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Jüdischer Bote vom Rhein · 1922-01-13 · 137 (13.1.1922) · p. Seite 11

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
4 (1922)
Issue
137 (13.1.1922)
Date
1922-01-13
Page
Seite 11 (sequence 3)
Language
German
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Aßl». >m nächsten Nvchenfestr, den 2. Juni ». H»., joU wiederum dce Konfirmation der Mädchen in der Synagoge Roonstr. statkfinden. Der Vorbereitung», unterricht beginnt Mittwoch, dm 18. Januar, und lst unentgelilich. Anmeldungen nimmt wöchentlich von 3 dlS 4 Uhr nachmittags Gemelnderadbiner vr. Kober entgegen. Kill«. Am 24. Dezember 1921 lud die Cbeoro AhavaS Rerm ihre Getreuen zu einer Ehanukafeier ein. deffen Reinertrag der Unterstützung hilibedürftiger unterernährter jüd. Sinder und Waisenkinder bestimmt war. Die großen weiten Säle deS KristollpalasteS waren bi» zum letzten Platz besetzt. Nach der Begrüßungsrede dc» ersten Borsitzenden Herrn Philipp Aaron, sprach Frl. Clara Aaron emen.von Herrn Franz EhoruS verfaßten wirkungsvollen Prolog. Dann ergriff Herr Rabbiner vr. Roienthal daS Wort. In eindrucksvoller Rede sprach er von Nächstenliebe und Menichenversöhnnng und wieS mit.Stolz darauf hin, das Protektorat des Vereins zu besitzen, deffen einzige» Ziel Nächstenliebe ist- Ein nicht endendwollrnder Bestall zeigte, daß die Worte deS Herrn vr. Rosenthal auS den Herzen aller aeiprochen waren. Nun wechielten Gesangvorträge und Tanzvorsührungen einander ab Von den sich dem Verein unentgeltlich zur Verfügung stellenden Künstlern seien in erster Lime Frl. Grete Schulz vom ReichShallentheater sowie Herr W. Rudolsi vom Düffeldorfer Schauspielhaus erwähnt, die für ihre glanzvollen Leistungen ein dankbares Publikum fanden. Auch das Tanzkünstlerpaar Geschwister Gordvn und Frl. Hcnnry Ritter, Fr. Betti Bovilly leisteten Vorzügliches. Das Fest darf als glänzend gelungen betrachtet werden, und Dank sei allen denjenigen gebracht, die zum Gelingen deS Festes beigetragen haben. DaS finanzielle ErgebmS war derartig, daß der Zweck deS Feste» voll und ganz erreicht wurde. Von Berg und Tal Elberfeld. Bei der letzten Wahl der Gemeinderepräfentanten, deren Einsührung am 20. Noveniber 21! erfolgte wurde eine einheitliche Liste gewählt, zu der die j Liberalen 7, die Zionisten 5 und die Ostjuden 2 Kandst baten aüfstellte», wodurch ein Wahlkampf erspart blieb.! Hamm a. d. Sieg. Wie alljährlich, so beging auch diesmal unser Iugendbund am 31. Dezember wieder seine > Ehanukafeier. Wenn selbige auch nicht über den Rahmen! einer intimen Feier innerhalb des hiesigen Iugendbundes; und der zur hiesigen Synagogengemeinde gehörenden Ge-! meindemitglieder hinausging, so darf sie doch wohl als; wohlgelungen und urgemütlich bezeichnet werden. Das 1 Programm des Abends zeichnete sich durch reichhaltige Abwechslungen jeglicher Art, wie Aufführung eines Lustspiels,! gelangliche, deklamatorische und musikalische Vorträge aus. l Tanz und Geselligkeit hielten die meisten Teilnehmer bis > ijt die Morgenstunden zusammen. Nur zögernd ging man auseinander, jeder mit dem Gedanken, angenehme, genuhs reiche Stunben verbracht zu haben. Beuel. Am Mittwoch, den 4. d M, fanden sich j lsier nach langjähriger Pause die Mitglieder deS israel! FranenvereineS^zu einem gemütlich«, Kaffee zusammen. Die Vorsteherin, Frl. Sibilla Behr, die schon lange Jahre in ruhiger Weise den Verein leitet, gedachte mit warmen Worten der verstorbenen Mitglieder. Sie schloß uiit dem.Wunsche, der Verein möge weiter in einmütiger Weise Zusammenhalten, wie bisher, um die Not der Bedürftigen und Kranken zu lindern. Klavier- und Gesangvorträge verkürzten die schönen Stunden. Et« prtftfott ifar tfacn Jtaatatfatt d«s RS«brrhauptmanne<Schtu-<rham,e<. Vor längerer Zeit brachten wir einen Bericht über das Erlebnis des altep Marcus au» Ree», Vorfahren der noch jetzt dort wohnenden Familie Marcus^ der 1797 von dem berüchtigten Räuberhauptmann Schinderhanne» überfallen wurde. Wir sind heut in der Lage, ein alte» Reefer Protokoll über diesen'Vorgang zu veröffenlltchen. ' Es lautet folgendermaßen: „Zwey Juden Rahmens Marcus auß Rees und Levi Spir kamen vom Kölner Markt mit dem Krevelderwagen bis Reus hatten bei sich im Mantelsack zwey beygürtel mit Geld vor zwanzig Ockfen. In Reus gaben sie im Wirtshaus den Mantelsack dem Treiber Theodor Müller gerne!- ten trüge den grünen reiß sack bis in Brül bey Albrecht, damit ein glaß Bier und Branntwein trinken. Der Treiber . Rahme den Mantelfack wieder auf da kam außer Brül «in Mann von Reinberg, Iohan Krvt und sagte er hat KorN und Geld abgeliefert Vor Reinberg und hat die Bons bey sich, wir sagten wir gingen auf reinberg. Der Mann erwiderte er ginge soweit wie wir gingen. Da wir Von Brül «neViertel Stunde waren gangen kam einMann mit einem blauen Kittel etwa» bücklich und halb Hosen, und ginge mtt uns über und sagte er ginge auf Dusburg. Voraus gingen 2 Leut wohlgekleid in.(unleserlich). Der Marcus trug seyn Mantel und sagte zu dem Mann Krvt er sollte eine Kanne Bier haben und dafür den Mantel tragen. Er erwiderte er konnte nicht, er hat jetzt soviel in Gedanken und muß Augenmerk halten und nähme nach gute Ansvrache und trüge den Mantel mitten im Busch, der Busch Rahme Ligertz, kamen Vier bis Fünf Spitzbuben mit Gewalt mit pistollen und Meffer und sagten wir sollten abgeben. Die pistollen und Messer auf die Brust gehalten und nahmen mit gew'alt dem Treiber den Sack von Rücken geschnitten und hielten die pfftollen und Meffer auf die Brust und Nahmen allesab was sie haMen außer ein wenig zehrgeld, welches sie nicht fanden. Dem Treiber sein Sackes mit 4 Rthlr. und etwas Equipage wurde mit hinweggenohmen. Der Krvt behielte den Mantel und tätten ihm nichts und sagte nun laust was ihr laufen könt und trug den Mantel bis Latum in den Schwanen. Roch eynes bey dem Mann Krvt ginge ein Mann ich fragte wer er wär er sagte 'der Mann ist etwas besoffen und sprach etwas mit ihm. Und kam bey mir und zeigten es an wie sich dieses zugeiragen hat. Latum den 24. Robris 1797 geschrieben und unterschrieben Anton Wellen im Namen Peter Koter, Vorsteher, Marcus Jakob auß Rees Levi Spir auß Rees." Neben Binkmann lebt Schinderhannes als der gestirchtetste Räuberhauptmann am Ricderrhein lebendig fort in der Erinnerung des Volkes. Schinderhannes, mit seinem richtigen Namen Johannes Bückler war 1770 zu Unstädten im Herzogtum Hessen geboren und mit 20 Jahren schon groß in seinem Handwerk. Er plünderte mit seiner Bande besonders auf den Handel gehende Juden, weil diese dann stets bares Geld bei sich zuchaben pflegten. Er stellte förmliche Sicherheitskarten aus. Im Jahre 1803 wurde er gefangen und, erst 23 Jahre alt, in Mainz hingerichtet. Einer aus seiner Bande wurde gefangen und vor bas Affisengericht in Köln gestellt. Unter den Belastungszeugen war auch der oben erwähnte Jakob Marcus; er erkannte den Räuber sofort, da er beim Ueberfall bemerkt hatte, daß derselbe nur vier Finger an einer Hand besaß. Im Gerichtssaale äußerte sich dann der zum Tode Verurteilte üöch: „Iud, wenn ich geahnt hätte, daß Du das beim Ueberfall gesehen, wärst Du nicht mit dem Leben davon gekommen." Werbt für den Jüdischen Boten vom Rhein!

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