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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-09-02 · 118 (2.9.1921) · p. Seite 275

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
118 (2.9.1921)
Date
1921-09-02
Page
Seite 275 (sequence 3)
Language
German
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Während in der philosophischen und medizinischen Fakul-! tat seit Jahren viele Damen promoviert worden sind, ist es bisher noch keinem der allerdings weniger zahlreichen juriftffchen Studenten weiblichen Geschlechts an der Berliner Universität gelungen, die Doktorwürde zu erhalten. Fraukfmt a. M. Der Agudas Iisroel wurde ein Lehrgut in der Nähe von München in der Größe von ca. 600 Morgen zur Verfügung gestellt zwecks Ausbildung junger Mischer Landwirte. Berlin. Von den Gemeinderabbinern wurden in das Judentum ausgenommen April 1921: 22 Frauen, IMann; Mai 1921: 6 Frauen, 3 Männer; Juni 1921: 17 Frauen, 3 Männer. Budapest, 23. Aug. (Ung. Tel.-Korr.-Dur.- In der heutigen Nationalversammlung fragt Abg. Budavary die Negierung, ob sie geneigt sei, raschest eine Verordnung zu erlaffen, wonach den ausländischen Juden in keiner einzigen Gemeinde das Niederlaffungsrecht gewährt werden dürfe, ferner, ob die Negierung jene Juden, getaufte Juden und Freimaurer, die in Etaatsämtern, Schulen und bei Gerichten angepellt seien, ihrer Stellen entheben und durch christlich-national gesinnte Personen ersetzen wolle. Ministerpräsident Graf Bethlen erwidert, daß jene Verordnungen, die sich auf die Einwanderung der galizischen Juden beziehen, noch in Geltung seien, und daß er nicht geneigt sei, eine weitergehende Verordnung zu erlaffen. Die ganze Frage könne nur im Nahmen des Einwanderungsgesetzes geregelt werden. Von einer neuerlichen lleberprüfung der öffentlichen Angestellten könne keine Nedesein. Die Kommunisten seien teilweise entlaffen, teilweffe vor die zuständigen Gerichte gestellt worden; an eine neuerliche Nevision der Gesinnung denke die Negierung nicht. Die Antwort der Negierung wird zur Kenntnis genommen. Budapest. Das' neue Schuljahr steht wieder vor der Tür und der Numerus clausus mit allen seinen Begleiterscheinungen macht sich sowohl aus Mffcher als auch auf christlich-nationaler Seite in verschiedener Form Mlbar. Jeder Jude, der im adgelaufenen Semester nicht bereits Hörer der Universität oder einer der Hochschulen war, wird, wenn er sich zur Inskription meldet, alle Torturen des Rechtfertigungsverfahrens durchzumachen haben, wenn es ihm nicht gelingt, in der heute in Horchy-llngarn üblichen Form und mit nicht geringen Mtteln sich die Protektion eines einflußreichen „Erwachenden Magyaren" zu sichern. Die „Erwachenden" haben sich bereits auf das Geschäft eingerichtet, und während die großen Führer bei reichen Juden, Geschäftsleuten und Gewerbetreibenden die Stellen von erträgnisreichen, erprefferischen Protektoren bekleiden, gibt es heute auch unter den „erwachenden" Studenten schon eine hübsche Zahl von R echtfertigungseideshelfern, die für mehr Geld als gute Worte den reichen jüdischen Studenten zur Aufnahme in die alleinseligmachende Budapester Alma mater verhelfen. Die Nachfrage nach solchen veikäßlichen RechtferÜMNgszeugen ist natürlich sehr groß, denn nach den Bestimmungen des Numerus clausus können im kommenden Schmljahr in das erste Semester der medizinischen Fakultät im ganzen 26 jüdische Studenten wob vier jüdische Studentinnen Aufnahme finden. Bed«ckt mau, daß vor dem Zusammenbruch im alte» Ungarn die Zahl der Mediziner im ersten Semester an der Budapest» Universität 1400 betrug, von denen 800 jüdffche und 600 christliche Sttrdenten waren, so verficht man die ganze Bedeutung der Tatsache, daß nunmchr auf Grund eines Gesetzes rächt mchr als 30 jüdische Studiereiche in die medizürffche Fakultät ausgenommen werden dürfen. Bude^est. Wie man in de» stStffche» Verwaltungen und Beirichen die Juden systematisch boykottiert, zeigt das Eingeständnis des Vizebürgermeistervon Budapest.' Auf eine Interpellation über Anstellung von Juden in der städtischen elektrischen Station erklärte der Vizebürgermeister im Stadtrate, daß bei llebernahme der Station durch die Stadt das Personal aus 70 bis 80 Prozent Ächea bestand, es sei aber der Stadtverwaltung in kürzester Zeit gelungen, diesen Prozentsatz auf 12 herabzusetzen. Er erklärt, auch in Zukunst aus Ausschaltung der Juden aus dem städtischen Dienste hinzuwirken, womit sich die christlichsoziale Partei vollkommen zufrieden gab. Pole». Warschau. Die in einem Tell der polnischen Pr^e zu Hetzzwecken gebrachten Alarmmeldungen, daß infolge ungenügender Grenzsperre Polen von Emigranten aus Nußland überflutet und von einer „jüdisch-bolschewikffchen Invasion" bedroht werde, wurden durch Erklärungen des Innenministers Rodzkiewicz widerlegt. Diese erfolgten auf einer Pressekonferenz, zu der wieder die Vertreter der jüdffchen Preffe nicht geladen waren. Der Minister sagte u. a.: Es sind offiziell etwa 20 000 Emigranten au» Rrchland registriert worden, davon etwa 7000 Polen uÄd 13000 „Fremde". Die Zahl der Emigranten aber war viel größer, da die jüdisch-amerikanische Hllssgesellschast „Hias" allein bis Mai 1921 17 430 Ghiffskattmr fm erwachsene Auswaderer und 1999 für Kinder ausgegeben hat. Emigranten, welche nach dem 1. Juli illegal die Grenze passierten, wurden sofort aus Polen ausgewiesen, mit Ausnahme antibolschewistischer Politiker, die von der Sowjetregierung verfolgt werden und Asylrecht genießen. Was die jüdffchen Emigranten hetrifst, so hat die polnische Negierung, wie der Minister weiter ausführte, einige Komitees legalisiert, welche sich mit dem Schütz jüdischer Emigranten befaffen. Diese Komitees befördern die Emigranten ohne Schwierigkeiten nach Kanada und Argentinien, nur die Weiterbeförderung nach den Bereinigten Staaten geht langsam vor sich, da das Kvnsulat Schwierigkeiten macht. Das Innenministerium hat an der Dstgrenze 14 Kontrollpunkte errichtet, um Schmuggel und Konterbande zu verhindern. Ferner wird ein Grenzrayon von 400 Kilometer Länge geschaffen, der ohne Erlaubnis nicht überschritten werden darf. Lodz. Eine neue Bekanntmachung des Lodzer Schulrates droht Gefängnisstrafen für Eltertt an, die ihre Kinder im Alter von 7 bis 14 Jahren nicht bis zu einem bestimmten Datum (15. August) für die Schule anmelden. Tausende von jüdischen Familien, die bisher chre Kinder tagsüber ins Cheder geschickt hatten, wo sie übrigens im Nebenfach auch profane Disziplinen lernen, fühlen sich durch diese Verordnung aufs höchste beunruhigt. Es überrascht, daß, obwohl vor kurzem der Beschluß gefgA worden ist, bis zur endgültigen Regelung der Angel^enheit die Chedarim in chrer Lehrtätigkeit nicht zu stören, der% Schulrat jetzt schon mit solchen Verordnungen und Strafandrohungen gegen das Cheder vorgeht. Umsomehr ist zu hoffen, daß man bei den höheren Instanzen Gehör zu' Gunsten der allen Mischen Schule finden wird. Auf Anregung der Schlomch Emuued Israel fft in Lodz die Schulfrage derart gelöst, daß. orchoooxe Eltern, die chre Kinder nicht in die Volksschule schickeu ttoßtn, die Kinder eintragen lassen müffen. €*t dürfen dünn statt der Volksschule gewiffe religiöse Schulen besuchen, die kdh im Lehrprogramm gewiffen Forderungen beugen und den hygieuffchen Ansprüchen genügen müssen. &*§. Der Lodzer Regierungskommffsar hat der jüdffchea Gemeinde ein Schrechen des Kultusministeriums übersandt, in dem da; Ministerium darauf hinwW» daß bei den jetzigen niedrigen Gehälkrn die GeWchÄ^^ zu gedrängt würden, durch Handel und stnpige

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