfititag. «ez»,« Prel» 7 M. »»uatttch. Z» trzirhr» durch sä«tUchr PvstLuttrr oder durch de» v»rr»»erl»g t» Dm. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt Suzrt-ruprrid: NM.stirdir 8x15 u> m breite Zeile. Dir Veite ,«fetzt SSO ZrUe». Peftfchrckleute «eteu- »rreeg <8 «. 0. H, ESI» Sir. 74747 Heraulgegeben von Rabbiner vr. <kmtl Lohn, Sonn. - Schriftleitung und SefchäftlsteN«: Lonn, Lrü vergaffe 52. - Telefon 2958. Anzelgrnvertreter für KSln: Sgidiu- Müller, KSln, HohrnzoNernrlng 52 >. - Telefon 8 4iss. Kummer 153 Köln. 5. War 1922. — 8 gi*v 6Ö82 4. Jahrgang. am □am □d Avchmais „aiWlmpsteS iu&enfum" Ein W o r,t an die jüdisch eMutter. Von Frau Clara Caro, Köln. IkmiikmiiHliiiillllll l~T 111 I I □a Das war ein rechtes Wort zur rechten Zeit, das mutig und kernig, stets das Wesentliche mit kühner Hand packend, Emil Lohn dem westdeutschen Judentum ins Gesicht schleudert, um damit dessen ganze Oberflächlichkeit und Seelenlosigkeit aufs Treffendste zu brandmarken. Jedoch zur Entweihung des Ner Tonid im Gotteshause, dem Jahrtausende die unversiegbare Kraft des Judentums in ewig gleich bleibender Helle entstrahlte, gesellt sich als Charakteristikum der Gegenwart dieVerödung jenes anderen Lichtes, das in Israels Häusern entzündet, ehedem Nacht und Dunkel unentwegt durchleuchtet hatte. Von unserer Stammutter Sara erzählen die Alten, dast ständig ein Licht in ihrem Zelte brannte; das war jenes Ner Tonid, welches von Israels Müttern zu alten Zeiten als heiligstes Erbgut im Familienhause gehütet wurde: Das war der Geist echter Religiösität, vdn dem die jüdische Frau und Mutter die Räume ihres Hauses durchwehen liest, das war jene tief innerliche jüdische Frömmigkeit, durch deren Hauch das Dasein des Gatten und der Kinder verstärkt wurde. Es war das Kraftgefühl, aus dem der Jude seine bewundernswerte Fähigkeit und ungebrochene Widerstandsfähigkeit in Not und Tod schöpfte^ es war jenes wundersame Licht, zu dem zurück die unsichtbare Mutterhand immer wieder trieb, auch wenn des Lebens Wogen noch so tosend brausten, so dast der junge Jude selbst in Einsamkeit und Gefahr nie sein Menschentum, nie sein Iudenheim verlor. Jüdische Hutter der Gegenwart! Prüfe dich! Auch deine schönste, edelste Pflicht ist cs, gleich Deinen Ahninnen ein Ner Tonid in Deinem Hause zu entzünden. Wehe Dir, wehe unserer Zukunft, wenn Du aus Oberflächlichkeit, aus Unwissenheit Dein hohes Priesterinnenamt preisgibst, wenn Du Dein und Deines Kindes Interessen auf alle Wissensgebiete lenken zu mästen glaubst, nur nicht auf Jüdisches und Religion, wenn Du ihren Leib pflegest und die hungrige Seele darben lästest; dann klagst und jammerst Du über die Entfremdung zwischen alt und jung, über die Kluft zwischen Eltern und Kindern und suchst die Schuld überall, nur nicht minder in Deiner Verantwortungslosigkeit. Sichst Du denn nicht, welch' heistes Sehnen zum Judentum in unserer heutigen Jugend lebt, fühlst Du nicht, wie sic ausschaut und lechzt nach Deinem Verständnis, nach Deinem Mitgehen? Mag sic sich' orthodox, mag sie sich zionistisch oder neutral nennen, eines eint die heutige Jugend und ist ihr Eigenstes, jenes wunderbare Euchen, jener hcisic Drang nach tiefer, echter Religiosität, nach Bcwusit-Iüdischem. Und Du, jüdische Mutter willst fremd, ja vielleicht sogar feindlich dem gegenüber stehen, was Deine Kinder heute bei ihresgleichen in ihren Eigcnverbänden sich erarbeiten ünd suchen? Willst Du nicht endlich in liebenden. Verstehen die Brücke schlagen von Deinem Hause aus und mit ihnen gemeinsam den Weg gehen zurück zum Judentum, willst Du ihnen nicht endlich werden die treueste Kameradin, die verständnisvolle Führcrin in ihrem Ringen um ihr Iudcsein? Jüdische Mutter, besinne Dich! Warte nicht, bis Deine Länder Dir und dem Eltcrnhause ganz entfremdet sind. Wähne nicht, du tätest genug für die religiöse Erziehung Deiner Kinder, sür den jüdischen Geist Deines Hauses, wenn Du ihnen ab und zu einen Freitagabend oder einen Festtag bereitest und Dich im übrigen damit beruhigst, dast sie ja heutzutage austerhalb des Hauses genug Gelegenheit haben, sich jüdisch zu fühlen und zu betätigen. Du könntest einem Synagogcnschammcs gleichen, der das Ner tomid je nach Bedarf aus und anknipst, und Deinen Beruf, Hüterin des Lichtes zu sein zum seelenlosen Mechanismus degradieren. Nicht um die jüdische Jugend ist mir bange. Sir ist aus dem richtigen Wege zu starkem, zuversichtlichem Vorwärtsschreitcn; um Dich ist mir bange, um Dein Abseitsstchen, um Dein kleines Versagen-, wo man Deiner am meisten bedarf, uin Dein Vorenthalten besten, was nur Du, Deine Mütterlichkeit, Dein jüdisches Haus zu geben vermögen. Daruin entzünde wieder in Deinem Hause das Ner Tomid und laste cs hell erstrahlen wie einst. Last Dein ganzes Leben und Sein, Deine Arbeit und Deine Interessen durchweht sein von, jüdischen Geists von Liebe zu Deiner Religion. Bcschrcilc Du mit Deiner Jugend Hand in Hand gemeinsam die Bahn, die da zurücksührt zum Judentum, dann wirst Du, würdig, jüdische Mutter zu sein, die Vcrheistung des Propheten zur Erfüllung reifen lasten. Du wirst zurücksührcn „Das Herz der Eltern zu den Kindern und das Herz der Kinder zu den Eltern." Wochenschau Deutschland. Köln. Gelegentlich der Erweiterungsbauten am Güterbahnhof Bonner Tor stieb man aus einen alten jüdischen Friedhof aus dem 11. Jahrhundert, der bis zur Austreibung der Juden und später wieder von den rechtsrheinischen Juden benutzt wurde. Es handelt sich hier um den ä l t e st e n jüdischen Friedhof in Deutschland, um irdische Reste auch von Märtyrern des Glaubens, deren Namen in den E l i ch a u s genannt werden. Um so schmcrz'lchcr war man in bet Gemeinde überrascht als man bei Beginn der Baggcrungsarbciten die Fcststc'lung machen musste, dasz mit den. Knochenrcstcn von unbesu-iter Seite in der unwürdigsten Weise verfahren wurdc^ Alle Schritte wurden nun sofort von seiten der Vcrwa'lung der Synagogcngemeinde unternommen, um eine systematische,

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