Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 131 (2.12.1921)
- Date
- 1921-12-02
- Page
- Seite 421 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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noch in die Zeit vor der Revolution fällt, und das Amt und seine Zweigstellen es seit der Zeit verstanden hat, die Anerkennung seitens aller in Frage kommende» Behörden zu erreichen. Dies sei hauptsächlich dem Umstande zu verdanken, daß das Ardefterfürsorgeamt eine Spitzenorganisation aller jüdischen Vereine und Parteien sei und hier zum ersten Male die Einheitsfront des deutschen Iudimtums geschaffen sei. Redner stellte ferner fest. — und darauf sei immer wieder hinzuweisen, — daß der Kern der jüdischen Einwanderung nach Deutschland diejenigen Arbeiter seien, welche w^rend des Krieges zu Arbeiten in der Kriegsindustrie zwangsweise nach Deutschland geführt sind und daß zu ihnen dann erst diejenigen kommen, welche als Opfer der politischen Verhältnisse, der Pogrome im Osten nach Deutschland stüchten mußten. Sodann erklärte er eingehend das schwierige Problem derjenigen Arbeiter, welche durch die neu geschaffenen Staatsrechtsverhältnisse im Osten staatenlos geworden sind. Die Arbeit des Aroeiterfürforgeamtes und seiner Zweigstellen geht nun auf der einen Seite darauf hinaus, die Deiteremigration dieser Flüchtlinge, deren Zahl so häufig fälschlicherweise als nach Hunderllausenden zählend betrachtet wird (in Wirklichkeit dürften es 110 000 gewesen sein) zu ermöglichen. Dies ist unter denjenigen Flüchtlingen bei denen eine Dciteremigration verhältnismäßig leichter möglich war, in einem ungeheuren Umfange gelungen: zirka 50 Prozent all dieser Flüchtlinge sind durch das Ardeiterfürsorgeamt und seine Zweigstellen ins Ausland, d. b. größtenteils nach Amerika, andernteils nach Palästina und zu einer kleinen Anzahl auch wieder nach Hauie gebracht worden. Für den Rest verblecht die Aufgabe, ibn produftiocn, volkswirtschaftlich notwendigen Berufen zuzufübren. Auch dies ist in einem unverhältnismäßig großen Maßstabe gelungen. An Hand von einigen Zahlen z. B. Rubrgebiet 15 000, Miteldeutsches Industriegebiet 10 (00 Mann erwies der Redner die Richtigkeit seiner Angaben: bervorzubeben sei die außerordentliche Befriedigung, die man in den verschiedensten Berufen bei Unternehmer wie Arbeitnehmer in Bezug auf Tüchtigkeit und Kollegialität in vielen Zeugnissen und Svmpachiekundgebungen ausgesvrochen bat. Gerade an Hand der Tatsachen, daß die meisten jüdischen Arbeiter gewerkschaftlich organisiert sind, kann man ersehen, daß es sich um wirklich wertvolle Arbeiter bandest. die nicht gewillt sind, deutsche Arbeiter durch Lohndrückern zu unterbieten. So sei auf Grund des tatsächlich Geleisteten nicht nur das Vertrauen der gesamten deutschen Iudenbeit zu der Tätigkeit des Arbeiterfürsorqeamtes gewonnen, sondern auch das der Behörde die durch die Anerkennung des Arbeiterfürsorgeamtes a*s offizielle Fürtorqeorqanisation der gesamten deutschen iudenbeit ibr Einverständnis mit der ausführlich ffarqestgten Tän'gkeit gegeben bade. In eindringlichen Worten ermahnte schließlich der Redner die anwesenden Vertreter der Gemeinden chrerseits darauf hinzuwirken. daß diese Organisation nicht zerstört wird sondern baß sie darauf hinarbeiten müßten, mft allen Mitteln sie zu erhallen. Rach dem mit reichem Beifall ausqcnommenen Referat des Herrn Berger nahm der verdiente Vorsißende der Zentrcüarmenkasie für Rheinland und Dirkenfe'd. Herr Fei'chenfe*d. dos Wort zu einem kurzen Bericht über die Tätigkeit der Zentralstelle für Danderarmenfürforqe. die im besonderen darauf gerichtet ist das Unterstützungswerk für die in Deutschland befindlichen Ostsuden zu leisten, wahrend dem Arbeitswrsorgeamt der ideelle Teil dieser Tätigkeit zufalle. Herr Fei'chenle'd legte dar. wie die Tätigkeit der Zentra'kasie insbesondere darauf gerichtet ist. das llnterstüßungswesen in einzelnen Provinzen zu zentralisieren, um dadurch die einzelnen Gemeinden von herumwandernden Armen frei zu halten, wie dies in hervorragendem Maße bereits vor dem Kriege geschehen sei. Auch er ermahnte die Anwesenden ^uh ihrer Pflicht gegenDer dem Oftfudentum nicht zu entziehen. Ais Letzter fax«* fftr dar Durchwanderer Herr Rakha» Kahn, der die besondere tigkeü dieser Institution fir dnrch'Dkntschland kommende Lnerika-Emigrantr» hervorhob, denen hauptsächlich in den Durchwanderungsdarack^i am Bcchkcheffe Köln-Deutz, in umfangreichstem Maße Unterstützung zutoü. wnd. ,M erwähnte die umfangrerchen sanitären Maßnahmen) me dort geschaffen sind, die Höße. die Emigranten geleistet wird, welche noch mcht im Besitze des Visums chres Ziellandes sind, sowie in besonderen Fällen auch die materielle Hilfe die notwendiger Weise zur Verfügung gestellt werden muß. Auch Herr Kahn schloß sich den dringenden Bitten seiner Vorredner an. - Rach den ansfÄrrticheu Referanten wurden folgende Resolutionen vorgelesen und einstimmig angenommen: „Die am Mittwoch, den 10. November, zu dem Gemeindetag der Rheinischen Svnagogengemeinden versammesten Vertreter der Svnagogengemeinden erblicken in der sachgemäßen Behand'ung der Ostjudenfrage zumal soweit sie unsere Provinz betrifft, eine der wichtigen Angelegenbeiten der deutschen Iudeicheft Sie anerkennen, daß in dem Arbeiterfürsorgeamt der Jüdischen Organisallonen Deutschlands mit seinen Zweigstellen, sowie der Zentralrvanderarmenfürforge mit ihren Zentralkaflen in der Provinz und dem Hi'isausschuß für jüdische Durchwandern zwei Organisationen geschaffen sind, die in sachkundiger Weise und unter Berücksichtigung der Interesien der deutschen Iudenbeit die Oftivdenfrage der allseitig gewünschten sozial-politischen Lösung entgegen fuhren. Die Unterstützung dieser Organisationen, welche im besten Einvernehmen Zusammenarbeiten und behördlicherseits anerkannt werden, wird in großem Maße als notwendig erachtet und die Gemeinden der Rheinprovinz werden daher aufgefordert. mindestens 5 Prozent ihres Steuersclls für das Iabr 1?21 zur Auftechterhaltung der gesamten Organifarionen aus das Postscheckkonto 80005, Köln, Isr. Unterstützungsverein (Isr. Armenverwaltung) abzufübren." Herr Gebeimra? Di. Apfel dankte den anwesenden Eemeindevertretern und wies unter allseiliger Zustimmung darauf bin. daß die Anwesenden sich durch die einstimmige Annahme verpflichtet hätten, innerhalb ihrer Gemeinden für die strikte Durchführung der Resolution Sorge zu tragen. Am Sonntag, den 27. November, vorm^ 10.30 Uhr, fand im Isr. Warenhaus in Köln-Braunsfeld die Gedächtnisfeier für den Begründer der Anstalt, Rabbiner Dr. Abraham Frank K*. And. und für die im letzten Jahr verstorbenen Kuratorrumsmüg ieder statt. Gemeinderabbiner Dr. Kader bie't die Gedächtnisrede im Anschluß an Hiob?>1. 16—IS: „Versagte ich die Bitte der Armen und sieh die Augen der Witwe schmachten? Aß ich meine Bissen allein, und cß nicht die Waise davon? Fürwahr, von meiner Jugend an wuchs sie uni mir auf. und ich war! ibrwie ein Vater: von jeher habe ich sie geleitet." Seine Aus^ubrwdien galten der Bedeutung der jüdischen! Wvi'envffege in Vergansenheit und Gegenwart Die Ge- J denffeier begann und schloß mft den üblichen Gebeten, die Kantor Mar Baum II vortrug. (rinbeir m — Joinn ist ein Schlagwort in den letzten Jabren o ah «dhreaaln worden, famn aber ist ein Wort auch >'o teere Phrase jeMsefm. wie dieser Begriff. Zerklüftung, Zerspaltung, Tezünke rsimsrm — das ist der Anblick unseres Judentums in TeneZchkand, Gr»Pe Hingaben bleiben unerfüllt, veil sich » bas Handeln der Men^chrni noch de» mehr oder weniger engen Gesichtspunkten ihrer Parrei richtet, die Kräfte zersplittern sich im Kampie gegenesmurder. Hatt m Wirken für eine große Aufgabe oder mehrere ihre Ber«Zr!«Lag zn finden. Sollt« eS wirklich »vr Phrase »der Tran» -ei» fonem, das Sehnen, das die besten unter den Inden 'wr i r» stch tnari: noch einer neuen »nd stark in steh oefAMFeara «G jWSche» «eKankcheit? ZstWych ist tran» r e straft