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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-03-10 · 145 (10.3.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
145 (10.3.1922)
Date
1922-03-10
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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JÜDISCHER BOTE «rfchrlat jckea Fielt«, V«1«I» Peel» 3 R. «aaatttch. Za »rzirtze« dach st»Mche Paßßattea ikti karch de» Battaacrlai t» 8aaa. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt >azti,eapr^»: 8W.fir He«Ut|ef>. PrtttirUr. Dle,aajt Seite aaifaft 380 Zeile«. Paftfchecklaata Sateaaerea, « ».». H , LilaRr. 74747 tzerautgegeben von Rabbiner vr. tkmil Lohn, Sonn. - Schnstleltung und Geschäftsstelle: Sonn. Lrübergoffe 52. - Telefon 4958 Anzelgenveetteter für Köln: Sgidius Müller, KSln, Hohen;ollernrlng 57 l. - Te efon 6 9186 N»mmrr 145 Aötr,. ^0. WLrz 1SLS. — 10 Adar 8682 4. Jahrgang. Purim 56S2 ) MHHMMHHHMHIHHHHIHHHMIMHHIIHHH*1 Das Fest der Loose Seltsamer Name für ein Fest, in dessen Mitte die lel>endigste Erzählung der ganzen Bibel steht, in der ein Jude sich nicht beugte, weil er Jude war, eine Jüdin ihr Leben wagte, weil ihr Volk in Lebensgefahr, in der es hundert Momente edlerer, höherer, auf alle Fälle aber bezeichnenderer Art gab, als dieses seltsame Looswcrfcn, nach dessen Ergebnis Haman den Tag des Gerichtes über Israel ivähltr. Warum gerade Purim? Warum nicht Tag Esthers oder Mordechais, oder wenn man wollte. Tag der Vergeltung? Tenn in der Tat: ein Buch der Vergeltung ist diese Estherrolle, und immer ist auch das Fest so gefeiert worden, mit der ganzen Schadenfreude der Bedrückten, daß hier einmal der Böse sich in seiner eigenen Schlinge fing. Noch heute hallt die alte jüdische Schul', vor allem im Osten »nieder vom Schnarren der Hamanknarre. die die tobende Jugend losläßt, wenn der Name des Gehaßten von den Lippen des Rezitierenden tönt. Wie haben sich die Gelehrten im andern Lager gerade aus dieses Buch geworfen, um die Minderwertigkeit des Judentums, der Haß- und Nachcreligion, zu erweisen: Sie mögen sich einmal den Namen des Festes selbst anjehen, den. wir ihnen als Spiegel Vorhalten, daß sie erröten vor der Eigenen Fratze. Mit diesem Namen nämlich hat der Jude die Binde von seiner blutigsten Wunde gerissen. Hier war die Stelle, wo selbst er, der nicht sterben wollende, sterblich war: Wenn Haman sich hinstclltc, und auf dein Loos- und Würfelbrett bas Schicksal eines ganzen Volkes zu entscheiden sich unterfing, so war dieses Volk kein Volk mehr sondern ein totes Objekt, eine Ware, zu verschachern, zu verschleudern und, ivcnn man »vollte. zu zerbrechen. Das aber traf den Juden ins tiefste Blut, daß man ihm das Menschtum versagte, ihm, der zuerst in jesajaniscl-cn Hymnen das Menschtum gekündet. Nicht durch seinen Haß ist Haman der klassische -Zeuge des Judenverderbers geworden, sondern dadurch, daß er in diesem einen Schule gemacht: Sie alle, die in seinen Spuren gingen, haben nicht den „M cn s ch e n" Jude verachtet. stehaßt, gequält, geschändet und verbrannt, sondern mit dem „D i n g" Jude Fußball gespielt von einem Ende der Welt bis zum andern. Wenn die Kaiser des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, sobald sie ihre kaiserlichen Zinsen nicht mehr zahlen konnten, ihre jüdischen Kammerknechte verschacherten, den Städten verschacherten, daß sie „mit ihnen brechen und beißen mögen als mit ihrem Gute"; oder wenn di« Päpste in Rom zur.Fastnacht ihre Feste veranstalteten und erst die Pferde, dann die Esel, dann die Hunde und zuletzt die niedrigsten der Tiere die Juden und zwar die Vorsteher der edelsten jüdischen Gemeinde Italiens nackt vor dem johlenden Volke zur Wette laufen ließen — ivcr wollte dem Menschen verdenken, daß er schrie, wer wagte es, einen Stein zu heben, wenn eben dieser Mensch einmal im Jahre den Untergang des Entmenschen feierte? — Das Estherbuch ist ein Buch, in dem nicht ein einziges Mal der Name Gottes vorkommt. Auch dies spricht für unsere Väter, die Gott nicht heranziehen ivollten, um ein ltzeschehen zu rechtfertigen, das nun freilich alles andere als göttlich >var. Daß sie cs nicht taten, zeugt gerade für die Reinheit- und Feinheit ihres religiösen Gefühls. Zwei edle Regungen nur gibls in der Geschichte dcs Estherbuchs: Die jüdische Bruderliebe, die zusammenhälr in Not und Tod, und die riefe Dankbarkeit: „w'gam ckjarbaunoh sochur laiauw!" Das; der schlichte frcinbc Knecht Eharbonah im Erinnern des alten Volkes haften blieb, beivcist, wie der Jude die leiseste menschliche Regung bei den Völkern mit inbrünstiger Dankbarkeit vergalt. Sie senden sich selber Gaben und Geschenke, aber dem einzigen, den ein Schimmer von Güte umzog, iveiben sie alljährlich eine stille Träne mit dem Worre, das sonst-.nur am Grabe des frommen Juden tönt: „Sein Andenken zum Guten!" Sochur latarrw! EmilEohn. Tatsachen und Ergebnisse | OOOOOOOOOOC)OOOOOOOOOOOOOOOO0OOCXX)OOOOOOO Deutschland. Berlin. Der „Reichsbund jüdischer Frontsoldaten" erläßt folgende öffentliche Kundgebung: „Am KL Dezember 1921 haben wir in unserer Zeitschrift ,^Der Schild" Herrn General Ludendorff die Unrichtigkeit der von ihm in seinem Buche Kriegführung und Politik gegen die deutschen Juden im allgemeinen und uns jüdische Frontsoldaten im besonderen erhobenen ^vrwurfe vorgehaltcn und nachgeiviesen. Trotzdem hat Herr general Ludendorsf es bi» ljeutc nicht für nötig gehalten, auch nur ein,Wort der Richtigstellung in die Lefsciulichscit zu bringen. Wir stellen daher fest, daß Herr General Ludendorff die Wahrheit kcnirr und sie nicht sagt und geflissentlich die Ehre anderer Menschen mit Füßen tritt." München. Als Herr v. .Kahr »och Bayerns Ministerpräsident uw, triumphierte in Münctren der Hakenkreuz- „Geift". Neuerdings ist es. seit Graf Lercl-enfeld das Haupt der bayerischen Regierung ist. in dieser Hinsicht etwas anders geworden, weswegen drc Hakenkrenzler Lcrchcnfeld mit ihrem besonderen Hasse beehren. Die schärfsten Gegner besitzt der Graf in den Münchener Nationalsozialisten, die Lerchenfelds Frau als nicht „judenrein" verdächtigen. Kürzlich lwlsrichte.ein Sturmtrupp der „Ordnungszelle" einen Vortrag des Ministerpräsidenten mit allen Mitteln zu Verbindern. .An allen.passenden und im-

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