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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-11-18 · 129 (18.11.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
129 (18.11.1921)
Date
1921-11-18
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erscheivt jefcea Krrita>. vezags- , Preis 3 M. «aaaUich. Z, tezietze» darch sämtliche Postämter oder »nrd) Heu Voreaverla, tu Bo». VOI^l RHEIN Jüdisches Volksblatt NazeigeapreiS: LMfÜrdieviergesp. Petitzeile. Die ganze Seite amfaßt 360 ZeUe«. Postscheckkonto voteaorriag G. m. b. H.,Eölu Nr. 74747 Herausg. von Rabbiner Dr. <kmü Cohn, Sonn. Geschäftssielle Bonn: Brübergaffe 52. GeschLfisstelle Köln: Maurltluswall 52. Tel. B 9968. N»mmrr 12fr Köln, IS-Wovembev 1921. 17 WcrvcHeschrvcrn 5082 L. Jahrgang. Kein tiefsinnigeres Wort als das, aber man mutz auch wirtlich „tief sinnen" darüber, damit man es begreife. Vom Leibe spricht es und daß man ihm etwas e i n gebe. Aber damit ist die entscheidende Bedeutung noch nicht gegeben. Gerade die kleine Silbe „ver", die dazwischen steht, gibt das Wesen des Begriffes wieder. Wer sich ein Stück Brot in den Mund steckt und herunterschluckt, hat dieses Brot sich noch nicht richtig einverleibt. Die Einverleibung erfolgt erst durch den Vorgang der Verdauung, der die unreinen Stoffe ausscheidet, die reinen im Leibe, seinem Blut, seinem Leben verschwinden läßt. Dieses Leibwerden, dieses Eingliedern der Stofflichkeit in die funktionelle Harmonie des Leibes, das ist Einverleibung, das allein. Man gebraucht den Begriff aber viel mehr in geistiger Uebertragung, und nur in diesem Sinne interessiert er uns. Wir haben Eindrücke, sehen Bilder, lesen Bücher, erleben Politik, Wirtschaft, Geschichte, Zeit usw. und es kommt uns darauf an, alles, was der Tag uns zuträgt, auch aufzunehmen. Wir merken ganz genau, ob einer ein Buch auch wirklich „verdaut" hat oder nur „unverdautes Zeug" von sich gibt. Nicht auf das' Quantum, die Fülle des Erlebten, sondern auf die Tiefe des Erlebens kommt es an. Der eine reist nach Italien und kommt leer wieder, der andere wan? dert durch den Stadtpark und bringt einen Sack von Erlebnissen heim. Manchmal sind wir auch selber nicht „aufnahmefähig", sei es vor der Fülle der Eindrücke, fei es vor Hemmungen, die dazwischen stehen. Immer aber geht es um die Frage: Einverleibt oder nicht? — Man glaube nicht, daß ein starker Intellekt zu dieser Art harmonischer Einverleibung neuer Geistesinhalte besser befähigt fei, als ein weniger eindringender Geist. Es kommt dabei weniger auf den scharfen Geist als auf die Qrganisa- - tion der Seele an. Eine Sache verstandesmäßig begreifen heißt noch lange nicht, sie sich einverleiben. Empfänglichkeit ist mehr als Scharfsinn. Ehe das gelesene und verstandene Buch nicht in unser eigenes Leben hinübergegangen ist, sein Inhalt nach Ausscheidung des Ueberflüssigen oder Nebensächlichen nicht als unser eigenes Leben sich äußert, ist es noch nicht wirklich einverleibt. Akrobatik und Turnen sind zweierlei. Der Turner will den Körper stählen, der Akrobat will zeigen, was er kann; der erste denkt an den Zweck, dem zweiten sind die Mittel alles. Die Geistesakrobaten sind gewöhnlich die miserabelsten Einverleiber. Man hat oft gemerkt, daß im schlichten Volke edlere Seelen wachsen als unter den sog. Intellektuellen. Bei näherem Zusehen findet man, daß der Grund dafür in der Pflege der Tradition liegt. Traditton, d. h. Ueberlieserung, religiöses Symbol, Volksbrauch und Glaubensform find eben solch« Organisatoren der Seele, die sie nicht nur zur Empfänglichkeit, sondern zur lebendigen Verarbeitung fähig machen. Unsere alten Formen, die für manchen „Gebildeten" und „Fortgeschrittenen" die einzige Bedeutung haben, den Akt des „Sichhinwegsetzens" zu vollziehen, treten erst als Gewöhnung, dann als Forderung in die Kinderstube, wer-, den aber schließlich zur Atmosphäre und zum Lebenselement, in dem die wachsende Seele sich organisiert, und zwar erstens zur eigenen Wohlgestalt, sodann aber zu der Fähigkeit, die Einverleibung des Neuen so zu vdllziehen, daß nicht jeder neue Gehalt einen alten verdrängt oder gar den seelischen Rahmen sprengt, um später wieder gesprengt zu werden. Ein Mensch, der sinnvoll und sinnig die überlieferten Formen nicht nur h ä l t, sondern l e b t, ist von der Wohlgestalt eines vollkommenen Adels und von einer Kraft der seelischen Funktionen, die ihm ein tieferes Eindringen in die Dinge und Erscheinungen des Lebens ermöglicht, als der bloße Intellekt sie je gewähren kann. E m i l C o h n. Deutschland. Wochenschau Tatsachen und Ergebnisse KoTo7o!o!oKo7öKo7oTö!o!oKo’o7o!ö7crö^^^^Aoo^)j)^^^^^o7oü6!o] EWoWoWoVoVoWoVoVoVoVoVoVoVoVo o o oWo.oTo Berlin. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund veranstaltet zurzeit bei sämtlichen Bundesgemeinden eine umfassende Enquete, die die wirtschaftlichen Verhältnisse der jüdischen Beamten klarstellen und gleichzeitig eine Uebersicht darüber schaffen soll, in welchem'Ausmaße eine Aufbesserung derselben durch Bundesmittel erfolgen kann. Es ist dringend zu wünschen, daß die Beantwortung der noch ausstehenden Fragebogen mit möglichster Beschleunigung erfolgt, damit der Fortgang dieser so ungemein wichttgen Arbeiten keinen Ausschub erleidet. ' v Berlin. Der Eentralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hält am 20. und 21. November ds. Is. seine Hauptversammlung in Berlin ab. Diese wird durch - eine Kundgebung „Im Kampf um unser Vaterland" eingeleitet. Berlin. Am 6. November feierte der berühmte Künstler Lesser Ury in Berlin seinen 60. Geburtstag. Die bedeutendsten Vertreter des Kunstlebens überbrachten dem noch in voller Schafienskrast Stehenden ihre Glückwünsche, die Sezession ernannte ihn zu ihrem Ehrenmitglied. Auch ein Abgesandter des Oberbürgermeisters war unter den Gratulanten. Im Januar soll das Lebenswerk Urys in,. Berlin ausgestellt werden. Berlin. Seit mehr als 10 Jahren besteht die Israelitische Erziehaugsaustalt für geistig zurückgebliebene Kinder in B e c* I i tz Mark). In dieser Zeit hat sich das Bedürfnis in immer steigendem Maße herausgestellt, für diejenigen Insassen, dir durch die Anstalt nicht soweit gefördertwerden können, um in; das Leben hinaus entlassen zu werden, ein Dmrerhetm zu schaf- '

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