Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 151 (21.4.1922)
- Date
- 1922-04-21
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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JÜDISCHER BOTE Lefchel»! jcke« Areitag 8ej»g«- Preis 7 dl. «»»atllch. Z» kezlehe« »>rch stmlliche »kn kurch In OeUDSCTlig t» Bona. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt >»jriA«»tzrelb: NMlür kU 8x45mm breite Seile. Die Beite «mfeit SSV Zelle». Peftscheckke«te Bete« ecneg <9 ». d. H,Lßl» Nr. 74747 tzerausgegeben von Rabbiner vr. «kmil Sohn, Äon». - Schrifiieltung und SeschüfitsieNe: Sonn, Srüdercaffe 52 - Telefon 2958 ü-nieiijenoerfreter für Ml»: agidius Müller. Köln. Hohen;o!.ernring 52 >. - Te efon 8 4>Sü Nummer 151 Köln. 21. April 1622. — 23 Nissan 8682 4 Jahrgang. Zum (Schulanfang Bon Rabbiner Tr. Ha h» - Csfcn. Es nxu in der Zeit zwischen Pcssnch und Schowuos. Jn fiim der Tod in dos LehrhauS des Rabbi Akiba. Und viele seiner Schüler starben. Erst am 3:!. Tage der Omer- 'jählung höhlte daS graste Sterben auf. Es ist recht gut, auch heute noch, in diesen Tagen des Rabbi Akilw zu gedenken. Wie er so tapfer gelebt und so grost gestorben ist. Wie der Wille, das Judentum kennen zu lernen, um es leben zu können, sein giostes Lein erfüllte. Und wie gerade er mit so,ungeheuren Schwierigkeiten bei Lkr Turchsührung dieses Zieles zu kämpfen hatte. In seinem 40. Lelwnsjahre nwr es ihm erst möglich, mit dem Studium der Thora zu l>eginnen. Und als er dann als einer der bernhiiltesien Führer in Israel eine graste Schar von lernbegierigen Schülern um sich gesaminelt statte, da kam die Pest in sein Lehrhaus. die ihm den größten Teil der Schüler tvieder raubte. Rabbi Atiha ließ sich aber vom Lernen und Lehren nicht abschkecken — auch dann nicht, als die Römer jeden mit dem Tode bedrohten, der cS tvagte, die Lehre Israels rrwirer zu wrbreiten. Tanrals kam sein Freund Pappus zu ihm und bat ihn, vorsichtig zu sein und sein Leben nicht leichtfertig auss Spiel zu festen. 'Mfilm ober erzählte ihm als Antwort folgende bekanntgewordcnc Eleschichte: Ein FuctrS ging einilial am Ufer eines Flusses spazieren. Ta sah er die Fische iui Wasser unruhig umherschwiminen. Cr erkannte auch rrwhl bald die Ursaä-e dieser Unrrrlie. Mensilgnr hatten Reste rn den Fluß gelegt, um darin die Fisclre zu sangen. Ta sprach der Fuchs zu den Fischten: »lommt doch ans, Land, da seid ihr sicher vor den Resten. Tie FifVre al»er erwiderten: Wie kirnuft Du, den man den Schliinesten unter uns nennt, uns einen jo schlechten Rat gebe». Wen wir uns in unserem eigenen Element, im Master, nicht mehr sicher fühlen, wie sollten nur uns draußen schüsten können. — Unser Lebenrelenient, so schloß Rabbi iMfilm seine Erzählung, ist die Thora, wie^cs lseißt: „Tenn sie ist unser Leben ruid die Tauer unserer Tage." Gel>cn rvir sie auf, so müssen wir twrschnrachleil und untergelien. Und trotz der wiederholten Mahnung des Pappus, fuhr Rabbi Akiba fort, die Lehre Israels zu lehren und zu vertiefen. Ten Römern war es al>er ernst mit ihrer Trohung. und sie nahmen den Akiba gefangen. Aber auch der PappuS riuging trotz seiner großen Vorsicht nicht der Verfolgung. Auch er tvurdc von den 'Römern gefangen gesetzt und in dasselbe Etefängrüs gebracht, in dem schon Rabbi Akiba >var. Als sich die beiden Freunde dort wiedersalwn, da rief Pappus klagend aus: Heil dir, Aktba, du leidest um der heiligen Lehre willen, ich aber wwrde wegen meiner Torheit bestraft. Wie die (^'schichte lvrichtet, haben die Römer an den beiden Frerinden, die sich jo im Unglück wiedergefunde» haue», das Todesurteil vollzogen. Und in der Tat, eS dürste nicht ziveifelhaft sein: Rabbi Akiba ist wirklich toi. Aber auch der Papprrs? Lebt er nicht vielmehr noch in unserer Mitte, der vorsichtige Mann, der im Leben alles vermeidet. um ja nicht als Jude ertani zu rrerden. Ter immer Angst har. man körrnle ihm aus seiner jüdischen Herkunft einen Vo.wurs machen und dessen bervußl »»jüdisch ge wähltet Vorname schließlich säst alleil? no>h — den Inden verrät! lind wer könnte nicht manches neue Eieichichlcheu er zählen von der Fra» des Pappus. die alles, ivas an Jude» ium erinnert, aus ihrer» Hauslralr entseriu. uin jo ihr Heim modern und gcjellschasissälng zu mache». Tie alles für schön und vornehm hält, trenn und weil es nichrjüdisch ist. Tie übrigens für das Wohl ihrer »linder.aufs ängstlichste besorg! ist: sie alles M'ögliclw und — sininögliche lernen läßt, nur die hebräische S>"»de für überflüssig erklärt »ud immer darüber klagt, daß der Religionsunterricht, nxirn er auch nur einmal in der Woche staiiiindet, den »lindern die beste- Zeit ivegnimmt. Elenaß Mama und Papa, die so spreitw». meineii es gut mit ihren »t indem. Sie jagen sich in den meisten Fällen, daß das Wissen vom Judentum ihren »linder» doch nichts im Leben nützen wird; sie höchstens eines Tages zu un vorsichtigen Schrillen bewegen kürrule. die sich daun der »larriere ihrer Lieblinge lwmmend i» den Weg stellen könn reu. Sie wollen ab-er doch ihren »lindern die Zukunft so sorgenlos wie möglich gestalte» und^sie von allen Hiuder i'.ii-e». die ein bew-ußres Judentum nun einmal in sich trägl, reioahreu. Tiere Mamas und Papas verkennen aber da lei nur eines: Tie Römer hal»en auch den Pappus gefan gen genommen. Mil altem Verrusitren Wollen, mit aller» Vergessen-Maclw'n des Judetuurus, leisten roir unsere» »iiu der» in Wirklichkeit nur einen schlechten Tienst. Te»» konrnii der Judenslurm — und er ist in irgend einer Form noch in keiner Zeit e.usgebliebe» —, dann macht er auch vor denen, die gar keine Juden mehr rein loolteu, und in der „»lölniirlwn Zeitung" sters mit ihrem Richljudejern prahlen, leinen »aalt. Ter Iliilerschied ist nur der: Ein Atiba weiß in solch schweren Stunden, warum er leidet rnrd findet in der» Beioußrjein. für sein Judenrum zu streiwn. Trost und Erhebung. Lerne wie Pappus aber wüste» gar nicht, warum und wofür sie zu leiden haben, und man kann es ihnen nicht verdenke», ive»» sie dann an allem zirwi sein und schließlich verzweifeln. Tarum gibt es nur eines, um aus der Judennol unserer Tage herauszukonimeu. Meinen rvir es roirklich gut mit lliijerew .»lindern, dann müssen rvir sie lpiedtr dem Element zusühren, in dem sie sich allein wohl und in allen Lagen des Leben» sicher jühleu tönnenr: unserni Judenlunr. Ein neues Schuljahr hat begonnen. Tie Lehrhalle» des Rabbi Akiba stehen ivieder weil offen. Es ist höchste Zeit, daß die Versandung des Judentums in unseren Tagen anfhöriz Es ist höchste Zeit, daß das Sterben unter den