Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 149 (7.4.1922)
- Date
- 1922-04-07
- Page
- Seite 106 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Art und Weise der Lügen und Verleumdungen, wie Antisemiten solche in ihren Versammlungen Vordringen, dürste Ihnen ja bekannt sein; unbekannt wird es Ihnen sein, daß aus unsere Zwischenrufe und in der Diskussion uns vom Rednerpulte zugerusen werden konnte: „Was wollt ihr, einer eurer Führer, der Jude Dr. M. N., sagt ja selbst über seine Glaubensgenossen" — und nun wurde ein Teil Ihres famosen Artikels aus der Kölnischen vorgelesen. Daß wir Eie als Führer hohnlachend abwiesen (da Eie in der Tat auch keiner sind und Ihre angebliche Gefolgschaft nur in Ihrer Phantasie besteht) ist selbstverständlich, oder geradezu skandalös ist Ihr Gebühren (wenn Sie noch die Ehre beanspruchen, Jude sein zu wollen), einen derartigen Artikel in der Kölnischen Zeitung zu veröffentlichen, selbst wenn der Inhalt Ihre Ueberzeugung ist. Es wird berufenere Federn geben, die Ihnen die Antwort auf Ihren Artikel an richtiger Stelle nicht schuldig bleiben. Ich schmeichle wir, ein ebenso guter Deutscher zu sein wie Eie, Herr Dr. Naumann. Meine Vorfahren wohnten und wohnen seit dem 17 .Jahrhundert nachweisbar im Rheinland und haben an allen deutschen Kriegen jederzeit teilgenommen, ich selbst war vom Anfang des Krieges mit Unterbrechungen (Lazarett, Kommando usw.) dis zum Schlüsse an der Front und habe es deshalb nicht nötig (und tausende mit mir), mein Deutschtum noch besonders zu betonen und mir an meine jüdisch-teutfche Brust zu klopfen und zu rufen: — na, was Sie rufen, wissen Sie ja selbst, und wenn Sie's wissen, so werden Sie auch vielseicht wissen, daß Ihnen im Kampfe gegen die Antisemtien Ihr ganzes Geschrei nichts hilft, denn Jude bleibt Jude, auch wenn er vielieicht ein arisches Aussehen hat. Das Einzige, was Sie erreicht haben, ist außer der selbstverständlichen Verachtung der Antisemiten eine (gelinde ausgedrückt) Verwunderung Ihren gesamten deutschen Glaubensgenossen über die so merkwürdige Hilfe, die Sie diesen Glaubensgenossen — oder den Antisemiten? — angedeihen lassen. Achtungsvoll! WalterCahn, Köln a. Rh., Burgunderstr. 27. ff Cll 1,1 II IXE □LE liimun Kölner Rachrichien rlll l » » ITTTTTTTTTTH I Da» 20. Stistnngrseft dr» Jüdisch«» Inrn-Berein», Köln. Der Jüdische Turn-Verein, Köln, beging sein 20. Slistungssesl am 10. März d». 3$. durch ein Schauturnen und durch einen Festabend im 8»o. Do» Schauturnen fand nachmittag» in der geräumigen Turnhalle Mauritiuswoll statt und eine sehr zahlreiche Zuschauermenge, unter denen sich viel olle und junge Freund« de» 3. T. V. defanden, bewies, welch grobes 3nleresie in der jüdischen Oessentlichkeit dem Wirken de» Turnvereins entgegengebracht wird. Ein frisches und lebhafte» Bild bot sich dem Eintretenden dar, ein Kür-Turnen aller Abteilungen. Punkt 3 Uhr erscholl da, Kommando: „Geräte sie«, alles antreten" und im Nu standen tadellos angelrelen aus der einen Seite die Turnerinnen in der schmucken, dunkelblauen Turn- Neidung und aus der anderen Seite in weib die Turner, insgesamt etwa 80 an der Dahl. Nun führte uns die äuberst zahlreiche 3ugend- Abteilung Geiueinschasts-Uebungen an zwei Pserden In guter Aussüdrung vor. Nach diesen Uebungen marschierten unsere Damen zu Gemeinschasls-Uebungen an drei Barren auf. Lebhafter 3ntereste brachten die Zuschauer auch diesen schönen Uebungen dar. - Darnach turnte eine H«rre»-Riege am Barren, wodurch die Aufmerksamkeit unserer zuschauenden Freunde erhöbt wurde und lebhafte Beifalls- Kundgebungen begleiteten die gut ausgesührten Uebungen. Al» nächste Nummer de, Programms kamen dielEladgleitwinbeürungen mit Nickelsläden aller Abteilungen. Der tadellose Ausmarsch und die Ausstellung waren ein herrliche» Bild. Auf ein Kommando gleiten nun die Stäbe gleichmätzig in den vorgeschriebenen Uebungen vorwärt», rückwärts usw. mit den entsprechenden Bein-Bewegungen. Diese wunderschönen Körperbewegungen hinterlieben den besten Eindruck. wa» durch den reichen Beifall zum Ausdruck kam. Nun führten uns unsere Jungen, etwa» besonderes vor. Eine Abteilung mit blauweiben Fahnen führte ein sogenannte» Fohnenschwenken vor. Den Schlutz dieser Borsührung bildete ein Zusammenlegen der Fahnen zu einem Mögen David und mit den Buchstaven 3. T. B. K. — Al, letzt» und Glanz-Rummer de» Programm» kam nun dir Herrrn-Rlege am , hohen Reck Alte Mwntt Gesichketz, die jwn teil den^Derein mitge- I gründet haben, trete» an »»b in oster Frische meistern sie bi« st» stei-! gruben Schwerigkeiw-Trnden vorgeführte» tadellosen Uebungen. Allen I unseren Freunden waren die Stunden viel zu schnell verflosien.; Das lebhafte 3nterrsie, welches ein« grobe jüdische Oefsenllichkeit an unserer Veranstaltung genommen hat, hat uns gezeigt, katz der Zweck unseres Schau-Turnens, zu zeigen, dab jeder imstande ist, Körperpflege durch da» Turnen zu treiben und es auch zu guten Leistungen! zu bringen, voll erreicht wurde. Der Turnbvde» ist der Platz, wo! jung« Mensche» nur gewinne» könne», wa» sie t« Lebe» auch notwendig brauch«», „Disziplin, Rut und Gesundheit". 3m Anschluß an das Schauturnen fand abend» in den Sälen de» Zoo ein Festabend mit Purim-Ball statt. — Rach einem einleitenden Musikstück erfreute uns Herr Opernsänger Friedrich Echorr durch den vollendeten Vortrag einiger Lieder. — 3m Anschlüsse daran begrübt« der Vorsitzende, Herr Albert Bergerhausen die zahlreich erschienenen Festteilnehmer. Insbesondere begrübt« er den Vertreter de» Vorstandes der Synagogen-Gemeinde, Herrn Linz, sowie den Vorsitzenden des jüdischen Iugendring» Köln. Herr Linz lieb er sich nicht nehmen. au» Anlab des 20jähngen Bestehens des 3. T. D. auch einig« recht herzlich« Worte an die Festversammlung zu richten. Seine Worte, die ihn als einen ganz besonderen Freund des Turnvereins bezeichnetcn, waren allen aus der Seel« gesprochen. 3n dem zum Nedensaal eingerichteten Kabarett waltete Herr Hans Tobar mit Witz und Humor seines Amtes. Um das weitere Programm machten sich noch einige Mitglieder und Freunde des Verein» durch gesangliche und Tonzvorträge verdient. Dann kam der Tanz zu seinem Recht und bi» in die ersten Morgenstunden blieb man in fröhlicher Stimmung beisammen. Der Reinertrag des Festes ist für den Grundfond de» zu errichtenden Sporlplatze» für di« gesamt« jüdisch« 3ng«»b Köln» besttmmt. Der 3. T. B. hat sein Slistungssesl in den Dienst dieser Sacht gestellt und erhofft von der jüdischen Oessenllichket die weitgehendste Unterstützung für diesen Plan, sür besten Verwirklichung uns tausende junge Menschen dankbar sein werden. Der nach 20 Jahren in »oller Blüte stehende jüdisch« Turnverein hat -«zeigt und e» an seine« 20. Stistungrseft erneut bewiesen, dab die Pstgee von Leibesübungen bei ihm in de» besten Händen ist. Dar»«, Eltern und 3uge»d«rzleh«r: Schickt Sure Eöhae und Töchter in den 3üb. Turnverein, tretet selbst in sei»« Reihen, sei e, aktiv »der fördernd. * 3nr Hälfte versorgt. Oer Vereinsboie 'crKoIoIvIoIvIoIoIo7o7oIoIo.o.o.o„o„o.o^oIoIoIoI»IoIvIo»IoIoIoIoIoIsIoIö, Ein armer Mann wurde vor dem Pestachfeste von einem Reichen befragt, wie es in seinem Hau» um den Pestach besteh«. „Für die eine Hälste des Pestach»", antwortete der Arme, „ist gottlob vdllständg gesorgt, sür die andere Hälste dagegeis weib ich keinen Rat." Der Reiche interessierte sich und fragt« ihn, mit welcher Hälfte er versorgt und mit welcher er noch nicht versorgt sei; vielleicht könne er ihm raten oder sogar Helsen. Daraufhin der Arme: „Sehen Sie, mein Herr, wenn man so unseren schönen Pestach betrachtet, so ist er eigentlich au» zwei Teilen zusammengesetzt, die in den beiden Hauptvorschristen de» Gesetze» enthalten sind, nämlich: Sieben Tage soll kein „Ehometz" in deinem Hause gesehen werden, und das andere Gebot: Sieben Tage sollst du „Mazzoh" esten. Von diesen zwei Hälften had ich die erste Halste; denn meine Hausgenosten haben seit längerer Zeit nicht mehr recht „Ehametz" gesehen. Mit der anderen Hälfte, mit der „Mazzoh" und den anderen teuren Dingen, die man zum Pestachfeste benöttgt, ist »» arg bestellt." Svttesdienst. Köln. Freitag den 7. April, abends 7 Uhr. Samstag den 8. April, morgens 8 Uhr. Minchah 3 Uhr. Eabvatausgong 7.56 Uhr. Wochentage: morgen» 6.45 Uhr; abends Glockengaste 6.15 Uhr; Roonstrabe 7.30 Uhr. Pestachfest. Mittwoch den 12. April, abends 7-Uhr. Donnerstag den 13. April, morgens 8.30 Uhr, Predigt 9.30 Uhr. Freitag den 14. April, morgen, 8.30 Uhr, abends 7.15 Uhr. Samstag den 15. April, morgens 8.30, Minchah 3 Uhr, Festau»- gang 8.10 Uhr. Festwoche morgen» 6.45 Uhr, abends 8.15 Uhr. Barprizwoh. 8. April Sohn von A. Zeligmann, Aachenerstr. 19 (Rvonstr.), Sohn von L. Oppenheimer, Etolzeftrab« 4 (Roonstt.), Sohn von Frau S. Herrscher, Kämmrrgaste 29 sGlockeng.). 15. April: Sohn von H. Drucker, Blaudach 60 (Glockengüsse). Die Bibliothek der Synagogengrmeinde Köln bleibt bi» zum 24. ( April geschlossen. Bonn. Freitag den 7. April, abend» 7 Uhr. , Samstag den 8. I Aprll, morgen, 9 Uhr. Minchah 4 Uhr. Au»galw 8.05 Uhr. Milt-! woch den 12. April, Pestachfest, abend» 7 Uhr. Donnerstag den 18. Aprll, morgen, 9 Uhr (Predigt); abend» 7 Uhr. Frellag den 14. April, i morgen» 9 Uhr; abends 7 Uhr. Wochentage: morgen» 7.30 Uhr, abends : 7 Uhr.