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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-02-17 · 142 (17.2.1922) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
142 (17.2.1922)
Date
1922-02-17
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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«rfftciat je*«n Kreit», PMiöSM.m»u»«>ich^Zu »«ziehen M sämtlich« fsfNtattt tln km| tan Bmnerui t» Bm. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt ■a^dlta^rtl*: Ift.ftrMrtfetitfl. frtttlKtt«. tmfat MOgctica. f»ff4*4b|tta Batw Mm, G bl ». H.,»Ala N». 74-47 C*ran<flcje&*n von 3to»ta«r Dr. OmU «aha, Jhna. - Schrlskleittmg und SeschästofieS«: ttom, 2rttar,afft 93. - OMtfo« 4M#T an»*l8«nt>«rtTtt»r für min: (Win. HohMtMemring 511. - Xctfan B 91M |nin 142 Köln, 17. Aebruar 1988. 39 KchevcU 5688 4. |c|ff«R|. Oie Krankheiten der Luden Bon Dr. mrd. Wallersteiu, Bonn. Man mag zu dem jüdischen Rasseproblem Stellung nehmen wie man will, man wird trotzdem um die Tatsache nicht hernmkommen, datz bestimmte Merkmale biologischer Art der Subenheu einen spezifischen Stempel ausgrdrückt haben. Da, Problem der Raste ist »in noch viel zu ungeklärte, und umstrittene», al» datz man e» zur Äsung dieser Fragen irgendwie bei objektiver Betrachtung heranztehen könnte. Aus einer der letzten Sitzungen der AnthropologischenGesellschaft stellte der jüngst verswrbrn« hervorragende Bonner Physiologe Maz Verwarn die Ezistenz einer Raste scharf in Abrede. Wenn auch di« meisten Forscher heute in der Frage der Bererbung erworbener Eigenschäften eine ablehnende Stellung einnehmrn und dabei al» Beispiel die Intaktheit der Borhaut bei den Juden trotz der seit Jahrtausenden geübten Beschneidung anführen, so ist doch anzonehmen, datz eine Schädigung vieler Generationen ihr Merkmal hiaterlätzt. Der Houptsaiwr, datz diese Zeichen, die eine tausendjährig« Geschichte un» «ingegraben hat, noch deute deuttich lesbar sind, ist in der Seicht ja suchen, -oon der man unbedingt reden kann, »enn auch dir varianon»brette innerhalb der Sudenheit so grotz ist, datz die, an den Begriff der Inzucht grknüpsten, Befürchtungen haltlos werden. — E» werben im verlaut dieser Abhandlung di« Krankheiten zu besprechen sein, bei denen die Juden ein wesenllich kleinere», bezio. größere» Kontigent stellen ai» die übrige Bevölkerung. Aus der einen 6«ik sind natürlich Verschiedenheiten vorhanden, die sich au, der Verschiedenheit de» Klima», de, Milieus, der sozialen Lage der Juden verschitdener Länder «rgedrn, aus der anderen Sette sind aber doch gröbere Zusammenhäng« nicht von der Hand zu weisen. Einleitend sei hier gleich hervorgehoben, datz der Gesundheitszustand im Hinblirt auf die Lebensdauer und Sterblichkeit bet den Juden ein wesenllich besserer ist al» bei der übrigen Bevöltrrung. Einige statistisch« Zahlen, die ich der Zusammenstellung von GuttmanN entnehme, mögen bissen Satz bekräftigen. 8n Berlin war datz bv. Lebensjahr erreicht von lf>;7 ®/0 Juden, 12,4 * 0 Christen 0 60. /f /f ff 7,8Ä ff d,d 0 0 » 70. 0 0 0 9,0 0 0 1,1 * h Rach Rarvtzki betrug die durchschnittlich« Lebensdauer in Buoapeft bei Christen S->, bet Juden »7 Jahre, in London , , m, 0 0 49 \ 0 Da, für di» Süden günstig« Zahlenergebni» ist durch «ine Reche von Faktoren verursacht, von denen dir geringer« Kindersterblichkeit den ersten Platz unbedingt einnimmt. Wenn man bedenkt, datz die Kindersterblichkrtt etwa dje Hälft« der gesamten Sterblichkeit a»»macht, so kann man «rmrsten, wie «ichttg die Beeinsiustung diese, Faktor» ist. Di« Gründe für dir gerifigere Kindersterblichkrtt sind unbedingt in dem intensiver ausgeprägten Familienleben bei den Juden zu suchen, da» ein« gröbere Sorge für dir einzelnen Familienmitglieder mit sich bringt. Selbst in den ungünstigsten sozialen Verhältnissen ist bei den Juden nie hie bei der Landbevölktruna so oft beodachtete Gleichgültigkeit zu finden, di« häufig ein« Verschlimmerung und einen ungünstigen Au»gang der Krankheit verschuldet. Auch der Umstand, datz die Juden in der Hauptsache Stadtbewohner und al» solch« bestrr ärzttich verlorgt sind, sei al, nnterstützendrr Fatwr genannt. Rätzigkett im Lebensgenuß, eine von den Urvätern «rerbt« Tugend, vor allem dt« geringere Beteiligung an den Opfern, di« dem AUoholi»mur jährlich gebracht werden, bilden da» Fundament de, besteren Gr- > sunbhett^ftoade». E» wird bei den einzelnen Krankheiten zu er- wtert sein, welche Rolle gerade der Aikoholirmu» und di« schädlichen ugen in der Biologie der Erkrankungen spielt. Und wen» man *1, tat da» Judentum fett Jahrtausenden in brr Bibel «in Buch tau ihm nicht nur Religion»- und Staatsgesetz war, sondern reich an gesunbheit^olizeUichen Vorschriften ist. di« den modernsten in keiner Weis« nachstehen, so wird «an immer »ehr bl« glleOig« Statistik degrettea. Man hat »ft erst ia neuerer Zeit die ^suadhetttich wertvollen Bestimmungen, bi« in Form «ine» religiösen De setze» gell ei det sind, »erstehen gelernt. Laag«,' ehe di« Fleischbeschau zu einem, heut» seibswerständ lichea, Gesetz erhob«« wurde, schlosirn di» jüdischen Speisegesetz« den Genug minderwertig«» Fleische» au». Wl« vorbttdstch sind noch heute dir Bestimmungen über di« körperlich« Hygiene, — ich erwähne hier nur die vvktzrschrirbenrn Waschungen und di« Reinheitagesetze — di« wett wirksamer sind al, di« modernsten Waltären Bestimmungen, well dies« nicht so tief In da» Leben de» Mnzrinrn ringrrisen und so da» Urdrl nicht so sehr an der Wurzü treffen. Der menschlich« Organiomu» ist in seinem Gesundheitszustand von den Neinsten und unschrindorftrn Reizen in seinem Mllieu deeinsiutzt, so datz auch Fakwren, die ai» Kleinigkeiten lächelnd abgetan werben, mir erwähnenswert erscheinen. Man denke «inen Moment an dir Speisrgrsetze mit ihren in» tlriaste gehenden Bestimmungen und Beschränkungen. E» ist rin« oft beobachtet« Tatsache, datz auch der Richtjud« den Genuß de» unter rituellen Bedingungen vrrarbeikettn Flrische» vorzieht. Ich führ« ferner di« Trichinenkrankheit hier an, dir bei Juden, denen der Geautz von Echweineflrisch untersagt ist. nicht Vorkommen kann. Datz di« Errichtung der Fasttage rin gesundheitlich wertvolles Gesetz ist, weitz besonder, der Arzt zu schätzen, der durch Verordnung einer Hungerdiät in seiner Prari» oft schwere Dertauung»schädrn zu hellra«verft«ht. Der grötzt« Werl aller dieser Daetze liegt aber m. E. in der Erziehung zur Enthaltsamkeit und zur Brherschung. Denn ich «in ttesfende» Beispiel au» dem Leben anjührra darf, so erwähne ich hier da» verbot dr» Rauchen» am Sabbat, da» jeden Juden «ingt, auf einen lirbgeworbenrn Den ich allwöchenllich «inen vollen Tag zu verzichten. Man erlebt «» al» Arzt nur zu oft, datz Pattenten, denen Rücksicht aus ihr« Gesundhett da» Rauchen verbietet, rinsach autzerstande sind, die ersorderliche Willenskraft oububringen. Gerade die am lauteste« beteuern, JA kann <• (tu lasten, wenn ich will," leiden am ehesten Echiffbruch. Bei all' diesen unverkennbaren Erziehung»b«sk«bungen der jüdischen Gesetzgebung ist der auf dem Boden der Wirkichkeit und Vernunft bleibende, Mätz und Ziel behaltende Wille zu bewnen gegenüber der weltsrnaben unnatürlichen A»kest und Entsagung, die «in mittelalterlicher Kathoiizi»«»» predigt«. Sm Gegentell: da» Judentum ist dir Leberwbejahuug, di« Erziehung zur Freud« am Dasein, und bi, strenge Form sei»«» Gesetz« ist nur da» krafwoll» Steuer, da» Schiff um bi« Klippen de» Leben» herum zu einem glücklicheren Sein zu leakenl Man erlaub« mir noch ein Wort zu sagen zu einem Einwurf, der von gegnerischer Seite prompt erfolgt, wenn von der Hygiene brr Süden die Red« ist, über da» Ostjudeaproblem in sanitärer Hinsicht. Da» oft zittert« Wort vom Schmutz der Ostjuden, geprägt au» dem BUd verjagter und in bitterer Rot lebenden Auswanderer, lei scharf al» tendenziö» zurückgewiesen. Unter gleichen sozialen Verhältnissen lebend mtt der Ritbevillkerung wirb auch der verachttl« Ostjud« an Hygiene und Reinlichkeit seinen nichtjüdischen Mitbürgern zum «inbesten nicht nachstehen. Beginnen wir nun mit der Betrachtung der zur internen Medizin gehörenden Krankheiten, io ist al, erste die Tuberkulose zu nennen, die gewaltige Geißel der Menschheit, die dir Juden in auffallender Weise verschont. E» ist hier nicht der Ort, di« gerade Mt der Tuberkulose schwierigen Fragen der Di»position und per Immutlltät zu erörtern, aber di« «inenschaftliche Forschung erklärt! da» Vartvmmen besonder» schwerer Formen von Tuberkulose in nicht durchseuchten Ländern, z. B. Tirol, und di« relative Gutartigkeit der Form in stark infizierten Industtirgegrnden au» dem Immunitätsgesetz, da» bekanntlich besagt, datz da» Ueberstehen einer Krankheit schließlich einen Schutz gegen Aiederansteckung verieidt oder doch die Heftigkeit der SoseMan heradsetzt. So wird wohl auch bei den Juden ein Massensterben unter den furchtbarsten hygienischen Zuständen im Ghetto, da» eine autzeroedenllich gut« Pflanzstätte der Tuberkulose sein mutzte, zu einer ge- «isien Immunität der heutigen Generation geführt haben, Unterstützend mag noch an de« günstigen Resultat Mitwirken, datz da» Nrischdeichaugesetz der Süden den Genuß de» an Perlsucht erkrankten Rindvieh» ansschlietzt, da» ja nicht selten zur Ausbreitung der Tuber-

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