Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 140 (3.2.1921)
- Date
- 1921-02-03
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 87% known words query
- IRI
…/3947615-6435934-6437294--1509-3948993- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
«tschelut f«M* §*«#«* fem* F 9rti< S M. mouatlich. Z,!••(•)<* [ ka*4 ftallUI* V'Mirin «tot tn4 kta iMtnntii U B»aa VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt fBttnUe. Die («■*« Tritt »faßt MOffttfca. Pastschackk»»» N» mim« ch «. t.$.,CMift,.74T4T 6»ratt#|<0*ta Mn äoNter Dr. <MI Bann. - SchrifkXltung und Geschäftssfell«: Bonn, Beübsegaff« S2 - ref^h, MM. tanttffltnMrfrafar fflr JWln: <J*iWa» HfUhr, «Rn, H»h«>^k«n>rinsi*. - Ztiifon B 91M Dl»«« 140 | Aökn, 8, gfeßrttav 1SLL. — ft Kchebat 668» 4. Jdtgtsf. Züdtsche Bücher 1921 1. Bücher brr Weltderlag», Berlin Ml. Theodor glocifti: „9Ro(t* Setz" und „SRofts Heß Soziolistlsche Schriften", 8 selbständige Bde. Weltbüch er: Der Zauberer: Hebr. Makamrndichtung übers, von Steinschneider Aböls Böhm: Die zionistische Bewegung, %. Teil)Vom Tod« Herzl» bi» heute. Ar aham ibn Esra: Buch der Einheit, übers, von Ern st Müller S. Joseph Klausner: Geschichte der neuhebröischen Literatur, Jüdischer Verlag, Berlin.!i. Jakob Wassermann: „Mein Weg al» Deutscher und Jude." S. Fischer-Vrrlag. * Nicht» bezeichnet sür ün» Süden die Wende der gellen heut störker al» da, jüdische Buch. Daß Judentum heut« aftuell ist, nicht im schlechten Sinne, aber In jenem höheren geitstnn, der überall da» Lebendigst» ausspürt, wird nirgend» so deutlich al» auf dem Büchermarkt. Bücher über» Judentum werben heut ebenso gekauft wir gelesen, selbst da«'Abwegige verschlingt man. Da man annrhmen muh, daß zum großen Teil nur jüdische Leser in Frage kommen, muß auch geschlossen werben, daß die neue Generation der Juden von der eigenen Art und Problematik heute tief bewegt und erschüttert ist. Und baß ein Verleger wie Erich Reiß, der früher nie daran dachte, bereit» hebräifche Druck« heraurgibt (z. D. die Fuchrfabeln de» Berachja b. Ratronaj) und Paul Eassirer ein Buch über den Talmud, ja, baß brr alte Verlag Vpriitt sich eine jüdisch« Abtellung angliedern bars, bewirkt, baß man sich beinah vor Verwunderung dir Augen reibt. Aber «, ist io: Der geistige Sturm aus» Judentum ist gewaltig. Die Führung unter den Verlegern hat auch Ml unbestritten der rührige Weltverlag ln Berlin gehabt.^ In immer neuen und stet» geschmackvollen Aussührungen hat er die Reihe seiner volkstümlichen Weltbücher ergänzt und außerdem bedeutsame und umfangreiche Werke herausgesttslt. So vor allem das große Doppelwerk über Moses Heß und seine sozialistischen Schriften aus der Feber des Arztes und Schriftstellers Theodor 31 o c i st1,1 der bereit» vor Jahren die jüdischen Schriften de» „Kommunistenrabbis" herauogegeden und mit einer fundamentalen Einleitung versehen halt«. Air damal» übrrwiegt auch bei dem neuen Werk dir Biographie mit ihren 400 Seiten bei weitem dir Sammlung der Aufsätze. In dieser Lebensdarftellung erbringt der Bersasser, ausgehend von den Tendenzen der jüdischen Geschichte im 19. Jahrhundert und in lebendigster Schllderung den Beweis, daß Heß ohne das Judentum picht zu verstehen sei. Da» Bert hat eine doppelte Bedeutung, ersten» al» ein dedeutsame» Dokument jübtschrr Neuzeitgeschichte, zweiten» al» ein künftig unenchehrlicher Beittag zur Geschichte de» europäischen Soziallsmu». E, sollte im Besitz jeder modernen jüdischen Bücherei sein. Auch dieWrltdücher haben sich vermehrt. Ernst Müller bietet ink .Buche brr Einheit, dr» Abraham lbn Isra eint ttrftllchr Uedrrsetzung nicht nur diese», sondern auszugsweise auch anderer Berte Ibn Esra», der al» bi« stärkst« Intelligenz der spanischen Blüte vor un» ersteht. Dir ganze charakteristische Art de« Mathematiker»,' Astrologen, Astronomen, Grammatiker» und Blbelkommentator» wird lebendig. Besonder» auch den Kennern und Lernern neuhedräischer Sprach« wttb diese Uebersetzung hochwülkommen sein, da Ibn Esra von großer sprachschöpserischer Bedeutung sür da» Reuhebräisch« war. — Steinschneider» mittelalterlich«» Nakamenbuch .Der Zauberer", eine hübsch« knittelverstg« Auswahl au» Eharisi, Ibn Ehisbai, Kalonymu» und Sahula, vrrfehlt auch h««t« noch nicht seinen Reiz und sollte allen empfohlen sein, denen jüÜschr Geistesari vor sich»- bi» achthundert Jahren Interest« erweckt. — Al» weitere große Au»gob« de» Weitverlag«» erschien der t. Band de» Adolf Böhm'schrn Werke» .Dir zionistische Bewegung", reichend vom Tode Herzl» di» zur Gegenwart. Auch die» ist ein ausgezeichnete« Berk und e» spricht auch nicht» gegen sclnen Wert, daß e» alle Ding« von einem d«stimmtrn partripolllischen Standpunkt au» bettachtet. E» erhöht da» die Subjektivität der Darstellung und selbst der Andersmelnende und Anbrrvsehend« muß anerkennen, daß der Bersaster dir Ding« mit einem weilen Blick umspannt und au» tiefer Kenntnis der Einzelheiten feinen Bau erricht«». E» beginnt mit einer zusammrnsastenben Behandlung der inneren Probleme der Bewegung, schildert da» Werden der Organisation, dir Naiionalpolittk der Diaspora, die jüdlsch-sozialistlschrn Parteien, die PaiSstinaarbeitedit Eppochenfrage, die geistigen Sttömungen und die letzten Entwicklungen bis zum Randal. Alle» in allem «in umsastendes Werk, da» sich auch durch ein zehnseilige» Register am Schluß zu einem Rachschlogwerk ersten Range» eignet. — Der Jüdische Verlag brachte un» die deutsche Au»gab« von Joseph Klausner» „Geschichte der neuhebräischen Literatur", ein aurgezeichnete» Wert, da» den ersten Versuch darstellt, dem de» Hebräischen unkundigen Leser einen Einblick In die eigenartig« Entwicklung dieser Literatür zu gewahren. Von den llrbergängr» au» dem Altin, Rruhedräische ausgehend schildert un» da» Buch dir Anfänge de» Neuhebräischen im Westen und Osten, die Angrissrltteratur der Aufklärung dir nationalistisch-fortschrittliche Literatur, die neuen Sttömungen und die Ergebniste bi» in» Junghebräisch« hinein und schließt mit der Hoffnung und dem Ausblick, daß im Reuhebrä ischen sich eine höhere Synthese zwischen dem europäischen und jüdischen Denken vollziehen werde. 'Al» „jüdisches" Buch muß auch Sakob Wassermann» vtelgelesene Bekennlnirschrist: „Mein Weg al» Deutscher u n d I u d r" gelten, da» er selbst In der Einleitung al» die „Rechenschaft über den problematischesten Teil seine» Leben»", sein Iubrseln, bezeichne! und da» einer gewisten Tragik nicht entbehrt. Aber e» ist dir Tragik eine» running öfter a shadow, eine» um di« Palm« deutschen Dichtertum» ringenden Schriftsteller», «ine» Juden, der Im Grund« kein positiver Jude und also unsicher in sich selber ist. Wäre er Jude und de» Jüdischen in sich froh und beiter bewußt, er wäre nie zu dem grausigen „E» ist vergeblich" seine« Schluffe, gekommen, sondern Hütte über dir trübe Resignation noch «inen anderen Weg gesunden. Denn seine Sprache, sein Deutsch kann ihm doch niemand nehmen, niemand ihm verwehren, sich in dieser Sprache auszudrücken, wie er e» kann. Das aber gerade kann er, auch diese Schrift erweist «», die bei aller llnhaltbarkelt ihre» Standpunkte», vielleicht auch gerade ihretwegen, ein Zeitdokument von höchstem Jntrrestr bleiben wird.^ V V