Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 141 (10.2.1921)
- Date
- 1921-02-10
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 91% known words query
- IRI
…/3947615-6435934-6437295--1520-3949003- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
W:? -•rr-7' 7- -r,' v: : Von Berg und Tal Köln. In einem rheinsichen Dvrfr starb vor kurzem ein israelittscher Viehhändler. Der Beruf eines solchen ist bei einer teilweise Industriellen, teilweise landwirtschaftlichen- Bevölkerung, insbesondere in der Näye volkreicher Städte, ein dringend notwendiger und es hat sich allenthalben eine Art Vertrauensverhältnis zwischen dem jüdischen Händler und den Einwohnern herausaevildet. Er ist der Treuhänder der Gemeinde für die Belieferung von Milch und Butter, Fett und Fleisch. Von dem Ansehen, besten sich der Verstorbene erfreute, dürste der nachstehende Trostesbries des Bürgermeisters ein beredter Zeuge sein. Man kann nur wünschen, daß die Tasiache in weiteren Kreisen bekannt werde, dah der Jude in der ersten Reihe steht, wenn es sich um die Erfüllung der Bürgerpflichten handelt. «9t,.12.21. Geehrter Herr K. Ihnen und Ihren Anverwandten spreche ich mein und meiner Familie herzlichstes Beileid aus anläßlich des so unerwartet plötzlichen Hinscheibens Ihres Herrn Bruders. Diejenigen in unserem Gemeindewesen, die unter den heutigen Verhältnisten noch Werte beurteilen können und anerkennen wollen, müssen sich mit dankbarer Wehmut erinnern, in wie häusigen Fallen der Verstorbene in den langen Krtegsjahren treu und unbestechlich gerecht als Gutachter in der Fleischversorgung seine Kenntnisse uneigennützig in den Dienst der Allgemeinheit gestellt hat, schlicht und ohne viel Aufhebens davon zu machen. Dessen für die Gemeinde heute dankbar zu gedenken, halte ich für meine besondere Pflicht. Zu meinem groben Leidwesen bin ich nicht in der Lage, infolge einer auswärtigen Veranstaltung den Verewigten mit zu Grabe zu geleiten. Ich habe Herrn Beigeordneten B. gebeten, mich und die Gemeindeverwaltung bei dem Begräbnis zu vertreten und werde namens der Gemeinde für die treue Mitarbeit einen Kranz an der Bahre des Vercwigtcn niederlegen lassen. Seien Eie und Ihre Angehörigen nochmals meines persönlichen Mitgefühls versichert. SJbr ergeben« C., Bürgermeister. Bonn. Am Mittwoch den 25. Januar wurde hier mit hohen Ehren Frau Ida David, die Gattin unseres verdienten Gemeindevorsitzenden, Herrn Louis David, zu Grabe getragen. Bevor ein schweres, mit Geduld und seltcner Willenskraft erwogenes Leiden in den letzten Jahren sie dem öffentlichen Leben der Gemeinde entzog und ans Haus fesselte, nahm sie mit reger Anteilnahme am jüdischen Leben teil und widmete besonders der Wohlfahttspfleg« ihr ganzes Interesse. Bis zum letzten Tage aber war sie eine wahre Mutter der Armen, die in der Ett'lle unendlich viel und vielen wvhlgetan. Rabbiner Dr. Lohn zeichnete an der Bahre, der die ganze Gemeinde, auch viele Andersgläubige kolgten, das Lebensbild der aufrechten und edlen Frau unter Zugrundelegung des Textes: „Immerdar fei der Mensch gottesfürchttg im Ettllen und bekenne die Wahrheit!" Ihr Andenken wird im Herzen unseter Gemeinde nicht erlöschen. Bon». Am ^nntag den 29. Januar fand hier unter allseittger Beteiligung die alljährliche Festveranstaltung der Chewrogemiluschasodim statt, die zu aller Befriedigung verlies. Reden und Tasellieder wechselten einander ab, die amerikanische Versteigerung des Benschens ergab für die Armen unserer Gemeinde über 7099 M. Oie Boierriafche Di« Ausgrabung« zu Beisar in Palästina. Die Ausgrabunastättakeit zu Beisar (Betshar) in Zentral-Palästina,. welch« die Pennsylvania-Universität seit Sommer 1921 ins Werk gmommen hat, schreitet rüstig vorwärts, hat schon bedeutende Resultate erzielt und läßt noch bedeutender« erhoffen. Die Reste von mindest«» elf aufeinanderfolgenden Städteschichten sollen freigeleat werd«: die Bibelforscher hoffen, dass Reste aus der Zeit Iofua» und Saul» gesund« werden. Betshar ist wahrscheinlich eine der ältesten Städtegründungen der Welt und keine existiert wohl, um die mehr Schlacht« geschlagen wurden. Die Stätte war eine von der Natur fest befestigte und zugleich .von großer strategischer Wichtigkeit. Kein Herrscher Palästinas suhlte sich ohne den Besitz von Betshar gesichert. Heutzutage kann Bechsar mit der Eisenbahn erreicht werden; es liegt gerade südlich von der Spur, wo die von Haifa ost-südlich kommende Linie scharf nach Norden gegen den See Gcnezaret bielt. Der Burghügel, der unter dem Namen Teil el Husa bekannt ist, liegt fast hundert Meter unter der Meereshöhe und ungefähr ebensoviel über dem wenig entfernten Iordantal. Ueber 60 Meter hoch erheben sich steil die Schuttmassen, die von Türken, Kreuzfahrern, Arabern,, Römern, Griechen, Babyloniern, Assyrern, Israeliten, Aegyptern, Amonitern und vorgeschichtlicher Bevölkerung herrühren. Man m'mmt an, dah Nomaden aus dem Zweiströmeland 6000 bis 6000 Jahre v. Ehr. zuerst die Stätte besiedelt haben. Seit dieser Zeit hat ein Eroberer dem andern die Stadt weggenommen und jeder neue eine neue Stadt aus der zerstötten vorhergehenden erbaut. Die jetzige Ausgrabung der Universität von Philadelphia unter Leitung des bekannten amerikanischen Archäologen Dr.Clarence E. Fischer legt horizontal die Schichten blotz, so dah immer eine Stadt ans Licht tritt. Zuerst wurden die Türken und Kreuzfahrer-Schichten ausgedeckt. Die türkischen Häuser waren von unsolidem Charakter, aber darunter fand man Ruinen von Kirchen mit prachtvoll gezeichneten Mosaiken und schönen Bronzen, so auch das Prachtstück eines byzantinischen Kirchenleuchtcrs, Töpfereien und andere Gegenstände. Diese Kirchen sind aus der Zeit der Kreuzfahrer, wie auch der gewaltige byzantinische Tordau. 800 Jahre alt und mehr. Gerade jetzt ist die arabische Schicht angegriffen worden und dann folgt die des römischen und griechischen Zeitalters. Bei den Griechen Kietz Betshar Skythopolis (wegen"einer skytischen Niederlassung zur Zeit des Königs Iosics 639—609 v. Chr ); Skythopolis blühte in der Zeit Alexanders des Grotzen; es besah Theater und Arena für Pferderennen, interessante Viadukte und viele Kunstbauten. Aus der Bibelzeit Betshars hofft man in der israelitischen und vorhergehenden Schicht Spuren der Iosua s? gefährlichen antiken Tanks (Streitwagen) zu finden und den Tempel der Afhtarvth, wohin die Philister den kopslos« Körper des Königs Saul gebracht und dann auf der Stadtmauer ausgestellt hatten. Salomo eroberte Betshar und verwandelte die Tempel des Baal und der Asktaroth injüdische Gotteshäuser. Vorher war Betshar unter der ägyptischen Herrschaft gewesen. Bereits haben die Ausgröber einen gewaltigen Granitblock mit Kartusche eines Zcharao gesund«, aus den man gerade da stietz, wo die griechische Schicht begann. Ein alter Tdeeterbau, El Akud genannt, steht ln der Nähe des genannten byzantinisch« Festunystores, zahlreiche Trümmer von Säulen usw. sind in umliegenden Dörfern eingebaut. Die Ausgrabung« sollen noch zwei Jahre dariern. Inseriert im Jüdischen Boten vom Rhein.