Mannheim
Compact Memory

Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-01-27 · 139 (27.1.1922) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
139 (27.1.1922)
Date
1922-01-27
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/3947615-6435934-6437292--1500-3948985
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Mfftttaf {tkca Krrtta, 8«|a|f> Pntt-M «aaaltich. 8> tt|(t|n iutik stauklch« Paßtaur» itn kam kca Bastaantag <a Baka. VOM RHEIN Jüdisches Volksblatt lairiiNkritt! Mt.fükfc ilerpf«. fctitttife. Bit «aa«a Baut aa^aft 960 geile«. 0att6«4tsata 4attaeena* <9 au a. H »T-la R». 74747 Herau«-e-e-en kon TUMfntr Dr. Oarif «atz«, Sem - Gchetptettmi« unk Saschäfttstelle-. Sonn, Se0dergaffe 53. - Xtfifgf 495«. , Stojtlgrooorfiotor für JWn: ««Wo* ff«n, SokwnoBirnrin« 51*. - Jitfon B 9186 mmmsmmmmam |nqu( 139 | tfüttBüB «KSkn, 27. Januar 1922. —' 27 Hebet 5682 C9BB9B 4. fmiiii. rrrmrtn Umschau und Ausschau lm Kölner Gemeindelehen Dan San Zwi Die in derersten Hälfte devergangenen Jahrhundertin der deutschen Juvenheit einsehenden Reformbewegungen haben da- Gemeindkleben in Reform- und orthodoxe Parteien gespalten. Die Reformpartei erstrebte eine Neubelebung jüdischen Geisteim Innern und Hebung de- Ansehender Juden nach außen, im Einklang mit modernem Geiste,' die orthodoxe Richtung strebte dagleiche Ziel an, bei strengem Festhalten am Überlieferten. Die Resormbewegung setzte hauptsächlich in den Großaemeindrn ein und ließ dort die Orthodoxie meist in schwachen Minderheiten zurück, in der sie sich dadurch kaum zu behaupten wußten, daß die stärkere Partei eS ihr in vielen Fällen unmöglich machte, die für datraditionelle Gemeindelrben notwendigen Institutionen zu benutzen, obwohl sie durch da- Lande-gesetz gezwungen an den Ge» metndelasten teilnahmen. Der Kampf wurde von beiden Seiten in erbitterter Weise geführt und führte dahin, daß der bisher machtlosen Minderheit der Austritt auder Gemeinde wegen religiöser Bedenken durch daS Lande-gesetz ermöglicht wurde. Bon diesem Zeitpunkt an trat eine Wendung in den Gegenströmungen ein. Die Reformgemeinden erblickten in dem neuen Gesetz «ine Gefahr für den Gemeindebestand und suchten daS AuStrittSgeietz in seiner Wirkung dadurch abzuschwächen, daß sie den Ansprüchen der Orthodoxen oft in weitgehendem Maße Rechnung trugen. Dieses Entgegenkommen bewiifte eine Spaltung der orthodoxrn^Rlchtung. Ei» Teil derselben wollt« in dem AuStritlSgesetz ein Machtmittel sehen, um die Minderheit vor.der Vergewaltigung der Mehrheit zu schützen und wollte eS erst dann in Wirkung treten sehen, wenn e» ihr nicht mehr ermöglicht wäre, im Anschluß an die Hauptgemeinden ihre relr.iiöitn Bedürfnisse zu befriedigen, während der andere Teil unter allen umständen mne Trennung wollte und dem erzwungenen Entgegenkommen keinen Wert beilegte. „ Fragen wir uns nun, welche Wirkung diese Umwälzungen im deutsch-jüdischen Geuieindeleben auf unsere Kölner Verhältnisse ausgeüdt haben, so finden wir, daß die erbitterten Kämpfe der 60er und 70er Jahre -devergangenen Jahrhundertda- Kölner Gemeindeleben nur wemgbe'üarten. Wohl entstand nach Übersiedlung de- Lehrerseminarvon Ehrenfeld nach Köln tut Anschluß an dasselbe dt« AddaS^Jeschurun,-diese bedeutete aber keiner wegeine Trennung von der Hauptgemetnde und trug, da fie im ahmen oertelben benand nur zur Festigung traditionell«, diichen Lebenin der Gemeinde bei. Eine Spaltung innerhalb derselben entstand erst im Kampf um die Orgel, alt Symbol der Reform. Inzwischen haben wir Zeiten erlebt,, die die Welt auden Angeln gehoben und alle- Bestehende uwgewälzt baden, und die auch an unserem Gemeindelrben nicht spurlos vorübergegangen sind.. Mehr denn keit der Hebung worden, aber rat! e zuvor ist auch bei undie Notwendig« üblich religiösen Geiste- Erkenntnis ge« öS find meist diejenigen, denen in erster Linie d«e Lösung dieser Aufgabe zufällt. Eine neue Verwaltung ist in unserer Gemeinde eingekehrt, iind lbre Aufgabe wird eS iein, einen gemeinsamen Boden zu finden, auf dem alle Parteien diese- Ziel an« streben können. Da gilt r- Unstimmigkeiten zwilchen den Parteien zu beseitigen, damit der Geist einziehe, der Klarheit schafft,' damit myn sich in vielen Punkten prinzipieller Art dahingehend verständigt, daß die Parteien da, wo sie unüberbrückbare prinzipielle Gegensätze trennen, ihre eigenen Wege gehen, daß aber aste Richtungen lm gemeinsamen Rahmen zur Hebung deS jüdlich religiösen Lebenbeitragen und da gemeinsam arbeiten, wo sie keine prinzipiellen Gegensätze lcheiden. Um dazu erreichen, ist in erster Linie allseitige- BerständniS für die Eigenart der Zusammensetzung unserer Gemeinde notwendig. Eine starke Reformbewegung bestand in unserer Gemeinde zu keiner Zeit- Erst alS diese i» fast allen Großgemein den zur Scheidewand zwischen dcn Parteien geworden und meist schon auf dem Rückzuge war, hat sie bei unS eingesetzt. ' Selbst diejenigen aber, welche hier zn dcn eifrigsten Förderern der Einführung der Orgel gehörten, und die einen regeren Beiuch de- Gottesdienstedurch dieselbe erhofften, sind ln ihren Erwartungen enttäuscht worden. So ist eö eine allseits anerkannte Tatsache, daß die Reform ihren ursprünglichen Zweck, neuen jüdisch religiösen Geist zir erwecken, ver'ehlt hat und alle Versuche, einen einoeltlich reformistischen GesetzeSpmikt auf jüdischer Bafiaufzubauen, daben versagt ES wird keinem Rabbiner möglich sein, eine religionsgesetzliche Entscheidung in jüdisch reformistischem Geiste zutresftn, die aus.einwandfreiem GesetzeSbodcn steht. Die große Masse der Juden unserer Gemeinde, wie diejenige in den meisten europäischen Großstädten, hat sich von dem jüdischen ReliglonSgesetze in seinen vitalsten Grundzüge» loSgesagt. Sie hängt trotzdem mit allen Fasern am Judentumfie tritt mit L'ib u«d Seele, nut Hab und Gut für die Rechte ihrer Glaubensgenossen ein und ist die Stütze, ohne die selbst Institutionen, welche der konservativen Richtung dienen, nicht bestehen kückiiten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.