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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-12-02 · 131 (2.12.1921) · p. Seite 419

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
131 (2.12.1921)
Date
1921-12-02
Page
Seite 419 (sequence 3)
Language
German
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sluß. Durch die Bibel ist jÄischer und deutscher Geist u nlösbar ineinander verwurzelt. Es folgt ein Referat des Syndikus Dr. Holländer , über das Thema: ,Im Kampf um unser Vaterland." Der Redner betont, daß es kein Erlahmen in diesem nun schon so lange dauernden Kampfe geben dürfe, da auch ' unsere Gegner nicht müde werden, uns immer wieder als die Ursachen alles Unglücks zu bezeichnen. das unser Vaterland betroffen hat. Der schändliche Vorwurf der Drückebergerei im Kriege ist durch einwandfreie statistische Veröffentlichung widerlegt; hohe Offiziere haben gegen diese Veröffenllichung Widerspruch erhoben. General Ludendorffs Behauptung, daß eine geheime Oberleitung des jüdischen Volkes Hand in Hand mit den Westmächten den Krieg enffesielt haben, um auch Deutschland in ihre Gewalt zu bekommen und die Juden in Palästina staatlich zusammen zu schließen, ist der denkbar schwerste Vorwurf. Wenn Ludendorff davon spricht, daß eine zionistische Oberleitung des jüdischen Voltes die Niederlage Deutschlands zum Zwecke der Oberherrschaft in Palästina gewünscht habe, so vergißt er. daß das aus angesehenen christlichen Männern Deuffchlands zusammengesetzte „Pro Palästina"-Komitee schon während des Krieges die Errichtung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina für die -Juden als ein für Deutschland nützliches Unternehmen darstellten. Er vergißt auch, daß die übergroße Mehrzahl der deuffchen Juden den Zionismus ablehnt, nicht etwa, als ob er deutschfeindlich wäre und als ob die Behaupwng auch nur einen Schein von Recht hätten, sondern weil wir uns durch Kultur, durch Geschichte und Sprache als vollberechtigte Glieder des deuffchen Volkes fühlen. Der Kampf, den wir für unsere Vollberechtigung führen, gebt nicht für die Kultur der Juden, sondern des deuffchen Volkes. Rechtsanwalt Dr. Brodnitz-Danzig überbringt die Grüße der Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens, die jhrem Deuffchland die Treue halten werden. Rechtsanwalt Dr. Haase-Posen ijetzt Berlin) spricht für die Posener Juden, die stets, auch in schwerster Zeit, mit eigener Lebensgefahr, ihrem deuffchen Vaterlande treu geblieben sind. Für die Oberschlefier spricht Herr Rabbiner Dr. Braunschweiger-Oppeln. Er schildert die Verdienste der Juden um Oberschlesien. Bei den dortt'gen Juden wird ihr deutsches Herz weiterschlagen. Die vberschlesischen Juden haben der Heimat gegeben, was sie ihr nur geben konnten. Möge die Heimat ihnen zurückgeben, was sie chnen schuldet: gleiches Recht. Dr. Urias-Hamburg spricht namens des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten und erwähnt hierbei das neu erschienene Blatt des Bundes, über das separat berichtet wird. Der erste Teil der Tagung schloß sodann mit der ein- . stimmigen Annahme folgender Resolution: Der Zentralverein deuffcher Staatsbürger jüdischen Glaubens schaart seit seiner Gründung die deuffchen Juden um das Banner des Deutschtums. Von der treuen und freudigen Erffillung klar erkannter vaterländischer Pflichten werden wir weder durch völkische Irrlehren noch durch antisemitische Drohnungen oder Beschimpfungen uns abdrängen lasten. In dem uns ausgezwungenen Abwehrkampf um unser Recht und unsere Ehre sehen wir eine wertvolle und notwendige Leistung zugleich für unser deutsches Vaterland, besten Wiederaufrichtung der.Müarbeit aller feiner Würger bedmff. '*? Mit tiefem Schmerz gedenken wir der Einbußen des Reiches an Menschen und Ländern. Den staatsrechtlich von uns getrennten Mitbürgern aller Bekenntniste versprechen wir unwandelbare Treue. gez. Dr. Nathan, Iustizrat; Sonnenfeld; Dr. Herzfeld; Geheimer Rat Faltenhein; Dr. John Werlheim; Rechtsanwalt Foerder. Henry Rochschild-Frankfurt a. M. erstattet das Fittanzreferat. Er hält es für erforderlich, daß sämttiche Landesteile Deuffchlands durch hauptamtlich angestellte Syndici organisiert werden. Der Durchschnittsbeitrag müsie pro Mitglied 100 Mark betragen. Die finanzielle Grundlage des Zentralvereins müsie bei der jetzigen Geldentwertung viel stärker ausgebaut werden, zumal die Zeitschrift „Im Deutschen Reich" in eine Wochenschrift umgewandell werden scll. Mar Eisenstein-Stettin appelliert an die Mitglieder, weiter für den Zentralverein zu opfern. Dr. Goldberg-Plauen hält es für angebracht eine Akliengesettschaft zu begründen, die die Zeitung herausgibt, und zwar, wenn möglich, eine Tageszeitung. Nach der Mittagspause findet eine lebhafte Aussprache über den „Verband der nationaldeuffchen Juden" statt. Dr. Caro-Berlin begründet eine Resolution, die folgenden Wortlaut hat: Die Naumann'sche Bewegung ist überflüssig, weil das nationaldeuffche Ideal im Zentralverein jetzt unzweideutig vertreten wird. Der Zentralverein lehnt das Zusammengehen mit Zionisten und insbesondere Nationaljuden als unvereinbar mit tz 1 seiner Satzungen ab (abgesehen von Fragen körperlicher Abwehr).) (Starker Widerspruch.) Dr. Foerder-Breslau vertritt den Standpunkt, daß man die Zionisten und Naumannianer sich selbst überlasten solle, dann werden erstere der Vergessenheit, letztere der Lächerlichkeit anheimsallen. Zum Thema „Innerjüdische Fragen" referiert Herr Rechtsanwalt Dr. Kurt Alerander-Erefeld. Er führt aus: Palästina ist für den Zentralverein ein heiliges Problem, aber nur ein religiöses und nicht ein nationales. Solange in Deuffchland Iudennot besteht, kann man vom Zentralvcrein nicht erwarten, daß er sein Geld nach Palästina sendet. Den Ostjuden Hilfe zu leisten, ist für den Zentralverein eine jüdische und eine deuffche Pflicht, darüber hinaus eine menschliche Pflicht. Redner bespricht dann die Iugendfrage, insbesondere die Stellung des Zentralvereins zum neutralen Verband jüdischer Iugendvereine im Anschluß an den diesbezüglichen Beschluß des Hauptvorstandes des Zenttalvereins vom 10. April 1921. Redner wünscht einen Beschluß, durch den eine Enffpannung der Beziehungen beider Verbände erreicht wird. *"*£/• Eine dementsprechende Resolution, von Dr. Krombach- Esien begründet, wird wegen der vorgeschrittenen Zeit zurückgezogen. Der Antrag Dr. Caro betr. „Verband nationaldeutscher Juden" wird gegen eine verschwindende Minderheit von nur fünf Stimmen abgelehnt. Hierauf schließt Iustizrat Dr. Brodnitz mit Dankesworten die Versammlung. Zusenerl!e Verlobungen, Vermahlungen, Todesanzeige« Danksagungen im Jüdischen Voten.

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