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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-03-24 · 147 (24.3.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
147 (24.3.1922)
Date
1922-03-24
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE; Srschrial jekta Kttita,. Erz»,« Prrl»3M.»saatltch. Za kezlehea karch slmMchr Pistikater »k»r karch kra vsiraarrlaz ia Liaa. VO^I RHEIN Jüdisches Volksblatt >azrtgeapretS: 8 SR. ft» kU »tct|cfk. PrlUzrile. Die ganze Leite arafaßl 380 Zetlea. Peftscheckteat, Letra- «eeiag « «. k. H.,i»la«e.7474r. Herauggegeben von Rabbiner vr, (kmil Lohn, Äonn. - Schriftleltung und SeschSftssteN»: Sonn, Brüdergaffe rr. — Telefon «SS« Anjelzenvertreter für Köln: Sgidiu« Müller, Köln, Hohenzoltenirlng 51 >. - Telefon 6 9186 Kummer 147 Köln. 24. Wärz 1S22. — 24 Adar S68q 4. Jahrgang. Oie presse üncn i luLunrriiajxirrriTixsTiJLiJLuaxpccxj Wer in der letzten Zeit im Hinblick auf den nahenden Ersten des Monats April die grotzen deutschen Tageszeitungen verfolgte, dem mutzten eigentlich die Ohren klingen. Denn ein einziger Notschrei erfüllte alle Spalten: der Notschrei der deutschen Presse. Das Zeitungs- und Zeitschriftenwesen steht vor einer Katastrophe. Schon heute zählen die im letzten Jahre eingegangenen Blätter nach hunderten, und wenn bereits die Frankfurter Zeitung Kurven über die Papierpreise veröffentlicht, so mag es schlimm genug im deutschen Blätterwalde aussehen und ein trüber Herbst gekommen sein. Soeben trifft aus Berlin die Kunde ein, datz die „Allgemeine Zeitung des Judentums", Philippsons Gründung und das führende Blatt des jüdischen Liberalismus, am 1. Mai ihr Erscheinen einstellt. Man bedenke, was das bedeutet: Nach 86 Jahren. Dazu ist es das Blatt Rudolf Mostes, d. h. eines Zeitungsbetriebs, der sich nicht gerade als unrentabel erwies. Selbst, wenn man annimmt, datz es die Grotzzügigkeit eines Notabeln war, die das Blatt durch viele Jahre hielt, so kann man doch eines daraus erkennen: datz nicht nur die Kosten eines solchen Blattes ungeheuer sind, sondern auch, datz ein Blatt, zumal ein jüdisches, nicht existieren kann, wenn keine Organisation hinter ihm steht. Wir stehen deshalb vor einer aktuellen jüdischen Frage und sprechen durchaus nicht nur pro domo, d. h. für uns, wenn wir die Aufmerksamkeit der jüdischen Oestentlichkeit auf diese Frage lenken. Jüdische Preste ist ein Kind des 19. Jahrhunderts. Früher war das Gotteshaus^ die Synagoge mitsamt dem Lehrhaus, nicht nur jüdisches Bethaus, sondern überhaupt gleichbedeutend mit jüdischer Oefsentlichkeit. Dort wurde alles vor oder nach dem Gottesdienst besprochen, erörtert, beschlvsten. Heute, wo — zumal bei uns im Westen — die Synagogen leer, die Lehrhäuser verödet sind, gibt es jüdische Oefsentlichkeit nur in der jüdischen Preste. Es ist bezeichnend, datz der Gottesdienst eher von unserm Durchschnittsjuden entbehrt werden kann und wird, als das jüdische Wochenblatt aus dem Freitagabendtisch. Dieses Blatt und die eine Mutzestunde, die es gelesen wird, ist für viele der einzige Berührungspunkt mit der grotzen jüdischen Welt. Der Jude will wissen, was vorgcht in West und Ost, er will sich belehren lasten, denn er lernt gern dazu, und sogar erbauen lässt er sich lieber vom Leitartikel als von der Predigt im Gotteshause. Der moderne zivilisierte Jude schämt sich leicht seiner Gefühle, er liest lieber für sich allein, als datz er vor Zeugen hört. So gewann für ihn die jüdische Preste eine viel tiefere Bedeutung als die christlichreligiöse für den Nichtjuden hat. Diese Preste ist heute in Gefahr. Im letzten Jahre sind wohl die Hälfte aller unserer Blätter eingegangen, in Köln allein z. B. drei. Das gibt zu denken und man sollte nicht zu spät ans Denken kommen. Es wird eine der nächsten kulturellen Aufgaben der grotzen jüdischen Organisationen sein, hier helfend und stützend einzugreisen, denn sic allein vermögen durchgreifend zu helfen, weil sie die Menschenarmeen haben, die sie in die geschlagene Bresche hineinwerfen können. Das aber wisse jeder: Es gibt heute in unserem Vaterlande (und wohl auch überall in der Welt) kein jüdisches Blatt, dem nicht heut oder morgen der Untergang droht. Keine Abonnentenzahl, kein noch so grotzer Umsang kann uns blenden, diese Wahrheit zu verkennen. Ja, so widersinnig ist die Zeit, datz man beinahe sagen kann, je grötzer der Kreis der Leser, je weiter der Raum eines Blattes, je reicher sein Gehalt und Wert, umso gefahrvoller ist sein Weg. Knüpfen wir eine Bitte für uns selber daran, die wir bisher dem Sturm tapfer widerstanden, so kann es nur die sein: Geduld und Nachsicht. Nachsicht, weil wir nicht aus geistigem Unvermögen, sondern aus hartem rechnerischen Mutz uns mit geringerem Raum bescheiden mutzten. G e - d u l d, weil auch diese Krise einmal enden mutz und bessere Zeiten kommen werden. Bis dahin mutz liebevolle Einsicht die Wege ebnen und treuer Glaube das Gutgewollte für das Gutgekonnte nehmen. Emil Cohn. Wochenschau Deutschland. Köln. Soelx'u trifft hier die Nachricht ein. das; der Vorsitzende der Palästina Grundfonds- und Aufbaugcselljchast ..Keren Hujessvd", de: Direktor der Deuljche» Bank-Berlin, Herr O s ca r W a j s e r »> a n n , auf der ^vorstehenden Nheiulaudslousereuz des „Keren Hajessvd" persönlich anwesend sein und ihre Leitung übernehmen wird. Berlin. Die Grost-Logc Bnci Brith bcschlob in einer ihrer killen Sistungcn die Schassung eine-, Rultursonds von I Million Mark zur Unterstützung der jüdische» kulturellen lnstitutionen in Dculschland, die in finanzielle Schwierigkeiten gerieten. Manche von ihnen, so das allehrwürdigc jüdische Lehrerseminarium in Rassel, muhten geschlossen werden. Bon diesem Rultursvnd sollen in erster Reihe die Akademie sür jüdische Wisscnschastcn in Berlin, die Aabbinxrsind Lehrerseminare in verschiedenen Stadien Deutschlands u. a. mi unterstützt werden. Bestin. Der Herausgeber der „Deätschen Leitung", Herr von Schilling, wurde vom Gericht wegen sein« gegen den Reichskanzler gerichteten Beschuldigungen, mit -luden ztim Schaden Deutschlands Geschälte gemacht zu haben, zu einer Geldstrafe von 20 00(1 Mark verurteilt. Breslau. Hier wurde die dritte Loge des Unabhängigen Ordens Bne Brilk die Manucl-loel-Loge, als 01. im deutschen Distrikt begründet. Hannover. Am I7>. Riärz beging die weil über die'Grenzen Deutschlands bekannte -Israelitische Gartcnbauschulc in Ahlem bei Hannover das 27>jäbrige Dicnstjubiläum ihres Leiters, Direktor Albert Silberbcrg. Mit einem -Idealismus ganz besonderer Art hat dieser Mann ein Vierteljahrbundert dem Gedanken gedient, junge -luden der Bodenkultur und dem Handwerk wieder zuzusuhren.

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