Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 147 (24.3.1922)
- Date
- 1922-03-24
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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90 Wenn Ahlem mit btr Heil »in Musterinstitut wurde ,das dje Anerkennung von Fncblcuten der ganzen Welt fand. I» ist er sein Verbicnft. Auch in tirt.t -Israel lebt eine Anzobl cdcmaligcr Ahlemer: sie geboren dort zu den gesuchtesten Fachleuten. Der Dank und die Liebe der Schüler AKlems gelangt onlästlich des Jubiläums in einer „Silberberq Stillung" zum Ausdruck, deren Erträgnis den Hielen des Jubilars biegen soll. Frankfurt a. M. Mathilde von Rothschild, die Witwe des Sui- Herrn Wilhelm Earl von Rothschild, der in der treuen Erfüllung des Tkorawortes lein Ideal sab, seierle am .">, März den!W. Geburtstag, Leiber eine geborene von Rolbschiid, bat sic die philanthropischen Traditionen des Rothschildschen Hauses stets gcpslegt. Dar Gumpcrtzschc Sicchcnkaus, das israelitische Altersheim, das israelitische Kindei Hospital usw, sowie eine Reibe städtischer sozialer Instilulionen wisse» von dieser Pslichtersüllung zu erzählen. Der!M). Geburtstag gab da der Veranlagung zu verschiedenen Ehrungen seilens der Allgemeinheit, Lo liest die Stadt Franksurt a. M, durch Bürgermeister Gräs eine Mannscld-Radicrung überreichen, und so vollzog Königstein i, T, ihre Ernennung zur EKrcnbürgcrin. Berlin. Die polizeiliche Untcrsuwung über die antisemitischen Ausschreitungen, die am Sonntag aus dem Kursürstcndamm verübt worden sind, Kot ergeben, dast die sogenannte Fahncngruppe des Verbandes nationalgcfinnter Loldaten diese Ausschreitungen und Belästigungen der Passanten verübt Kat, Gegen alle diejenigen, die sich an diesen Ausschreitungen beteiligt baden, wird Anklage wegen Landsriedensbruchs und Widerstand gegen die Staatsgewalt erhoben werden, ,ttn preustilä'kn Landtage Kaden die Kommunisten nachstehende Anträge cingebracht: ,.Am Sonntag den 12, März bat in Berlin ein i Hug antisemitilcher, mit Hakenkreuzen geschmückter Radaujünglinge | P.jjanten, die sie sür Juden Kielten, tätlich angegrissen. Auch mehren sich die Fälle von RoKeitsaktcn infolge antisemitischer Propaganda, Was gedenkt das tztaatsministcrium zu tun um solcher anti» jcmitischen Propaganda cntgegcnzutretcn und Ausschreitungen dieser Art vorzubeugen?" Berlin. Bei der Elatsberatung int Hauptausschust das Reichstags über bas RrichswcKrininistcrium beschwerte sich Abg, Dr, Moses tU, Eoz,l darüber hast in der von der Regierung unterstützten „Deutschen Soldaten zeitung" Iudenketzc und Sozialistenhetze betrieben wctde. Die Abg, Hunlich <Svz,) und Schöpsli (Eoz,) beantragten. dast künftig von einer direkten Unterstützung einzelner privaten Soldatcnzeitungen seitens der Regierung abgesehen werde. ReichvwcKrministcr Dr, Gestler erklärte, dast er aus das schärfste jede antisemitilche oder Sozialistcnkctze verurteile und ganz energisch gegen die „Deutsche Soldatenzeitung" cinschreiten würde, sobald ibm ein derartiger Fall nackgewiesen werde. Aitteriln. Rewyork. Hier wurde eine Gesellschasl zur Verbesserung des Aulomobilverkebrs in Palästina durch den Import guter Automobile und Autobestandleilc begründet. Das Aktienkapital beträgt vorläusig 1IMKIOU Dostar und es wurden bereits gröbere Bestellungen bei der Rcinotor Eo, gemacht. Der erste Aulomobiltransport wird im April nach Palästina abgebcn. Die Gesellschaft führt den Namen Palcstinc-Motor Eo, und zählt unter ihren Mitgliedern eine Reibe angesehener amerikanisch-jüdischer Kauslcute, darunter auch Spezialisten im Automobilsache, Rewvork. Einem Newvoikcr Bericht des -Daily Telegraph zufolge beträgt die vom verswrbencn jüdischen Milliardär Jacob Schiss testamentarisch! ausgenommene Hintcrlasscnschast ca, 10 Millionen Psd, Sterl,, wovon die Summe von 1 -110 (HW) Psd, Stcrl. im Bankhaus Euhn, Lock u, Eo, angelegt ist. Seine Liegenschaften und Besitztümer im Staate Rewnork sind mit 8 Millionen Psd, bewertet. lirxMMIO Dollar wurden aus Grund deä Testaments verschiedenen Organisationen ausgczablt, I Pnl4ft>>y„ Jerusalem. Der Gesundheitszustand des Obcrkommisfars von Palästina, Sir Herbert Samuel, ist besorgniserregend. Ein bedeutender Arzt und ein Bakteriologe aus Kairo sind nach Jerusalem bcrule» worden, lHerbcrt Samuel ist seit Wochen krank und mustte seit damals alle Empsänge einstcllcn.) Kölner Nachrichten Am Donnerstag den ltl, März sprach in der Rhcinland-Lpgc in Köln in einer von der Misrachi-Vcrcinigung Köln ctnbcrusenep, gut besuchten össcntlichen Versammlung der aus einer bekannten! Gel chrtenfainilie stammende Oberrabdiner Glastner aus Klauscnburg (Ungarn), Eine ehrwürdige pattiarchalischc Erscheinung. Unter Ansükrung zahlreicher talmudischcr Stellt» legte er dar, dast die Hionsjeknsucht bei den Gläubigen in Israel niemals versiegt ist, dast der Wunsch nach dem Wicdcrausbau des heiligen Landes und der Rückkekr nach Ercz Israel stets und ständig itr ihren Gebeten zum Ausdruck gekommen ist. Und eigenartigerweise baden orthodorc Kreise! gerade aus der Bibel, die doch dem Volke Israel gegeben worden ist i für den Dienst in seinem Lande, herzuleilen versucht, dast gerade! sie — die Bibel — nicht zulosse, an einer jüdischen Bewegung,miizi arbeitcn, die die Rückkehr ins heilige Land erstrebe, dessen Wiederaufbau durch die Uterstützung der Weltmächte nunmehr zur Möglichfeit geworden vorausgesetzt, dast das Volk der Juden die ihm dargcbolenc Möglichkeit in di» Wirklichkeit zu verwandeln verftehe und sich bewustt sei der Verantwortung, die e» der jüdischen Gesamtheit gegenüber trage. Di« Mitarhsit der Gcsamtjudcnheit sei ersorderlich jür den Wicderausbäu von Erez Israel. Starker Beifall. Die Aus lübrungen von zwei agudistischen Diskussionsrednern vermochten den Eindruck, den die Ausführungen des Oberrabbiner Glastner hinterlassen haben, nicht zu schmälern. Am 2!>. Januar ds, Is. sank in der im Januar 1921 gegründeten Ehewroh-Talmud-Thora (Tolmud-Thora-Verein, Sitz Kvln-Mülheim) die erste ordentliche Gencral-Vcrsammlung statt. Laut Tagesordnung sollte zunächst eine kleine Statutenänderung vorgenommen werden, worüber man sich auch schnell einigte. Dann schritt man zur Vorstandswahl, da der bisherige Vorstand zunächst nur sür ein Jahr gewählt worden war. Einstimmig wurde der ganze bisherige Vorjtand mit dem ersten Vorsitzenden, dem Herrn Aron Wolss, Köln- Mülbeim, dessen reger Arbeit und unermüdlicher Sorge das rasche Aufblühen unseres Vereins in erster Linie zu verdanken ist, für drei Jahre wiedergcwäh». Dann bcschlost die Versammlung, das Honorar für den Vercinslehrer und die Vergütung für den Bereinsdiener aus eine, den augenblicklichen Verhältnissen entsprechenden Höhe, hinauszusetzen, Herr Wolss dankte im Namen des ganzen Vorstandes sür die erfolgte Wiederwahl und sprach sodann dem Vereinslehrer, Herrn Oskar Simons, aus Köln, für die allwöchentlichen wohldurchdachten Vorträge, seine Anerkennung und seinen Dank aus. Er dankte ferner dem Herrn Ianowski, der während der Krankheit des Vereinslebrers käujig die Vereinsabende geleitet hatte. Bezüglich des Lehrplans einigte man sich dabin, vorläufig wie bisher Sonntag abends über „Dinim", wir sie im praktischen Leben des Iehudi Vorkommen, zu sprechen, sodann zu dem jeweiligen Wochenabschnitt die Erklärungen von Raschi zu lernen. Das Lernen findet noch wie vor im Vcreinslokale, Köln-Mülheim, Freiheitsstrastc 78, statt. Einem Wunsche mehrerer Mitglieder entsprechend soll von nun an am Dienstag von 8 bis!t ilbr abends "so gelernt werden. Von Berg und Tal Brühl. Die Ortsgruppe Brühl des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens, welche erst im Herbst vergangenen Jahres gegründet wurde, hielt am 5>. März die erste Bersammlung ab. Herr Dr. Alfred Veis aus Andernach sprach über „Unsere Pflichten im Abwehrkamps". In etwa 1'/„stündigem Vortrag verstand es her Redner in geradezu meisterhafter Weise den mit gespannter Aufmerksamkeit folgenden Zuhörern die Gefahren des Antisemitismus auf politischem und wissenschaftlichem Gebiete vor Augen zu führen und daraus die ernsten Pflichte« abzuleiten, deren jeder Jude allezeit eingedenk sein soll, sowohl in seinem Verhalten der Austenwelt gegenüber, als auch in seiner Betätigung innerhalb der Familie und Religionsgemeinde. Keine Mühe darf uns zu schwer und kein Opfer zu grost sein, wenn es gilt, die gegen uns anflutendc antisemitische Sturmwelle abzuschlagen. Jeder Jude — so ermahnte der Redner wiederholt — sei sich in allen seinen Handlungen bewustt, dast Ehre oder Schimpf, die er erwirbt, nicht nur seiner eigenen Person, sondern der Gesamtheit der Juden angerechnet werden. Doppelt und dreifach ist darum die Verantwortung, welche jeder von uns zu übernehmen hat. Gering und unbedeutend sind demgegenüber die finanziellen Opfer, welche ein ziclbewustter und wohlyrganisicrter Abwehrkampf von uns verlangt. Groster Beifall lohnte den Redner für seine klaren,; mit hinreistender Wärme vorgetragenen Ausführungen. Im Namen der Ortsgruppe dankte der Vorsitzende dem Referenten und bemerkte, dast eine Diskustion über den Vortrag eigentlich überflüssig sei, weil man jedes Wort des Redners unterschreiben könne. Da sich jedoch einige , Herren zum Wort gemeldet haben, entspann sich eine kurze > Debatte, die aber im wesentlichen keine neuen Momente - brachte.' In seinem Schlustworte klärte Herr Dr. Veis einige unbedeutende Mistverständnisse auf. Der Vorsitzende streifte alsdann mit einigen Worten die internen Angelegenheiten der jungen Ortsgruppe und