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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-03-31 · 148 (31.3.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
148 (31.3.1922)
Date
1922-03-31
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Wir richten an unsere Leser, welche das Älatt durch die post oder den Äuchhandel beziehen, die Sitte, die Bestellung für das zweite Vierteljahr schnellstens, falls noch nicht geschehen, zu erneuern, damit die Zusendung des Vlattes keine Unterbrechung erleidet, diejenigen Bezieher, welche die Zeitung direkt von uns erhalten, bekommen dieselbe ohne besondere Erneuerung fortlaufend zugesandt. Durch die fortwährende Erhöhung aller Unkosten waren wir gezwungen, den AbonnementspreiS auf 7 M. pro Monat zu erhöhen. Wir bitten unsere Leser höstichst, den Setrag von 21M. für das nächste Quartal umgehend auf unser Postscheckkonto Köln Nr. 74 747, Botenverlag, G. m. b. £>., Köln, zu überweisen. Nach Ablauf eines Monats werden wiruns erlauben, die noch nicht eingezahlten Abonnementsgelder durch Nachnahme zu erheben. MT Infolge vielfacher an uns ergangener Anfragen, und um chcn Wünschen der meisten unserer geehrten Sezieher zu entsprechen, erklären wir uns gern bereit, der Einfachheit und der Porto-Ersparnis wegen Abonnementsbeträge auch für mehrere Vierteljahre auf einmal >m voraus entgegenzunehmen. Die Expedition, t ui li 1111 rm mmmii i TTrrrrrrTTrrrTTTi : Oie Klugen und die Edlen nmn »tu |iii «»rrr rrrrrrrTTT-rrrrrrTr» rnq Am Sonntag werden sich in, Köln im Saale der Rheinlandloge die Vertreter der rheinischen Iudenheit versammeln, um unter der Leitung des Direktors der Deutschen Bank-Berlin, Oskar Wassermann, die erste Rheinlandkonferenz des Keren Hajestod, d. h. der Palästinaaufdaugesellfchast, abzuhalten. Es werden dort die Richtlinien kundgegeben werden, nach denen diese Gesellschaft ihre Tätigkeit eingerichtet hat, und die ersten Beschlüsse gefotzt werden, nach denen hier im Rheinland und zumal im besetzten Gebiet die Sammel- und Werbearbeit ausgenommen werden soll. Die Verhandlungen werden sachlich sein und es werden Rechnungen aufgemacht werden, denn der Polästinaaufbau ist in mancher Beziehung ein Rechenexempel und ist es für jeden Juden, denn jeder Jude wird über kurz oder lang vor eine Entscheidung gestellt werden, und er joll schon heute fühlen, datz, wenn er am Sonntag nach Köln geht oder auf Köln schaut, er in seinem Busen eine Verantwortung zu kragen hat. Ja, der kommende Sonntag ist ein Tag der Verantwortung für jeden und alle. Schon beute fehlt es nicht an Klugen, die schon vorher ihre Rechnung frrljg haben. Das Liedchen vom Hemde, das uns näher sei als der Rock, wird schon recht munter gepfiffen, und heut vor acht Tagen lieh sich sogar in der Kölnischen Zeitung in Gestalt des Vorsitzenden des Verbandes nativnaldeutscher Juden ein recht geschwätziger Fink vernehmen, der gar vom ins Ausland geschleppten und noch zu schleppenden deutschen Gelbe schrie — er meinte das Geld surren Palästinaausbau — dabei aber nicht bemerkte, datz er gleichzeitig einige Schmutzkleckser ins eigene Rest fallen lieh. Kluge Leute, Rechner alle miteinander. ~ Andere Leute rechne« freilich anders, neben viel leicht sogar lieber eher noch das Hemd her als den Roch der doch immer wärmer ist als das Hemd. Sehen die Sache mit einem weiteren Blick und betrachten vielleicht das aufzu bauende Palästina als eine Art Ventil, durch das die heute in unserem armen Vaterlande sich stauenden, noch ärmeren ostjüdischen Masten einen Abflusi finden könnten. Das ist doch auch ein Standpunkt. Aber freilich auch ein rechnen scher. Kalkulation und Spekulation beherrschen kalt heute die Welt. Wir für unser Teil hegen für die Konferenz des kommenden Sonntags nur eine Hoffnung: Datz dort nicht nur die K l u g e n , sondern auch die E d l e n sich cinsindcn werden. Und datz'selbst die Klugen, dic dort nüchtern und ruhig, wie es sich gehört, die Rechnung prüfen werden, das Gefühl haben, datz hier nicht nur ein Geschäft, sondern auch ein Schicksal werden will. Was man auch immer gegen den angeführten Artikel des Dr. Raumann in der Kölni -scheu Zeitung sagen mag, wie sehr man ihn auch als verräterisch oder denunziatorisch brandmarken mag, sein Ent scheidendes ist, datz in ihm „e i n M a n n o h n c S ch > ck s a 1" sprach, d. h. ein rechnender, praktischer, seitwärts auslugender, vom Urteil der Welt abhängiger Mqnn, wie das 10. Jahrhundert sie zu Millionen auf den Markt des Materialismus warf, ein Kluger, aber kein Edler. Denn das gerade ist das Zeichen des Edlen, dasi er sich als ein Schicksalsträger fühlt, dasi er ein Ohr hat für den Flügel schlag des Ewigen über sich, ein Auge für den unsichtbaren Strom der Jahrtausende, besten letzte Ufcrwclle er ist. und einen Sinn für den Atemzug der Schicksalsstundc, wenn sic kommt. Palästina ist nicht nur eine Geld- und Gebesachc, sondern im bedeutungsvollsten Sinne eine Echicksalssache geworden und darum auch eine Sache der Versöhnung zwischen den Klugen, die da rechnen, und den Edlen, die dem Geiste dienen. Möge das Werk der Edlen die Klugen finden, die ihm Grund und Feste geben, aber auch das Werk der Klugen mutz geweiht werden durch das Feuer jüdischen Edelsinns.. Emil Cohn

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