Jüdischer Bote vom Rhein
- Journal
- Jüdischer Bote vom Rhein
- Volume
- 3 (1921)
- Issue
- 115 (12.8.1921)
- Date
- 1921-08-12
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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- '' Erschei»t jede» Kreit«,. 8t*»*» preis 3.— M. «««»U. Z» beziehe» d»rch sL»1Nche KP»-t»trr »der d»rch de»^V»tey»erl«, i» v«»». vo^i irnki^ Mäisokos Voiksdlstt >»ieitz»»tzrei»: L.— ,eftz. Pettt^Ue. Die ftt§t Sette »»fetzt SSO Zette». Pofifchecklmt» 0 , te»»erle, »e»^ ««» »e.74747. Herausgegeben von Rabbiner vr. Smil <l«hv, Lonn. Lüro: Srübergaffe 52. / Geschäftsst»Ne Nöln: Maurtttusvall 52. Lei. 8 9968. fbnmn 115 Köln. IS. August 1921. — 8 Av 6681 3. z-tzrpa^ Kölner Hilfswerk für die Ukraine 6. Ausweis. 3790 M.: Sammlung Siegburg durch Herrn Lehrer Selig. 2500 M.: Firma M. Listauer u. Co., Köln. 2000 M.: Gesammelt durch Herrn B. Lewerstoff, Köln, in Bad Ems. 1000 M.: Frau Winter, Bonn, Herm. van Cleef, Schuhhaus Möbius, L. Aschkenafy, Köln.' 500 M.: Hugo und Ernst Waller, Albert Schwarz, Sonnenberger u. Süß, Köln. 300 M.: W. Chan, Gebr. Bluhm, Köln. 200 M.:' Rosenstamm, Hellmann, H. Spiegel, Wwe. Pelzer, Marlin Scheper, Carl Liffmann, M. Herzbach und. Frank, Köln. 150 M.: B. Cohn, Köln. 100 M.: Frl. Levysohn, Rheydt, Italiener, Adolf Wolf, S. Speier, R. R., A. Löwenthal, Frau Jak. Horn Wwe., Geheimrat Dr. Apfel, Heinrich Lamerstädter, R. R., M. u. Co., Lazurus Wolf, L. Plaat, Sally Isaak, Köln. Herm. Margulius, Düffeldorf. 50 M.: Fuchs, Frau M. Kaufmann, R. R., Köln. R. R., Bonn. 25 M.: R. R., Köln. 20 M.: Mond, Kramer u. Glaß, S. Rosenbaum, R. R., Schiff. ' Weitere Spenden bitten wir herzlich zu senden an Postscheckkonto Köln 60 570, Dr. Carlebach. Die religiöse Krifis oooooVooVoVoVoVoVoVooVoVooWooooVoVooVoo »AOAOAOAOAOAOAOAOAOAOAOAOAOACAOAOAOAOAQA (Fortsetzung.) In dieser Zeit stehen nur wir Juden, und da tritt uns dieselbe Frage entgegen: Wie steht der Jude in der Zeit und was ist dem Juden die Zeit? Da kommt dann die zweite Erkenntnis, eine Erkenntnis, die fiir jeden Juden die allerbitterste ist, weil sie eben an das schmerzliche und tragische unseres Judeseins rührt. Der Jude, gänzlich unabhängig davon, ob es eine Zeit des Aufstiegs oder eine Zeit des Niedergangs ist, ist immer ein Kind der Krise. Judentum ist nichts anderes als eine Krisis in Permanenz. Die ganze jüdische Geschichte beweist dies. Die Erscheinung des alten israelitischen Prophetentums, die mitten in der gewalttgen Weltkttsis Vorderasiens im 7. und 6. Jahrhundert standen, die Krisis des Jahres 586, die Krifis des Jahres 70, die Zerstörung des Tempels, das Hinausgeschleudertwerden in die Welt, es ist immer ein und dasselbe Bild: Wir haben imiwn: in einer Umwelt gestanden und uns an dieser Umwelt reiben müffen. Infolge dieser Reibung ist der seelische Zustand des Juden immer ein Zustand ttefster Spannung und ^idenschastlichkeit gewesen, und das eben ist ein Kennzeichen der Kttfis. Noch niemlas aber — und' das muß jdber Jude heute wissen — hat das Judentum eine Krifis erlebt, wie die Krisis des 19; Jahrhunderts, wo es aus dem Ghetto heraus in die allgemeine Wirtschaft und in das allgemeine Geftüschattsleben kam, wo diesä Reiben an der Umwelt, das im Ghetto verhältnismäßig gering war, sozusagen in Penmmenz.erklärt worden ist. Die Stttlung des Juden war gegeben durch die Notwendikeit der Abwehr. Ich brauche nur daran zu erinnern, daß das ganze 19. Jahrhundert hindurch die jüdische Seele sich leidenschaftlich, ehrlich und innerlich abgerungen hat an dem Problem der Gleichberechtigung. Ist es aber nicht schrecklich, daß wir uns an diesem einfachen, ungeisttgen, armseligen Problem die Seele zermürben, mit ihm die Seele erfüllen mußten? Das ist die ttefste Tragik unserer jüdischen Krisenhaftigkeit und das ist der Zustand, aus dem Ihre Führer sie herausholen wollen. Ich aber spreche zu Ihnen nicht als Führer, sondern, wie ich schon sagte, als ein Mensch, der sich aussprechen will und doppelt aussprechen muß, iveil er zur jüdischen Jugend spricht. Und da sind wir beim dritten Punkte: Denn ist diese Zttt eine Zeit der Krise, und ist der Jude ein Mensch der Kttse, so ist der junge Jude dreifach ein Mensch der Kttse. Amg sein heißt in einem Alter der Gärung leben, in sich selbst ttne große leidenschaftliche Krisenzeit empfinden. Die Klgend ist es, die das Dröhnen der Zeit am meisten in ßch widerhallen läßt, sie ist ein ewig unruhiges Element, hinausschweifend bis an die Sterne mit ihren Wünschen und ihren Hoffnungen. Jugend ist eigentlich das lebendige Alter d« Krisis. Daran läßt sich nicht drehen und deuteln, und wenn ich zur Jugend rede mit meinen vierzig Jahren, so schwebe ich nicht wie mein Herr Vorredner in den Wollen — er steht mit seinen zlvanzig Jahren in der Jugend und muß wie die Jugend reden —, sondern ich tue es, weil ich helfen will und weil ich leidenschaftliche Verantwortungen fühle, weil ich empfinde, daß geholfen werden muß. Meine lieben Freunde, nun kommt der Schluß meiner Gedankenrtthe: Es muß nun zu allerletzt erkannt werden, daß diese Kttse, in der wir leben, diese Zeitkttse und diese Judarkttft, im letzten Sinne eine religiöse Krise ist. Das leidenschaftliche Suchen und Stammeln des Expreffioniften, das ekstatische Wollen des Kommunisten, das als unwissenschafttich verschrieene Dunkel einsamer Gelehrter, es ist im Grunde nichts anderes als ein Suchen nach Gott, nichts anderes als ttne rttigiöft Krise. All das ist eine Bewegung der Zttt, mit der audnen Seite der Welt fertig zu werden. Aber nun kommt das traurige Bekenntnis, das Bekenntnis, das viellttcht manchem von Ihnen schwer auf die Seele fallen wird. Wie all diese Bewegungen und Strömungen unerschöpflich find und bedeutsam bewertet^werden müssen als Kritik, so bodenlos, fo unmöglich, so grundentbehrend find fie, wenn es sich handelt um die Setzung neuer Ziele. Und' darum harckelt cf sich allein. Denn mir jedenfalls geht es nicht etwa darum, nur einen Widerklang der Zttt ertönen zu lasten, Urr Sette spielen zu lasten und sie viellttcht mit leidensch^mchem mit der Sprache von Herz zu Herzen zu bermchchen. Bielrnehr handelt es sich darum, daß eben hier neue Ziele «setzt werden, wenn neue Ziele zu setzen fintz. Meine ftäm Freunde, das ist die schwerste aller Fmgen. Wirschen Alter und Jugend nebeneinanderstehen, zum Teil gegeneinander, und wir sehen die Jugend ihren kämpfen und das Alter dabei stehen rvrd uMtz h können. Aber, mttne lieben Freunde, wir Wimu w spreche jetzt einmal als Junger, ich versetze m m« Ihre zwanzig Jahre hinein, wir dürft« amh über bjfjffttt