Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 128 (11.11.1921)
- Date
- 1921-11-11
- Page
- Seite 390 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 390 - Mkfea; dem Urteil, geschweige deine ftritit wird nicht verlangt. Gott entscheidet selbst; so wie er es geschaffen, ist's gut und vollkommen. Hast du etwas zu bester»? Versnch's. Nur beachte, Licht komm! aus der Finsternis, Tag aus der Nacht, Morgen aus Abend. Die irdische Welt ist die Welt der Gegensätze, der Kämpfe und Eiege. Das Wort „döse" kommt noch nicht vor; unmittelbar nach Bereschis tritt es seine tragische Nolle an. Aber auch aus jenen Gegensätzen weißt du: keine Freude ohne Schmerz, kein Leben ohne Tod: das Schöne nicht ohne das Häßliche, das Gute nicht ebne das Böse. Vielleicht in einer andern Welt; nicht hier. Der Meister droben überwindet mühelos die Gegensätze; dir aber, dem Menschen, ist die Erde zum Arbeitsplatz gegeben, deine höheren Kräfte darin zu üben, Mensch beitsschranken zu überwinden, und dann zu deinem Meister zurückzukehren. Die andern Besen kehren in ihren Etaubzurück, du aber kommst zu deinem Lohne. Denn der Mensch gebt aus zu seinem Werke und zu seiner Dienstarbeit bis zum Abend; jollteGottverabsäumcn. ihm am Abend seinen Lohn zu geben? Die rechte Weisung für sein Tun und Lassen bat er dem Menschen schon durch seinen Geist verlieben — die Tbora in noch eine überschüssige Liebe, wie N'Akiba es nennt —; aber der Mensch soll oen?.:h zu Zeit sich Muße nehmen, über seine Bestimmung und seinen Weg nacbrudenken. Der Psalmist hat rs getan, und so erscheint ihm Weltall und Menschcnschicksal ganz im gleichen Lichte, wie dem Lehrer von Bereschis boro; aus rcttem Herren steigt sein?mbe!rus empor: Boracki nasschi. Borachi nastchi gedenkt des Sabbats nicht: dennoch ist es keine alltägliche, sondern eine sabbatlicbe Bettachtung der Welt, aus feierlich gehobener Stimmung. Der Dich ter steht die Welt nickt in ihrem Entstehen, sondern in ihrem Sein; sie ist nickt unvollkommener geworden, sic stobt schon seit Aeonen wahren und ist dock nickt alt, sondern oersüngt sich jeden Tag zu neuer Zwackt und Herrlichkeit. Und sie gibt Zeugnis davon, daß ein Meister sie erhält und unablässig in ihr wirkt. Bon hier aus enthüllt sich dcm Dich ter die Größe der göttlichen Zweckgedanken. Auch an Bereschis klingen diese schon an. Die Him melsleuchter sind da „zu Zeichen und Festzeiten. zu Tagen und Fahren". „Die Sonne zur Herrschaft am Tage, der Mond zur Herrschaft in der Nackt, mitsamt den Sternen. Und das grüne Kraut des Feldes Menschen und liieren :ur Nahrung. Doch der Psalmist ist ganz durchdrungen non der vollkommensten Wodleinrichiung der Welt, wo alles auf einander adgezweckt und abgczielt ist: er glaubt eine Weltharmonie zu vernehmen, wie sie schöner einem Lcibninicht aufgehen konnte. „Die Ouellen rinnen ui Tal. damit auch Wildesel chren Durst löschen, das Gras erzeugt er für das Weh, und Gewachte, damit der Mensch sie bestelle." Nackt muß es werben, damit das Gewild des Waldes seinen Bersteck verlassen und der Löwe nach Taub brüllen könne. „Wie zahlreich sind deine Werke, o Herr mit Weisheit hast bu sic alle geschaffen.' Wir bequemen uns, diese Anschauung naiv-giaubig vj nennen, aber wir weigern uns. sie beschränkt-oberflächlich, zu schelten. Der Naturforscher mag neck so überlegen spotten: der Gununibaum ist nicht dazu da. damit es Autorci co gebe, der Korkbaum nickt, um Pfropfen für unsere üvernstafchen -u liefern. Der Allzermalm er Kant mußte den Zweckbeweis für ein göttliches Walten den ehrwürdigsten und einleuchtendsten nennen, und der Gott, der sich Bw. allein aus dem Gewissen enthüllte, ist im eminenten Sinne Mvernunft und Weisheit. Wenn wir uns nicht deinen laste», dann bleckt die Auffassung des Pfalmisten die letzte und tiefste. Auch die Metalle leben ihr Eigenleben, aus de»eu der Künstler ei» Uhrwerk zusammen setzt und in Gang dringt; ober seine Vernunft nimmt chrc Kräfte und Eigenschaften in seinen Dienst, paßt ei» Element dem andern an und zwingt sie, einauderr»die»en.Eiusolcke: Bild im großen schaut der Dichter, wenn er Auge und Herz durch (Irbe und Weltall schweifen läßt, darum entringt sich ihm der Lobgesang Borachi nastchi. Nur für eins bat unser Dichter kein Verständnis, wie es angesichts einer fo überwältigend von chrem Schöpfer 'rügenden Welt Süicker und Frevler geben könne? Kurz und scharf spricht er cknen die Daseinsberechtigung ab und verwünscht sie in das Nichts. Daß auch in der sittlichen Welt Gegensätze sein müsten, so lange die Erde von Menschen, nicht von Geistern bewohnt wird, das leuchtete ihm nicht ein. Wir versöhnen uns mit seinem Zorneswort, weil c? einer B e r u r i a dazu diente, ibr wildes Herz zu offenbaren: Beten wir, sagte sie ui N. Melr, „nicht die Münder, sondern die Sünde möge untergeben." Nicht wahr, das wollen wir alle, und wir tun gut daran, bei uns selber den Anfang zu machen. Ein Taufkgstdidat gestand einmal dem sel. Rabbiner Werner in München, er bade sich zum evangelstchen Glauben besonders durch die cherrlichen Psalmen" hingezogen gefühlt" O du bodenlose Unwissenheit, wann wird dein Sumpf ausgcschöpft und ein neues Fundament für den einst so stolzen Bau jüdischer Allbekannstchast mit dem Wichtigsten und Unentbehrlichsten gelegt sein? Dann erst wird die Gemeinde Ffraei wieder fröhlich singen können: Borachi nastchi :}eooooooooo0QO0OOOOO0O00Ooooooo3ooeKDO<^^ Wochenschau Tatsachen mrö Ergebnisse CO9O000O0000009000000000OO00O00000OO0OO0 Doutschlaud. Berlin. „Der Kampf um unsere Ehre" nannte sich eine Kundgebung des Zentralvereins deustcher Etaats-! bürger jüdstchen Glaubens, die in den stark besuchten Spi cbernsälen stattfand. Dr. Föhn Wertheim sprach vom uralten Änfenthaft der Fuden am deutschen Rhein, der führenden Mitwirkung der Männer füdstcher Abstammung an Kunst. Wissenschaft. Politik, ckrer Teilnahme am Kriege, in dem li? 000 jüdische Soldaten für Deustchland ihr Leben ningegeden baden. Dr. ^smar Freund erörterte die Angriffe. die sich gegen die jüdische Religion, insbesondere idre Grundlage, das Alle Testament, richteten. Nie iei wie in unseren Tagen die Bibel mit Schimpf und Swmutz beworfen worden. Aufmerksamkeit erregte ein Brief des Generalleutnants Hoefcr. des bekannten Führers des ebcrfchiefKchen' Selbstschutzes, der die llcbcrsendung des Werkes über „Die deutschen Fuden ols Soldaten im Weltkriege" mit den Worten bcar.twortetc: ..Die klare Swtiftik. die das Bnck bietet, biidet die hefte Gewähr. falsche Beschuldigungen u? widtilegen. und dafür, daß den braven Männern jüdstchen Glaubens, die sich opferfreudig mit Leid und Leben eingc'ent baden, r-ür die deutsche Volls- ' gemein',ckatt de verdiente Geicch'i.'kcit und Dankbarkeit •mcii wird/ Beriio Demnächst ior. cm -cues Buch non L u d e w dorff. betitelt _Kricg und Politik", erscheinen, in welchem der Verfasser zu beweisen juckt, daß nicht die Heeresleitung. sondern das Hinterland wr Deutschlands Niederlage veranttvortlich ft'i. Fn diesem Buck wird den Sozialdc.nokraten dem Zentrum und den Demokraten vorgcworscn. daß sie spstemattkcb aus Devtsck'ands Niederlage bin- ' gearbeitet baden. Eine Hauptschuld ^cd^ch krissl Fuden. von denen Ludendorft nach. einer'^Mitteilung der Zeitschrift „Die Glocke" folgendes saLft: „Mit Frankreich? und England Hand in Hand arbeitete die Ob e r l e i t u n g des jüdischen Volkes. Vielleicht führte sie beide. Sic sah den kommenden Weltkrieg als das Mittel an, ihre ' politischen und wirtschaftlichen Ziäe durchzusetzen, den Fui den in Palästina ein Staatsgebiet und Anerkennung als %