Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 122 (30.9.1921)
- Date
- 1921-09-30
- Page
- Seite 327 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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fragt nach Partei, Abstammung oder Bekenntnis. Dann ergriff im Aufträge des Reichsbundes jüd. Frontsoldaten Herr Rabbiner Dr. Klein das Wort. Er ging davon aus, daß die Friedensworte einen besonderen Widerhall gefunden hätten in den jüdischen Heveen. Bon den jüdischen Propheten sei der Friedensruf in die Welt gegangen und die Juden hätten in aller Welt stets ihre Kraft in den Dienst friedlicher Betätigung gestellt. Eie kämpften einen Gotteskamps für Menschenliebe, Freiheit und Gleichberechtigung. Und in dieser Zeit, da uns Liebe und Verständnis vereinen müßte zu gemeinsamem Streben, müßten wir einen Kampf führen gegen Niedertracht und Verleumdung, der nicht einmal Halt mache vor unseren Toten. Deshalb versprechen wir, im Angesicht dieser Gräber, die zeugen von treuer Pflichterfüllung, nicht nach.zulaflen im Kampfe gegen Haß und Niedertracht, mitzudelfen am Werke des Friedens und der Versöhnung. — Man konnte die Wirkung dieser Ausführungen auf die Zubörcr deutlich spüren, und es war das Gefühl aller, dem die Vorsitzende der Friedensgesellschaft Ausdruck gab, das Gcfübl des Abscheus gegenüber der Niedertracht, der Kleinlichkeit der Menschen, die Schranken aufrichten und der Liebe Grenzen setzen wollen. fnrrmTTT» 111 mnT iinrTTTTT-innrrTTrtnrinn- Das Modell -er Schmerzen B Novelle von Israel Zanawill nmmrxTTiTTTjmmmtTriTmnnnnanrii»u I Honseyung. Als Kazelias das hörte, schnellte er zurück und rief: „Hoi, hoi! Es sind die Juden euerer An, die schuld daran sind, daß der Meflhiach t Messias» nicht kommen kann, und daß die Befteiung Israels sich immer wieder verzögert! Wenn Sie in die.Straße gehen, werden Sie dort bartlose Juden finden, die Ihnen viel mehr Dewselgebühren anrcchnen werden als ich, ja die Ihnen sogar alle Ihr Geld wegnchmen möchten. Ich schwöre es Ihnen bei Meflhiach Ben David, den mein Auge zu erblicken bofft, daß ich nicht daran denke, Geld verdienen zu wollen! Ich wünsche Ihnen Gutes zu tun, weil ich Höfte, daß diese kleine Mitzwab (gute Tat) mir im Himmel angerechnet wird." Ich ließ mich von ihm bereden und er wechselte mein Geld. Nachher fand ich, daß er mich um volle fünfzehn Rubel beschwindelt batte. Elzas Kazelias gleicht dem russischen Wegelagerer, der den vorubersiebenden Bauer beraubt. * Wir sprachen nun darüber, wie er uns über die Grenze Helsen wolle, und er schwor hoch und teuer bei seiner koscheren Iiddischkeit, daß die Sache ihm selbst fünfundsiebzig Rubel kosten würde. Diese Nachn'cht fiel mir schwer auf das Herz, weil man mir gesagt hatte, daß es höchstens zwanzig Rubel für uns .alle kosten würde, und ich sagte ihm das. Darauf antwortete er: „Wenn Sie andere Juden mir kurzen Bärten suchen, so werden die Ihnen das Doppelte abfordern." Trotzdem ging ich in die Straße, um einen anderen Helfer aufzufinden. Der wollte es auch wirtlich billiger tun, sagte, daß Kazelias ein Räuber sei, und versprach mir, mich am Bahnhofe zu treften. Unterdessen war Elzas Kazelias, der rechtgläubige koschere Jude, sofort zur Polizei gegangen und hatte sie davon in Kenntnis gesetzt, daß ich und meine Familie aus Rußland fliehen wollten, um nach London zu gehen. Wir wurden ohne weiteres arretiert und mit unserem Gepäck in eine schmutzige Zelle geworfen, die nur durch das eiserne Gitter der Türe Licht erhielt. Man gab uns weder zu eflen noch zu trinken und behandelte uns. als ob wir die größten Verbrecher wären. Iu Rußland verbietet die Menschlichkeit es nicht, völlig unschuldige Leute beinahe verhungern zu lasten. Der kleine Speisevorrat, den wir in einer reichte nicht lange aus, und wir vor Hunger! Am zweiten Tage Juden mit langen Kärten zu uns. Ich hörte, wie die Tire unseres Kerkers geöffnet wurde. Dann kamen fie zn »ns herein und sagten mir: „Wir sind hierher gekommen, mm Ihnen eine Gefälligkeit zu enoesten, aber es Mt »ns gar nicht ein, dies umsonst zu tun. Wenn Ihne» Ihr Lebe» und das Ihrer Familie teuer ist, so raten wir Ihne», der Polizei siebzig Rubel zu geben, wir selbst verbmge» nur zehn Rubel für unsere Freundlichkeit. Sie habe» ferner Kazelias achtzig Rubel dafür zu bezahlen, daß er Ihne» über die Grenze Hilst: wenn Sie das nicht tun, läßt die Polizei sich nicht bestechen. Verschmähen Sie es, msteren guten Rat anzunehmen, so sind Sie verloren.^ Was sollte ich darauf antworten? Wie tonnle ich ' die letzte Kopeke weggeben und dann mittellos in einem fremden Lande ankommen? Jeder Rubel, den er mir abzwackle, war ein Stück meines Lebens. Mein Weib uud meine Töchter singen an zu weinen und wir baten um Erbarmen. „Habt Mitleid mit uns!" riefen wir. Sie aber antworteten: „In einer Grenzstadt wohnt das Mistech nickt. Geben Sie uns das Geld. Nur dann wird man Mitleid mit Ihnen haben." Sie schlugen die Türe hinter sich zu und sie wurde wie vorher fest verschloflen. Unsere Tränen, unser Rufe» hals nichts. Meine Kinder weinten laut vor Todesaugst. O Wahrheit! Wahrheit! Rußland! Rußland! Wie mederträchtig behandelst du die Schuldlosen! Wie ist es «rr möglich, daß in einem aufgeklärten Lande sich solche Dinge ereignen können! '5orlienung iolgr. Gottesdienst. ftöln. sjrcitag den 30. €ept., abtnbs 6 Uhr. Samesrag tys \15 Uhr Minchah, Roonstraße 3 Uhr. OngeftbgottesfciaJI Qbütmoafic 3 Uhr. Sabbatausgang 6.51 Uhr; Sonntag mxgeas fedkfrpft, Uhr; abends Rofch-Haschonoh-Gottesdienst 6 Uhr. M»«lag nb Dienstag morgens 7.30 Uhr, Predigt 9.30 Uhr, Minchah 3 Uhr. abends 6.45 Uhr; Wochentage morgens 6.30 Uhr, adends GMrmfßfo .'.15 Uhr, Roonstrahc 7.30 Uhr. Düsseldorf. Synagoge Rasernenstrahe. Freitag de» 30. 6cpL. abends 6 Uhr; Samstag den 1. Oft., vorm. 9 Uhr, abends 6l55 Uhr — Nausch-haschonoh. Sonntag den 2. Oft., ademds 6 Uhr; Montag den 3. Ott., vorm. 8 Uhr. Predigt 9.30 Uhr, ade»ds 6.45 Uhr — Dienstag den 4. Oft., vorm. 8 Uhr, Predigt 9.30 Uhr, «Hemds 6.45 Ubr. — Wochentage: morgens 7 Uhr, abe«ds 7 Uhr. Bonn. Freitag Abendgottesdienst 6 Uhr; Sn»stog»orge» S Uhr, Sabbatausgang 7.10 Uhr. — Ra»sth-Hastho»oh. 6 Uhr Predigt, Montagmorgen 8 Uhr, Montagabend 6 Uhr, Die»s1»MorDe» 8 Uhr, Predigt an beiden Tagen 10 Uhr. Festansga»g 6l25 Uhr — Werftagsgottesdienst: Morgens 7 Uhr, abends 6 Uhr. Kalender der Woche. Freitag.... 30. Sept. 27 Ellul Samstag. . 1. Oft’ 28 „ D’ss: Sonntag . . . 2* /; 29 „ Montag. . . . 3. ,, 1 Tischri n:®rr rir* Dienstag . . . 4 n 2 „ Mittwoch. . . 5. ,, 3 ,, Faste» Sedaljmh Donnerstag. 6. „ 4 „ Freitag. . . . 7 „ > // Samstag. . . 8 „ 6 „ rrzi-t ns» Kalender des Lahres 5682. Montag.... 3 Oktober l Tffchri Mittwoch . . . 12. 10 . Funchpstur Montag.... 17. , 15 . MU| Dienstag . . . 25. 23 „ «tmch»»LH>r> Montag.... 26. Dez. 25 StttlOD Dienstag . . . 14 März 14 Adar Pmtm Donnerstag . . 13. April 15 3VG» . MW Freitag.... 2. 3uni 6 «im» «che»mih