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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-09-09 · 119 (9.9.1921) · p. Seite 289

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
119 (9.9.1921)
Date
1921-09-09
Page
Seite 289 (sequence 5)
Language
German
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franzöfsicher, englischer, deutscher, italienischer, jüdischer und hebräischer Sprache die Erschienenen. Er bat sie, der S^rachensrage nur untergeordnete -Bedeutung beizulcgen. Venngleich infolge der Konstruktion des Zionismus der Kongreß sich verschiedener Sprachen bedienen müsie, sei er doch hebräisch und werde in hebräischem Geiste geführt. Die morgige Eröffnungssitzung des Kongresses, die um 10 Uhr beginnt, wird einen festlichen Charakter tragen. Die Eröffnungsreden Weitzmanns und Sokolows werden in hebräischer Sprache gehalten werden. Der englische Gesandte in Prag, Sir Clarke, wird an dieser Sitzung teilnehmen. Die erste Geschästssitzung wird morgen nachmittags stattfinden und den Beginn der polittschen Debatte bringen. Heute vormittag hat vor den Parteien der vereinigten Linken ein Vortrag des Agronomen Cttinger über das landwirtschaftliche Genosienschfatswesen in Palästina stattgesunden. In der Debatte wurden die Soskinschen Bor schlüge sehr günstt'g erwähnt, welche bekanntlich auf eine Intensievierung des landwirtschaftlichen Betriebes hinauslaufen. Die Versammlung beschloß, beim Kongreß die Widmung eines Kredits von 150 000 Pfund für die kinfchena Kolonien zu beantragen." Die erste Welttonferenz des Jüdischen National f o n d s begann bereits am 28. August ihre Tagung. Es wurde festgestellt, daß sich in den letzten 5 Jahren die Eingänge verfünffacht hätten, indem sie von 933 CKX * Frcs. im Jahre 1916 auf 9500 000 Frcs. im Jahre 192« > stiegen. Sein Vermögen beträgt schätzungsweise 500 000 Pfund. D i e neue st en Nachrichten über die ersten Sitzungen bringen wir in der Wochenschau. Sie Kölner Leiden. - T<r vorliegende ergreifende Bericht ist dem II. Bande der ..Quellen zur Geschichte der Juden in Teuischland" entnommen, herausaegeben durch die historische üommisston für Geschichte der Juden in Teuischland; der Band enthält die hebräischen Berichte über die Ureuzzugsversolgungen. Lebcrsetzung stammt von G. Baer. 03;ft ein besonderes Verdienst des „Jüdischen Bcriags" in dem lesenswerten Buche „Edom" diese Berichte einem weiteren Publikum eröffnet zu haben. Tie Lchrlstleitung. Hier beginnt der wahrhaftige Bericht von den Leiden und Verfolgungen, io die fromme Gemeinde von Köln erfahren. Nun will ich erzählen, ivas die Gemeinde zu Köln tat und wie sie den erhabenen Namen der Einzigen heiligte. Es war am 5. Siwan, dem Vortage des Sckawuolhsestes. als die Botschaft von Speyer, Worms und Main; nach Köln kam, der schönen Stadt, der Stätte der Gerechtigkeit, aus der Recht und Fürsorge ausgingen für unsere nach allen Winden zerstreuten Brüder. Und auch hier begann das Morden und währte vom Schawuothfeste bis zum achten Tage des Tammus. Als sie hörten, daß die Gemeinden erschlagen seien, flüchteten sie, ein jeglicher zu seinem christlichen Bekannten, und verweilten da die beiden Tage des Festes. Aber am Morgen des dritten Tages brach der Sturm los. Die Feinde zerstörten jüdische Häuser, raubten und plünderten, rissen das Bethaus nieder, holten die Thorahrollen heraus, schändeten sie und verstreueten sie auf den Straßen. An demselben Tage, da einst die Erde erbebte und ihre Säulen wankten^ weil die Thorah gegeben ward, wurde diese jetzt von Frevlern zerrissen, verbrannt, zertreten, entweiht. Einen Frommen, Mar Jzchak ben R. Eljakim, der wegen des Festes nicht hatte flüchten wollen und lieber freudig das Urteil des Himmels annahm, trafen die Feinde eben, als er aus seinem Hause trat. Sie ergriffen ihn und führten ihn in die Kirche. Er aber spie vor ihnen und ihren Bildern aus und schmähte sie. Da erschlugen sie ihn, und er und heiligte den göttlichen Namen. Auch eine angesehene Frau, namens Rüvkah, hatte das gleiche Los. Sie wollte zu ihrem Manne, R. Schelomoh; der schon vordem bei einem christlichen Bekannten Zuflucht gefunden harre, und trug goldenes und silbernes Gerät in Händen. Tie. Feinde nahmen ihr daß Gm und erschlugen sie. Sö starb sie in Heiligkeit, und gleicherweise noch eine Frau, namens Marwna. Tie übrigen der.Gemeinde wurden verschont; sie blieben bei ihren christlichen Bekannten, bis sie Bischof Hermann am 10. Siwan in sieben seiner Ortschaften verteilte, um sie zu retten. Tort harrten sie bis zum ' Neumond des Tamus. täglich des Todes gewärtig und! rastend. Auck an den beiden Neumondstagen, einem Mqn-! lag und Tiensrag. und noch am Tage darauf, drei volle j Tl>ge, rasieren sie Tag und Nachr. Am Dienstag wurden die getötet, so im Dorfe Neuß j unrergebracbl waren. An diesem Tage ward dort das Jo-! stannisresi gefeiert, zu dem die Leme aus den Dörfern ringsum zusammengemömr waren. Sie erschlugen den frommen MnSckemuel ben R. Ascker samt seinen beiden Söhnen am Hier des Rbeins und begruben ihn auch im Soiid? des Flunesi einen der Söhne aber hängten sie zum Hobne am Tor seines Hauses auf. Einen andern Frominen. R. Jzckak Halevi. peinigten sie mir schweren Martern, l's er das Bewußtsein verlor. Tann rauften sie ihn. Als > c: nack drei Tagen wieder zu sich kam, kehrte er nach Köln j :n lein Haus zurück, verweilte dort und ruhte eins Stunde lang, ging dann an den Rbein und stürzte sich in den Strom. Seine Leiche trieb bis Neuß. Tort warf sie das Wasier aus. gerade neben Mar,Schemuel, der da erschlagen worden. Tie beiden Frommen, die den Namen Gottes gebeiligr harren, wurden *im Sande des Ufers nebeneinander in einem Grabe besiarret. Auch die Frau und die Kinder des Mar Gedaljah. der noch vor den Verfolgungen nach dem Torie Bonn geiabren war, wurden in Neuß erschlagen und verberrlichren den Namen Gottes. die An demselben Tage, am Dienstag, kamen die Feinde, Feinde des Herrn, gegen Abend in den Ort Wevelinghoien. Bräutigame und Bräme. Greise und Greisinnen, Jünglinge und Mädcben streckten den Hals hin, schlachteten einer den anderen und sprangen in die Teiche, die den Ort umgaben. Einige stiegen auf den Turm, warfen sich von dorr in den vorüberUießenden Rhein und ertranken. Nur zwei Jünglinge konnreu nickt im Basier sterben: R. Schemuel ben R. Gedaljah. der verlobt und ein schöner, stattlicher Jüngling war. und Mar Jechiel ben R. Schemuel. Als sie den Enrickluß faßten, sich in den Strom zu stürzen, umarmten und küßten ne einander, weinten und sprachein ..Wehe unserer Freundschaft! Daß wir das Glück nicht hatten. einer des andern Kinder zu sehen, daß wir nicht zusaminen alr werden konnren! Doch wollen wir durch die Hand des .Herrn fallen, des wahren und barmherzigen" Königs. Bester, daß wir hier für seinen großen Namen sterben und dann mir den Gerechten durch den Garten Eden wallen, als daß uns dieie Unreinen ergreifen und uns Wider unseren Willen zur Taufe nötigen!'" Tie andern, die nicht auf den Turm gestiegen waren, laben vom Ufer, wie sich'die beiden liebenden Freunde im Wasier fest umschlungen hielten. Der fromme Schemuel aber, der Vater des einen, rief seinem Sohn, der noch lebte, die Borte zu: „Jechiel, mein Sohn, mein Sohn! Strecke deinen Hals her! Ich will dich d!m Herrn zum Opfer bringen, mein liebes Kind! Ich wlll den Segensfpruch über die Schlachtung sprechen, du antworte: Amen."" Und so rat er und schlachtete seinen Sohn im Wasier. Dock da R. Schemuel ben R. Gedaljah hörte, Ak sein Freund Jechiel einwilligte, sich von settrem Baker schlachten zu lasten, beschloß er sogleich desselbigen Todes zu sterben. Er rief Menachem. den Shnagogenoiener öoS Köln, und sprach zu ihm: ,Zch beschwöre dich bei deirrm Leben, nimm dein scharfes Messer, untersuche eS gerchu. daß keine Scharte daran sei, und schlachte mich, attf den Tod meines Freundes nicht sehe. SsniH fegt spruch über die Schlachtung, und ich ' Schön waren die beiden JmtMige '

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