Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 119 (9.9.1921)
- Date
- 1921-09-09
- Page
- Seite 292 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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stellten Zeugen auf, die unter Eid bekundeten: sie hätten es gesehen, )vie Juden um die Mitternacht aus ihrer Gaffe sich geschlichen und in alle Brunnen Gift geworfen hätten. Die Menge glaubte das sofort und faßte den Beschluß, an einem Tage alle Juden zu erschlagen: Männer, Frauen, Kinder, jung und alt. Dieser Tag fiel auf den 10. Adar. Man kann sich das Entsetzen denken, als die Juden den ' Beschluß erfuhren. Sie schictten Abgesandte an den Bürgermeister und baten ihn, das Unheil abzuwenden. Ter Bürgermeister, der eben vor dem Tore seines Hauses stand, war sehr erstaunt; er wußte nichts von dem Beschluß. -Er hob ein Stäblein, das.er sich soeben fiisch ge- - schnitten hatte, schlug damit auf die dicke Kette, die am Schlöffe hing, und sprach: „So ivenig dieses Stäblein es vermag, die dicke Kette hier zusprengen, so wenig habt ihr Böses zu erfahren." Doch wunderbar: die Kette sprang entzlvei! Da ries der Bürgermeister aus: „Wenn von dem Schlage dieses schwanken Stäbleins die Kette riß, so ist's ein Zeichen Gottes: er will den Tod der Juden! So nehme das Verhängnis seinen Lauf! Ich kann es nicht verhindern, will es aber auch nicht fördern." Da nun die Juden sahen, daß ihr Schicksal unabwendbar war, beschloffen sie, ihr Leben wenigstens so teuer hinzugeben wie nur möglich. Als nun der unheilvolle Tag gekommen war, gingen die zwölf Vorsteher der jüdischen Gemeinde auf das Rathaus, um dort in aller Form ihr Todesurteil zu vernehmen; es hatte aber jeder ein großes Messer unter seinem Mantel. Im Rathaus saßen alle Herren schon versammelt; der Obmann las das Urteil und schloß es mit den Worten: „Des zur Straf' und Sühne sollen alle Juden miteinander sterben." Da riefen die zwölf Vorsteher: „Das ist erlogen und das Urteil falsch; und sollen alle Juden sterben, so sterbet ihr zuvor." Mit diesen Worten stürzten sie sich auf die Herren, ein harter Kampf entspann sich, bis die Juden überwältigt ivaren; doch lag auch mancher Ratsherr tot am Boden. Jndeffen hob auch in den Straßen das Geschrei und Morden an; die Juden zogen, zehn bis zwanzig Mann vereinigt, durch die Straßen und töteten von Christen, tuen sie konnten; die Frauen aber steckten manches Haus in Brand und mehrten so den Schrecken in der Stadt. Das alles half den Juden fieilich nicht, und das Ende war, daß alle Juden, die man finden konnte, ermordet wurden. Denn alle fand tnan nicht, weil manche Christen, die die Beschuldigung der Juden nicht als recht erkannten, in ihrem Hause sie verbargen. Das wußte man; doch mochte man nicht jedes Haus durchsuchen; man griff deshalb zu einem Zaubermittel. Durch Zauberbann ward eine Gans gezwungen, auf das Dach der Häuser hinzufliegen, in denen man noch Juden finden konnte. Die mußten dann sofort herausgegeben werden und gleichfalls sterben. Zur selben Zeit befand sich in der Stadt ein fiemder Jude, der auch in iveltlicher Gelehrsamkeit bewandert war und ganz besonders gut Latein verstand; der war deshalb befreundet mit dem Pfarrer und wurde von ihm in seinem Hause verborgen. Wie nun die Zaubergans von Haus zu Hause flog und angab, wo sich noch ein Jude fand, geriet der Pfarrer und sein Gast in Angst. Doch dieser sprach zu seinem Wirt: „Ich weiß ein Mittel, das mich und manchen anderen Juden retten kann." Und als der Pfarrer dieses hören wollte, fuhr er fort: „Ihr wollt doch eben in die Kirche gehen, um zu predigen. Sy leihet mir ein Priesterkleid und' nehmt mich mit und stellt Mich der Gemeinde als Amtsgenosfin vor und lasset mich Eurer predigen!" Nach einigem Bedenken willigte der Pfaner ein, der Mde legte Püesterkleidung an, und beide gingen in die Sobald' der Jude auf der Kanzek stand, Hub er gewMg an zu predigendaß alle sich verwunderten. Mit dem Gebot der Nächstenliebe fing er an, dem wichtigen Gebot, das Gott gegeben, und das sie gleichwohl nicht genug beachteten; wie sie vom blinden Haß sich leiten ließen, vom Haß zu Mord und Totschlag übergingen; so sei das jüngste Judenmorden auch nur Folge ihres Haffes, denn die Juden seien ganz unschuldig. „Und nicht genug," so schloß er seine Rede, „daß ihr das göttliche Gebot: „Du sollst nicht morden" aus eurem Herzen stoßet, so sündigt ihr auch noch durch Zauberei und Aberglauben. Oder meint ihr etwa, eine dumme Gans vermöge euch unfehlbar Wahres zu verkünden? Habt ihr noch nichts von trügerischer Zauberei gehört? Habt achj, ob eure Gans sich nicht noch einmal auf die Kirche setzt, in der döch sicherlich kein Jude ist. So lasset endlich ab von eurem Tun! Me Juden haben, ob sie gleich unschuldig sind, zumeist den Tod gefunden; wenn sich noch einer irgend verbirgt, so lasset ihn in Frieden leben!" Er wr noch kaum zu Ende, als sich ein Geschrei erhob: „Die Gans sitzt auf dem Kirchendach! Die dumme Gans! Hier in der Kirche gibt es keinen Juden! Der Prediger hat recht: die Zauberei ist trügerisch! Fon mit der Gans!" So klang es durcheinander. Und als sie aus der Kirche kamen und auf dem Dach die Gans erblickten, bereuten sie. was sie getan, und mit dem Glauben an den Zauber war es aus. Der 10. Adar aber ist in Worms ein Fasttag bis auf diesen Tag. (Aus Kllttners „Sagen und Legenden". Berlag von ). Hauffman», Frankfurt a. M.l Gottesdienst. Köln. .Freitag, den 9 .September, abends 6,45 Uhr, Samstag, den 10. September, morgens 8,15 Uhr. Minchah 3 Uhr, Sabbatansgang 7,37 Uhr. Wochentags morgens 6,45 Uhr. abends Roonstratze 7,30 Uhr, Glockengüsse 6 Uhr. Düsseldorf. Synagoge Kasernenstrahe. Freitag. den 9. September, abends 6,30 Uhr; Samstag, den 10 September, vormittags 9 Uhr, abends 7,45 UH7. Wochentage: morgens 7 Uhr, Sonntag 7,30 Uhr, abends 7,30 Uhr. Bonn. Freitag, den 9. September: Äbendgottesdienst 7 Uhr. Samstag, den 10. September: Morgengottesdieast 9 Uhr. Minchah 4 Uhr. Sabbatausgang 7,40 Uhr. Werktagsgottesdienst morgens 7 Uhr, abends 7 Uhr. Zahrzeite«. Bonn. Donnerstag, den 15. September: Batter Mühlenthal: Freitag, den 16. September: Schmarak. Rebst Bvrabend Geld- und Wechselmartt. ES kosteten in Köln am 30. Aug. cra 5 ©cpt. 15Ticöen£!ui$ Mark Mark | Mark 1 Pfund Sterling . . 315 337 20.43 100 französ. Frank . . 663—665 697-698 81.— 100 belgische „ . . 64-2-614 686 — 687 81.— 100 schweizer. „ . . 1446-1448 1545—1549 81.- 100 holländ. Gulden ■ . 2679 2685 2877-28S2 168.75 100 österretch. Kronen 10,1 10,2 85.- 1 amerikan. Dollar . 84,7 90-91 4.24 Kalender der Woche. Freitag.... 9. Sept. 6 Ellul ~ Samstag. . - 10. „ 7 „ Sonntag . . . 11. „ 8 „ Montag.... 12. 9 ,» Dienstag. . . 13. „ io „ Mittwoch. . . 14. ,, 11 „ . Donnerstag. . 16. „ 12 „ Freitag.... 16 „ 13 „ SanMäg. . . 17. „ 14 „ - - «