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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-10-28 · 126 (28.10.1921) · p. [Seite]

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
126 (28.10.1921)
Date
1921-10-28
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Erschein» jede« Kreit»«. Ve-»,S- M U¥?TXT Anzeigenpreis: 2.-M. fürdievierpreiS 3.- M. Z, beziehen H/ lip^l MM^WU gesp. PetitzeUe. Die ganze «eite tznrch sänrtliche PsstLntter »der »«faßt 360 AeUe». Postscheckkonto dnrch de» Vste-verla, in von». JÜdißCh.0S Volksblatt Votenverlag Bonn, Cöl» Nr. 74747. Herausg. von Rabbiner Dr. Smil Sohn, Bonn. Geschäftsstel'.e Bonn; Brüdergaffe 52. Geschäftsstelle Köln: Mauritluswall 52. Tel. 8 996S. mu« jtanart 126 Köln. 28. Oktober 1S2I. — 26 Gischri S682 3. Iayrgaog. An unsere Leser. Zm Lause der nächsten Wochen erheben wir, wie wir bereits in 3fr. 122 angekündigt haben, durch poftauftrag den Abonnementsvefrag für die Monate Oktober, November und Dezember. Um uns weitere Unkosten und Mahnungen zu ersparen, ^bitten wir, alle unsere Leier die Nachnahme prompt einzulöscn. Oie Expedition. TITmilIT»l M 1 ■ rTTTTTTT» fll ■ ■ 1 Tm Hin Wochenabschnitt □ □ □ lllJUllim III1 ITTTTTTTTTTTITTI1 I II mm Oer Anfang Im Än-'ang schür (Lon den Himmel und die liröe . . . I Mose, 1,1. So wären wir im Kreislauf des Jahres wieder gelander an der Pforre des ewigen Buches, das wir unser nennen, und stünden wieder vor jener Schöpfungsgeschichte, die so seltsam den sogenannten Ergebnisten unserer Wisienschaft widerspricht und uns doch nicht losläßr, wenn sie wieder einmal anfängr, das Rätsel unseres Ursprungs uns zu deuten. Woher diese fabelhafte Wirkung? Wir fühlen, w kann nur die Wahrheit wirken, aber wo steckt die Wahrbeit? Wie dem zunächst auch sei, es liegt eine große Erhabenheit in dieser Geschichte wie in allen biblischen Geschichten. Hier wird nicbl ein Geschehen oder ein Handeln mit pathetischem Tone vorgelragen, sondern Stoff und Pathos sind innerlich vereint zu jener einfachen und sinnbildlichen Größe, wie ne kein Menschenbuch sonst wieder aufzuweisen bar: Im Anfang scbuf Gott Himmel und Erde. Ta steht es, groß und ewig, das eherne Wort von dem, was im Anfang war, und sucht das größte Rätsel zu lösen, das je ein Menscbenher; bewegte und immer wieder alle Geister, Gemüter und Seelen bewegt und bewegen wird, das Rätsel unserer Herkunft. Ja. was im Anfang war, das wollen wir wisien, ganz gleich, ob wir Wissenschaftler oder Fromme, Gläubige oder Spötter sind: Diese eine Frage frebt als Leitstern über allen. Aber freilich, jeder beantwortet sie nach seiner Narur. Tie Wissenschaft, die uns „so herrlich weil gebracht". schleicht ängstlich und unsicher um diese letzte Frage herum, und üicf»t ihr die Blöße abzugewinnen wie der Fuchs dem Igel. Tu Bois Reymond, der große Naturwissenschaftler, schloß seinen berühmten Vortrag über „die Grenzen des Raturerkennens" mit dem noch berühmteren Worte: „Ignorabimus," d. h. wir werden nie etwas wisien. Tiefes trübe, beinahe tragische Wort kontrastiert lebhaft mit dem spöttisch überlegenen Gebühren, das die Wisienschaftsgläubigen gegenüber allem Religiösen zur Schau tragen. In der Tat gibt es nichts Unsicheres als die Wift senschafr. Sie lebt von ihren Hypothesen, ihre reichsten, letzten Ergebnisse sind immer nur Annahmen, d. h. schlechte Wechsel, die nicht eingelöst werden. Ihre Theorien von der Deltschöpfung und dem Entstehen von Himmel und Erde sind bestenfalls — blendend. Die Kant-Laplacesche Annahme, die Erde sei ein S.tück herausgeschleuderten Urstoffs aus der kreisenden Sonne und zur allmählichen Erstarrung verurteilt, erklärt manches auf Erden, nur eines leider nicht: — Den Vorgang der Schöpfung, der an jedem Tage uns neu überwältigt — in uns und außer uns. Das ist der Unterschied zwischen Wissenschaft und Glauben: Sie kümmert sich nicht um die Welt aks Schöpfung, sondern nur um die Welt als Ordnung. Ihrem Denken ist die ganze Wirklichkeit nur ein Feld zur Erforschung aller Möglichkeiten, und der Mensch nur ein denkendes Wesen, nicht aber eine Einheit lebendig strömender Kräfte. Der Glaube aber fragt nicht nach Möglichkeiten, Annahmen, Kalkulationen und Spekulationen über den Anfang der Dinge, wie wohl dies und jenes war; ihm ist es allein um zwei Dinge zu tun: um Schöpfung und Wahrheit. Ihm ist der Mensch eine unteilbare Einheit tausendfältiger Kräfte, Leidenschaften. Taten, Empfindungen, die alle zusammen sein „Schicksal" machen. Er, der Glaube, schaut mit anderen Augen in die Welt, tappt nicht wie die Wisienschaft mit tastenden Fingern an den Dingen herum, sondern — weiß. Er lveiß um das einzige Geheimnis, daß die ganzeWelt nichts als Schöpfung ist. Er läßt die Wisienschaft ordnen, gliedern, teilen, auflösen, sein Stoff ist nicht der rote Organismus, dem man durch Sektionen, oder der lebendige, dem man durch Vivisektionen auf die Sprünge kommen kann, sein Stoff ist Schöpfung und weiter nichts. Schöpfung ist ihm die einzige Wahrheit in der Welt, und' ihr sich hinzugeben als der Wahrheit, ist sein Leben. Der Glaube weiß dabei, daß es niedere und höhere Wahrheiten gibt, aber er lebt auch der seligen Gewißheit, daß er von der niederen Wahrheit des Gegenständlichen' um uns' zur höheren Wahrheit des Sinnes, der hinter den Gegenständen liegt, empordringen wird. Wie immer es im Anfang war, eins ist gewiß: tzm Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Mag man dabei am Himmel und Erde deuteln, was man will; Daß im Anfang Gottes Schöpfung steht, daß wir aus ihm kommen und zu ihm gehen, ist unser Glaube, unser Wähnen und unser Sehnen: Es ist auch das tieffte Sinnbild' unseres eigenen persönlichen Lebens. Emil Cohn.

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