Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 4 (1922)
- Issue
- 138 (20.1.1922)
- Date
- 1922-01-20
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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JÜDISCHER BOTE l#W (du Gert«», BaHUG» %tillftaiuU<4. &* »arch fK»»Ncha PafMar atzar tim >»» BrauttUi <* Van. VOM RHEIN v Jüdisches Volksblatt la4«i|ca»attMlt.fl»Ma»l«t|a|t. fa*tt|aUa. Dt, §i»tß Battf »faßt fSOftattaa. fa#f**a«ta <CTU| G M.». ^,LLk» Ra. 74747 Har«m-»-«ben aoa Tlobdinar Dr. Mi Cato Sonn. - Schrtftleltung und GafchSstefialla: Saaiv Dttidargeffa Sl — gafafan WN. Aozaisaaivattratar fftr Min: OfWimSUMIar, «Rn, -ohan^tarnrin» si *. - »alafon B 91M züllr^ss ' KStn. LO.Aarrirav 192«. —«0Heöe1ü68^^t^^^O«^ Die Keren HaMod-Aktion der deutschen Juden Das deutsche Judentum hat im 19. und 20. Jahrhundert eine über sein zahlenmäßige Starte weit hinausgehende Bedeutung im Weltjudentum innegehabt. In den Händen deutscher Juden lag zum großen Teil die , geistige Führung des Judentums überhaupt. Denn in Westeuropa und Amerika pulsierte das jüdische Leben nur schwach; die außerordentlichen moralischen und geistigen Kräfte des Ostjudentums aber vermochten sich bei der Ungunst her wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse nicht, frei zu entwickeln. So entstand die führende Stellung, die deutsche Juden auf allen Gebieten jüdischen Lebens bekleideten. Im Kriege haben sich diese Verhältnisse in mancher Beziehung geändert. Das deutsche Judentum sah sich abgeschnitt« von dem jüdischen Leben, das sich außerhalb der deutschen Grenzen ablpielte: Erst nach dem Friedensschluß sind die geistigen Fäden überall wieder angespvnnen worden, die das deutsche Judentum mit den Juden anderer Länder verbanden. Erst jeht vermochte man zu würdigen, was die Balfour-Deklarativn und die Beschlüsse von San Remo bedeuteten. Bis dahin batten viele geglaubt, daß der Aufbau Palästinas als des jüdischen Zentrums eine Utopie sei, und sie hatten insbesondere geineint, daß dieses Ziel, so lange die türkische Herrschaft in Palästina bestand, unerwünscht sei. Jetzt, wo auf der Tagung des Obersten Rates in San Remo die Balfour-Trklärung feierlich verkündet wurde und wo England da» Mandat über Palästina übernahm, erschienen diese Bedenken als hinfällig. In der Tat hat ja'auch in denjenigen Kreisen, die nicht aus zionistischem Standpunkt standen, das Gefühl einer Verbundenheit mit Palästtna nie aufgehört. Weite Kreise des deutschen Judentums haben stets lebhafte Sympachien für alle Bestrebungen gehabt, die in Palästtna landwirtschaftliche jüdische Kolonien schäften wollten und schon immer existierten jüdische Organisationen, die derarttge Tendenzen unterstützten. Aber erst jeht ist es geluntzen, alle Kreise des deutschen Judentums zu einer Aktwn zusammenzufaflen, die nicht einzelne Aufgaben in Palästina lösen will, sondern die große Aufbau-Aktion, durchsüreu wird. Die Aufgaben, die der großen Keren 6jeffob-Aktion bevorstehen, sind zahlreiche. Es handelt > darum, Boden zu kaufen, Einwanderer ins Land zu ngen, den Boden zu kulttvkeren, neue jüdische Siedlungen zu schaffen, moderne Verkehrsmittel, wie Eisenbahnen, Strahn, Kanäle und Häfen zu schaffen, moderne Bank- und Kreditinstitute lus Leben zu rufen und anderes: Die Schwierigkeiten, die der Durchführung dieser Arbeiten im De-e steh«, sind nicht gering, ober sie werden üferwunben werben, wenn, das Vorbild, da» da» deutsche Qujtatum durch den Zusammenschluß, zu einer ünhemlch« Aktion gegeben hat, bei den Juden anderer Länder Nachahmung findet. Cs ist gelegenllich der Einwand erhob« worb«, daß bei dem niedrigen Stande der deuffchen Mark die in Deuffchland gesammelten Beträge ln Palästina keine große Wirkungsmöglichkeit haben werd«. Es fft deshalb beschlossen worden, die in Deuffchland gesammelt« Gelder des Heren Hajeffod in Deutschland »u verwenden. E» sollen hier War« gekauft werk«, z. B. landwirtschaftliche Maschinen, Palästinawanderer mit der notwendigen Ausrüstung versetz«, sowie Ausbildunasstätten geschaffen werden, um Palästtnapkonier« dl« für das Land erforderliche landwirtschaftliche ober handwerkliche Ausbildung zu geben. Auf diesem Wege wird erreicht werd«, ck>aß d« Geldern der deutschen K«r« Hajeffod-Sammlung die größte denkbar« Wirkungsmßg» lichkeit gegeben wird. Wer die Namen liest, die d« Aufruf für d« Keren Hajeffod unterschrieben haben, wird nicht daran «veisffln können, daß die Gesamtheit dieser Namen wirklich da» deuffche Judentum in all seinen Parteien, Grupp« und Schattierungen umfaßt. Führende Männer der groß« jüdischen Gemeinden Deutschlands Hab« dies« Aufruf unterschrieben: wir finden die Namen von Männe«, die für die verschiedensten jüdffchen Organisatton« Deutschlandv als typische Vertreter angesehen werd« können, so den Geh. Iustizrat Timendorfer, bekanntlich den Grobpräsidenten der UOBB.-Logen, den Vorsitz«, den des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Professor Dr. Kali scher, den Vorsitzenden des Verbandes der deuffchen Iugendvereine Dr. Apfel. Männer baden den Aufruf unterschrieben, die im deuffchen Wirffchaft»- leben zu den führenden Persönlichkeiten recbn«; ein Name wie der von Profeffor Einstein und ander« Größen der Wiffenschaft haben chre Unterschrift unter dm Ausruf gesetzt. Neben diesen Namen finden wir deuffche Rabbiner der verschiedensten Richtungen und die Führer der Zionistischen Vereinigung für Deuffchland. Es ist das erste Mal, daß eine so stattliche Zahl von Namen sich zusammensindet, um das deuffche Iudmtum zu einer Lei- 0 aufzurufen. Wir zweifeln nicht daran, daß dieser uf Erfolg haben wird. Die ganez Welt sieht heute auf das jüdische Volk. Die politischen Voraussetzung« sind uns gegeben worden, um endlich einmal ein große» ausbauendeo jüdisches Werk zu schaffen. Wir werd« der Welt zu belveisei, haben, daß das Vertrauen, das die Großmächte in uns gesetzt haben, berechtigt gewesen ist. Der Zusammnschluß aller Teile des deutschen Iudmtum» zu einer großen Aktton bedeutet einen Schritt zur Realisierung unserer Palästinahoffnung«; der nächste Schritt wird, die große Sammlung sein, zu der hier ausgeruf« wird. Wir vertrauen darauf, daß auch dieser Schritt un» unserem Ziele näher bringt.