Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 130 (25.11.1921)
- Date
- 1921-11-25
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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VOM RHEIN «NtriOechmllA: LM.fLr Mcafe^icjft.?tei*31Lmctlt*. £a »c«*c*ea ¥lilTl |fj 11 f PetttMe. Die MW» «Elle uuchcht durch ft»Mche PaßLaUrr ikn > 30OSdta. PapsißrckktVta du£in ki Bffcncna« t» 8m. JfiJtflflhflfl VOlksbl&tt ieni| 3. a. I. (if€i(Bfi.747l7 i XaMiacr Dr. Ga* Lstzv, Sonn. Geschäftsstelle Vom»: Srübergaffe 52. Geschäftsstelle Sk-Kr: Maurttiusvall 52. 7UL B 130 I Köln, 25. Vovembev 1V21. — 24 Wcrvchefchwcm 5682 > 3. Lehre und Lehrhaftigkeit ..mirimiii miiimirL Der die beiden obeuftehendcn Worte nachdeaksam betrachtet, wird finden, daß sie — auf die Tbora bezogen — diametrale Gegensätze ansdrücken. Nichts ist ein solcher Feind der Lehre als die Lehrhastigteil, d. h. diejenige Art des Lehrens, die dem Menschen, wie man so sagt, etwas „eintrichtern" will. Lehrhaftigkeit ist jene Sachlichkeit und Nüchternheit, wie man sie bei „Paukern", deren Lehren Berns, aber nicht Berufung ist, vielfach findet, also das Handwerksmäßige, Mechanische und Methodische ihres Amtes. Denken wir aber an die Lehre Moses vom Sinai, so fühlen wir, daß diese Lehre weder eingepaukt noch eingetrichtert werden kann. Äe steht eben in so enger Beziehung zum lebendigen Leben, daß alles Darlegen, Predigen, Begeistern nichts oder wenig nützt. Diese Lehre will gelcht unb nicht gelehrt sein, denn „ein Baum des Lebens lft sie denen, die an ihr festbalten. und (nur). wer sie erfaßt, wird gesegyet". Lehrhaftigkeit ist eine Geisteshaltung, die in unser Judentum erst durch das Zeitaster der Aufklärung, des Rationalismus hineingetragen wurde. Der Rast'onalismus, die Anerkennung der Pernunst als geistigen und sittlichen Maßstab für alle Dinge und alle Berte, hat seinen Sinn so r«ht darin gesehen, an Stelle der Lebendigkeit die Lehrhastigkest zu setzen. Alles kann man erkennen, sagt er, und weil man es erkennen kann, kann man es auch lehren. In allen Sachen, in der Poesie, in der Religion und überall, ging es ihm nicht um das geheime quellende Leben, sondern, grob geßrgt, um „die Moral von der Geschieht'". Wer hat vor 300 Jahren nach der Echik des Christentums drüben und Huben nach der des Iudendnns gefragt? Keine Menschenseele. Und wenn es auch drüben den kleinen Katechismus des Doktor Martin Luther gab, so war er doch mehr um des Bekenntnffses als der Lehre willen da, ebenso wie bei uns etwa die 13 Glaubensartikel des Maimonides. Erst als die Aufklärung, die Bildung kam, glaubte man an Lehrhaftigkeit, d. h. an Beibringung des Religiösen auf dem Wege der Pernunst. Es war eine verhängnisvolle Entwicklung, die sich da vollzog. Sie hat im Judentum an die Stelle des Hauses, wo die Lehre als Leben wirken sollte, die Schule gesetzt, wo sie ab Leben nicht wirken k a not Denn sei ein Lehrer noch so frifö und lebhaft, seine Darstellung noch so lebendig, Darföllvug bkecht Darstellung und kann nie zum Leben werden. Sie kann das Kind ans Judentum heranfuhren, etwa wie man einen an ein Bild fuhrt, und chm sagt: „Stell dich so oder so, dann siehst du's in rechter Beleuchtung!" Rchr^kann eine lehrende Darstellung nicht erreichen. Rigftnn sollten sich immer vor Auge» halten, daß alle d« Schub i» bvch^blLhen Sinne nur entspricht. Wir beobachten täglich die Kinder, die mit kalten und stumpfen Sinnen völlig fremd vor unserer Lehre sitzen, mechanisch hören, mechanisch lernen, aber vom Geiste keinen Hauch verspüren, weil in ihrem Ohre nicht mchr das Leben fitzt. Judentum ist nicht lehrbar, sondern nur überlicferbar; das Beste, was die Schule vollbringen kann, ist die Erweckung des kindlichen Herzens zur Erkenntnis des Widerfinns, der darin liegt, daß es Nachhilfestunden haben soll in einem Fache, das es in der Schule seines jungen Lebens — im Hause nämlich — gar nicht gibt. Wozu Nachhilfestunden? Erkennt das Kind diesen Widersinn und hat es ein warmblüttges, lebendiges Herz, dann, ja, dann ist es vielleicht möglich, daß dieses Herz zu Hause sich durchsetzt und die Eltern zwingt, dem Widersinn ein Ende zu machen und Judentum im Hause zu verwirklichen. „Was? Zwingen wollt ihr uns durch unsere Kinder?" Gemach! Wir meinen nicht euch, die Klugen, Gescheiten, Gebildeten, Aufgeklärten! Wie könnten wir euch auch meinen? Nur edle Menschen, d. h. solche, denen Widersinn unerträglich ist, in ihren Kindern aber am unerträg^ftea, lauen sich zwingen vom Leben, der Gebildete vom Mbersinn nur dann, wenn er aus der Logik stammt. Durchaus logisch überlasten unsere aufgellärten Irden den Llntenßbt in der Religion dem Lehrer, sie selbst verstehen ja nichts davon. Durchaus unlogisch, aber sehr lebensvoll b«msprucht der schlichte, gläubige Jude den Unterricht für sich, und überläßt nur die Nachhilfe dem Lehrer in der Schule, obgleich der hundertmal mehr vom Judentum weiß ab er. Ja, hundertmal mehr und doch ein Ideechen wenigen er gibt die Lehre, der Vater das Leben! Und ewig besteht die Elternpflicht: „Du sollst'sie einfchärfen deinen KinberN, wenn du sitzest in deinem Hause und wenn du gehest aus dem Wege und wenn du dich m'ederlegst und wenn du wieder aufftehst!" Lebet die Lehre, heißt das, so lchrt chr das Leben! Emil Eohnl Taffache« üud Ctramimt Deutschland. Berlin. Einem Antrag des Verbandes der Deutsche» Zsm den entsprechend, sind in Preußen die Angelegenheit».-^ * bischen Gemeinden nunmehr vom Ministerium des Jxue^H, das Ministerium für Wissenschaft, Kunst und QMUttai übertragen worden, sodaß auch bezüglich der Bchörde, welche die Aussicht über die Angelegenheiten der jüdischen ReügiouSgeseLfchast führt,, eine Gleichstellung mit den chnfikcheu ReüinoaSgefellfchaften erzielt worden ist. Berlin. Der Bund Zionistischer Korporationen M-. Z. SJ hat am 30. und 31. Oktober in Berlin fernen zweite» "" * " log unter großer Beteiligung auch der außwär re» mkd aktivem Mitgliedes «bgchalten. Dup Bachd,