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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-01-27 · 139 (27.1.1922) · p. Seite 28

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
139 (27.1.1922)
Date
1922-01-27
Page
Seite 28 (sequence 4)
Language
German
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Von Berg und Tal Nanheim. Ein reichhaltiges, vielsprechend«» Programm rief am Sonntag, den 15. Januar, die jüdische Jugend Hessens und ihre Freude in die herrlich gelegene Däderftadt, um über bas Wohl, ja, über den Weiterbestand des hessischen Landesverbandes der jüdischen 8ugendvereine zu beraten und zu beschlieben. Scharfe Kritik wurde an der Iahrestättgkeit des Landesverbandes geübt, aber schließlich einte doch alle die Liebe zu ihm, zur großen Sache, so daß man sagen bars: Der Weiterbestand ist gesichert. Der neue Führer ist Fritz Schwarzschild-Frankfurt a. M., kein Neuling in der Jugendbewegung. Es war ein schweres Jahr, das der Verband hinter sich hat, und es darf uns mit der größten Genugtuung erfüllen, wenn es — was mit besonderem Dank anerkannt wurde — dem bisherigen Leiter Dr. Reis-Darmstadt gelungen war, das Schifflein über Wasier zu halten. Und nun dir,Referate: Man fragte sich in den letzten Tagen immer und immer wieder: Gibt es eine jüdische Jugendbewegung? Es war ein schweres Jahr, da» der Verband hinter sich hat, und es darf uns mit der größten Genugtuung erfüllen, wenn es — was mit besonderem Dank anerkannt wurde — dem bisherigen Leiter Dr. Reis-Darmstadt gelungen war, das Schifflein über Wasser zu halten. — Und nun die Referate: Man fragt sich in den letzten Tagen immer und immer wieder: Gibt es eine jüdische Jugendbewegung? Ja. sie ist vorhanden trotz des Austrittes des IIWB. Wir werden trotzdem auch im neutralen Verbände jugendlich bewegte Menschen haben. Gerade die Scheidung wird reinigend und klärend wirken. Eine Frage bewegt uns dabei: Leidet nicht bei all dem Streit unser Judentum? Rur die wahrhafte Neutralität kann uns binwegbringen über unnützen Zank und Streit und uns führen zu dem Ziel, das uns vorschwebt: Zum einigen, ungeteilten Judentum. Das war der Grudtvn der Worte von Berthold Moses-Frielendorf und Siegfried Bacharach-Escbwege. Diese beiden wahrhaft jungen und bewegten Menschen gaben uns ein Bild ihrer Tätigkeit in den ländlichen Verhältnisien ihrer Heimat. Die allgemeinen Richtlinien, mebr theorettscher Art, zog Freund Moses, der idealen Schwung mit tiefer Menschenliebe vereinigt, und daran fügte Backarach die prakttschen Fingerzeige über den Heimabend. Hier ist uns wieder ein Führer erstanden: das Gefühl beherrschte uns alle. Dieser junge Mensch kann von sich sagen, daß seine Ueberzeuaungen gehärtet sind im scharfen Meinungskampf. Am nachmittag fand eine öffentliche Kundgebung statt, bei welcher unser Freund Rabbiner Dr. Lazaru»- Wiesbaden in seiner uns allen bekannten herzlichen und vollendeten Art über das Thema sprach: „Warum sind und bleiben wir Juden?" Daran fügte Fritz Schwarzschild kraftvolle Worte über: „Wille zu jüdischer Zukunft." Und nun „hesiischer Landesverband": „Glückauf ins 4. Lebensjahr!" Herold am Eingang«, nicht die buntbefrackt«« Lakaien und Musikanten, auch nicht die schreienden Zirkusreklamen, noch eine echte Manege alo Dekoration, ja selbst die Frau Arkusdirektor mft heiserer Stimme und weitem weißen Shawl waltete an der Kaste ihres wichtigen Amtes. Und dann da» Programm! Welch« Fülle artistischer Nummern und vortrefstiLgesckulten Personals und Material»! Wer war nicht^itzuckt durch den vollendeten, jugendfrischen Tanz der Batvneste X in originellem Kostwn! Wer mußte nicht herzlich lachen über die urkvmstchen Clowns, den steinen tollen August Echrumm und seine ihm ckenbürttgen Kumpane. Mit ihren Witzen, ihrer fabelhaft gewandten Tanzkunst hatten sie die Lacher und Bewunderer ganz auf ihrer Seite. Nicht unerwähnt bleiben dürfen auch der staunenerregend« Kraftmensch -BreiGart" und der verblüffende indische Zauberkünstier Ramigani. Aber der Clou de» Ganzen waren doch sicherlich die Leistungen de» „Herrn Direktors" selbst. Seine Dressuren an Mimi, dem kleinsten Pferd« der Welt, vor allem aber die Darbietungen seines „Marstalls", alles wohlgebaute, reizende, höchst gewandte und intelligente Pferdchen, in die sich die Damen de» Verein» verwandelt hatten. Freudigster Beifall, ein prächttger Lorbeerkranz und eine glänzende Stimmung waren des Herrn Direktors wohlverdienter Lohn. Daß die beseligte Laune der Menge weiter anhielt, auch da,ur hatte der umsichttge Festletter Herr Edgar Barsdorf Sorge getragen durch frohen Tanz und mancherlei hübsche Ueverrqschungen. Man darf aber nicht glauben, daß die Bedeutung des Festes allein in der frohen Feiersttmmung gipfelte. Ist es nicht von hohem Werte, wenn Freude die ganze Gemeinde vereint und in schönster Harmonie zusammenhält? Hierdurch sowohl, wie durch die vorbildliche, freudige Mitarbeit gar vieler Mitglieder erwies sich das zwölfte Sttstungsfest des Iugendvereins als ein wertvolles Glied in der Kette der Vereinsleistungen, das zugleich das Intereste an den anderen Aufgaben des Iugendvereins festigen und mehren wird. Stau!» Am Schabbo» Wai'chi.feierte Herr Moser Behr feinen 80. Geburtstag. Herr Lehrer Kvschlanb brachte in einer Ansprache die Glückwünsche der Gemeinde zum Ausdruck und bankte dem Jubilar, der hier feit Jahrzehnten in selbstloser Weise bar Amt einer Borbeterr in Bertretungssällen au,übte. Gleichzeitig wurden auch der Schwester de» Jubilars, Fräulein Sibylla Behr, anläßlich ihres 75sährigen Geburtstages die besten Glückwünsche ausgesprochen. Seit vielen Jahren bekleidet die tatkräftige nimmermüde Dame dar Amt einer ersten Borstrherin des hiesigen Jüdischen Frauenverelns in geradezu vorbildlicher Weise. Den beiden Iubilaren ein herzliche» Ad mroh w'errim schonoh! Jähheiten. Von». Samstag, den 28. Januar, Heinz Edelstein. Sonntag, den 89. Januar, Siegm. Mathe»; Mose, Kahn. Dienstag, den 31. Januar, Gebr. Pollack. Freitag, den 3. Februar, Louis Rollmann, nebst Borabend. Gottesdienst. . DOssekdors. Synagoge Kasernenstroße. Freitag den 87. Jan., abendm, 5 Uhr; Samstag den 88. Jan., vorm. S Uhr, Predigt und Barmizwohfeier 9.38 Uhr, abend» 6.85 Uhr. Wochentage morgens 7.38 Uhr, Sonnntag 8 Uhr, abend» 7 Uhr. »am, . Frei aa. den 27. Jan., abend« 5 Uhr Samstoa, den 78. Jan, mmeen« 9 llbe Reumondeweih« und predict Ausoang 6.13 Uhr Woche-trg« worge «?.zo Uhr, abend« 4.3» Udr Synagogen-Gemeinde Köln. Krefeld. Zu einem Ereignis von weit mehr als rein örtlicher Bedeutung gestaltete sich das 12. Stiftung »- f e st des Jüdischen Iugendvereins Krefeld. Im Mtttelpuntt des Abends stand eine regelrechte Zirkusvorstellung, die bi» ln die kleinsten Einzelheiten die Wirklichkeit getreu nachahmte. Edgardv Bomforttonelli hieß der vielgewanbte Leiter des „Unternehmens", mit feinem bürgerlichen Namen — den.man wohl jetzt verraten darf — Edgar Barsdorf aus Krefeld. Nichts hatte er vergasen, um die überaus große Menge de» schaulustigen Publikum» in di, hetterste Stimmung zu versetz««. 4»-f»hst« nicht d« Gcbetairltca. Freitag, den 87 Jan., abends 5.15 Uhr. Samstag, den 98 Jan., morgens 888 Uhr. Minchah (Qtockengasse) 3 Uhr Jugendgottesdienst (Roonstrasse) 3 Uhr. Sabbathausgang 6 Uhr. Wochentage: moreens 7.10 Uhr \ abends Glockengasse 5 Uhr, Roonstr. 7.88 Uhr? Barmizwoh-Peiern: Am 28Jan. Glockengasse. Sohn von E Fuchs, Ewaldlstr 8. Am i rar. Rooiuirssse Sonn von R. Klestadt, Roland-tr. 18. Am 1 Fab* Raptstiaete. Sohn von OberaekietBr 8. Chaita, Gladbach« Strasse 43

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