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Jüdischer Bote vom Rhein · 1921-08-12 · 115 (12.8.1921) · p. Seite 252

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Journal
Jüdischer Bote vom Rhein
Volume
3 (1921)
Issue
115 (12.8.1921)
Date
1921-08-12
Page
Seite 252 (sequence 4)
Language
German
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S«r 9.»"). Der einzige Monat des jüdischen 5kaleuders, der mit einem Beinamen geziert ist, ist der Monat Ab. Ran schrecht bei der Datierung nicht einfach „Ad", sondern immer Renachem Ab, d. h. der trostreiche Ab. Denn wen» er auch seiner ganzen Geschichte noch nicht gerade geeignet ist, Trost zu spenden, so erwartet doch das jüdische Volk grade von chm, daß in Zukunft einmal im Monate Ab für das viele Lech, das grade in chm Israel getroffen hat, die ausgleichende Gerechtigkeit Trost und Ersatz spenden sollen. Deshalb: Menachem Ab. Eia Tag ist es, der dem ganzen Monate einen düsteren Charakter verlecht. Es fft das der neunte Tag. An chm ist ebensowohl der erste, der Salomonische, wie der zweite Tempel zu Jerusalem zerstört worden. Der Tempel war das Eyuchol der Selbständigkeit des jüdischen Volkes. Hier schlug das Herz des Stammes. Und als er zerstört wurde, bedeutete das den Weg ins Elend, in die Abhängigkeit, den Weg in das Meer von Blut und Tränen, durch das Israel seitdem waten mutz. Und am neunten im Monate Ab siel auch Betar, die letzte Festung des jüdischen Voltes im Kampfe des Bar Kochba. Ungefähr siebzig Jahre nach der Zerstörung des zweiten jüdischen Staates durch Titus erhob der tapfere Held die Waffen der Freiheit gegen die Bedrücker. Aber das römische Reich, das damals auf der Höbe feiner weltumfaffenden Macht stand, hat in einem langwierigen un§ schweren Kriege endlich das heldenhaft kmupfende jüdische Volt niedergeschlagen und von neuem seine Söhne in die Effaverei geschleppt. Betar fiel an demselben Tage wie vorher Jerusalem. Auch in späterer Zeit hat grade der Neunte im Monat Ab dem jüdischen Volt besonders grvtzes Unglück gebracht. Im Jahre 5066 (1306) wurden die Juden Frankreichs aus chrem Lande vertrieben, in dem sie nicht blotz durch chre Zahl, sondern ganz besonders durch chre grotze jüdische Gelehrsamkeit und chr lebendiges Judentum glänzten. Man braucht nur an die Person des einen Rasch! zu denken, und man begreift sofort, wie hochstehend das französische Judentum war, das am neunten Ab 5066 sein Ende fand. Fast noch folgenreicher war der Untergang der an Geist und Volkszahl, an Vermögen und KÄtur reichen spanischen Iudenheit, die nahezu zwei Jahrhunderte später in ein unbeschreibliches Elend wandern mutzte. Der neunte Ab des Icchres 5252 (1492) sah die Juden Spaniens blühende Auren verlasten, beladen mit den Grabsteinen chrer Väter, dem einzigen Reichtum, den sie mft hinwegtragen durften. Zwar hlieben viele Zehntausende, vielleicht Hunderttauscnde, zurück, die sich durch die Zwangslaufe retteten. Aber auch ihnen wurde kein freundlicheres Los zuteil. Ein Hlaubensgericht wachte darüber, datz sie dem Christentum auch treu blieben, und ruhte nicht, als bis der Rest des Judentums auf Spaniens Fluren vernichtet war. Bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein loderten die Scheiterhaufen, auf denen die Inquisition rückfällige Abkömmlinge von Jude« mit dem kathelstchen Glauben durch den Feuertod aussohnte. Und noch hundertfaches anderes Unglück hat die Juden in allen Ländern ihrer Verbannung in diesem Monate betroffen. Nicht ohne Grund ist daher der neuvete Ab mit tiefer Trauer für uns umgeben. Bereits in den drei Wochen, die zwffchen Schchha-Aßar-be-Tammus und Tffchah-b'Ab liegen, und die den HDräffchen Namen Be» Hamezarin (in der Einengung) sichren, findet keinerlei Vergnügen statt. Hoch-eityi werden in dieser Trcmerzeit nicht abgehatten. Jedes Gepränge wird in den drei Wochen veruröden. In de» Synagoge« werden Trauermelodieu angestimmt. Man tffct sich das Haar nicht schere« und genießt keine neue Fmcht, über die man das Schehechejanugebet sprechen ■gfctr Ein Zug von Trauer um Zion ist Der die ganze Zekt gebreitet. Mer erst am Tffchah-b'Ab erreicht sie chren Höhepunkt. Nachdem bereits in de» letzten neu» Tagen kein Fkffch und kein Wein genostea werden durfte, ist Tffchah-b'Ab selbst ein strenger Fasttag. Kein Schmuck und keine gute Klechung darf angelegt werde«. Mit ungeschorenem Haupt- und Barchaare erscheinen wir als Trauernde um Zion und Ieruschalajim. In der Synagoge ist alles entfernt, was sie schnacke« Knute. Ohne Schuhe sitzt man auf de« Boden des Gotteshauses, um die ewigen tNage- und Trauerlieddr anzustimmen. Und erst wenn der Abend kommt, erheben sich die um das verlorene Land der Väter Trauernden, um die Tefillin anzulegen. Eine tiefe Düsterheit ruht Der dem Tage, au dem zweimal der Tempel in Jerusalem zerstört und dreimal die jüdffcheSelbständigteit vernichtet worben ist. Aber am Sabbat nach Tffchah-b'Ab wird der Prophetenabschnitt in der SyvaMge verlesen, der mit dem berühmten Worte Ieschajahus beginnt: ^röstet, tröstet mein Volk!" Und am 15. im Monate Ab ist ein Freudentag, der als Voltsfeierlag seinen fröhlicheren Charakter behalten hat. Die uralte und lange Geschichte Israels hat auch chn ausgezeichnet. An chm hat das Sterben in der Wüste ausgehört. An chm hat sich Israel mit dem Stamme Benjamin nach morde rffchem Bruderkriege in der Richterzeit ausgesöhnt. Hauptsächlich ist er deshalb im Gedächtnis, weil an ihm die übriggebliebenen Juden nach dem Falle von Betar die Möglichkeit hatten, chren gefallenen Helden, die nach vielen Zehntaufeüden zählten, ein ehrenvolles Grab zu bereiten. Aber auch der Tffchah-b'Ab selbst soll nicht immer seinen düsteren Charakter beibehalten. Der Maschiach, der Erretter Israels aus dem Elend der Verbannung soll an chm geboren werden. Und er soll ko der Tag der WiederherstÄung werden, wie er der Tag der Zerstörung war. Dann wird es keinen schöneren Feiertag als den Tffchahb'Ab geben. Astch heute ist er schon mit einem guten Anfänge in das Gede»kbuch Israels eingetragen worden. Am TffchahöM des Jahres 5642 (1882) ist der Grwchstein zur ersten jüdffchen Kolonie im Heiligen Lande zu Rffchonl'Zion gelegt worden. Und wenn der Weltkrieg, der so namenloses Unglück Der uns alle gebracht hat, am Tffchahb'Ab begonnen hat, fo hat er uns doch auch die Hoffnung wesenhaft gestattet, daß ein neues hebräisches Kulturleben an der Stätte entsteht, wo unser Voll voreinst eine Bibel geschaffen und gelebt hat. Darum führt der Monat trotz aller düsteren Trauer mit Recht den Vornamen Menachem, d. h. zugleich Trofibedürstig mrd Trostreich. iiimiiimTrmimimmniUTiTTm ftftfacr Nachrichten j?■ ii ■ i l n m ■ ■ m ■ ■ ■■ ■ ■ ■■ ■ n ■ 1111 m um Köln. Durch die anhaltende Trockeaheü ist es nicht möglich auf dem Friedhof in Deutz die Pfanzungen der Gräber in Stand zu hatten, wie dies bei normalen Witterungsverhältniffen der Fall ist. Dir bitten die Gemeindemttglieder darcmf Rücksicht zu nehmen. Der Vorstand der Synagogen-Gemeinde. Kot». Auch au dieser Stelle möge der Frau Theodore Breitenbach (Köln) gedacht werden, die vor kurzem chren 75. Geburtstag feierte. Ihr Name fft in weiten Kreffen bekannt, da sie feit einer Reihe von Jahren sich große Verdienste erworben hat durch chre unermDüche Tätigkeit auf dem Gebiete der interkoufeffioneüen Woh(? fahrtspflege als auch innerhall» der Israelitischen Gemeftche und nicht zuletzt als Vorfreude des Krafchen-Wohllätig teitsvereins. All die Bedrängten, deren Lechen und Röte sie jemals ganz in der Stüle gemildert, sind von innigem Danke für diese Frau erWtt roch wünschen, daß es chr noch lange Jahre vergönnt sei» möge zu leben und pt wirken *) «b bau J&>. SctocxUo. 1S0O. ^ms 25 *L

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